Ich möchte gerne etwas an die Wand werfen…

…oder ganz furchtbar gerne jemanden verprügeln. Natürlich nur bildlich gesprochen, aber ich bin gerade ein wandelnder Wutzwerg. Wer hat hier behauptet, beim dritten Kind würde einem die Babyzeit leichter fallen? Das war wohl ich selbst oder ich habe es mir zumindest eingeredet und der Mäusepapa hat das heute morgen auch nochmal gesagt. Und darüber bin ich jetzt furchtbar wütend auf ihn, auf mich, auf die ganze Welt.

Mir fällt gerade gar nichts leicht. Der Alltag hat uns nach den schönen Weihnachtsferien knallhart wieder eingeholt. Ich bin müde, die meiste Zeit allein (mein Rückbildungsyoga hilft da auch nur temporär) und gefühlt für den ganzen Kinderkram zuständig. Weil der Mäusepapa ja arbeitet und selbst total gestresst ist. Da fällt es ihm auch schwer, Maus und Mäuserich jeden Morgen alleine zu bringen und nachmittags dann auch noch den Mäuserich wieder abzuholen. Und so teilen wir das jetzt irgendwie. Ich bringe Maus und hole Maus und weil ich dann schon mal unterwegs bin mit der Minimaus, begleite ich den Mäuserich und Mäusepapa morgens auch gleich noch zur KiTa und gehe dann weiter zum Einkaufen. Statt dessen möchte ich viel lieber noch ein bißchen Schonprogramm haben. Nach den anstrengenden Stillnächten möchte ich morgens zu Hause bleiben dürfen, wenigstens 10 Minuten für mich im Bad und in Ruhe einen Kaffee trinken bis ich wach bin. Ich möchte Minimaus auch mal abgeben können, mal ohne Kinder sein und nicht nach der Uhr leben müssen. Letzteres will der Mäusepapa auch und kann es genausowenig, nur dass er meine Aufgaben gerade verlockender findet als seine und meinen Tiefpunkt deshalb so gar nicht verstehen kann.

Am schlimmsten ist dabei, dass ich mir nicht erlauben kann, auf ihn sauer zu sein, denn eigentlich kann er nichts dafür. Ich bin nunmal diejenige in der Elternzeit, ich habe mir das so ausgesucht und streckenweise ist es ja auch ganz schön. Aber doch nicht den ganzen Tag und nicht in dieser Absolutheit ohne Pause und nicht in dieser Jahreszeit und nicht ohne Abwechslung. Irgendwo habe ich so treffend gelesen, Kinder haben sei kein Sprint sondern ein Marathon. Das ist so wahr. Ich fühle mich gerade wie im Endspurt und muss doch weiterlaufen. Und um das Elend noch zu vergrößern, fühle ich mich dabei verdammt unverstanden….

Es ist kaum denkbar, dass ich mich in den vorherigen Elternzeiten nicht genauso gefühlt habe. Das haben wir nur schön vergessen. Na klar, habe ich meine Kinder alle lieb und fühle mich die meiste Zeit auch ganz wohl damit, gerade nicht Geld verdienen zu müssen und mir ein paar Monate Auszeit vom Beruf zu nehmen. Aber ich weiß, dass es auch damals immer mal wieder Tage dazwischen gab, an denen ich geflucht habe, mich allein und unverstanden fühlte und auf keinen Fall länger zu Hause sein wollte.  Und an solch einem Zeit- oder auch Tiefpunkt bin ich gerade angekommen. An solchen Tagen plane ich den KiTa-Start mindestens 4 Monate früher; melde mich zu einem Akademiestudium an; bespreche mich mit unserer verständnisvollen KiTa-Leiterin, die mich und meine Babyzeit-Tiefpunkte inzwischen gut kennt; bin ich sauer auf mich, weil ich doch dieses allerallerletzte Mal die Babyzeit voll und ganz genießen wollte; bin ich wütend auf den Mäusepapa, der gerade nur genervt von mir scheint und verständnislos auf seine eigenen Probleme verweist; möchte ich stimmungsauffhellende Medikamente, sofort. Ich möchte es genießen und bin wohl doch so denkbar ungeeignet dafür.

Und jetzt wacht die Minimaus auf und guckt mich mit ihren kullerrunden Augen an, dass es mir schon wieder leid tut, gerade so eine unzufriedene Mama zu sein. Ich gehe jetzt erst einmal wickeln und kuscheln…