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Mit dem Schiff in Norwegen: Ein Reise-Guide

Eines der vielen Dinge von denen ich glaubte, dass ich sie nie in meinem Leben tun würde – und ich meine wirklich niemals – war eine Kreuzfahrt. Ich und 2000 fremde Menschen auf einem Boot? Never! Und nun habe ich gerade die zweite Schiffsreise hinter mir und muss meine Meinung korrigieren. Ich werde ganz sicher noch einmal eine Kreuzfahrt machen. Ich liebe diese Art zu reisen. Meine Kinder lieben es auch. So ein Schiff bringt uns auf eine Weise an Orte, die uns gut tut. Es vereint alles, was ich mag: Meer, Schiffe, Zeit und eine atemberaubende Aussicht. Wir haben unseren eigenen kuscheligen Rückzugsort immer dabei und bewegen uns ganz gemächlich durch die Welt. Wir schlafen, essen, schauen (auch nachts) staunend aus dem Kabinenfenster, machen ein paar Ausflüge auf die Berge und in den nächsten Fjord und fläzen uns danach wieder mit einem Buch und einem Kaffee in eine Ecke mit Meerblick. Das Meer ist nicht 300 oder 500 m Fußweg von uns entfernt, sondern wir sind mittendrin. Oder wohl eher mitten auf ihm. Himmel, war das schön. Ich konnte mich nicht satt sehen an den Sonnenuntergängen, dem Licht, dem ganzen Grau und Blau und Türkis. Und dann die Berge, teilweise noch mit Schnee bedeckt, die rauschenden Wasserfälle, die kleinen und großen Inseln mit ihren Holzhäusern und Leuchttürmen…Stundenlang an Deck sitzen und über das Wasser schauen, den Schiffen beim Vorbeifahren zusehen und dann mit einem Riesenhunger am Büffet Crépes und Eis verdrücken. Und auch dabei wieder aufs Meer schauen. Unser Ausflug in das idyllischen Bergen (zum Trolle zählen) und ein paar Tage später dann durch den Lysefjord. Einmal auch hoch hinaus über den Eidfjord und noch weiter hinauf über das Getöse der Wasserfälle. Zum Schluss dann Oslo. Genauso unaufgeregt und freundlich wie die ganze Reise. Hier gibt es noch ein paar Ecken, Cafés und Ausflüge, die ich mir für das nächste Mal aufgehoben habe. Denn – und da bin ich mir ganz sicher – ich werde wiederkommen.

Shopping und Essen

Im Hanseviertel Bryggen, das mit seinen etwa 60 Gebäuden auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO steht. Unser Spaziergang durch die engen Passagen und dunklen Laubengänge zwischen den Holzhäusern fühlte sich wie eine kleine Zeitreise an. Hier lässt es sich herrlich stöbern, denn in den kleinen versteckten Passagen und Läden finden sich wunderschöne kleine Cafés und Läden wie z.B.

Gunvor Handmade Illustrations mit bunten, lustigen Postkarten, Grafiken und Drucken
(Bryggen , Bergen, http://www.gunvor.no)

Oder Susans Fosse Knitwear mit ihren typischen norwegischen Pullovern, Schals und Mützen.
(Jacobsfjorden 6c, Bryggen, Bergen, www.fosseofnorway.nl)

Elg. Wer Elche liebt, der findet sie hier. Auf nur 14 Quadratmetern gibt es eine Riesenauswahl an allem, was man sich in Form eines Elches (z.B. Kuscheltiere und Schlüsselanhänger) oder mit einem Elch darauf (T-Shirts, Capes, Taschen und Tassen) vorstellen kann.
(Bryggen 11, 5003 Bergen)

Ting. Einer der Läden, in dem ich gerne noch ewig herumgestöbert hätte. Lampen, Teppiche, kleine und große Einrichtungsgegenstände, Dekoration, Kinderkleidung, Spielzeug… Aber der Hunger hat uns dann doch schnell weiter getrieben.
(Bryggen 11, 5003 Bergen www. ting.no)

Museumsshop Kon-Tiki. Für den Mäuserich gab es eine Mininachbildung der Ra II. Für mich eine schwarze Stofftasche mit dem Zitat von Thor Hayerdahl „Borders? I habe never seen one. But I have heard they exist in the minds of some people.“. Das Zitat gab es auch auf Magneten und Emailletassen. Und wenn ich mehr Platz im Koffer gehabt hätte, wären vielleicht auch noch die Malbücher und illustrierten Abenteuergeschichten über den Seefahrer dazu gekommen.
(Bygdoynesveien 36, 0286 Oslo, www.kon-tiki.no)

Bei einer Schiffsreise gibt es auf dem Schiff so viel zu essen, dass wir jedes Mal pappesatt von Bord gegangen sind und an Land gar nicht in einem Restaurant waren. Ich bin mir sicher, es gäbe da auch in Norwegen noch einiges zu entdecken. Vor allem der Fischmarkt auf dem Torget in Bergen mit seinen fangfrischen Fischen und Meeresfrüchten, das hätte mich interessiert. Begeistert hat mich dann aber doch die kleine Bäckerei von der Bäckereikette Brun direkt in Bryggen, die es seit 125 Jahren gibt, und die leckeren Kaffee und süße Teilchen verkauft. Mit Blick auf den Fischmarkt und den Hafen zum Pause machen.
(Bryggen, Bergen www.bakerbrun.no)

Ansehen

Zu Fuß in die Festung Bergenhus. Das war das allererste, was wir nach dem 1. Seetag überhaupt gemacht haben. Noch bevor wir durch die Hafenstadt Bergen gelaufen sind. Einfach im Park der Festung Bergenhus – übrigens eine der ältesten und am besten erhaltensten Festungen Norwegens – ein bisschen herumbutschern. Die ältesten Teile der Festung stammen schon aus dem 12. Jahrhundert und vor allem der Mäuserich war begeistert, auf einer echten Burg zu stehen. Dementsprechend intensiv wurden auch die Kanonen aus dem 17. Jahrhundert bestaunt. Um die Burg herumstromern, den Anblick des kleinen Rummels am Hafen in uns aufnehmen, auf den Mauerresten herumklettern und durch den Park laufen, hüpfen, schlendern. Das nächste Mal gehen wir auch mal hinein. Wir haben uns irre wohl gefühlt.

Mit der Floibane auf den Berg. Schon die Fahrt mit der Standseilbahn auf den 320m hohen Floyen (einer von den 7 Bergen um Bergen herum) war ein Ereignis. Der Blick über Bergen – den ich ganz wunderbar fand – hat die Kinder hingegen weniger begeistert. Viel, viel spannender waren die freilebenden Bergziegen, die sich sogar streicheln ließen, und der naturbelassene Spielplatz im Wald mit einem kleinen Wasserlauf und großen Felsbrocken zum Klettern, die garantiert versteinerte  Trolle sind. In der Zwischenzeit konnte ich in der Sonne sitzen, eine Runde im Souvenirshop stöbern und noch einmal weit über Bergen schauen.

Mit dem Boot in den Lysefjord. Der Lysefjord liegt östlich von der kleinen Hafenstadt Stavanger und ist an seiner tiefsten Stelle 500 m tief. Eines der beeindruckendsten Ausflugsziele am Fjord ist der sogenannte Prekestolen, eine natürliche Felsplattform, von der aus man über den Fjord und die angrenzenden Berge blicken kann. Der Lysefjord gilt als einer der schönsten Fjorde Norwegens und auf der dreistündigen Bootsfahrt kamen wir immer wieder an Inseln, alten Bauernhöfen, unsagbar steilen Felswänden und Wasserfällen vorbei. Der Mäuserich stand mit mir ganz vorne an der Spitze des Bootes. Wir haben uns den Wind um die Nase wehen lassen, auch wenn ich ein paar Mal Sorge hatte, er würde uns die Mützen vom Kopf zerren. So stürmisch war es zwischendurch. Bei einem kleinen Zwischenstopp im Fjordcenter gab es heißen Kakao und Waffeln. Hier hätte ich mir noch mehr Zeit gewünscht, um einfach noch ein wenig zu sitzen und zu schauen.

Mit dem Bus in die Hochebene. In 1250 m Höhe liegt die Hochebene der Hardangervidda. Zum Wasserfall Voeringfossen sind es vom nahe gelegenen Fossli-Hotel nur ein paar Meter. Der Mäuserich wollte viel lieber Schneebälle werfen und ist mit dem Opa quasi im Schnee stecken geblieben,  während die Maus und ich uns auf die Brücke über den Wasserfall gewagt haben. Etwas mulmig war uns in der Höhe schon, aber die Sonne hat für uns einen Regenbogen in den Wasserfall gezaubert und uns unsere Angst vergessen lassen. Die Rückfahrt haben wir für einen Kurzbesuch im Norsk Naturcentret unterbrochen. Hier kann man etwas über die Entstehung Norwegens erfahren und sich Rentiere und Elche (leider keine lebenden) ansehen. Und wir haben die Antwort auf die Frage gefunden: „Wie erklettert man einen Wasserfall?“.

Nach dem Ausflug noch eine Runde am warmen Hardangerfjord spazieren gehen, in den kleinen Souvenirläden stöbern und Eis und Kaffee mit Blick auf den Fjord und den kleinen Hafen genießen.

In Oslo am Hafen liegt das Kon-Tiki Museums und gleich schräg gegenüber das Frammuseum. Ich hatte mir den Ausflug dorthin für die Maus und den Mäuserich überlegt, denn die Ausstellungen berichten ganz viel über den norwegischen Polarforscher Fridtjof Nansen und dem Entdecker Thor Heyerdahl. Als wir ankamen, ist der Mäuserich direkt zur Kon-Tiki und wegen all seiner Boahs und Warums haben wir den Erklärungen unseres Reiseleiters nur halb zugehört. Wir mussten dann noch ein paar Mal um das Floß herum stapfen und auch um die Ra II, danach im Museum schräg gegenüber durch das Polarschiff Fram klettern, eine Weile auf dem Deck stehen und die Projektionen des Nordpols bewundern, dann durch die Kältekammer schleichen, die uns einen gehörigen Schrecken eingejagt hat, weil hier ein paar verhungerte und erfrorene Seefahrer herumlagen. Und das Iglu mit dem Eisbären davor, das mussten wir uns dann natürlich auch noch genauer ansehen. Hätte das Museum nicht irgendwann geschlossen, wären wir wohl den ganzen Abend geblieben. Und wäre unser Kreuzfahrtschiff an dem Abend nicht wieder ausgelaufen, wären wir wohl noch einmal wieder gekommen.

Das Auslaufen des Schiffes aus dem Hardangerfjord auf dem Weg nach Stavanger führte uns durch eine der traumhaftesten Landschaften, die ich je gesehen habe. Es war atemberaubend schön. Ich konnte mich erst gar nicht satt sehen und habe so unglaublich viele Fotos gemacht, dass ich jetzt gar nicht weiß, wohin mit all diesen Bildern. Nach einer Weile habe ich dann aber einfach nur noch an Deck gestanden und mich satt und müde gesehen.

Für das nächste Mal vorgemerkt

Ich würde gerne viel mehr von Oslo erleben. Die Cafés, die Architektur, die an das Berlin der 20er Jahre erinnert, die Parks, Galerien und Museen. Vor allem das Munch-Museum und auch die Oper, den Skulpturenpark und das Kinderkunstmuseum.

Eine Wanderung auf einem der 7 Berge rund um Bergen.

Die Fantoft Stabkirche in Bergen. Überhaupt die Stabkirchen, die im 12. Jahrhundert erbaut wurden und von denen es in Norwegen noch 28 gibt.

Die Stadt Alesund, mit ihrer märchenhaften Architektur.

Und die Atlantikstraße.

Und der Norden Norwegens, über die Lofoten bis nach Spitzbergen.

 

Mitgebracht

Eine Mütze mit dem typischen Norwegermuster für mich und die Maus (wir haben ja auch noch nicht genug Mützen), das kuschelige Tuch mit den Elchen, das ich im Souvenirshop auf dem Floyen entdeckt habe, eine Nachbildung der Ra II für den Mäuserich aus dem Museumsshop im Kon-Tiki-Museum und einen kleinen Troll für die Maus. Dazu die schwarze Stofftasche mit dem Zitat von Thor Heyerdahl „Borders? I habe never seen one. But I have heard they exist in the minds of some people.“. Und die Bodylotion aus dem Spa auf dem Schiff, die so gut duftet und jetzt so aufgeladen ist mit Reiseerinnerungen, dass mich das Eincremen jedes mal ganz glücklich macht. Und ruhig und friedlich. Mit einem Hauch Fernweh.

 


Warst Du auch schon mal in Oslo oder Norwegen unterwegs?

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P.S. Die Antwort auf die Frage von oben, wie man einen Wasserfall erklettert, lautet: Wenn er zugefroren ist! 🙂

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