Beruf
Schreibe einen Kommentar

Promovieren mit Kind? Das Fazit zu einem Herzensprojekt!

Kaffeebecher

Mehr als 2 Jahre sind seit dem Abschluss meiner Promotion nun schon vergangen. Das besondere daran? Ich habe erst Jahre nach dem Studium und mitten in der Familienplanung nebenberuflich promoviert. Inzwischen hat sich unser Alltag irgendwo zwischen Beruf, Familie und dem Und sonst so? eingependelt. Es ist Zeit ein Fazit zu ziehen.

Würde ich es nochmal so machen? Passte das alles unter einen Hut ?

Ich kann mir vorstellen, dass mein Weg nicht für jeden passt und dass andere das ganz anders gemacht hätten. Das muss man sich doch nicht zumuten!, war die verständliche Reaktion mein Mutter auf meine Promotionspläne. Und recht hatte sie. Für uns als frisch gebackene Familie war mein Projekt damals definitiv kein Klacks. Im Nachhinein finde ich dennoch, es war richtig, weil es ein Herzensprojekt war. Mein Herzensprojekt. Und es war realisierbar, auch wenn es -wie es eben immer so ist- letztlich anders lief als ursprünglich gedacht.

Für alle, die auch noch ein Herzensprojekt mit sich herumtragen, drösel ich das in meinem heutigen Beitrag einmal auf:

Wie kam ich überhaupt auf die Idee zu promovieren?
Meine Wunsch zu promovieren kam schon während des Studiums immer mal wieder auf, aber ganz besonders stark wurde er als die Maus geboren wurde. Mir war so vieles im Alltag mit einem Baby neu und ich fühlte mich eingesperrt darin. Irgendwie wollte ich wohl gerade deshalb noch etwas ganz anderes anfangen. Ich wusste zwar noch nicht einmal wie Kind und Beruf geschweige denn eine Promotion mit alle dem zusammen funktionieren sollten. Aber wahrscheinlich war genau das mein Glück, denn wir waren noch nicht fest gefügt im Familienalltag. Wir waren mitten in der „Rush Hour“ unseres Lebens und ziemlich naiv. Wir waren quasi noch in der Pubertät unseres Elternseins. Und so haben der Mäusepapa und ich uns für das Gleichzeitige von Kind, Beruf und Promotion entschieden.

Und wie ging das nun genau?

THEMENWAHL UND DOKTORVATER
Mein Plan: Meinen geliebten Uniprofessor von vor tausend Jahren kontaktieren. Ein spannendes rechtspolitisches Thema absegnen lassen und los geht’s.

Die Realität: Mein Professor ist im Ruhestand und nimmt keine neuen Doktoranden mehr an. Das Thema, das ich mir ausgesucht habe, ist viel zu tagespolitisch und deshalb zeitkritisch. Es wird nebenberuflich nicht kurzfristig zu schaffen und demnach schnell überholt sein. Ich muss mir also einen anderen Professor und ein anderes Thema suchen…Und habe Glück im Unglück: Auf einem Seminar lerne ich einen Professor kennen, der kein Problem darin sieht, dass ich unter meinen besonderen Umständen promovieren will (Seine Reaktion: Sie wollen noch promovieren? Ja, warum denn nicht?). Ihm ist auch sofort klar, dass ich (viel, viel) mehr Zeit für die Promotion benötigen werde als seine frischen Uni-Absolventen. Sein Rat an mich: ein Thema mit Praxisbezug und wenig Zeitdruck.

Das heißt also: Es ist nicht unmöglich, trotz Beruf und Kind einen passenden Doktorvater und ein passendes Promotionsthema zu finden.


ERSTES KIND UND ZWEITE SCHWANGERSCHAFT
Mein Plan: Jeden Freitag und regelmäßig auch samstags an der Promotion schreiben; die Maus in dieser Zeit dem Papa und der Oma überlassen; irgendwann noch ein zweites Kind bekommen; kleine Verschnaufpause; weiter geht’s.

Die Realität: die Maus hängt an der Mama, Mama hängt an der Maus; der freie Freitag wird auch mal zum gegenseitigen Betüddeln gebraucht; manchmal bin ich zu müde zum Schreiben; ganze Urlaube gehen fürs Schreiben und Recherchieren drauf; später dann 4 Monate Schwangerschaftsübelkeit; ich fühle mich heulig, matt und ausgelaugt; das Leben überholt mich von rechts; nicht schreiben wollen oder können, statt dessen das Bedürfnis, die wenige freie Zeit zu genießen, zu schlafen, auszuruhen, auszuruhen, auszuruhen; trotzdem verbringe ich noch überraschend viele Tage am Schreibtisch; der Umfang der Promotionsarbeit wächst – später auch proportional zum Babybauch; ein  komplikationsloser Mutterschutz wird wider Erwarten gut zum Schreiben ausgenutzt.

Das heißt also: Egal was Du Dir vornimmst, es kann sein, dass die Pläne umgestellt, angepasst oder auch mal ausgesetzt werden müssen. Das ist jedoch gar nicht so schlimm, wie es sich anhört, denn es bewirkt auf jeden Fall eines. Du setzt Dich nicht zu sehr unter Druck und der Spaß an der Sache geht weniger schnell verloren.


ZWEI KINDER
Mein Plan: im Wochenbett kurz pausieren; den Mäuserich nach drei Monaten für ein paar Stunden täglich in die KiTa geben (die KiTa kenne ich ja nun schon und andere Mütter machen das doch auch);  weiter schreiben.

Die Realität: nach einem halben Jahr immer noch den ganzen Tag müde sein; mal wieder am Baby hängen; Zeit zum Geschwisterwerden und Familiesein brauchen; auch mehr Zeit für die Eingewöhnung in der Kita brauchen; nach 8 Monaten klappt alles; wir haben uns als Familie neu gefunden; vor dem Wiedereinstieg in den Beruf kann ich sogar vier Monate lang täglich schreiben.

Das heißt also: Wie es Dir nach Schwangerschaft und Entbindung gehen wird, weißt Du nicht. Ob sich Deine Pläne dann noch gut und passend anfühlen oder ob Du Dir die Sinnfrage neu stellst, kannst Du genauso wenig vorhersehen. Mir tat die längere Schreibpause nach der Geburt des Mäuserichs ganz gut. Danach hatte ich auch wieder Spaß an meiner Promotionsarbeit. Und ich hatte in der mir verbliebenen Elternzeit noch einige Zeit zum Schreiben, gleichzeitig aber auch viel Zeit mit meiner Familie.

Fazit zu Schwangerschaft und Baby
Wäre ich nochmal in der Situation, würde ich es wieder so machen. Ich würde nur aufhören ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn das Schreiben ein paar Monate ausfällt.

 

ORGANISATION UND ZEITFRAGE
Das schwierigste Thema bei einem größeren Projekt neben Familie und Beruf ist die Frage nach der Zeit.  

Der Vorteil einer rechtswissenschaftlichen Promotion ist natürlich, dass keine Feldstudien und  keine Forschungszeiten im Labor nötig sind. Die meisten Recherchen konnte ich in der Bibliothek durchführen und den Löwenanteil meiner Zeit verbrachte ich am Schreibtisch.

Solch eine Promotion lässt sich mit Kind und Beruf also erst einmal ganz gut planen:
Kind(er) von 9 bis 16 Uhr in der KiTa; 4 Tage pro Woche arbeiten; an den Schreibtagen schreiben oder recherchieren.

Spannend wird es, wenn die Mäuse krank sind, man selbst nicht fit oder schlichtweg unausgeschlafen ist oder einfach mal Lust auf all die Dinge hat, die sonst aus Zeitgründen nicht möglich sind. Und dann gibt es da noch den Haushalt und diese fiesen fitzeligen bürokratischen Dinge und lästigen Erledigungen. Es gibt ja immer sooooo viel zu tun….

Sobald ich die Mäuse in die Kita gebracht hatte, war ich gaaaaanz kurz noch einkaufen, habe zu Hause erst einmal einen Kaffee aufgesetzt und bin geschwind noch unter die Dusche gehüpft. Hier noch etwas wegräumen, da noch ein paar Handgriffe und schwupps ist es halb 10. Da ist es doch schon beinahe wieder Zeit für die Mittagspause. Freitags schloss die Kita um 16.00 Uhr und die Mäuse wurden von mir abgeholt. An manchen Tagen habe ich höchstens 4 Stunden zum Schreiben gehabt! Das nächste Zeitfenster öffnete sich dann erst eine Woche später wieder.

Glücklicherweise hatte ich in der letzten, heißen Phase der Promotion genug Energie, um dreimal die Woche auch abends zu schreiben. Meine Dissertation stand kurz (4 Monate) vor der Fertigstellung. Sobald die Mäuse im Bett waren (damals so gegen 8 Uhr), habe ich mir einen großen Becher Kaffee vorbereitet und mich an den Schreibtisch gesetzt. Drei Monate lang habe ich mehrmals in der Woche bis um Mitternacht geschrieben.

Das funktionierte aber nur, weil der Mäusepapa in dieser Zeit den nächtlichen Kinderdienst übernommen hat und weil die Mäuse verlässlich gut ein- und durchschliefen. An den Abenden, an denen die Mäuse mehr als einmal aufgewacht sind oder gar nach Mama verlangten, war das Schreiben ganz schnell wieder beendet. Bei Projekten mit Zeitdruck ist das eine Komponente, die sich nur schwer ändern lässt. Bei einem Langzeitprojekt wie der Promotion kommt es zum Glück auf ein paar verpatzte Schreibabende oder -tage nicht an.

Denn: Die Promotion ist nicht so verpflichtend wie der Beruf. Der Promotion war es egal, ob ich gerade viel schreiben kann oder nicht. Wenn meine Mäuse oder sogar ich krank waren, dann ging das eben vor. Wenn ich für einen Abschnitt länger brauchte als gedacht, konnte ich ihn eben erst später abschließen. Und wenn ich gar nichts zu Papier brachte, ärgerte das höchstens mich selbst, aber ansonsten interessierte es niemanden.

Das ist Fluch und Segen einer Promotion zugleich.

Was für mich allerdings nicht gut ging war, das Schreiben irgendwo dazwischen zu quetschen oder darauf zu warten, dass mich die Muse küsste. Ich habe die Zeit intensiver genutzt, wenn ich einen festen Rahmen dafür zur Verfügung hatte. Den hat auch der Mäusepapa mitgetragen und nach den mehr oder weniger geplanten Aussetzern konnte ich zu meinem Zeitplan jederzeit zurückkehren. Die Dreifachbelastung Kind, Beruf und Promotion habe ich allerdings nur ausgehalten, weil der Mäusepapa die Entscheidung für die Promotion mit getroffen hat, weil er Teil der Organisation war, weil er mich mit den Kindern an einem Wochenende sogar zum Doktorandenseminar begleitete und weil er die Mäuse gerne mehrere Stunden am Stück alleine betreut hat.

Fazit zu Organisation und Zeitfrage
Das man auf mentale und praktische Unterstützung angewiesen ist, sollte man in seine Überlegungen unbedingt einbeziehen. Sinnvoll ist es auch, vorher konkret abzusprechen wie diese Unterstützung aussieht (z.B. schon für die nächsten 12 Monate die Schreib- und Betreuungszeiten konkret planen).

 

BETREUUNG
Unsere Mäuse gehen und gingen gerne in ihre KiTa. Eine gute Kinderbetreuung und die Zuversicht, dass meine Kinder mit einer promovierenden Mutter glücklich sein können, war für mich wichtig. Ich brauchte also eine Meinung zur Vereinbarkeitsfrage. Das ist ohnehin ein Thema, das jede Mutter für sich klären muss. Und nicht alle fanden meine Einstellung dazu richtig.

Manche rieten mir nur halb im Scherz zu einer Haushaltshilfe, zwei Kindermädchen (mindestens – falls mal eines krank werde) und zu wesentlich mehr Geld. Andere empfahlen mir als berufstätige Mutter mit Mitte 30 für eine Promotion eine Halbtagsstelle in der öffentlichen Verwaltung bei ausreichend flexiblen Arbeitszeiten. Und einmal hat mir sogar jemand dazu geraten dafür keine Kinder zu haben. Eine Promotion sei ohnehin schon ein Abenteuer und nebenberuflich wohl gerade noch möglich. Allerdings gäbe es außerhalb des universitären Umfeldes nur 17% der Doktoranden. Davon nur wenige mit einem Kind und noch weniger mit 2 Kindern. Warum das wohl so sei, fragte er mich und lieferte die Antwort prompt. Mit Kindern sei solch ein Projekt kaum noch umsetzbar. Meistens werde es begonnen und nie beendet.

Und leider hatte ich das passende Beispiel dazu auch schon im Kopf. Ein Freund, dessen Promotionsunterlagen seit dem ersten Kind im Keller herumstanden und bis heute nicht wieder heraufgeholt worden sind.

Aber ich hatte auch ein Gegenbeispiel: Eine Mutter mit vier Kindern, die es nach langen 6 Jahren geschafft hatte. 6! Jahre, aber immerhin. Daran hielt ich mich fest.

Denn hey, was sollte ich dazu auch sagen? Für keine Kinder war es bei mir definitiv zu spät.

Fazit zur Betreuung
Als essentiell empfand ich ein gutes Netzwerk. Was da so gewaltig klingt, waren bei mir in erster Linie die KiTa, mein Mann, meine Mutter und ab und zu auch meine Schwester. Ältere Kinder verabreden sich auch schon mal mit ihren Freunden und bleiben dann auch gerne mal über Nacht. Meine Mäuse waren damals noch zu klein dafür oder sie wollten das nicht. Aber heute würde ich das als Option durchaus erwägen.

 

FINANZIELLES
Die Geldfrage stellt sich bei einer Promotion neben dem Beruf eher selten. Bedenkenswert fand ich allerdings, dass ich mit Kindern und Promotion nicht Vollzeit arbeiten konnte. Das habe ich nicht ganz ein Jahr durchgehalten und meine Arbeitszeiten dann schnell wieder anders gestaltet. Und auch unsere Familienplanung erforderte einen genaueren Blick auf das zu erwartende Einkommen.

Anders herum gesehen ging die Berufstätigkeit zu Lasten der Promotionsdauer. Mit zwei Kindern und Beruf hatte ich zweifellos länger dafür gebracht als die üblicherweise veranschlagten 1,5 bis 2 Jahre. Allerdings befand ich mich mit meiner ursprünglichen Erwartung von 6 Jahren gar nicht so weit weg von der durchschnittlichen Promotionsdauer. Die beträgt nach der „Kasseler Promoviertenstudie“ immerhin 5,7 Jahre. Freilich war ich bei Abschluss meiner Arbeit mit 39 Jahren älter als der Durchschnittspromovend mit 32 Jahren, aber zeitlich lagen meine Vorstellungen im Rahmen.

Bei meinen Überlegungen musste ich auch die Zeit für die Korrekturphase nach Durchsicht der Arbeit durch meinen Doktorvater und zur Aktualisierung von Quellenangaben und Inhalten vor der Veröffentlichung einrechnen. Ein LL.M. als Zusatzqualifikation hätte eindeutig weniger Zeit in Anspruch genommen, wäre aber mit einer beruflichen Pause verbunden gewesen, denn einen nebenberuflichen LL.M. habe ich damals nicht finden können.

Hinzu kamen am Ende dann auch die Kosten der Veröffentlichung der Promotionsarbeit, die letztlich Voraussetzung zur Titelführung ist. Die Kosten können abhängig von den Bedingungen des Autorenvertrages je nach Umfang der Arbeit und nach Art der Veröffentlichung bis zu € 5.000 betragen. Ich habe meine Dissertation letzten Endes in einem kleineren aber renommierten Wissenschaftsverlag veröffentlicht, der auf die Publikation von wissenschaftlicher Literatur spezialisiert ist. Meine Veröffentlichungskosten beliefen sich dort auf ca. € 2.500.

Als Spätpromovierende passte ich bedauerlicherweise nicht in die Förderprogramme und Stipendiatenkategorien für Dokoranden. Gleichwohl es viele Förderprogramme für Promotionen und inzwischen auch jede Menge Initiativen für die Vereinbarkeit von Promotion und Kind gibt, war ich in meinem Alter mit mehreren Jahren Berufserfahrung nicht mehr deren Zielgruppe. Ich hatte jedoch Anspruch auf die Ausschüttung der VG Wort. Die aus zahlreichen Quellen vereinnahmten Gelder werden nach festgelegten Verteilungsplänen an Autoren und Verlage weitergeleitet. Im Jahr 2015 betrugen die Tantiemen für ein im Jahr 2014 veröffentlichtes wissenschaftliches Buch € 800.

 

ABSCHLIESSENDE FRAGEN
Die wichtigsten Fragen, mit denen ich mich im Vorfeld auseinandergesetzt hatte, lassen sich demnach so zusammenfassen:

  1. Habe ich Freude am wissenschaftlichen Arbeiten, am Lesen, an Bibliotheken und am Schreiben?
  2. Kann ich mir vorstellen das über einen laaaaaangen Zeitraum zu tun?
  3. Habe ich Spaß daran, es nur um der Sache selbst Willen zu tun?
  4. Bin ich jemand, der frei und selbständig ein Projekt verfolgen kann?
  5. Bin ich bereit, dafür auf andere Dinge wie Kino, Sport und mehr Familienzeit zu verzichten?
  6. Habe ich noch (zeitliche und geistige) Ressourcen neben dem Beruf oder vereinnahmt mich der Job zu sehr?
  7. Wird die Zeit für mich als verschwendet gelten, wenn ich mein Ziel vielleicht nicht erreichen sollte?

 

EIN LETZTES WORT
Ich hoffe, ich konnte einen realistischen Einblick in das Leben mit Promotion und
Kind(ern) geben. Es ist nicht einfach, denn mit Kindern kommt einem ganz oft das Leben dazwischen. Und ich war auch darauf gefasst, dass ich das Ganze womöglich nicht zu Ende bringen würde. Vom ersten Entschluss bis zum Abschluss der Promotion hat es 4,5 Jahre gedauert. Bei meiner mündlichen Prüfung hatte ich schon die Minimaus in meinem Bauch und die Promotionsurkunde kam letztlich mit der Post. Die offizielle Promotionsfeier habe ich wegen der Geburt der Minimaus schlicht verpasst und trug zur Stunde X statt meines dunkelblauen Kostüms ein Stillkleid.

Ich bereue jedoch nichts. Na klar dachte ich zwischendurch: WARUM das alles? Und natürlich wäre es einfacher gewesen, sich erst einmal auf die Kinder zu konzentrieren,  eine Weile nur die Vereinbarkeit mit dem Beruf auszuprobieren und erst danach weiter zu sehen.

Oder ich hätte erst einmal promovieren und über die Familienplanung viel später nachdenken können. Vielleicht wären der Mäusepapa und ich dann freier gewesen, hätten uns weniger gestritten und es hätte sich alles viel leichter angefühlt. Wir wären dann ganz sicher entspannter gewesen. Trotzdem fand ich diesen Weg für uns richtig, denn dieses Projekt hat uns auch Spaß gemacht und ich hätte womöglich später den Mut zu drei Kindern nicht mehr gehabt. Abgesehen davon, dass mir irgendwann auch mein Alter dazwischen gekommen wäre. Und dann wären wir womöglich niemals an den Punkt gekommen, an dem uns ein paar schokoladenverschmierte Hände wichtiger geworden sind als das neue Sofa, an dem uns empörtes Kindergeschrei auch schon mal zum Lachen bringt, an dem uns eine Gefühlswelle überrollt, wenn die Maus uns in Briefen schreibt Mama, wenn ich Dich anschaue, funkelst Du wie ein leuchtender Stern, der Mäuserich ernst konstatiert Papa, ich liebe Dich und die Minimaus uns mit schokoladenverschmiertem Mund anlacht.

Und ich hätte nie den tollen Satz gehört: Mama, warum bist Du jetzt ein Arzt?
(Für meine Kinder ist ein Doktor eben der Doktor mit dem Stetoskop).


EIN ALLERALLERLETZTES WORT

“Ich wäre so gern aus dem Gröbsten raus, aber ich bin im Gröbsten gerade erst drin.“
[Aus „Völlig fertig und irre glücklich“ von Okka Rohd]

In diesem Sinne drücke ich allen die Daumen, die dabei sind ihr Herzensprojekt zu realisieren. Vielleicht habe ich auch ein wenig Mut gemacht, den einen oder anderen Traum doch noch einmal anzupacken. Vielleicht sagt ihr euch nach meinem Erfahrungsbericht aber auch, das ist es nicht wert und ihr schließt mit einem lang begrübelten Wunsch endgültig ab. Das schafft Platz für Veränderungen und neue Träume.

Auch das wäre ein gutes Fazit, finde ich.

Herzlichst,
Martamam

0 Kommentare

  1. Hallo Martamam,

    was für ein toller Beitrag 👏🏼
    Erst jetzt verstehe ich deinen Kommentar zu meinem Beitrag so richtig 😉
    Aber so leidenschaftlich, wie du über deine Zeit als Promovierende schreibst, hätte es gar keinen besseren Weg für dich geben können. Ich ziehe meinen Hut vor deiner Leistung, zumal ich nachempfinden kann, was für Zeiten du durchgestanden hast.
    Ich hab damals eine herausfordernde Zeit gehabt, mit Trotzkind und Neugeborenem zu Studieren, einer vorübergehenden beruflich bedingten Fernbeziehung und dem zeitlichen Druck der nahenden Abschlussprüfungen. Hab ich schon den zermürbenden Umzug erwähnt. Der stand auch noch bevor. Zwar mit Umzugshelfern aber ohne Familie, Freunde oder Mann.

    Nochmals, meinen großen Respekt!
    Ich denke, dass die vielen Erfahrungen, die du mit der Mehrfachbelastung gemeistert hast, dir auch gezeigt haben, dass du ein Mensch bist, der in Möglichkeiten denkt und nach (eigenen) Wegen sucht, wie etwas dennoch machbar sein könnte. 😉

    Herzliche Grüße, Ewa

    • Hallo liebe Ewa, danke für Deinen Kommentar. Da hast Du sehr viel geleistet….ich verstehe, dass das schwierig war. Das mit den Möglichkeiten finde ich einen schönen Gedanken. Ich hatte damals einen Coach als es darum ging, was ich möchte (Promotion, zweites Kind, Umzug, berufliche Veränderung?). Da waren so viel Fragezeichen in meinem Leben und ich hatte in meinem Kopf die zermürbende Vorstellung, dass allenfalls eines davon geht. Ich war damals an einem Punkt, an dem ich mich in der neuen Mutterrolle so gar nicht wohl fühlte und dachte, jetzt hocke ich mit einem Kind zu Hause und habe keine Optionen mehr außer Teilzeitarbeit und Mamasein. Nicht dass das nicht schon ausreichen würde, aber mir war das damals zu wenig. Deshalb habe ich mir Unterstützung dabei gesucht, herauszufinden, was noch so geht. Ganz entscheidend war dabei tatsächlich, meinen eigenen Weg zu finden. Einen ersten Schritt zu machen, ohne darüber nachzudenken, was man nicht kann oder nicht sollte. Ich fühlte mich gar nicht ehrgeizig oder tough oder mutig. Ich habe einfach diesen ersten Schritt gemacht und dann einen zweiten… Das hat dann ja alles auch Jahre gedauert und zu sehen war von meinen Zielen erst einmal so gar nichts. Aber was das in meinem Inneren bewirkt hat, war großartig. Einfach zu wissen, ich gehe diesen Weg jetzt. Ich mache das, weil ich das so will und dann schaue ich mal, wie weit ich komme.
      Das Gefühl kennst Du dann ja auch 🙂
      Lieben Gruß, Martamam

Kommentar verfassen