Das Vereinbaren vereinfachen Mehr sein

Vereinbarkeit ist ein Gefühl

Bin das ich? Selbstfindung und Mutter sein

Ob wir das mit der Balance in unserem Leben erreichen können, indem wir möglichst viel in kurzer Zeit erledigen? Na klar, wir können das, denn wir sind perfekte Multitaskerinnen, wir sind straff organisiert, wir lassen uns für uns selbst nur ein Minimum an Zeit und -das ist die Krux an der ganzen Sache – wir schaffen auch wirklich irre viel. Der Erfolg scheint uns also recht zu geben. Viel hilft viel und vor allem unser Umfeld ist zufrieden.

Leider schaffen wir auf diese Weise nicht nur unsere Aufgaben sondern auch uns selbst. Und noch mehr als leider fühlen wir uns so gar nicht besonders erfüllt davon. Nun gut, es mag ein paar wenige Ausnahmen unter uns geben, die ihr ganzes Glück aus abgearbeiteten Listen ziehen. Dieses betriebsame Beschäftigtsein hat in der Tat etwas Beruhigendes.

Bei mir selbst löst es jedoch immer wieder das Gefühl aus, nicht das getan zu haben, was ich tun wollte. Da bleibt dann auch der Gedanke, dass das nicht so ganz mein Leben ist. Dass ich mir mehr wünsche und eigentlich etwas anderes will. Dass ich mich in gewisser Weise opfere und mehr von außen als von innen handele.

Also, wie war die Frage? Ob wir Balance nur dann erreichen, wenn wir in allem besser und schneller werden?

Das ist nur an der Oberfläche so. Im fahlen Licht dessen, was uns die äußeren Umstände glauben lassen, mag es uns einleuchten. Sehe ich indes genauer hin, sehe ich etwas ganz anderes. Ich sehe, dass wir uns im Kreis bewegen und denken, es ginge dabei vorwärts. Wir tappen von einer Optimierungsfalle in die nächste und fühlen uns verpflichtet, zu mehr Perfektion, Schönheit und Mütterlichkeit.

Ich weiß, dass wir alle nur glücklich sein wollen. Wir wollen unseren Kindern das Beste mit auf den Weg geben und wir wollen uns selbst auch ein wenig dabei wohl fühlen. Doch dafür reiben wir uns auf, nehmen in Kauf, dass der Alltag uns schwer vorkommt, schämen uns dafür, dass wir -übrigens öfter als wir zugeben- gerne mal ohne unsere Kinder wären, und ignorieren vor allem, dass wir nie so sein werden wie diese anderen Mütter, die wir im Stillen bewundern.

Wir könnten dieses Leben leichter leben, würden wir nicht immer wieder das tun, was unsere vermeintlichen Pflichten sind. Doch darüber sprechen wir selten, denn wir fürchten, es mache uns einsam und ließe bei den anderen das Bild einer „Rabenmutter“ oder gar ein schlimmeres (Vor-)Urteil über uns zurück.

Dabei sind wir bei aller Verbundenheit immer noch so unterschiedlich, dass es manchmal weh tut. Wir wollen oft Dinge, die nicht zu unserem Körper oder unserer Seele passen. Und zwar deshalb, weil es die anderen haben. Wie wir unsere Kinder erziehen, wie wir uns als Mütter verhalten, welcher Typ Frau wir sein wollen, wofür wir unser Geld ausgeben und welche Ziele uns sinnvoll erscheinen, sind ganz oft eine Reaktion auf das, was wir in und bei den anderen sehen.



Welche Bedürfnisse hat unsere Seele wirklich?

Ich habe es lange Zeit nicht gewagt zuzugeben, dass ich das Muttersein anstrengend finde. Und nicht nur das, ich habe noch nie zugegeben, dass ich meine langen Tage im Büro sehr mag, weil der Mäusepapa zu Hause dann schon alles erledigt hat, sobald ich durch die Tür komme. Drei Tage Kinderkrankenpflege machen mich unausgeglichen und mehr als drei Tage dann nahezu verzweifelt. Ich fühle mich jedes Mal nur halb, wenn sich mein Alltag eine Weile nur nach meinem Muttersein ausrichten muss.

Es gibt sogar die Momente in meinem Leben, in denen ich mich frage, warum ich Kinder bekommen habe. In denen ich mich mehr als Forscherin und Schreiberin sehe, denn als Mutter.

Aber ja, ich habe mich bewusst für Kinder entschieden, weil ich ein Leben ohne sie nicht so verlockend fand wie mit ihnen. Was sich in der Theorie schön angefühlt hatte, hat sich für mich in der Realität als harte Arbeit erwiesen. Es fällt mir nicht so leicht wie erhofft. Aber diese bewusste Entscheidung für drei Kinder ist jeden Tag mein innerer Kompass, wenn mir die fiesen Stimmen in meinem Kopf sagen, dass andere ein aufregenderes Leben führen. Und doch ist es für mich nicht selbstverständlich, dass meistens die Mütter zu Hause bleiben, wenn die Kinder krank sind, dass sie die Geschenke für Geburtstage organisieren, dass sie malen, basteln und backen. Dass sie nicht mehr Freiräume zu brauchen scheinen als ihnen das Kind auf dem Schoß noch zum Brote schmieren lässt.

Ich verliere auch schon mal den Kopf und jammere darüber, dass ich mich fremdbestimmt, eingeengt und ausgenutzt fühle. Ohne Kinder könnte ich mehr Geld verdienen und es für mich selbst ausgeben. Ich könnte viel mehr reisen, mehr schlafen, mehr Sport machen und mehr leidenschaftliche Stunden mit meinem Mann verbringen. Ich würde morgens lesen, abends meditieren und im Urlaub an einem Yogaretreat in Kroation teilnehmen. Ich würde Malkurse in der Toscana besuchen und in London mein Englisch perfektionieren. Ich würde Geige spielen lernen, abends ausgehen, die Karriereleiter höher klettern. Und überhaupt würde ich mehr Zeit für alles haben.

Natürlich ist es keine Alternative, meine Kinder wieder abzugeben. Ich liebe meine drei Herzblätter, kann aber sehr gut nachempfinden, wenn eine Frau sich gegen Kinder entscheidet. Eine Frau muss in meinen Augen nicht zwingend Mutter sein. Das Leben hat so viele andere Dinge zu bieten, die man in die Welt setzen kann: Projekte, Kunstwerke, Unternehmen, Ideen, Freude, Liebe, Wissen. Wir sind als Frauen unglaublich schöpferisch.

Aber wir sind es auch gewohnt, die Anforderungen unseres Berufs und der Familie vor alles andere zu  stellen. Nur wenn noch etwas Zeit und Energie übrig bleibt, gestehen wir es uns zu, unseren eigenen Bedürfnissen nachzugehen.

Um in Balance zu kommen, müssen wir jedoch uns selbst leben. Das, was wir sind.

Balance und Mutter sein


 

Du brauchst kein Burn-out, um zu lernen, was wirklich für dich zählt.

Ich kann mit Sicherheit sagen, dass du auch folgende Dinge nicht brauchen wirst, um deine Balabce zu finden und das Vereinbaren zu vereinfachen:

Mehr Geld, Bestätigung von außen, eine Erlaubnis oder Legitimation, einschneidende Veränderungen, reduzierte Arbeitszeiten (jedenfalls nicht im ersten Schritt), den richtigen Zeitpunkt, einen konkreten Plan.

Du darfst dich verändern oder schlichtweg damit beginnen, dich zu mögen; du darfst das tun, was du brauchst, um dich wohl zu fühlen; du darfst Spaß haben und dich ausprobieren; du darfst es leicht haben wollen und dich auf das konzentrieren, was du schon kannst; du darfst in deiner Komfortzone bleiben oder dich ein paar Schritte hinauswagen; du darfst das tun, was für dich funktioniert, ohne dass du funktionierst.

Du darfst in deinem eigenen Tempo, nach deinem Bauchgefühl und aus der Ruhe heraus agieren. Du bist jetzt schon gut wie du bist. Du darfst dich ausruhen und du darfst in kleinen Schritten vorwärtsgehen, ohne deinen Weg schon ganz konkret zu kennen oder das endgültige Ergebnis deiner Suche vor Augen zu haben.

Mit anderen Worten, es ist egal, für welchen ersten Schritt du dich entscheidest – fang einfach an.

Sei verrückt genug zu glauben, dass du deinen Alltag ändern kannst.

 

Mehr Balance durch Selbstfindung

Betrachte dich als Forscherin. Warte nicht auf den richtigen Zeitpunkt, denn den wird es nicht geben. Begib dich auf die Suche nach dem, was sich für dich stimmig anfühlt. Investiere in dich selbst.

Lass dich nicht von Kritikern, Bedenkenträgern oder deiner inneren Stimme davon abhalten, dich gut um dich zu kümmern. Du brauchst dich selbst am meisten, um einen ausgeglichenen Familienalltag zu leben.

Ich sage nicht, dass zu einer gelungenen Balance im Familienleben nicht auch flexible Arbeitszeiten, ein guter KiTa-Platz, Lohnausgleich für Kinderbetreuungszeiten und familienfreundliche Arbeitgeber beitragen können. Ich bin – wie schon oft erläutert – auch nicht der Meinung, dass wir mit bloßer Willenskraft, Disziplin und Zeitmanagement alles schaffen können oder müssen. Trotzdem sind die äußeren Rahmenbedingungen in meinen Augen nicht alles. Sie sind noch nicht einmal die wichtigsten Grundvoraussetzungen, denn ich kann mich auch unter idealen Rahmenbedingungen selbst überfordern, mich meilenweit von mir selbst entfernen und innerlich ausbrennen.

Deshalb beginnen wir woanders. Wir beginnen bei dir ganz persönlich, bei der Vorstellung davon, wie Vereinbarkeit für dich aussehen soll, mit all deinen Wünschen, Sehnsüchten und Träumen.

Denn ich bin überzeugt davon, dass die Vereinbarkeit dir folgt, wenn du DU bist.

Lass dir Zeit eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie sich dein Familienleben anfühlen soll, gönne dir Pausen, finde heraus, was dir Kraft gibt, sei bereit, dich um dich selbst zu kümmern, meditiere, verbinde dich mit deinen wahren Bedürfnissen, erlaube dir unperfekt zu sein und erinnere dich immer wieder daran, was dir neben deinem Familienalltag auch noch wichtig ist.

Das bedeutet, du musst wissen wollen, wer du bist. Das bedeutet, du musst bereit sein, gut für dich selbst zu sorgen. Das bedeutet, du musst es dir wert sein, dir für deine persönliche Entwicklung Zeit zu nehmen.

Das bedeutet auch „Vereinbarkeit ist ein Gefühl.“

Vereinbarkeit ist ein Gefühl von Martamam-Blog

 

Damit können wir arbeiten, oder?


 

EIN PAAR FRAGEN

Für den Anfang könntest du dir selbst ein paar Fragen stellen:


Wobei kannst du dich entspannen und Ruhe und Kraft tanken? Was macht dir Freude?

Was engt dich ein?

Was willst du noch lernen?

Was möchtest du wieder mehr in dein Leben integrieren?

Wann ist die beste Zeit, um ein paar Routinen zu verändern und mehr von dem in den Alltag einzuflechten, was dich deinem Glück näher bringt?

Wie wirst du dich dafür belohnen, wenn du die ersten, kleinen Schritte zu einer Veränderung gehst?

Mehr Wünsche in den Alltag integrieren - Arbeitsblatt

 

Weil ich an die Kraft des Aufschreibens glaube, habe ich ein Worksheet „Was darf wieder mehr in meinen Alltag“ (3 Seiten) entwickelt, in dem du für dich notieren kannst, welche neuen Routinen du schaffen möchtest. Das Worksheet bietet dir Platz für erste kleine Gedankenspiele, die eine Veränderung einleiten können. Den Link zum Download schicke ich dir, wenn du dich in das Formular unten einträgst.

 

 

 


 

Schreibe mir gerne oder hinterlasse einen Kommentar, zu welchem Ergebnis du gekommen bist. Gibt es etwas, was du ab sofort wieder mehr in Deinem Leben haben möchtest? Welche Alltagsroutine möchtest du verändern? Und ab wann wirst du es umsetzen?

Genieße den Tag / Martamam-Blog

 

P.S. Dieser Beitrag ist aus der Reihe „Das Vereinbaren vereinfachen„. Die dazugehörigen Beiträge (der jeweils aktuellste erscheint oben) sind:

 

 

You Might Also Like

2 Comments

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das:

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen