Beruf Das Vereinbaren vereinfachen

WENIGER VEREINBAREN heißt MEHR LEBEN

Sommer / Barfuß

Seit einigen Wochen begrüßt mich die Minimaus an der Wohnungstür begeistert mit den Worten: „Mei Mama! Mei Mama!“ und dann ruft sie laut: „Papa, Mama da. Gaga, Mama da. Alee, Mama da.“. Ich liebe es, wenn sie so um die Ecke geschossen kommt, sobald sie mein Geraschel im Flur hört. Und wie sie dann allen verkündet, dass jetzt die Mama zu Hause ist. Und die Mama, das bin ICH! Hachz.

Eine kleine Ausnahme bilden nur die beiden Tage, an denen ich im Homeoffice arbeite. An diesen Tagen öffne ich die Tür, wenn die Oma mir meine Kinder aus der KiTa nach Hause bringt. Bei meinem Anblick quiekt die Minimaus vor Freude und erklärt der rucksack-, wechselsachen- und buggyschleppenden Oma: „Moma, Mama da!“. Das klingt für mich nach: „Danke fürs Bringen, liebe Oma, aber jetzt übernimmt die Mama.“ Und dann erwartet sie, dass die Oma mir Rucksack, Wechselsachen und Buggy übergibt und geht. „Tüs.“

Die Minimaus scheint jedenfalls freudig erstaunt, dass ich da im Türrahmen stehe. Jedes Mal.

Immer mal wieder schießt mir dann der altvertraute Gedanke durch den Kopf, dass ich noch viel öfter wenn nicht gar immer so früh zu Hause sein sollte, dass ich überhaupt mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen sollte, dass ich weniger arbeiten sollte und dass ich weniger meinen eigenen Interessen nachgehen dürfte. Wäre die Minimaus an der Wohnungstür dann vielleicht weniger erstaunt? Wäre ich dann womöglich eine bessere Mutter? Und müsste ich nicht alles dafür tun wollen, um genau das zu sein – eine wirklich, wirklich gute Mutter?

Vor ein paar Jahren noch hatte ich die Vorstellung, dass ich auf meinen Schultern alles tragen könnte:  Muttersein, Juristinsein, Ichsein, Freundinsein, Ehefrausein, gut sein, besser sein, ach einfach alles sein. Vor einem Jahr noch glaubte ich, dass ich das jedenfalls wollen müsste. Auch wenn meine Schultern müde waren und schon längst nicht mehr so viel tragen konnten. Heute bin ich so weit zu sagen, ich will nicht mehr alles sein und nicht mehr alles tragen. Und ich muss es auch nicht!

Egal, ob du in einer Familie aufgewachsen bist, in der es wichtig wurde, möglichst frühzeitig vieles alleine (er)tragen zu können, Verantwortung für dich und dein Leben zu übernehmen, dich um andere zu kümmern und selbst gut zu funktionieren. Oder ob du freiwillig mehr als deinen Teil der Verantwortung trägst – sei es zu Hause oder im Beruf – um für andere da zu sein und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Ich kenne dich. Denn ich habe das auch erlebt.

Und gerade jetzt im Januar sind die Stimmen besonders laut, die uns sagen, nimm ab, optimiere dich, manage dich besser, setze dir Ziel, sei motiviert, schaffe mehr, mache alles anders, erfinde dich neu. Es scheint so enorm wichtig: mehr Sport, mehr Anstrengen, mehr Einbringen, mehr Mitbringen, mehr (Ab)arbeiten, mehr Schaffen in weniger Zeit. Mehr Muttersein übrigens auch. Überhaupt von allem mehr.

Wenn du über all dieses MEHR nachdenkst und dich manchmal bei dem Gedanken erwischst: „Warum habe ich ja gesagt?“ oder „Wenn ich Zeit für mich hätte, dann…“ oder „Wenn ich doch bloß nicht immer dieses schlechte Gewissen hätte…“ ist dieser Beitrag für dich.


WENIGER VEREINBAREN heißt MEHR LEBEN.

Neulich sprach ich bei einem Abendessen mit einer Freundin von meiner Philosophie WENIGER VEREINBAREN. MEHR LEBEN und sie stellte mir die Frage, ob ich nicht MEHR VEREINBAREN. MEHR LEBEN  meinte. Ich musste schmunzeln, weil auch ich ein Kind unserer Kultur bin, die uns lehrt, dass unser Wert nach unserer Produktivität bemessen wird. Die Idee, dass wir weniger vereinbaren (also weniger tun sollen) ist uns so fremd, dass wir uns nur schwer vorstellen können, was das heißen soll.

Wenn du ebenfalls bezweifelst, dass es möglich ist, weniger zu vereinbaren und dass sich genau das positiv auf dein Familienleben auswirken kann, solltest du Folgendes wissen:

Hinter der Aussage WENIGER VEREINBAREN. MEHR LEBEN. verbirgt sich der Gedanke, dass du dich für die Dinge, entscheidest, die dir wichtig sind.

Mit weniger vereinbaren, meine ich nicht, dass du nichts tust. Du tust allerdings weniger – aber mehr von dem, was für dich zählt.

Das beginnt damit, dass du deine To Do – Liste zusammenstreichst. Eine kürzere Liste und du wirst sofort tiefer atmen können, weil du dich nicht 24/7 darauf konzentrierst, diese elend, lange Liste abzuarbeiten.

(Neulich las ich von dem Ansatz, gar keine To Do – Listen mehr zu führen und darauf zu vertrauen, dass einem die wirklich relevanten Dinge rechtzeitig wieder einfallen würden. Oder man werde ohnehin daran erinnert und was man letztlich doch vergisst, sei wohl nicht so wichtig gewesen. Spannend!

Ich selbst bin eine passionierte Listenschreiberin. Ich führe ausschweifende Listen zu Lieblingszitaten, Wissenswertem aus Büchern, Wünschen und Ideen, also Listen zu Gedachtem und Gefühltem. Hingegen schreibe ich nur sporadisch und sehr kurze Listen, wenn es darum geht, wem ich wann noch antworten will, welche Überweisung ansteht oder was ich einkaufen sollte. Diese Liste arbeite ich noch nicht einmal zielgerichtet ab. Meistens entscheide ich spontan, was ich erledigen will, was noch warten kann oder was ich delegiere. Oder ich verlege diese blöde Liste und schreibe eine neue.

Meine Liste regelmäßig zu vergessen, entspannt mich jedenfalls ungemein.)

Wenn du weniger tust, bist du präsenter und du beginnst mehr von dem zu sehen, was in deinem Leben schon gut und stimmig ist.

Mit weniger vereinbaren meine ich auch mehr Raum, um bewusste Entscheidungen zu treffen anstatt auf Situationen zu reagieren und Dinge zu sagen oder zu tun, die du nicht sagen oder tun willst. Das verbessert die Beziehungen zu den Menschen in deinem Umfeld und du bist auch zufriedener mit dir selbst.

Das bedeutet aber auch, dass du dich gegen etwas entscheidest, dass du nein sagst und dass du deinen Kalender zu deinem Freund machst. Vergib Termine zum Nachdenken, Pläne schmieden und bei dir selbst sein.

Ich meine damit ebenso, dass du deine innere Stimme lauter werden lässt, dass du auf deine Bedürfnisse achtest, dass du dich auf das konzentrierst, was dir gut tut und dass du deine Entscheidungen weniger aus der Angst und aus der Überforderung heraus triffst sondern dass du deinem eigenen Plan folgst.

Wenn du weniger vereinbarst, dann gehst du mehr den Dingen nach, die du bewusst für dich gewählt hast. Damit erledigst du deine Vorhaben letztlich auch schneller und mit mehr Kraft und Kreativität.



Das WENIGER VEREINBAREN bedeutet kurz gesagt: Weniger müssen, mehr dürfen. Atmen können, genießen können. Zeit nehmen statt Zeit managen.

WENIGER VEREINBAREN lässt mehr Raum zum SEIN.

 

Wenn du dich dafür entscheidest, weniger zu vereinbaren, entscheidest du dich dafür, die Dinge, die du tust, besser zu machen.

 

Seitdem ich meiner WENIGER VEREINBAREN – Philosophie folge, habe ich wieder mehr Kraft, ich schlafe auch wieder besser, bin geduldiger und fühle mich viel mehr mit meinem Mann und meinen Kindern verbunden. Alles, was mir vor einem Jahr noch als Problem erschien, ist verschwunden. Ich folge inzwischen mehr meinen eigenen Herzenswünschen, die ich entweder jahrelang ignoriert oder gar nicht erst gekannt habe. Ich bin in vielem gelassener geworden und vertraue meiner inneren Stimme mehr als je zuvor.

Quantifizierbare Ergebnisse kann ich nicht benennen. Mein Einkommen hat sich nicht verdoppelt und auch mein Blog wirft keine Gewinne ab. Aber das war auch nie mein Ziel. Viel wichtiger finde ich, dass das vor Weihnachten angekündigte Manifest fertig geschrieben ist (und es hat mir Spaß gemacht). Ich feile noch ein wenig am Layout, denn ich wünsche mir sehr, dass es dir gefällt.

Natürlich schaffe ich das mit dem WENIGER VEREINBAREN nicht immer und ich ertappe mich ab und zu noch bei dem Gedanken, in manchem anders, besser oder eben mehr sein zu müssen. Ich neige auch immer noch dazu, alles möglichst schnell erledigen zu wollen oder daran zu zweifeln, dass ich meinen Kindern eine gute Mutter bin.

Aber ich mache Fortschritte.

Denn zum allerersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, ich darf aufhören mich anzustrengen, ich darf die Frau sein, die ich bin, und ich darf das loslassen, was ich nicht mehr auf meinen Schultern tragen will. Ich spüre mehr von dem, was in unserem Leben ist. Und all das, was wir haben. Vor allem unser Wir sein, das mich sehr dankbar macht.

Vereinbarkeit ist eben doch ein Gefühl.

 


Wie geht es dir bei dem Gedanken, weniger zu vereinbaren? Setzt du das schon längst um und wie machst du das? Wenn nicht, was ist deine größte Befürchtung dabei, es einmal auszuprobieren? Erzähl es mir in den Kommentaren oder schreibe mir eine Email. Ich freue mich!

P.S. Ich denke darüber nach, ein WENIGER VEREINBAREN. MEHR LEBEN – Experiment zu starten. Bist du daran interessiert, die vielen Vorteile zu erleben, die es hat, wenn du in deinem Familienleben weniger vereinbarst?

14 Tage lang würde ich dir (kostenlos) Anregungen und Übungen zusenden, die dir in alltagstauglichen, kleinen Schritten dabei helfen, weniger zu vereinbaren und mehr zu leben. So kannst du selbst erfahren wie sich dein Alltag anfühlt, wenn du meiner Philosophie folgst. Ich kann nicht versprechen, dass es dein Leben von Grund auf umkrempelt, aber es ist verdammt wahrscheinlich, dass Du wieder mehr Frei (t) räume gewinnst.

Wie wäre es? Du und ich?

Gib mir gerne eine Rückmeldung in den Kommentaren, per Email oder melde dich im nachstehenden Formular einfach dafür an. Ich gebe dir dann über meinen Newsletter eine Rückmeldung sobald ich genügend Interessenten und einen Starttermin habe.

P.P.S. Dieser Beitrag ist aus der Reihe „Das Vereinbaren vereinfachen“. Die dazugehörigen Beiträge (der jeweils aktuellste erscheint oben) sind:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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