Beruf, Das Vereinbaren vereinfachen, Highlights
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Mythen erschweren das Balancieren

Vor einem Jahr genau fing es bei mir an mit dem Unglaublichmüdesein. Ich fühlte mich ganz schön abgeschrabbelt vom Mamasein. Wahrscheinlich auch vom alles andere sein, aber am meisten vom Mamasein. Es ist fast immer das Mamasein, denn meinen Beruf, den habe ich mir lange vor den Kindern ausgesucht, und alles andere war ich vorher auch schon. 

Aber das Mamasein in Kombination mit dem Juristinsein, Frausein, Freundinsein, Immerdasein, Niealleinesein, Verlässlichsein, Verantwortlichsein, Ichsein, Wirsein hat so manches Energieleck in mir hinterlassen. Und ich habe nicht früh genug damit begonnen, es wieder zu schließen. Plötzlich war der Akku leer. Ganz leer.

So ich nörgele nur noch an allem herum -leer, ich weine schon bei jeder Kleinigkeit – leer, ich weiß gar nicht mehr was ich will – leeraußer ich will weit weg sein – leer, ich kann nur noch seufzen – leer.

Ach ja, dieses Seufzen.

Mit dem Mäusepapa hatte ich irgendwann die Vereinbarung getroffen, dass ich bis zum Abendessen bitte, bitte nicht mehr seufze. Dieses Seufzen hatte ich mir in den Monaten zuvor angewöhnt. Es klang nach: Eigentlich will ich sofort wieder in mein Bett. Ihr seid mir alle viel zu laut. Ich bin noch gar nicht richtig da, warum seid ihr eigentlich alle schon wieder hier? 

Das Seufzen war nicht freundlich. Es war knurrig. Es war vorwurfsvoll. Es war keinplatzinmeinemeigenenbettknatschig und kaffeeistschonwiederkalttrübsinnig.

Und es war wie ein Dauerschluckauf. Es nervte alle. Sogar mich.

Ich wollte dieses blöde Seufzen also unbedingt loswerden. Bevor ich noch all die schönen Dinge wegseufzte, die ja schließlich auch noch um mich herum passierten. Und dafür musste ich auf die Suche gehen. Auf die Suche nach dem, was mir gut tat und was mich daran hinderte zu seufzen. Zum Beispiel indem ich mich besser um mich selbst kümmerte und meine Grenzen erkannte.

Die fehlende Abgrenzung wiederum hatte etwas mit den  Mythen zu tun, die rund um das Elternsein kursieren. Es ist auch heute noch leicht, an sie zu glauben und sich von ihnen unter Druck setzen zu lassen. Sie verkriechen sich klammheimlich in uns und machen uns das Balancieren durchs Familienleben irre schwer. Manchmal ist es gar nicht so einfach, sie zu erkennen. Und sieht man sie doch, kommen sei einem so unumstößlich, wahr und wichtig vor. 

Deshalb ist es uns auch oft kaum möglich, ihnen die eigenen Grenzen entgegen zu halten und dafür zu sorgen, dass es uns so richtig gut geht.   

 

Die Mythen

 

 Mythos Nummer 1:  Deine Kinder brauchen dich rund um die Uhr!

Es gibt da diesen tief verwurzelten, hartnäckiger Glauben in uns Eltern, dass Kinder am besten gedeihen, wenn sie bei uns sind. 24/7! Und am allerbesten aufgehoben sind sie immer noch bei ihrer Mutter!

Hand aufs Herz. Das denken wir tatsächlich immer noch. Arrgh.

Dieser Glaubenssatz hatte sich auch in mir breit gemacht und löste permanent ein schlechtes Gewissen aus, sobald ich nicht bei meinen Kindern sein konnte. Sei es zum Arbeiten oder weil ich Zeit für mich selbst brauchte. Obwohl mir klar war, dass das eine Binsenweisheit ist und das sogar wissenschaftliche Studien diese Behauptung mehr als nur entkräften, sagte mir mein Muttergefühl immer noch etwas anderes.

Nach der Arbeit eilte ich also nach Hause, um schnell wieder bei meinen Kindern zu sein. Ging ich abends mal alleine aus, wagte ich es nicht, am nächsten Abend gleich wieder abwesend zu sein. Wenn ich zu einem Seminar wollte, organisierte ich mir die Fahrzeiten möglichst so, dass ich für die Gute-Nacht-Geschichte wieder zu Hause war. Plante meine Schwester mit mir ein Wellnesswochenende, willigte ich allenfalls in eine einzige Übernachtung ein. Denn eigentlich, eigentlich sollten meine Kinder doch niemals auch nur eine Sekunde ohne mich verbringen müssen.

Die Kehrseite davon war, dass es bis auf Beruf und Familie nichts anderes mehr in meinem Leben gab. Das mag eine Weile auch gut gehen und sogar vernünftig sein, jedenfalls solange die Kinder noch klein sind oder wenn besondere Umstände das erfordern. Oder wenn ich mir das so und nicht anders wünsche. 

Bei mir führte es mit den Jahren allerdings dazu, dass ich mich eingesperrt, erschöpft und unglücklich fühlte. Dieses Stundenzählen, dieses der Zeit hinterherrennen und dieses eigentlich, eigentlich nie weg sein dürfen, gaben mir das Gefühl von immer zu wenig Zeit  für meine Kinder, weil es ja doch nie 24/7 war.

Ich war wie das Kaninchen aus „Alice im Wunderland“. Ruhelos, atemlos, manchmal auch kopflos.

Eines Tages musste ich mir eingestehen, dass ich nicht rund um die Uhr für meine Kinder da sein konnte und diesem Ideal auch nicht mehr nachjagen wollte.

Ich wollte auch noch Zeit für andere Dinge im Leben. Das zu sagen, kam mir furchtbar vor. Inzwischen finde ich, es ist okay. 

Dieses Okay habe ich mir aber selbst erst geben müssen. Das fiel mir um so leichter, je öfter ich meine Kinder auch ohne mich ausgeglichen und zufrieden antraf. Warum auch nicht? Sie brauchten fürsorgliche und verantwortungsvolle Bezugspersonen, das ja. Und sie waren auf Menschen angewiesen, zu denen sie eine tiefe, vertrauensvolle Verbindung haben. Ganz klar. Aber diese Rolle konnten zeitweise genauso gut andere liebe Personen übernehmen wie etwa die Erzieherin, die Oma, der Papa, die Tante…

Ich halte es jetzt also mit den Französinnen, die zwar auch von der l´equilibre (Work-Life-Balance oder Vereinbarkeit) sprechen. Darunter aber etwas anderes verstehen, und zwar das Ideal, dass die Alltagsbereiche ausgewogen sind und keiner den anderen dominiert. Das bedeutet also, dass ich mich um andere Bereiche meines Lebens genauso gut kümmern darf wie um meine Kinder.  

Das französische Wort für Vereinbarkeit (equilibre) beinhaltet auch das Wörtchen frei (libre). Mir gefällt das. Seit dem ich das weiß , gestehe ich mir selbst mehr Freiräume zu. 

 

Mythos Nummer 2:  Kinder brauchen permanente Anregung und Förderung!

Ich weiß, das ist jetzt überspitzt ausgedrückt, aber wenn wir ehrlich sind, dann stellt sich uns ganz oft die Frage, ob wir unsere Kinder genug fordern oder fördern.

Bei mir kam die Frage in unterschiedlichsten Ausprägungen auf. Das sah dann zum Beispiel so aus: 

  • Sollte ich nicht langsam mal das passende Instrument für die Maus finden?
  • Sollte die Minimaus nicht schon bald einen Kindertanzkurs besuchen?
  • Genügt für den Mäuserich wirklich das KiTa-Sportprogramm?
  • Versäume ich etwas, wenn ich meine Kinder so ganz ihren eigenen Interessen überlasse?
  • Ist es normal, dass meine Kinder so ungern in Gruppen tanzen (wahlweise schwimmen, Fußball spielen, Fagott spielen)?
  • Sollte ich viel strenger sein?
  • Und überhaupt, sollten nicht alle drei frühzeitig ein Instrument spielen lernen?
  • Versaue ich das Leben meiner Kinder gar, wenn sie nicht endlich, endlich  professionelle Sprach-, Tanz- und Musikstunden bekommen?
  • Und was sagt das über meine erzieherischen Qualitäten aus, dass meine Tochter im Unterschied zur kleinen Ella von nebenan mit 5 Jahren noch immer nicht schwimmen kann?

Kurz gesagt, ich hatte permanent das Gefühl, ich tue in dieser Hinsicht viel zu wenig.

Die schlichte Erkenntnis nach 9 Jahren Mamasein ist: Meine Kinder finden selbst heraus, was ihnen Spaß macht. Die Maus beispielsweise hat sich ihre Nachmittagskurse in der Grundschule schon bald selbst ausgesucht und ist nach einigem Ausprobieren bei den Kursen geblieben, die ihr wirklich Freude machen. Die macht sie nun auch schon seit 4 Jahren und ich musste nicht ein einziges Mal mit ihr diskutieren, ob sie hingeht oder nicht. Im Gegenteil, ich lasse sie Termine schwänzen und weiß genau, das nächste Mal geht sie wieder gerne in ihren Kurs. Ach ja, und schwimmen kann sie inzwischen auch.

Nun mag nicht jedes Kind so ticken und vielleicht lehrt mich der Mäuserich nochmal etwas anderes, aber bisher funktioniert es für uns so am besten. 

Das heißt, wir hören unseren Kindern zu und besuchen dann eben auch mal ein, zwei, drei und sogar vier ergebnislose Probestunden. In den letzten Jahren habe ich mehr Tanz-, Gesangs- und Schwimmlehrer kennen gelernt als in meinem ganzen Leben zuvor. Wir haben auch schon mal Instrumente nach nur zwei Monaten wieder abgegeben (zum Glück waren sie nur geliehen) und eine komplette Balletausstattung letztlich nur für den Hausgebrauch gekauft.

Was soll´s? Das meiste wächst sich aus.

Wer sich ohne Druck ausprobieren darf, findet letztlich seine wahre Leidenschaft.

 

Mythos Nummer 3:  Eine gute Mutter opfert sich auf!

Das ist noch so ein Satz. Oh je. Der ist quasi in mein Herz eingeritzt. Er sitzt an der Stelle, an der es einem als Mama so richtig weh tut. Denn natürlich würden wir alles für unsere  Kinder tun. Alles!

Dieser Mythos hat viele Gesichter.

Das erste Mal begegnete er mir schon in der Schwangerschaft bei meinen Überlegungen, was ich jetzt noch essen darf, und wie lange die Elternzeit sein sollte. Er kam wieder bei der Frage Stillen oder nicht? und ab dann begleitete er mich bei all den kleinen und großen Entscheidungen, die ich als Mutter plötzlich so zu treffen hatte. 

Er hat ganz viel mit dem 24/7- Mythos zu tun. Und damit, dass ich meine Ziele, Träume und Interessen dem Muttersein unterordnen muss.

Das klingt wie von Gestern? So denken noch ganz viele. Liebe und auch weniger liebe Menschen teilen mir bis heute auf ihre direkte oder indirekte Art mit, was ich als Mutter zu tun habe oder zum Wohle meiner Kinder eben nicht mehr tun kann. Beim ersten, zweiten und dritten Kind. Jedes Mal gab es neue Weisheiten. Und immer gab es etwas, was jetzt aber ganz bestimmt nicht mehr machbar war oder was ich mir nun aber ganz sicher nicht mehr zumuten sollte. Etwa mit drei Kindern noch arbeiten oder als berufstätige Mehrfachmama promovieren oder mich für irgendwelche Wochenendkurse anmelden und mir auch noch Zeit zum Nichtstun wünschen.  

Keine dieser gut gemeinten, ungläubigen oder gar pessimistischen Aussagen hatte mich gänzlich kalt gelassen. Obwohl sie wenig oder gar nichts mit mir und meiner Familie zu tun hatten, denn letztlich waren sie nur allgemeine Vorstellungen oder reine Glaubenssache. Aber sie klangen so verdammt wahr.

Für meine Familie tue ich immer noch alles. Alles, was ich kann. Doch gleichzeitig nehme ich mir Raum für meine eigenen Bedürfnisse. Das heißt, dass ich ganz viele Dinge tue, die mir Spaß, Energie, Schlaf oder Schokolade bringen. Und andere Dinge mache ich nicht mehr, weil sie mich langweilen, nerven, überfordern, zu viel Zeit kosten oder weil es Menschen in unserem Leben gibt, die es einfach besser können und die es im Gegensatz zu mir sogar gerne machen. 

Kurz gesagt, ich fordere Zeit für mich ein und ich bitte um Hilfe – im Großen genauso wie im Kleinen. Auch wenn ich mich dadurch so gar nicht aufopfernd verhalte.

Die Bitte um Unterstützung gilt letzten Endes nicht nur mir selbst. Sie sorgt dafür, dass es mir gut geht und dass ich im Familientrubel entspannt bleiben kann. Davon profitieren alle.  

 

Mythos Nummer 4:  Wenn Du als Mutter ein schlechtes Gewissen hast, machst Du etwas falsch (oder nicht genug für Dein Kind)!

Dieser Mythos gehört ganz eng zum Opfer-Mythos. Das schlechte Gewissen ist die kleine Schwester des Aufopferns. Denn es kommt immer dann angekleckert, wenn das mit dem Aufopfern nicht so gut klappt.

Na klar, ich könnte alles immer noch besser, liebevoller, langmütiger, kreativer, leckerer, glitzernder, gemütlicher, spannender, lustiger oder gar feenmäßiger machen. Es ist immer noch Luft nach oben. Für Konfetti oder Lametta oder so…

Selbst dann, wenn ich eines Tages einmal glauben sollte, mit meinen Kindern alles superdupa, abenteuerlich, bullerbümäßig, wunderreich, gut gemacht zu haben, weiß ich es doch nicht wirklich. Vielleicht erfahre ich es erst, wenn mir meine Kinder in 20 Jahren eines nicht erzählen. Das sie eine schreckliche Kindheit gehabt haben.

Meine Lösung gegen das schlechte Gewissen? Ich lebe mit ihm.  

Denn ich weiß, auch wenn ich vermeintlich alles richtig mache, wenn ich mich auspowere, überfordere und dabei in die Knie gehe. Das schlechte Gewissen geht nicht weg. Es gehört zu mir.

Vielleicht hat es sogar einen Sinn, weil ich dadurch offen bleibe für die Perspektive meiner Kinder; weil es mich dazu bringt, meine eigene Kindheit mit ihrer abzugleichen. Das klingt doch gar nicht so verkehrt.

Und wenn ich es doch mal für einen Augenblick los werden will, dann hilft mir das Zitat von Elisabeth Badinter (eine französische Autorin und Philosophin), die von sich selbst gesagt hat: Ich bin eine mittelmäßige Mutter, wie vermutlich die meisten Frauen. Wer das so freimütig von sich sagen kann, muss als Mutter sehr gelassen sein.

Vor allem aber hilft mir der Satz einer Freundin: Deine Kinder haben sich nun einmal dich als Mama ausgesucht. Das mag in manchen Ohren albern klingen. Mich entspannt diese Sichtweise ungemein.

Denn es ist wahr: Ich bin die beste Mutter, die meine Kinder je haben werden.

 

Mythos Nummer 5:  Du kannst alles haben!

Von diesem Gedanken habe ich mich nur schwer verabschieden können. Und damit meine ich noch nicht einmal so sehr das Entweder-Oder, Karriere oder Kind, Ganztags oder Halbtags. Ich meine die To-do Listen und das, was vermeintlich all die anderen Väter und Mütter noch so nebenbei schaffen.

Mir kam erst spät in den Sinn, dass ich selbst für mein Energieleck verantwortlich bin; dass niemand kommen wird, um mich zu retten. Nicht einmal mein Mann. Na gut, er dankt mir ab und zu für das, was ich so tue. Aber niemand wird mir sagen Jetzt hast Du wirklich genug gemacht. Ich selbst muss mir klar darüber sein, wann es an der Zeit ist, aufzuhören und auf mich zu achten.   

 Es ist so unwichtig, was ich im Vergleich zu anderen alles nicht tue. Schließlich muss ich nicht alle anderen sein. Ich muss nur ich sein.

Das bedeutet für mich Prioritätensetzen. Im Familienalltag und überhaupt in meinem Leben. Ich schaffe mehr, indem ich weniger tue. Das klingt erst einmal absurd. Ist aber goldrichtig. Denn wenn ich mir Zeit lasse, nur kleine Schritte mache und mich nicht selbst permanent zu noch mehr Effizienz und Produktivität anfeuere, geht es mir gut. Nur so habe ich die Energie und Kraft für den Alltagskram, nur so bin ich mehr bei mir selbst und wesentlich gelassener.

Ich habe mir also 5 Maximen gesetzt. Meine Big Five, herausgefiltert aus dem Wirrwarr meiner Vorstellungen, Gedanken, Wünsche und Erwartungen.  

Mein Beruf und gemeinsame Zeit mit meinen Kindern stehen ganz oben auf meiner Liste. Zwei, drei weitere Dinge folgen danach. Alle Extras lasse ich außen vor: Ich bewege mich viel, treibe aber kaum Sport; ich gehe gern aber selten mit meinen Freundinnen aus; ich führe momentan nicht die romantischste Beziehung aller Zeiten und ich habe auch keinerlei Ehrgeiz, meine Wohnung einmal komplett umzugestalten.

Es wird eine Zeit geben, zu der wieder mehr oder andere Punkte auf die Liste passen. Für den Augenblick aber sind die Big Five mein Plan A, auf den ich mich konzentriere, sobald ich mich wieder in meinen eigenen Erwartungen zu verirren drohe. Sie helfen mir dabei, in der Gegenwart zu bleiben und mich nicht in dem zu verlieren, was ich alles nicht schaffe.

Es geht bei der Vereinbarkeit nicht darum, alles zu haben. Aber es geht um alles, was mir wichtig ist.

 

Als ich damit begann, mich mit den Mythen des Mutterseins zu beschäfigen, hat mich überrascht, wie viele mir in meinem Alltag noch begegnen. Vor allem aber war ich erstaunt, wie tief sie in mir selbst verankert sind, obwohl ich nichts davon wirklich ernst nehmen wollte. Sie erschienen mir einerseits veraltet und andererseits auch überzogen. Dennoch waren sie schon längst der innere Kompass, dem meine Muttergefühle folgten. Dieser Widerstreit zwischen dem, wie ich bin und dem, was ich aufgrund der Mythen glaubte, sein zu müssen, kostete mich einen großen Teil meiner Energie. Er verhinderte, dass ich mich ernst nahm, mich klar äußerte und meine Grenzen beachtete.     

Für mich ist inzwischen eines ganz deutlich:

Die perfekte Balance zwischen Familie und Beruf meint für jede von uns etwas anderes. Sie verändert sich mit dem Alter der Kinder, mit den eigenen Zielen und mit der eigenen Kraft. Sie ist eine Momentaufnahme und sie hängt davon ab, wo wir unsere Grenzen ziehen.

Manchmal seufze ich immer noch. Ausversehen. Dann habe ich mich sozusagen verseufzt, denn es ist gar nicht so einfach das nicht mehr zu tun. Aber ich habe ganz tolle Kinder. Die sagen mir auf ihre Weise, wann ich mal wieder aus dem Gleichgewicht und deshalb auch ziemlich blöd bin. Dann schimpft sogar die Minimaus. Sie schüttelt ihren blonden Schopf und sagt mit dieser bestimmenden Art, die nur Dreijährige hinbekommen, Mama, nein!. Oder der Mäuserich poltert Du bist die blödestes Mama auf der ganzen Welt!. Und die Maus? Die kann dann nicht einschlafen. Sie krabbelt zu mir ins Bett und muss dann mit mir ganz dringend reden. 

Eine Umarmung und drei Worte später schläft sie schon.

 

 Mehr zum Thema Mythen findest du hier: 

*Die deutsche Mutter von Barbara Vinken – der Titel klingt vielleicht etwas pathetisch und das Buch ist bereits 2007 erschienen. Es ist jedoch auch heute noch genauso aktuell, denn es geht darin um die Frage, woher das Bild der perfekten deutschen Mutter kommt und welchen Einfluss es auf unser Rollenverständnis und Frauenbild hat. Die Mythen rund ums Muttersein gehen auf ein veraltetes Frauenbild zurück und finden sich in anderen europäischen Staaten so nicht. Das Buch betrachtet zwar sehr wissenschaftlich die historischen und sozialen Hintergründe, ist jedoch interessant und spannend für alle, die sich einmal anders mit der Frage der Vereinbarkeit befassen wollen. (Eine ausführlichere Buchvorstellung von mir findest Du hier.)

*Vive la famille von Annika Joeres – ein kurzweiliges und humorvoll geschriebenes Buch über das Leben der deutschen Autorin mit inzwischen zwei Kindern und ihrem Mann in Frankreich (Über ihr Buch hatte schon hier und auch hier geschrieben). Wer Lust auf etwas „“joie de vivre“ zum Muttersein hat, sollte es unbedingt lesen.

*Der Konflikt: Die Frau und die Mutter von Elisabeth Badinter – die französische Feministin, Philosophin und Bestsellerautorin räumt nicht nur mit alten sondern auch mit neuen Mythen auf. Sie sieht die einst erkämpften Freiheit der Frauen erneut bedroht durch das Diktat des Natürlichen. Sie schreibt mit ihrem Buch dagegen an, dass sich Frauen die Freiheit nehmen lassen, ihr Leben und die Beziehung zu ihren Kindern selbst zu gestalten. Klug und weitsichtig.  Mich hat es in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken gebracht.

 

Und schreib mir gerne: Was sind die Mythen, die dich blockieren oder antreiben? Welche Erwartungen an dich selbst musstest Du aufgeben, um dein Leben als Mama besser ausbalancieren zu können? Schreib mir gern, ich bin neugierig.

Genieße den Herbst und habe eine entspannte Zeit! 

 

(Dies ist der zweite Teil aus meiner Beitragsreihe „Das Vereinbaren vereinfachen“. Den ersten Beitrag findest Du hier.)

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