Aus unserem Familienleben Mehr lieben

Was das Elternsein mit der Liebe macht

Luftballon / Valentinstag

Ich sehe das alte Foto und wundere mich, wie jung wir darauf aussehen. Glatter irgendwie und ausgeschlafener. Wir lachen in die Kamera und ich werde das Gefühl nicht los, dass die Welt damals noch eine andere war.

Das ist gerade mal 10 Jahre her. Das ist schon 10 Jahre her.

Damals gab es irgendwie von allem mehr: Seine Hand in meiner, die Wärme seines Hemdes, an das ich mich schmiegte, und das Kribbeln, das sein Lächeln in mir verursachte. Wir haben uns überhaupt mehr angelacht, uns mehr unterhalten, uns mehr angefasst, uns am Strand gegenseitig den Sand von der Kleidung und aus dem Haar gestrichen, mehr von dem gemacht, was Liebende eben so tun.

Wenn ich an uns als Paar denke, dann sehe ich uns am Elbstrand. Ganz kitschig mit der untergehenden Sonne im Rücken. Damals waren wir noch „wir beide“ und nicht „wir fünf“. Damals haben wir nur wenig Platz gebraucht, kaum wetterfeste Kleidung besessen und mit der Entschuldigung „Ich sollte mal wieder aufräumen“ noch ganz andere Dimensionen gemeint.

Wir haben auch andere Dinge erlebt und andere Dinge wichtig gefunden. Uns umarmen zum Beispiel, uns ansehen und uns Fragen stellen. Antworten haben wir uns auch gegeben und ein paar davon waren voller Pläne, Illusionen und Hirngespinste. Sie summten durch unsere Köpfe. Da war so viel Zeit zum Zuhören. Alles fühlte sich ein klein wenig verzaubert an. Als wären wir da noch andere gewesen. Und das waren wir. Wir waren die, die sich noch nicht so gut kannten, und die genügend Energie übrig hatten, um sich selbst ein bisschen zu dem Menschen zu machen, der man für den anderen sein wollten. Das war auf eine verwirrende Art gut.

Heute tun wir das nicht mehr. Heute sind wir die, die wir eben sind. Etwas grauer im Haar, etwas müder im Gesicht, etwas entzauberter in der Welt. Wir haben statt Sand und Wind jetzt Zahnpasta und Frischkäse auf der Kleidung und manchmal Läuse im Haar.

Wir reden auch weniger und wenn wir reden, dann über die Kinder, die letzte Mathearbeit, die Schließzeiten von Hort und KiTa. Unsere Fragen haben eher etwas mit Brot, Milch und Windeln zu tun und unsere Wünsche mit mehr Platz, mehr wetterfester Kleidung und mehr Garderobenhaken. Wir vergessen viel. Wir haben immer noch Ideen, aber wir denken sie nicht zu Ende, weil umgekippte Saftbecher, ein fallendes Brötchen oder volle Windeln dazwischen kommen. Unsere Tage sind jetzt voll unausgesprochener Fragen und kalt gewordenem Kaffee. Wir bräuchten mal wieder Platz für uns ganz allein. Aber meistens liegen da schon Stofftiere und Autos oder es ziehen sich die Schienen einer Holzeisenbahn quer hindurch.

Sind wir dann doch mal allein, sind die Kinder trotzdem mit dabei. Auch wenn sie längst in ihren Betten liegen. Sie sind bei uns da auf dem Sofa, weil die letzte Mathearbeit nicht gut lief, weil sie heute so schön zusammen gespielt haben, weil der Mäuserich den Satz „Ich fühle mich gerade pudelwohl.“ gesagt hat, weil die Minimaus jetzt ihren Namen nennen kann, weil die Maus so unglaublich liebevoll zu ihren Geschwistern ist.

Sie setzen sich dann auch noch einmal in natura zu uns. Wegen des Hungers oder der Alpträume. Wenn sie nach einem Brot, einer Geschichte und einem Kuss wieder gegangen sind, bleiben sie auch dieses Mal noch eine Weile, weil sich mir die Frage aufdrängt, ob ich eine gute Mutter bin, ob ich noch ICH bin, ob ich von meinen Mann noch genug weiß. Manchmal finde ich dann auf dem 3 Meter breiten Sofa nicht genug Raum und gehe in die Küche hinüber. Ich und meine Tasse Tee. Dorthin folgt mir dann die Sehnsucht nach diesem MEHR, das wir mal hatten.

Ich muss eine Teetasse lang darauf herumdenken und plötzlich sehe ich wieder das Gute an unserer Geschichte:

Wir haben uns verändert. Wir machen jetzt andere Dinge. Wir stellen uns kurze Fragen und geben kurze Antworten und dann schweigen wir. Es ist ein gutes Schweigen. Ein wir verstehen uns auch ohne Worte Schweigen und ein wir sind beide müde aber zufrieden Schweigen.

Ich stelle fest, dass ich das nur mit ihm kann, sich Anschweigen auf eine gute Art.

Genauso wie ich mit ihm zusammen müde, traurig, himmelhoch sein kann. Ich liebe es, wie er mit unseren Kindern redet und lacht. Ich kenne ihn heute anders als damals, aber ich kenne jetzt seinen Blick, wenn die Minimaus ein Wort das erste Mal deutlich ausspricht, der Mäuserich uns seinen Feuerwehreinsatz genauer erklärt und die Maus eine lachende Sonne für ihre Sachkundearbeit bekommen hat. Ich kenne seine Hand in meiner und das entschuldigende Grinsen, wenn er sie wieder wegzieht, weil sich eines der Kinder zwischen uns drängelt. Ich kenne jetzt auch den Blick, der mir sagt, dass er liebt, was wir fünf zusammen sind.

Das Wissen, dass ich mich auf ihn verlassen kann, dass er immer wieder zurück kommt zu uns ins Chaos und dass er mich gehen lässt, sobald ich eine Auszeit brauche. Zu fühlen, dass ich mit ihm alles schaffen kann. Schließlich haben wir schon mehr möglich gemacht als es sich die beiden auf dem Foto vor 10 Jahren jemals hätten vorstellen können. Deren Liebe war eine andere als unsere heute. Aber die heute ist genauso großartig, denn wenn ich schon mit jemandem all die Dinge von damals nicht mehr tue, dann mit ihm.

Also ich bin weit weg davon, traurig zu sein, denn wir sind mittendrin in unserem Glück. Wir sind immer noch wir beide nur eben mit mehr Trubel, mehr Lachen, mehr Weinen, mehr Gewühle und Gefühle. Und mit ein paar Armen mehr, die sich um mich legen. Kräftige, schmalere, kurze und ganz kurze.

 

Was vermisst du aus eurer Zeit vor den Kindern? Und wie siehst du diese Veränderungen? Erzähl es mir, ich freue mich!

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6 Comments

  • Reply
    Mama will Schoko
    15. Februar 2018 at 20:08

    So ein wunderschöner Text! Ich habe zwar nur ein Kind, aber vieles davon kann ich unterschreiben. Wir sind schon seit 16 Jahren zusammen und es hat sich viel verändert, aber das Glück ist geblieben.

    Liebe Grüße
    Natalie

    • Reply
      Manuela
      16. Februar 2018 at 11:16

      Dankeschön. Ich freue mich, wenn sich jemand in meinem Text wieder findet. Alles Liebe auch für euch.

  • Reply
    Mama Maus
    16. Februar 2018 at 8:50

    Hallo Manuela,

    Danke für diesen Text voller Liebe und Zuneigung.

    Auch wir haben mit unseren vier Kindern weniger Zeit nur zu zweit. Dafür nutzen wir jeden Moment das Tages intensiver als damals, als wir noch mehr Zeit hatten.

    Ich wünsche euch noch viele weitere Jahre voller Liebe.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    • Reply
      Manuela
      16. Februar 2018 at 11:16

      Hallo, ich danke dir für dein Feedback. Es ist so schcön zu lesen, dass andere das genauso empfinden und ich die richtigen Worte dafür gefunden habe. 🙂 Alles Liebe auch für euch.

  • Reply
    kueken0709
    16. Februar 2018 at 18:35

    Der Text liest sich sehr schön. Ich habe oft Zweifel, ob alles so richtig ist. Die Gefühle sind irgendwie anders als früher, aber wenn man es so betrachtet wie du schreibst, kann es vielleicht doch Sinn machen.
    Viele Grüße

    • Reply
      Manuela
      23. Februar 2018 at 9:47

      Hallo und lieben Dank für dein Feeback. Ich hatte erst Bedenken, ob mein Text zu persönlich ist, aber dann dachte ich, ich sehe das so und ich stehe dazu. 🙂 Und wenn es jemandem gut tut, das auch einmal von einer anderen zu lesen, dann freut mich das sehr. LG und ein schönes Wochenende

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