Familienleben
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Meine Jugendliebe ist gestorben…

Ich habe gestern die Nachricht erhalten, dass sich jemand das Leben genommen hat. Und als wäre das an sich nicht schon traurig genug, war dieser jemand meine Jugendliebe. Wir waren nie ein Paar, bis auf ein paar Küsse hat es da nichts gegeben und ich glaube, er war auch nicht in mich verliebt. Dennoch trauere ich, denn ich habe ihn damals sehr geliebt. Wir gingen zusammen zur Schule, haben manchmal gemeinsam Hausaufgaben gemacht und in Biologie und Chemie nebeneinander gesessen. Er konnte singen, war ziemlich schlau und sah gut aus. Das fand ich damals jedenfalls und er war einige Schuljahre lang mein Traum von der wahren Liebe.

Das ist alles über 20 Jahre her, genauso lange habe ich nichts mehr von ihm gehört oder gesehen. Ich habe ihn ab und zu mal „gegoogelt“, um zu erfahren, wohin ihn das Leben so verschlagen hat. Viel habe ich nicht herausfinden können und auch schon lange nicht mehr an ihn gedacht, trotzdem hat mich die Nachricht von seinem plötzlichen Tod eiskalt erwischt.

Er war wie ich gerade einmal Anfang 40, frisch gebackener Vater und wie ich hörte auch erfolgreich in seinem Beruf. All das hat ihm nicht geholfen, seine Depression zu besiegen und nun gibt es ihn nicht mehr. Nicht mehr für seine Freundin, nicht mehr für seine Mutter und nicht mehr für sein Kind.  Ein ausgelöschtes Leben, um das jetzt getrauert wird.

Ich bin eine Außenstehende und kann gar nichts dazu sagen, wie er als Mensch in den letzten Jahren so wahr oder wie es seiner Familie im Moment ergehen mag. Ich hatte mir ab und zu ausgemalt, dass wir uns irgendwann einmal in einem Jahrgangstreffen unseres Gymnasiums wieder sehen würden, dass wir uns Fotos von unseren Kindern zeigen, über unsere Schulzeit und meine Verliebtheit damals lachen und dass wir uns trotz des ganzen Lebens dazwischen gut verstehen. Denn das haben wir damals – uns gut verstanden. Und nun habe ich nur noch dieses eine Foto von ihm und meine Erinnerungen an ihn und das macht mich so unsagbar traurig, dass ich mich selbst darüber wundere.

Das, was ich hier schreibe wird dem Verlust kaum gerecht werden, den seine Familie jetzt empfinden muss. Ich versuche dennoch, mein Mitgefühl angemessen zu formulieren und wünsche seiner Mutter, dass sie die Kraft findet, ihren Sohn zu verabschieden und im Herzen zu behalten und seiner Freundin, dass sie trotz allem ganz viel Liebe und Freude an ihrem neugeborenen Baby empfinden kann. Ich wünsche allen, für die sein Tod überraschend und schmerzhaft kam, dass sie ihn in Erinnerung behalten können wie ich es tue – als fröhlichen, starken, selbstbewussten und  klugen Mann, der ganz sicher ein liebevoller Vater geworden wäre, wenn ihm seine Krankheit eine Chance dazu gegeben hätte.

 

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  1. Es tut mir leid. Mit der Person ist nun auch ein wunderbarer Teil deiner Jugend vergangen, wahrscheinlich trägt das zur Trauer bei, dieses „nicht mehr anknüpfen können“. Wie furchtbar muss es für die Frau sein.

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