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Familie und ein eigenes Unternehmen? Fragen an Mareike von Mami-Startup- Interviewreihe #3

Dies ist Teil 3 meiner Interview-Reihe „Das irre Ding mit der Vereinbarkeit“.

Dieses Mal war Mareike von Mami-Startup so lieb, mir meine Fragen zu beantworten. Sie ist Webdesignerin, Blog-Coach und Speaker.

Mit ihrem Vortrag auf der #WestFam hat sie mich beeindruckt und auch zum Lachen gebracht, denn sie war die erste, die mir erklärt hat, was SEO mit Prosecco zu tun hat. Und ich gebe zu, ich habe an dem Tag das allererste Mal verstanden, was es mit dem SEO so auf sich hat. Ein paar Monate später habe ich auch Mareikes Onlinekurs „Besser bloggen mit Suchmaschinenoptimierung“ gebucht und inzwischen bin ich bei dem Thema SEO auch ohne Prosecco ganz entspannt.

Aber Mareike kann als Marketing-Profi nicht nur SEO super erklären, sie weiß auch ganz genau, welche Schwierigkeiten selbständige Unternehmerinnen und Mütter im Alltag so haben und welche Herausforderungen sich ihnen jeden Tag stellen. Denn sie ist selbst Mutter.

Hier sind nun also Mareikes Antworten auf meine Fragen zum „irren Ding mit der Vereinbarkeit„.

Komme gut ins Wochenende!

 

 

 


1) Wie bekommst du das Muttersein, deinen Beruf und andere Projekte unter einen Hut? Was hilft dir beim Ausbalancieren?

Am schwierigsten ist es bei den ganzen Rollen, die ich ausfülle, nicht zu vergessen, was alle diese Rollen gemeinsam haben: nämlich mich. Wenn ich ganz sicher bin, wer ich bin, was mich ausmacht (als Mensch, nicht als Mama, Ehefrau, Marketing-Profi, usw.) dann kann ich auch sicher stellen, dass ich mich selbst nicht verliere.

Genau so wichtig: klare Grenzen ziehen und konsequent einhalten. Dazu habe ich auch schon einen Blogartikel geschrieben. Warum es so wichtig ist, Öffnungszeiten zu haben.

Wenn ich mir Zeit für mich eingeplant habe, dann ist die MIR. Keine Kundenanrufe („mal schnell“), keine Besorgungen für den Mann oder eben doch noch schnell was für die Kinder oder mal schnell durch wischen. Regelmäßig etwas für mich tun und meine Akkus aufladen, das ist gold wert.

 

2) Wie hat das Muttersein deine Prioritäten verändert? Hat es etwas verändert?

Oh ja und wie!

Ich war schon immer ein Streber. Ich setze mir bewusst Ziele, an denen ich dann systematisch so lange arbeite, bis ich sie abhaken kann. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann wird das auch gemacht. ENDE.

Ich habe 10 Jahre im Eventmanagement gearbeitet: da waren Überstunden in der Zeit vor der Veranstaltung fest eingeplant. Und ich habe das geliebt. Einfach so lange weiter machen, bis es geschafft ist.

Dann kamen die Kinder. Gerade als es dann zwei waren, bin ich regelmäßig verzweifelt. Denn meine Strategie (so lange weiter machen, bis es geschafft ist), hat nicht mehr funktioniert. Ich habe oft schon nach 5 oder 6 Minuten am Laptop wieder abbrechen müssen, denn eins der Kinder war aufgewacht (oder noch nicht eingeschlafen). Das zehrt an den Nerven.

Da hatte ich den besten Plan der Welt und meine Projekte schon in Teilaufgaben auf meine Abende (und die Mittagszeit) verteilt und dann ist am ersten Abend schon klar: den Zeitplan werde ich niemals mehr einhalten können. Schon heute schaffe ich mein Pensum nicht.

Überstunden: Fehlanzeige. Denn wer soll in der Zeit denn die Kinder betreuen? Einfach länger machen, bis es geschafft ist, das geht jetzt nicht mehr.

Da musste ich umdenken lernen. Nicht aufgeben, weil ich meine Aufgabe ohnehin nicht schaffen kann heute. Sondern eben so weit es geht abarbeiten und für morgen vorbereiten. Viel mehr Puffer einplanen. Und einfach mal Tempo raus nehmen.

 

3) Welche Grenzen setzt du Dir ganz bewusst, seitdem du Kinder hast?

Sechs bis acht Stunden Schlaf sind Pflicht. Da gibt es keine Diskussion. Wenn ich nicht ausgeschlafen habe, dann ist mein ganzes Leben ein einziger Kampf. Und es ist keine Option zu sagen: ich gehe morgen früher ins Bett. Denn da kann schon wieder eins der Kinder krank sein.

 

4) Wie gestaltest du deine Woche aus organisatorischer Sicht, damit genügend Zeit für deine Kinder, dich und alles andere bleibt?

Ich setze ich jeden Montag Morgen beim ersten Kaffee hin und mache meine Wochenplanung. Dafür nutze ich ein Trello Board. Da kommt alles rein, was ansteht.

Meine Arbeitszeiten orientieren sich an der Betreuungszeit im Kindergarten und ich habe drei Abende, an denen ich fix arbeite.

So kann ich auch direkt sehen, wenn ich mir zu viel vorgenommen habe und wieder Aufgaben (und Druck) raus nehmen.

 

5) Wahr oder falsch? Die perfekte Balance gibt es nicht. Oder anders gefragt, was bedeutet für dich die perfekte Balance zwischen Familie und Beruf.

Oh wie wahr das ist!

Perfektion habe ich mit der zweiten Geburt einfach hinter mir gelassen. Seitdem gilt #80istdasneue100

Ich mache es, so gut ich kann und lasse es dann gut sein. Ich verzeihe mir selbst meine Fehler viel schneller und mache mich nicht mehr tagelang verrückt.

Das gilt beruflich UND privat.

Anfang des Jahres habe ich die Hallenschließzeiten fürs Kindertunen vergessen. Stand mit zwei weinenden Kindern vor der geschlossenen Halle. Mega-Mama-Fail.

Tat mir wirklich leid. Habe ich dann abgehakt und mit den Kindern etwas anderes gemacht. 30 Minuten später war alles vergessen. Und zwar auch für mich. Ich bin nämlich trotzdem eine gute Mutter.


6) Was hättest du gerne gewusst bevor du Mutter wurdest?

Das alles mit meinem Schlafpensum steht und fällt. Wirklich alles.


7) Deine wichtigste Erkenntnis zum Thema Vereinbarkeit?

Man kann nicht alles haben. Und das ist überhaupt nicht schlimm.

Meine Prioritäten setze ich selbst und damit entscheide ich, was ich haben kann und was nicht. Damit kann ich gut leben.

Ich backe zum Beispiel keine Kuchen für den Kindergarten. Die kaufe ich. Dafür bleibe ich liebe länger mit den Kindern auf dem Spielplatz.

 

8) Ein Song, der deine Laune hebt?

Da habe ich eine ganze Playlist inzwischen. Jedes Lied steht für einen meiner Werte, für meine Stärken und das, was ich noch erreichen will.

 

9) Was gehört zu einem guten Tag?

Zeit für mich. Am liebsten gleich morgens früh.

Als erste aufstehen und schon angezogen sein, bevor die Kinder gemerkt haben, dass die Nacht vorbei ist. An sehr guten Tagen hatte ich dann auch schon einen Kaffee. Das liebe ich!

 

10) Und zu einem guten Abend?

Ein gute Nacht Kuss von jedem, der hier wohnt.

 

11) Welchen großen Traum würdest du niemals aufgeben? Und welcher Traum ist klitzeklein, würdest du aber ebenso wenig aufgeben wollen?

Träume habe ich tatsächlich sehr wenige. Denn da habe ich für mich das Gefühl, dass mir die passieren. Ich bin also passiv und warte darauf, dass ich Glück habe oder es das Schicksal gut mit mir meint.

Ich setze mir Ziele und arbeite daran. Das fühlt sich für mich richtiger an.

Ein größeres Ziel ist der VW Bus, den ich mir als Firmenwagen wünsche. Den habe ich schon ganz konkret beim Universum bestellt. Das ist immer der erste Schritt. Mit Perlmutt-Metallic Lackierung und Festival-Ausstattung und Anhänger-Kupplung.

Etwas kleiner: wieder regelmäßig Zeit für Sport haben. Das ist im ersten Jahr als Selbständige total hinten runter gefallen und ich bin nicht bereit, das einfach komplett und ersatzlos zu streichen. Das krieg ich schon wieder hin.

 

Tausend Dank für deine Antworten, liebe Mareike!

 

 


Hier gehts zu Mareikes Website Mami-Startup.

Fotos: Die Porträtbilder und auch die übrigen Fotos im Interview hat mir Mareike zur Verfügung stellt.

 

 

P.S. Die ersten Teile meiner Interviewreihe findest du hier.

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1 Comment

  • Reply
    jongleurin
    2. April 2018 at 9:21

    Danke für den interessanten Beitrag – auch wenn sich mir nicht ganz erschlossen hat, ob es auch einen Vater in Mareikes Familie gibt und ob er etwas zur Vereinbarkeit beiträgt. Ich finde diese Frage immer sehr interessant, weil ich einfach nicht akzeptieren mag, dass Vereinbarkeit nur die Frauen betrifft.
    Eine Frage hätte ich noch zu deiner Interviewreihe: beziehst du in deine Auswahl der Interviewpartnerinnen mit ein, ob sie sich von ihrem Job auch alleine ernähren könn(t)en? Meiner Meinung nach ist es ein heftiger Unterschied in der Vereinbarkeit, ob man existenzsichernd arbeitet oder zuverdient. Deshalb fände ich ja persönlich die Info extrem interessant, was die Frauen verdienen. Mir ist aber auch klar, dass die meisten das nicht im Internet veröffentlichen wollen 😉

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