Beruf
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schlecht Vereinbartes

Notizbuch

 

Ich habe bald einen wichtigen Termin, einen beruflichen Termin.

Seit einiger Zeit bereite ich ihn nun schon vor.

Aber ich bin müde, unausgeschlafen und möchte eigentlich viel lieber zu Hause sein, ganz viel Zeit alleine haben, viel Zeit mit meinen Kindern verbringen und auch Zeit für meinen Mann erübrigen können. Jetzt gerade, in diesem Augenblick habe ich das Gefühl, Vereinbarkeit geht nicht.

Ich fühle mich weder beruflich gut noch fühle ich mich mit meinen Kindern gut und schon gar nicht geht es mir gut. Da kann es zeitlich noch so flexibel zugehen und immerhin habe ich auch meinen Homeofficetag jede Woche einmal, aber ich fühle mich zerrissen und unkonzentriert. Nichts mache ich gerade gut, weder meine Arbeit, noch das Zuhören und Kuscheln mit meinen Kindern und auch alles andere nicht…

Kaum habe ich abends meinen Kopf ins Kissen gekuschelt, klingelt auch schon der Wecker und der neue Tag kündigt sich an. Damit beginnt alles von Vorne: Aufstehen, Frühstück machen, Schulmitteilungen abarbeiten, Termine besprechen, zur S-Bahn laufen, Arbeiten, nach Hause hetzen und unterwegs noch Milch kaufen, Jacken und Mützen wegräumen, ein wenig reden, das Abendprogramm einläuten, ins Bett gehen. Zwischendurch suche ich Unterlagen für den neuen Kita-Gutschein, für die Steuererklärung und überhaupt für alles zusammen, was noch zu erledigen ist; dann hänge ich Wäsche auf, nehme Wäsche wieder ab und kommen momentan gar nicht dazu, sie auch noch zusammen zu legen. Die Wäsche wird aus dem Wäschekorb heraus wieder angezogen. Ich räume auf, wische den Boden und plane nebenbei die nächste Reise. Dabei stelle ich fest, dass der Reisepass der Maus verlängert werden muss. Nicht weil er abgelaufen wäre, nein nein, sondern weil unser Reiseanbieter darauf besteht, dass er nach Reiseende noch mindestens 6 Monate Gültigkeit haben muss. Sorry, Maus´  Reisepass gilt danach nur noch für 3 Monate und schon haben wir den nächsten Pflichttermin.

Ich könnte ausflippen. Ich habe schon morgens im Büro das Gefühl, für nichts Zeit zu haben und nach der Arbeit geht das so weiter. Wir streiten uns alle wohl auch deshalb  gerade mehr. Die Maus fühlt sich zu oft getadelt, der Mäuserich bemängelt, dass er zu wenig Zeit zum Spielen habe und die Minimaus ist nach der Kita ohnehin müde. Der Mäusepapa hat Fristen einzuhalten und arbeitet abends länger.

Ich bin mir in diesen Tagen nicht so sicher, ob ich mir das wirklich alles so ausgesucht oder selbst bestimmt habe. Selbstbestimmung ist ohnehin ein Thema, das man mit Kindern nahezu vergessen kann. Ich denke gerade viel darüber nach, wo meine Energie geblieben ist und ob sie jemals wieder kommt.

Meine Frage ist dabei nicht so sehr, wie ich in meiner Arbeit gut sein kann oder gar noch den nächsten Karriereschritt schaffe, sondern wie ich meine Arbeit überhaupt anständig ausfülle, wie ich gelassen und möglichst gut gelaunt mit meinen Kindern umgehen und bei allem das Gefühl behalten kann, noch ich selbst zu sein. Ich komme mir gerade ziemlich verloren vor in all den Dingen, die abzuarbeiten sind. Es geht gerade nur ums Schaffen, d.h. um das OB und weniger um das WIE. Meine Mäuse dürfen nach dem Heimkommen kurze und lange Filme auf dem iPad sehen, während ich mich um Minimaus kümmere. Gleichzeitig koordiniere ich Termine und kümmere mich um Haushaltskram. Das ist unbefriedigend, denn ich entscheide momentan nicht mehr danach, was pädagogisch wertvoll ist, schöne Erinnerungen schafft oder uns zusammen Freude macht, sondern nur noch nach praktischen Gesichtspunkten z.B. wie bekomme ich möglichst alles unter einen Hut, die Kinder halbwegs sauber in Kita und Schule, abends alle möglichst früh ins Bett und etwas zu Essen auf den Tisch. Ich vergesse Geburtstage, versäume Treffen mit Freundinnen, stöhne auf, wenn ein neuer Schultermin dazu kommt und hoffe inständig, dass die Mäuse sich nicht so bald wieder zu einem Playdate  verabreden wollen.

Wo ist unser entspanntes Familienleben gerade hin? Hallo, kommst Du bald mal wieder?

 

3 Kommentare

  1. Oh, das kommt mir sehr gekannt vor 🙁 Es ist eben auch sehr viel zu tun den ganzen Tag lang, ob sich das entspannen lässt? Ich weiß es nicht. Kinder brauchen ja auch viel Aufmerksamkeit und nicht nur ein wenig. Damit können sie auch mal zurecht kommen, aber nicht für länger. Ich zucke mit dir die Schultern …

  2. „Kaum habe ich abends meinen Kopf ins Kissen gekuschelt, klingelt auch schon der Wecker und der neue Tag kündigt sich an.“ Dieser Satz sprach mich sofort an. So fühlt es sich nämlich an, wenn man nicht genug Schlaf bekommt, weil das Leben nur noch Stress ist. Danke für diesen ehrlichen, so gut geschriebenen Beitrag. Ich finde es so wichtig, dass Mütter auch einmal darüber berichten und nicht alles „weglächeln“.

  3. Was du da so gelungen beschreibst, kenne ich aus meinem eigenen Leben nur zu gut und hAbe auch cersucht, auf meinem blog dAraber zu schreiben. Wie ein gehetztes Tier fühle ich mich oft, welches nie zur Ruhe kommt. Mich hat das auf Dauer sehr krank gemacht – und natürlich total frustriert und unzufrieden. Es gibt immer wieder Zeiten, da hilft nichts. Es ist einfach keine Möglichkeit, mal runter zu kommen.

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