Aus unserem Familienleben
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Alles nur eine Frage der richtigen Einstellung?

Munichs-Working-Mum hat das Thema frisch aufgegriffen, auf mummy mag wird es diskutiert, hier kann man dazu auch etwas lesen und überhaupt gibt es jede Menge Bücher dazu, von denen ich auch schon einige in meinen Stilllesungen rezensiert habe. Das Thema Vereinbarkeit ist ungebrochen und obwohl ich und der Mäusepapa ein gutes Modell für uns gefunden haben, beschäftigt es auch mich immer mal wieder. Sind Beruf und Familie für Mütter (und Väter) in Deutschland nun vereinbar oder nicht?

Ich habe in einem meiner Beiträge dazu JA gesagt. Na klar ist es vereinbar. Ganz von Gestern ist die Bundesrepublik nun auch nicht und ich bin da auch gar nicht so pessimistisch. Es läuft doch schon ganz gut. Von jeglichem Hang zur Perfektion haben wir uns als Eltern zu Gunsten der Machbarkeit doch schon lange verabschiedet. Jedenfalls die pragmatisch veranlagten unter uns. Wer zudem genug Energie und den richtigen Partner hat, mag den Spagat zwischen Familie und Beruf auch leichter empfinden als andere. Das ging mir trotz Vollzeitarbeit, Promotion, mehrerer Stellenwechsel und zwei Kindern auch so. Ich hatte sogar so viel Energie übrig, dass ich mir ein drittes Kind gut vorstellen konnte und mir die Freiheit genommen habe, es auch zu bekommen. Wer dann noch meint, ich habe das geschafft, warum dann nicht auch andere, trifft bei mir auf ein offenes Ohr.

Mit dem anderen Ohr höre ich aber auch auf die Freundinnen und Mütter, die es anders erleben, die keinen so verständnisvollen Chef haben, die keinen so familienfreundlichen Berufsalltag erleben oder die einfach weniger Kraft aufbringen können. Und ich habe auch selbst erlebt, dass mir zwischendurch die Puste ausging und ich kaum noch Nerven dafür hatte, die für ein entspannteres Familienleben nötigen Änderungen in meinem Leben herbeizuführen und den Alltag neu zu justieren. Vor allem sind nicht alle in meiner (als privilegiert empfundenen) Lage und können sich die nötigen Rahmenbedingungen aus eigener Kraft und Kreativität schaffen. Nicht immer ist fehlende Kompromissfähigkeit der Grund für eine schwierige Vereinbarkeit und eher selten kann man das Problem dann rein privat lösen.

Wer sagt denn, dass sich das Familiehaben nicht streckenweise noch leichter anfühlen darf? Will ich mich wirklich mit der Einstellung Schlafen legen, dass ich es hinkriege und sich die anderen, vor allem auch die Generation nach mir, nicht so anstellen sollen? Oder darf ich mir da von Politik und Gesellschaft doch noch etwas mehr erhoffen? Dafür darf ich auch mal über den Gartenzaun schauen und mich fragen, wie das denn woanders so geht. Und ich darf mir das dann auch so für uns wünschen. Das, was ich dabei an Maßnahmen, politischer Unterstützung und gesellschaftlichem Selbstverständnis erlebe, würde mir schließlich nicht das Arbeiten, Organisieren und Familie managen abnehmen. Es könnte aber bewirken, dass ich noch ein bißchen mehr Entlastung erfahre. Die Treppe hinauf muss ich schon noch selbst, aber wer sagt denn, dass ich dazu nicht ein Geländer benutzen darf? Und wenn das Geländer dann ab und zu auch mal erneuert würde, wäre das sogar zukunftsträchtig.

Daher halte ich es eindeutig mit Malte Welding: „Seid fruchtbar und beschwert Euch.“.

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