Familienleben
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Weil der November so gefühlig macht…

Meermaid Copenhagen

Ich kann nichts dafür.

Wenn es draußen die meiste Zeit dunkel ist, sich die ersten Schneeflocken mit dem einst so farbenfrohen und inzwischen braun-matschigen Herbstlaub vermischen und es für mich viel zu kalt da draußen wird, dann zieht bei uns mein Seelenkater ein. Der sitzt dann in unserer Küche und lässt sich von schlechten Nachrichten schnell beunruhigen, zweifelt an der Sinnhaftigkeit des Daseins und kocht literweise Tee. Manchmal zerrt er auch die alte Wärmflasche aus dem Küchenschrank und scheucht die Kinder eine Stunde früher als sonst ins Bett (die auch tatsächlich eine Stunde früher als sonst einschlafen, vermutlich weil es draußen schon so dunkel ist). Und dann denkt der Seelenkater darüber nach, was im Leben anders laufen müsste, damit er hier wieder verschwinden kann. Aber vorher muss er ein paar Tränen vergießen, weil das Leben so anstrengend ist. Dann fragt der Mäusepapa: „Warum weint der denn?“ und ich sage: „Weil, weil, na weil eben alles so bäh ist.“. „Alles?“, fragt der Mäusepapa nach und ich antworte „Na gut, nicht alles. Die Kinder nicht. Aber alles andere eben.“. „Ich auch?“, fragte er weiter und dann muss ich ihm ehrlich sagen: „Ja, manchmal Du auch.“

Das erstaunt den Mäusepapa, weil er doch so pflegeleicht sei und weil doch alles so gut laufe zwischen uns und weil doch das Familienleben nun mal so sei wie es ist. Und da muss auch der Seelenkater ihm recht geben. Ich wolle das doch gar nicht anders und wenn es anders wäre, wären das wohl auch nicht mehr ich und auch nicht mehr wir. Als Eltern eben und irgendwo trotzdem noch als Paar.

Das sei doch verdammt viel. Auch wenn ich das gerade nicht so deutlich sehen könne.

Ist ja auch arg dunkel da draußen.

Und ich muss zugeben, sie halten sich beide gut mit dieser Dankbarkeit.  Der Mäusepapa und mein Seelenkater.

Das bringt mich trotzdem noch zu dem Punkt, an dem eine Freundin im 8 Schwangerschaftsmonat (mit ihrem ersten Kind) meinte, wir seien dem Mäuserich gegenüber nicht konsequent genug. Das ist auch der Punkt, an dem der Freund meiner Schwester den Mäuserich so gut im Griff hatte, als er neulich half, unsere Kinder zu hüten. Das meinte die Mäuseoma mit dieser Bewunderung in der Stimme. Und das der Mäuserich da auch viel braver gewesen sei als sonst mit seiner Brüllerei. Davon muss ich dem Mäusepapa dann auch gleich noch erzählen, weil der Seelenkater noch immer bei uns am Tisch sitzt und nun Schokolade will. Und der Mäusepapa sagt dazu etwas ganz simples: „Die sind ja auch nicht seine Eltern. Das ist unser Mäuserich. Wir leben mit ihm jeden Tag. Das ist etwas ganz anderes.“. Da hat er schon wieder recht, finde ich, und schon geht es uns besser. Dem Seelenkater und mir.

Die Schokolade essen wir trotzdem noch.

Und dann setzen wir uns auf das Sofa, schauen in die Dunkelheit des Novembers und sehen sogar ein paar Lichter am Himmel. Der Mäusepapa bringt noch eine zweite Kanne voll Tee und setzt sich dazu. Und auf einmal sind wir nur noch zu weit auf dem Sofa. Ohne Seelenkater.

Wahrscheinlich kommt er morgen schon wieder, aber jetzt wird erst einmal gekuschelt. Im Dunkeln.

2 Kommentare

  1. Ich glaub (und hoffe wohl auch), die lieben Omas sind sich meist gar nicht bewusst, was sie mit so Bemerkungen anrichten. Bis ich aus meiner Mutter mal rausgekitzelt hatte, dass Ihr natürlich bewusst ist, dass „Eltern manches ein bisschen öfter sagen müssen“, das war nur hartnäckigem Nachbohren zu verdanken. Und der direkten Nachfrage, ob sie unsere Kinder denn wirklich für so schlecht erzogen halten und uns für so schlechte Eltern (alle halbwegs höflichen Großeltern sagen dann natürlich „nein, nein, um Himmels Willen, so war das doch nicht gemeint“. Und bei ausreichend langer Geduld wird ihnen vielleicht jedes Mal ein bisschen mehr mehr klar, wie ihre „harmlosen“ Bemerkungen ankommen)

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