Aus unserem Familienleben
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Lasst uns über Geld reden…

Ja, ich lese sie ab und zu – die Zeitschrift Nido. In der kürzlich von mir erworbenen Ausgabe gibt es einen Beitrag zum Thema Geld. Was passiert eigentlich damit, wenn ein Kind ins Spiel kommt und aus der gemeinsamen Wohnung auf einmal ein wirtschaftlich zu führender Haushalt wird? Warum wird über das liebe Geld jetzt mehr gestritten als vorher? Vor allem, wie gehen die frischgebackenen Eltern damit um, wenn einer von ihnen weniger oder kein Einkommen mehr hat, weil er oder sie zu Hause bleibt oder Teilzeit arbeitet oder keine Karriere mehr machen kann oder oder oder…

Und schon ist man wieder munter in der Vereinbarkeitsfrage, denn wer erfährt die meisten Veränderungen, wenn es um das Finanzielle geht? Richtig, die junge oder eben auch nicht mehr so junge Mutter. Überwiegend ist es bei uns immer noch die Mutter, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen muss. Kann und will ich so weiterarbeiten wie bisher? Kann und will ich auf ein eigenes Einkommen oder jedenfalls auf einen Teil davon verzichten? Verbaue ich mir die Chancen auf Gehaltserhöhungen? Welchen Preis zahle ich für meine Vollzeitarbeit (Haushaltshilfe, Betreuungskosten etc.) oder Teilzeitarbeit (Gehaltseinbußen)? Komme ich wieder zurück in den Beruf, wenn ich länger aussteige? Und das sind nur ein paar der entscheidenden Fragen rund um die Finanzen.

Darum, lasst uns über Geld reden.

Bei uns war vor den Kindern alles Halbe/Halbe. Jeder hatte sein Gehalt, sein Konto und seine eigenen Ausgaben. Mit der gemeinsamen Wohnung wurden deren Kosten geteilt. Ansonsten galt nach wie vor:  jeder sein Konto, jeder sein Geld. Gemeinsame Ausgaben wie Lebensmittel, Reisen oder gemeinsame Anschaffungen wurden deshalb ebenfalls geteilt.

Mit den Kindern blieb das so. Es gibt jetzt nur den kleinen Unterschied, dass wir neben den jeweiligen Gehaltskonten ein drittes Konto haben, auf das das Kindergeld und ein monatlicher Fixbetrag für gemeinsame Ausgaben wie zB Miete, Nebenkosten, Betreuungskosten, Kleidung für Kinder, Versicherungen für die Kinder und die Wohnung sowie andere gemeinsame Ausgaben eingezahlt werden. Ansonsten hat immer noch jeder sein Gehalt und sein Konto. Sonstige unvorhersehbare Ausgaben und schwankende Kosten zB für Lebensmittel oder Freizeitgestaltung werden notiert und am Ende des Monats verrechnet. Wer mehr ausgegeben hat, bekommt seinen Fehlbetrag erstattet.

Sogar in meiner Elternzeit bleibt es bei diesem System, was wohl nicht ganz fair ist, weil ich aufgrund meiner Auszeit im Beruf schlicht weniger Einkommen habe und das immerhin wegen des gemeinsamen Kindes. Das fangen wir dadurch auf, dass der Mäusepapa jetzt öfter mal etwas alleine übernimmt oder wir im Einzelfall besprechen, wieviel ich dazu im Moment beitragen kann.

Bei uns gibt es zum Glück keinen Streit über Geld. Wir halten an der Regelung fest, dass jeder seine Finanzen weitestgehend selbst verwaltet. So lange die gemeinsamen Ausgaben, Anschaffungen und Ziele erreicht werden, gibt es keinen Grund für Auseinandersetzungen. Wir legen uns auch nicht darüber Rechenschaft ab, was wir für uns selbst kaufen.

Mir ist es wichtig, unabhängig zu bleiben. Deshalb will ich auch nach dem ersten Jahr mit der Minimaus wieder arbeiten und das wird nicht „nur“ zu 50% sein. Ich bin einfach so gestrickt und könnte mir schon ein gemeinsames Konto, auf das alle Einnahmen zusammen fließen, nicht vorstellen. Noch weniger will ich um Geld bitten müssen. Ich möchte diese absolute Transparenz oder anders gesagt Kontrolle einfach nicht. Ich denke, das funktioniert bei uns auch deshalb, weil wir ungefähr gleich viel verdienen und eine ähnliche Einstellung zum Geld und dem, was man damit machen kann, haben. Das bedeutet natürlich gegenseitiges Vertrauen. Wenn wir voneinander nicht wüssten, dass wir mit unserem Geld im Sinne unseres gemeinsamen Familienlebens umgehen, könnte das so nicht klappen.

Ich finde es im Hinblick auf die Familienfinanzen auch immer noch befremdlich, dass man in unserem Land durch das Ehegattensplitting steuerlich besser da steht, wenn man als Eltern das Alleinverdienermodell lebt. Kommt es zur Trennung wird man gesetzlich wiederum so behandelt, als sei man von heute auf morgen (wieder) in der Lage finanziell unabhängig zu sein. Ich habe nicht vor, mich jemals vom Mäusepapa zu trennen oder längere Zeit zu Hause zu bleiben, aber erstens weiß man nie wie es kommt und zweitens wird es Zeit für ein neues Familien-, Steuer- und Rollenmodell. Im Sinne der Familien mit Kindern bin ich sehr dafür, dass Kinder steuerlich wirkungsvoller berücksichtigt werden. Frankreich und Schweden leben uns das mit dem Familiensplitting schon ganz gut vor. Im Übrigen bleibe ich dabei, es tut mir gut, finanziell unabhängig zu bleiben.

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  1. Ich finde es toll, wie ihr das handhabt und dass es kein Streit wegen dem Geld gibt 🙂
    Hätte ich ein eigenes Einkommen, würden wir beide einen Teil behalten und den Rest auf ein gemeinsames Konto einzahlen. Bei uns läuft also alles gemeinsam und wir kommen sehr gut damit klar. Für mich ist auch keine Kontrolle oder Transparenz im Spiel, weil das Geld hauptsächlich für uns als Familie benutzt wird und wir andere Ausgaben schon aufgrund der finanziellen Lage so oder so absprechen. Bei uns gibt es also auch kein Streit wegen dem Geld und ich finde es wirklich schade, wenn ausgerechnet dieser Punkt zum Mittelpunkt einer Beziehung wird.

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