Beruf, Das Vereinbaren vereinfachen
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„Ich bin ja so stolz auf mich“ oder Innere Regeln

„Mama, ich bin ja so stolz auf mich.“ klang es vor zwei Tagen glücklich von der Rückbank. Wir fuhren gerade mit dem Auto vom Parkplatz der Rindermarkthalle in Hamburg und kamen vom angrenzenden Sommerdom: Riesenrad fahren, Schmalzkuchen essen, ein paar Runden Autoscooter für den Mäuserich und danach sogar einmal nass werden auf der Wildwasserbahn, anschließend ein paar harmlose Runden im Rennauto auf dem Kinderkarussel, noch mehr harmlose Runden in der Eisenbahn für die Minimaus und dann zum Abschluss noch zwei Runden mit der „Wilden Maus“. Nur der Papa und geradeso (weil erst ab 6 Jahre und einer Körpergröße von 1,10 m) auch der Mäuserich. Aber was ihn so stolz machte, war nicht etwa die „Wilde Maus“-Fahrt (die übrigens nur von außen harmlos aussieht, bei der man aber in jeder Kurve das Gefühl hat, hinaus zu segeln). Er hatte also in meinen Augen allen Grund, das als Abenteuer zu sehen. Aber nein, das war es nicht. Der Mäuserich hatte ganz zum Schluss, als wir nur noch 3 Euro und ein paar Münzen für das Parkticket in der Tasche hatten, 10 viel zu schwere, übergroße Konservendosen mit einem viel zu flauschigen Fußball vom Stapel gekickt. Er hatte dafür eine Goldmedaille gewonnen. Eine ziemlich zerschrammte Goldmedaille, die ihn an diesem Nachmittag trotzdem gut und gerne 10 Zentimeter wachsen ließ.

Ich nickte zustimmend und überlegte, wann ich das letzte Mal dermaßen stolz auf mich gewesen bin. Auf mich selbst stolz sein, das schien schon längere Zeit nicht mehr in mir verankert.


Vereinbarkeit

Dabei darf ich das durchaus sein, finde ich. Und damit bin ich jetzt beim Thema Vereinbarkeit.

Vereinbarkeit?

Ja, Vereinbarkeit!

Womit ich als Mama tagtäglich so jongliere ist doch einfach unglaublich: Beruf, Familie, Freundin sein, Ehefrau sein, Spaß haben, Kindererziehung (weitestgehend ignorierend), den Haushalt zu 50 % führen, Sonderprojekte wie die Neugestaltung der Kinderzimmer oder auch Bloggen und Lesen, ganz zu schweigen von Duschen, Essen und Schlafen.

Das kennst Du, oder? Was da wohl alles auf Deiner Liste steht? Vermutlich genauso viel, wenn nicht sogar noch eine Menge mehr.

Trotzdem hatte ich lange Zeit das Gefühl, ich mache zu wenig. Immer….egal wie viel es tatsächlich war. Ich war nie da, wo ich sein wollte. Ich hatte nie das geschafft, was ich erledigt wissen wollte. Und ich war selten zufrieden mit dem, was ich gerade tat.

Und irgendwie erklärte sich mir auch nie so richtig, warum ich zwar immer gut organisiert war (Nein, das Zeitmanagement war und ist nicht mein Problem. Im Gegenteil, ich bin bestens organisiert. Ich habe sogar ein paar Jahre lang meine Promotionsarbeit neben dem Beruf und dem Familienleben geschafft. Oh ja, ich hatte immer alles im Griff.), mich aber trotzdem nach 8 Jahren Familienleben nur noch leer, ausgelaugt und müde fühlte.

So müde, dass ich nicht einmal mehr wusste, was mir Freude machen würde, wenn ich denn die Zeit wieder dafür hätte. 

So müde, dass mir alles ziemlich sinnlos erschien.

Seelenmüde.

 

Glaubenssätze bewusst wahrnehmen

Das war vor einem halben Jahr. Ich war schwer erschöpft, schlecht gelaunt, zerstreut, immerzu irgendwie zickig und ziemlich ratlos. Und dann las ich eines Tages etwas über Glaubenssätze, wahre Regeln oder auch innere Überzeugungen. Was letztlich alles das selbe meinte: Aussagen, die uns prägen; die in unseren Köpfen herumschwirren und von denen wir annehmen, dass sie wahr sind. Im Laufe des Tages drängeln sich irre viele Gedanken durch unsere Köpfe. Sie haben sich da so festgesetzt und bestimmen unser Handeln, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Die meisten von ihnen sind das Ergebnis generalisierter Erfahrungen; der Aussagen von Freunden, Eltern oder Kollegen oder auch zufälliger Ereignisse.

Gretchen Rubin schreibt in ihrem Buch Das Happiness Project ausführlicher darüber. Sie nennt es dort wahre Regeln. Gut nachzulesen ist das Thema aber auch bei Libby Weaver in The Rushing Woman Syndrom, die es innere Überzeugungen nennt. Und Mindfuck von Petra Bock ist genau das richtige Buch, wenn Du Dich noch tiefgreifender mit (hinderlichen) Gedankenmustern beschäftigen willst.

Innere Regeln
Ich habe mir also vor ein paar Monaten ein Notizbuch geschnappt und meine inneren Regeln aufgeschrieben. Ich habe mich über mehrere Wochen selbst beobachtet. Immer, wenn mir etwas auffiel, kam es auf die Liste und so habe ich meine Liste schrittweise vervollständigt. Das hat mich manchmal auch Mut gekostet, denn wer gibt schon gerne zu, dass er oft so dummes Zeug denkt. Nicht einmal vor mir selbst tat ich das gern. Und dummes Zeug war durchaus vieles dabei. Ohne dass ich es ahnte, haben sich in mir Gedanken festgesetzt, mit denen ich meinem Mann gar nicht erst zu kommen bräuchte und die ich meinen Kindern niemals weitergeben möchte. Oder was soll ich von der Regel: Nimm Dich selbst nicht so wichtig halten?

Meine Liste ist zwischenzeitlich verdammt lang geworden. Da steht zB:

  • Meine Kinder haben oberste Priorität.
  • Mein Mann hat oberste Priorität.
  • Mein Beruf hat oberste Priorität.
  • Ich habe nie genug Zeit für mich.
  • Meine Mutter würde jetzt sagen…
  • Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
  • Change is constant.
  • Lach doch mal.
  • Du kannst nur ernsthaft schreiben, wenn Du das auch hauptberuflich machst.
  • Die Zeit im Büro ist Me-Time genug.
  • Etwas ausprobieren ist Zeitverschwendung, mache es gleich richtig.
  • Sei liebevoll zu Dir selbst.
  • Nimm Dich selbst nicht so wichtig.
  • Bleib finanziell unabhängig.
  • Sorge immer für ein aufgeräumtes zu Hause.
  • Nur wenn Du abends todmüde bist, war Dein Tag produktiv.
  • Behandele andere so, wie Du selbst behandelt werden willst.
  • Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam, bescheiden und rein und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein (dieses blödes Poesiealbum aus der siebten Klasse).
  • Für mich gilt immer und ewig: „Spontanität will wohl überlegt sein“ (Sch… Abizeitschrift).
  • Sei zuverlässig und verantwortungsvoll.
  • Beende, was Du angefangen hast.

Ich könnte das noch eine Weile so fortsetzen. Na gut, nicht jeder dieser Glaubenssätze ist vollkommen sinnlos. Einige sind sogar recht hilfreich. Sie erleichtern mir das Leben, weil ich im Alltag nicht mehr viel darüber nachdenken muss sondern einfach danach handeln kann. Die meisten davon sind jedoch eher hinderlich und widersprechen sich sogar. Sie sorgen dafür, dass ich mich ungenügend fühle, denn ich schaffe es natürlich nicht, allem gerecht zu werden. Wie können meine Kinder, mein Mann und mein Beruf gleichzeitig oberste Priorität haben? Wie kann ich den Haushalt ohne Abstriche schaffen, wenn ich auch noch berufstätig bin und drei Kinder habe? Oder wie soll ich mich um mich selbst kümmern, wenn ich mich nicht so ernst nehmen darf? Und bin ich wirklich so wenig spontan oder ist es nicht auch immer eine Frage dessen, was ich in dem Moment gerade tun will?

Innere Regeln zum Muttersein
Und dann gibt es da noch die inneren Überzeugungen,  die ich mit dem Muttersein verbinde. Ich kann mich noch so sehr dagegen wehren oder laut etwas ganz anderes sagen. In meinem Inneren gibt es ein zartes aber nerviges Stimmchen, dass mir erzählt:

  • Eine gute Mutter wäre jetzt bei ihren Kindern zu Hause (Ich denke das oft, egal ob es mittags, nachmittags oder schon abends ist).
  • Eine liebevolle Mutter holt sich ihre Energie aus dem Familienleben.
  • Eine pragmatische Mama kocht. Auch wenn sie es nicht gern tut, aber sie tut es.
  • Eine Mama sollte weniger introvertiert, wesentlich kontaktfreudiger oder zumindest kreativer sein als ich.
  • Du hast zu wenig Zeit für Dich? Da mussten wir alle durch. So ist das eben bis die Kinder aus dem Haus sind.
  • Du musst den Geburtstagskuchen für Deine Kinder selbst backen.
  • Deine Kinder vermissen Dich den ganzen Tag!!!
  • Deine Kinder ertragen es nicht, wenn Du abends auch noch weg bist.
  • Deine Kinder leiden furchtbar, wenn Du sie später als 16.00 Uhr aus der KiTa/Schule abholst.
  • Ich darf meinen Kindern nicht auch noch etwas von der gemeinsamen Zeit nehmen (und zB nebenbei Wäsche legen).


Große bunte Mischung

Wenn ich das lese, muss ich sogar darüber lachen. Das ist eine große bunte Mischung aus den Vorbildern meiner Kindheit, aus den Eigenschaften anderer Mütter (bei denen ich manche Grundsätze sogar richtig gut finde), und aus dem, was ich mir aus Erziehungsratgebern und Zeitungsartikeln angelesen habe. Das bin aber nicht immer ich.

Mir ist ganz klar, dass mich das meiste davon unglücklich macht. Aber sag das mal dem hartnäckigen Stimmchen in mir.


Innere Regeln hinterfragen

Als ich mir meine Liste nach ein paar Wochen genauer ansah, ist mir noch so vieles mehr aufgefallen. Vor allem, dass in meiner Liste sehr wenig mit Spaß, Freude und freier Zeit zu tun hatte. Statt dessen drehte sich alles um Verpflichtungen, Mühe und Leistung. Puh. Das hat mich dann doch überrascht. Vor allem, dass ich so viele Vorlagen von Müttern in meinem Kopf hatte, denen ich gar nicht entsprechen will, die mich trotzdem beeinflussen und mit denen ich mich in einer Ecke meines Kopfes ständig auseinandersetze.

Im Grunde meines Herzens, hätte ich doch viel lieber positive Glaubenssätze in meinem Kopf wie

Du darfst den Alltag um das herumplanen, was Dich wirklich glücklich macht.

oder

Du bist genug so wie Du bist. 

Die waren da nur leider nicht abgelegt.

Warum eigentlich nicht?

Das wollte ich nun doch genauer wissen und habe also damit angefangen, mich mit mir selbst zu befassen. Ich habe viel gelesen, vieles verworfen und manches für mich zum Glück auch als passend empfunden. Letztlich hat mich meine Leseliste zu dem Gedanken geführt, dass diese inneren Regeln meine Balance im Familienleben beeinflussen und dass von Ihnen abhängt, wie ich mich fühle. Wenn ich sie durch neue Regeln ersetzen könnte, dann müsste am Ende mein Wunschgefühl dabei herauskommen. Oder?


Du darfst 

Ich führe nach der ersten Liste nun also eine zweite Liste und habe damit begonnen, mir die Erlaubnis für Dinge zu geben, die mir wichtig sind und die mir gut tun. Das heißt, ich habe meine eigenen Du darfst… – Sätze formuliert, die mich manches Mal auch umgehauen haben. Beim Sammeln und Aufschreiben habe ich auch schon mal weinen müssen, denn dabei hat etwas in mir los gelassen. Ganz so als hätte mir das konkrete Formulieren erst klar gemacht, wie wenig ich mir bisher wirklich selbst gegönnt habe.

Das waren zum Beispiel Sätze wie:

  • Du darfst nach der Arbeit zuerst noch einen Kaffee trinken gehen und eine Zeitschrift lesen, bevor Du nach Hause gehst.
  • Du darfst Dir Zeit für das nehmen, was Dir wichtig ist.
  • Du darfst am Wochenende 3 Stunden etwas für Dich tun.
  • Du darfst dem Mäusepapa alle drei Kinder auf einmal überlassen, ohne ihm vorher  Wickelzeug und Proviant einzupacken.
  • Du darfst freie Zeit mit (scheinbarem) Nichtstun verbringen.
  • Du darfst eine Verabredung treffen, auch wenn es schon die zweite in der Woche ist.
  • Du darfst besser für Dich selbst sorgen.
  • Du darfst die Wäsche zusammen mit Deinen Kindern erledigen.
  • Du darfst die Minimaus jeden Tag von der Oma abholen lassen.
  • Du darfst Du selbst sein.

Authentisch sein ist ein Teil der Lösung
Frei nach Jesper Juul könnte man also sagen, authentisch zu sein ist die Lösung. Oder jedenfalls ein Teil davon. Und damit sind wir wieder bei der Vereinbarkeit.  Vereinbarkeit von Beruf, Familie und mir selbst funktioniert trotz eines guten Zeitmanagements und idealen Arbeitsbedingungen eben nur, wenn ich dabei auch wirklich ICH bin, wenn ich die für mich wichtigen Dinge priorisiere und mich davon frei mache, jemand sein zu müssen, der ich nicht bin. Um zu wissen, wer ich bin, muss ich mich jedoch erst einmal besser kennenlernen. Und ich muss mir ganz klar auch die Erlaubnis geben, ICH zu sein.

Den Erlaubnismuskel trainieren
Allerdings ist das keine kurzfristige, schnelle Lösung. Das ist mir jetzt nach einem halben Jahr klar geworden. Ich stolpere noch oft über meine inneren Regeln und mir fällt es manchmal ganz schön schwer, mir meinen (freien) Raum zu nehmen. Es ist wie beim Lernen einer neuen Sportart oder einer neuen Sprache. Ich muss üben, üben, üben. Ich trainiere quasi meinen Erlaubnismuskel. Das geht nur langsam. Zunächst einmal musste ich herausfinden, was mich überhaupt ausgeglichen und zufrieden macht. Auch so eine Liste, die mit der Zeit entstanden ist. Inzwischen gönne ich mir kleine Verschiebungen in meinem Alltag. Mini-Anpassungen, die mich dem näher bringen, wie ich sein will. Wie sich mein Familienleben anfühlen soll. Ich bin die blaue Schildkröte, die ich schon in einem meiner Beiträge vom Jahresanfang erwähnte. Ich mag das Bild, denn wie eine Schildkröte taste ich mich Schritt für Schritt vorwärts:

Einatmen, ausatmen, keine To-do-Listen anlegen, auch nicht im Kopf. Auf der Bank sitzen, vom Balkon gucken, Kaffee trinken, nichts anderes dabei tun, nichts anderes dabei tun wollen. Nach der Arbeit eine halbe Stunde durch die Stadt bummeln; darauf vertrauen, dass sich die Oma eine Weile um alles kümmert; mich selbst genug finden; mir Zeit lassen; von der S-Bahn nach Hause einen kleinen Umweg gehen; ein Foto für Instagram schießen; einen Lieblingssong aussuchen; ein Konzert-Abo buchen; ein neues Kleid anprobieren; eine Reise planen; sehen, was da ist; dankbar sein für das, was da ist; ein Buch kaufen und noch eins und in beide vorher hineinlesen; am Wochenende alle Termine streichen; überhaupt viele Termine im Kalender streichen; nur noch einen einzigen, sehr kleinen Kalender haben.

Vereinbarkeit funktioniert nicht ohne sich selbst zu bleiben
Für viele ist diese Selbstfürsorge womöglich selbstverständlich. Ich lerne das gerade erst. Und das geht nicht so auf die Schnelle. Von dem schnell schnell will ich schließlich weg. Deshalb erinnere mich immer wieder daran: Ich bin eine Schildkröte! Ganz und gar in entspanntem Blau.

Aber es ist eine nachhaltige Veränderung. Ich behaupte sogar, der Weg zur Vereinbarkeit führt nicht daran vorbei, die eigenen inneren Regeln zu hinterfragen und neue für sich aufzustellen. Jedenfalls nicht für mich.

Diesen Prozess genieße ich jetzt und suche weiter nach guten Sätzen. Nach Sätzen, die es mir erlauben, mich um mich selbst zu kümmern und die mir klar machen, dass ich ICH sein darf.

Mein Lieblingsspruch ist für den Moment:

You can choose, what you do; you can´t choose what you like to do.

 [Gretchen Rubin].

 

Wie sehen Deine inneren Regeln aus und welche Erlaubnissätze brauchst Du, um Dich gut um Dich selbst zu kümmern?

 

11 Kommentare

  1. Ein sehr interessanter Beitrag. Es ist schwierig, gewohnte Verhaltensweisen zu aendern, selbst dann, wenn sie einem das Leben schwer machen. Für mich wäre so ein Satz wohl (auch): Ich darf auch einmal das Vergnügen vor der Pflicht genießen (denn bei „Pflicht vor Vergnügen“ hechelt man ständig nur der Erledigung der viel zu vielen Pflichten hinterher und brennt dabei wirklich aus)
    Lieber Gruß!

  2. Dein Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Vielen Dank! Ich habe mir gestern erst gesagt „Es ist OK, wenn das Wetter gut ist, alle Nachbarinnen mit ihren Kindern auf dem Spielplatz sind und Du Dich zuhause hinlegst, weil Du krank bist und nicht mit Deinem Kind nach draußen gehst.“ Das musste ich mir erst erlauben. Weil ich Mütter kenne, die auch noch kurz vor der Lungenentzündung auf dem Spielplatz rumturnen. Ich muss noch so viel lernen …

  3. Du glaubst gar nicht, wie sehr mich das freut, dass du dich auf den Weg gemacht hast, deine ganz persönliche Antwort zu finden in Bezug auf ein glückliches und erfülltes Leben! Ja, die Erlauber sind ganz, ganz wichtig und ich stimme dir zu, dass neue Denkweisen genauso wie neue Gewohnheiten erst „antrainiert“ werden müssen.
    Du bist auf dem besten Wege das Leben zu führen, das für dich wirklich bedeutsam ist 😉
    Manchmal reichen Erlauber allerdings nicht aus, wenn die emotionale Wurzel eines negativen Glaubenssatzes zu tief verankert ist. Aber zum Glück, kann man auch da aktiv etwas tun.
    Mein innerer „Trigger“ kann man als „Sei stark!“ benennen. Er ist in vielen Situationen hilfreich, aber ich musste auch lernen, ihn in bestimmten Situationen zu mäßigen, ähnlich wie maramarin dies beschrieben hat, um nicht völlig auszubrennen.
    Wir lernen und wachsen ein Leben lang 😉
    Ich grüße dich ganz herzlich und weiterhin viel Kraft und Geduld auf deinem Weg!

    • Hallo liebe Ewa, ich danke Dir für Deinen Kommentar. Du hast so recht. Mir war lange Zeit gar nicht klar, dass ich so viele „Blockadesätze“ in mir habe, die mich daran hindern, in Alternativen zu denken und mir selbst mehr Raum zu nehmen. Manche Lösungen habe ich nie für mich in Erwägung gezogen. Mich hat zum Beispiel neulich jemand gefragt, warum ich meine Kinder nicht eine Stunde später aus der KiTa abhole, wenn ich doch nach der Arbeit so dringend noch etwas Zeit für mich brauche. Meine Kinder eine Stunde später abholen? Das kam für mich nie in Frage, dabei ist die Lösung so einfach. Ich brauche mehr Luft und meine Kinder sind nicht mehr soooo klein, dass das nicht einige Male in der Woche auch ginge. Aber ich habe diesen Glaubenssatz in mir gehabt, dass das nicht geht, dass meine Kinder so schnell wie möglich aus der KiTa „befreit“ werden müssten und dass ich mir diesen Raum als gute Mama nicht nehmen darf. Mehr noch, dass ich mir diesen Raum als „gute Mama“ gar nicht erst nehmen wollen darf. Aber warum eigentlich nicht? Sei herzlich gegrüßt, Manuela

  4. Interessante Liste, die du da geführt hast. Davon passt sicher einiges auch auf mich. Ich habe z.B. oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich nach hause komme (z.B., weil ich allein in der Stadt unterwegs war) und nicht gleich anfange aufzuräumen oder die Wäsche zu machen etc. Schließlich hatte ich ja Zeit für mich. Mein Mann würde das nie machen, der kann sich auch erstmal in Ruhe auf’s Sofa setzen. Es macht mir auch niemand fremdes diesen Druck, nur ich mache das.

    Die Sätze zum Mutter sein gefallen mir auch. Ich würde da zwar andere aufschreiben, aber dennoch gibt es genügend davon. Meine Mutter war keine gute und auch deswegen zweifle ich fast alles an, was ich tue und meine ich müsste es besser machen (mehr spielen, mehr basteln, mehr kochen, mehr Unternehmungen etc).

    Allerdings hab ich noch nie an so etwas wie Glaubenssätze geglaubt ( 😉) Ich kam nie darüber hinaus, sie nur als Floskeln zu betrachten. Vielleicht hilft es tatsächlich sie konkreter zu formulieren.

    Kannst du nochmal schreiben, was auf deiner Leseliste stand?

    Vielen Dank für den Beitrag

    • Hallo liebe kueken0709,
      mir war auch immer klar, dass man so Sprüche im Kopf hat und ich dachte, ich könnte das ganz gut wegschieben. Mich hat dann aber beim näheren Betrachten überrascht, wie sehr mich diese „hidden beliefs“ doch beeinflussen. Auch im Kleinen und Alltäglichen…. Und das tun sie, weil sie so versteckt agieren. Ich brauchte zum Beispiel eine ganze Weile, bis mir bewusst wurde, dass manche innere Konflikte genau von diesen Glaubenssätzen herrühren, dass sie mehr Einfluss auf mein Handeln haben als ich vermutete und dass ich sie nur schrittweise los werden kann, wenn ich sie mir bewusst mache. Vor allem hat mich überrascht, wie viele das sind. 🙂 Mein Mann kann das übrigens auch besser als ich: Er nimmt sich seine Pausen, wenn er sie braucht, während ich noch schnell die Wäsche mache, ein Geschenk einpacke und 100 Bausteine wegräume. Er setzt sich einfach mitten rein und liest. 🙂 Wenn Du etwas zu dem Thema weiterlesen willst, kann ich Dir „Mindfuck“ von Petra Bock empfehlen. Der Titel klingt provokanter als es ist. Sie schreibt in „Mindfuck“ sehr anschaulich darüber, wie man sich mit seinen eigenen Gedankenmustern oft selbst sabotiert und sich so auch daran hindert, dass zu tun, was man eigentlich tun will oder was einem gut täte. Und sie gibt Tipps, wie man diese blockierenden Gedanken stoppen kann. Lieben Gruß, Manuela

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