Alle Artikel mit dem Schlagwort: Muttersein

Mythen erschweren das Balancieren

Vor einem Jahr genau fing es bei mir an mit dem Unglaublichmüdesein. Ich fühlte mich ganz schön abgeschrabbelt vom Mamasein. Wahrscheinlich auch vom alles andere sein, aber am meisten vom Mamasein. Es ist fast immer das Mamasein, denn meinen Beruf, den habe ich mir lange vor den Kindern ausgesucht, und alles andere war ich vorher auch schon.  Aber das Mamasein in Kombination mit dem Juristinsein, Frausein, Freundinsein, Immerdasein, Niealleinesein, Verlässlichsein, Verantwortlichsein, Ichsein, Wirsein hat so manches Energieleck in mir hinterlassen. Und ich habe nicht früh genug damit begonnen, es wieder zu schließen. Plötzlich war der Akku leer. Ganz leer.

Vereinbarkeit braucht Freiräume

Ich hatte da diese Idee. Die Idee, dass ich als Working Mum mit drei Kindern und drei Kalendern, einem ausgefeilten Zeitmanagement und einem gewissen Talent zur Organisation die perfekte Balance zwischen meinem Berufs- und Familienleben finden würde. Ich nahm an, mit Fleiß, Disziplin und gekonntem Multitasking könnte ich Meetings, kreative Geburtstagstorten, spannende Kinderpartys und besinnliche Paarzeiten locker unter einen Hut bringen. Schließlich hatte ich ideale Rahmenbedingungen für das bisschen Vereinbarkeit: Mein Mann und ich teilten alle Verpflichtungen 50/50, mein Arbeitgeber war flexibel, die Kinder waren selten krank, seit 2 Jahren lebte auch die Oma in der Nähe.

Zukunftspläne und Bundestagswahl 2017

Vorgestern saßen wir zusammen in „unserem“ Balutschistan bei Kerzenschein und Stimmengewirr. Meine Freundin Anne und ich. Wenn wir zusammen ausgehen, dann gehen wir am allerallerliebsten dorthin. Wir sitzen dann auf rotem Samt, trinken Tee und Mangolassi und warten aufs Essen, das so unglaublich lecker ist, dass wir uns schon Tage vorher darauf freuen. Wir wählen aus der Karte jedes Mal das selbe. Sie die Nummer 89, ich die Nummer 133. Während wir warten sehen wir den Menschen vor dem Fenster dabei zu wie sie den Alma-Wartenberg-Platz überqueren und fragen uns gegenseitig, wie es uns geht. Gestern sprachen wir über die zurückliegenden Ferien und das Ende des Sommers. Und dann hat sie mir erzählt, dass ihr Krebs weg ist. Sie hat gelächelt, ich habe zurück gelächelt. Ganz weg? Ja. Nichts mehr zu sehen? Nein. Es war als würde für einen Moment alles um uns herum leiser werden.