Familienleben
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Wie hast Du das nur geschafft? (Promovieren mit Kindern)

„Wie hast Du das nur geschafft?“, fragte mich eine langjährige Freundin am Telefon als ich ihr von der kürzlich bestandenen Promotionsprüfung berichtete. Ich kann das gar nicht richtig beantworten, denn es hat immerhin beinahe 4 Jahre gedauert und irgendwann war die Zeit herum und die Promotion fertig.

Na gut, ganz so simpel war es auch nicht. Ich hatte einige sehr gute Voraussetzungen dafür. Und weil ich soeben gerade schon über Lebensziele schrieb und vielleicht auch andere solche Pläne mit sich herumtragen, will ich dazu mal ausführlicher werden:

  1. Ich hatte und habe einen Mann, der das Projekt Promotion toll fand und es tatkräftig unterstützt hat (er wird wohl außer den beiden Gutachtern der einzige Mensch bleiben, der meine Arbeit vollständig gelesen hat und das auch noch mehrfach).
  2. Ich hatte einen sehr netten und verständnisvollen Doktorvater, der mit mir ein Thema gewählt hat, dass nicht zeitkritisch war.
  3. Ich hatte einen Arbeitsplatz, dessen Aufgabenbereich zum Promotionsthema passte und meine geistigen Ressourcen nicht vollständig aufgefressen hat.
  4. Ich hatte Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten, keinen inneren Zeitdruck und daher an der Promotion gearbeitet, wie andere ihr Hobby betreiben.
  5. Der Rest war Organisation und auch etwas Disziplin.

Ich hatte das Vorhaben schon seit dem Studium im Kopf und hatte mir vorgenommen, spätestens nach dem 2. Staatsexamen zu promovieren, wenn sich keine Möglichkeit für den sofortigen Berufseinstieg böte. Zum Glück (oder für das Vorhaben wohl eher leider) bot man mir noch im Referendariat eine feste Stelle an. Da konnte ich nicht nein sagen und fand den Doktortitel eine Zeit lang unwichtig. Nach dem ersten Kind und dem ersten Stellenwechsel kam die Idee wieder auf.

Meine Mama fand die Idee blöd – das Projekt zu groß, zu viel Stress und dann auch noch mit Kind! Meine Schwiegermutter hatte Sorge um ihren dann vernachlässigten Sohn. Mein Mann war sofort einverstanden.

Ich fand den passenden Doktorvater und begann also nebenberuflich mit der Promotionsarbeit. Dafür hatte ich die Arbeitszeit reduziert und einen freien Tag in der Woche mit meinem Arbeitgeber vereinbart. Einmal im Monat habe ich zusätzlich einen Samstag eingeplant. Entweder war die Maus ohnehin in der Kita oder mein Mann und meine Mama übernahmen die Betreuung. Manche dieser Promotionstage fielen wegen Krankheit des Kindes aus, manchmal hatte ich keine Energie und manchmal wollte ich einfach etwas anderes tun. Diese erlaubten Fluchten waren für die Motivation enorm wichtig, denn sonst hätte ich mir selbst zu viel Druck gemacht und das hätte mich eher gelähmt. Einige Urlaubstage und -wochen und viele, viele Abende habe ich ebenfalls dafür verwendet und auch die zweite Hälfte meiner Elternzeit mit dem Mäuserich (er war dann stundenweise mit der Maus zusammen schon in der Kita) zum Arbeiten genutzt.

Die Doktorandenseminare bei meinem Doktorvater, die jeweils über ein ganzes Wochenende gingen, waren zudem interessant und motivierend. Ich bin mit Mann , Maus und Mäuserich angereist und habe den Austausch mit meinem Professor und den anderen Doktoranden sehr genossen. Mein Mann hat in der Zeit die Kinder betreut und fand das alles einfach abenteuerlich. Zwischenzeitlich habe ich den Mäuserich noch gestillt und war in dem Punkt nicht gerade entspannt. Aber das Fläschchen vom Papa klappte entgegen aller Befürchtungen ganz prima und zwischendurch kam meine Mann mit den Kindern einfach dazu. Meinen Doktorvater hat es gefreut.

Jetzt ist die Promotion geschafft. Meine Mama ist stolz auf mich und mein Mann sowieso. Ich bin auch stolz auf mich, aber ich vermisse die Energie, die mir das Vorhaben gegeben hat. Ich fand es schön, solch ein eigenes Projekt zu haben. Das hatte etwas von „noch-nicht-so-fertig-sein“ in seinem Leben, lernen dürfen und weiter gehen. Das war frischer Wind…

Vielleicht ist das auch die wichtigste Grundvoraussetzung, wenn man ein größeres Projekt neben Beruf und Familie starten möchte. Man muss Freude daran haben und diese Zeit um ihrer selbst Willen genießen können.

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