Beruf Das Vereinbaren vereinfachen

Ein entspanntes Jahresende

Es gibt da eine dieser ungelösten Frage in meinem Leben: Warum vergeht die Zeit zum Jahresende jedes Mal so irre schnell?

Im Grunde bin ich jetzt gerade besonders müde, in mich gekehrt und melancholisch. Ich würde viel lieber den Rückzug wählen. Stattdessen treiben uns Weihnachtsmarkt, Kaffeeeinladungen, Advents- und Weihnachtsfeiern, Bastelevents und Infoabende noch mehr als sonst aus dem Haus.

Die Geschwindigkeit, mit der die Tage an uns vorübersausen potenziert sich, je näher die Feiertage kommen. Je mehr Türchen sich im Adventskalender öffnen, umso mehr Panik überfällt uns angesichts dessen, was noch alles zu tun ist. Als würde das Leben am 1. Januar 2018 nicht ganz normal weitergehen, als müssten wir in den letzten beiden Wochen des Jahres alles zu einem akzeptablen Abschluss, idealerweise zu einem Happy End bringen. Wir fühlen uns nach Fristablauf, Ende der Vertragslaufzeit, letztes Angebot, allerletzte Chance. Als würde sich zum Jahresende irgendetwas entscheiden, was sich danach nicht mehr entscheiden ließe. (Nun gut, bis auf den Ablauf von Verjährungsfristen. Da ist es tatsächlich so. Ich bin eben Juristin. Ich weiß.)

Wenn du so gestrickt bist wie ich, dann empfindest du gerade jetzt so einen gewissen Seelenblues. Ähnlich dem, der nach einem wunderschönen Urlaub, nach einem zauberhaften Film oder einem erstaunlichen Abend auftaucht sobald wir in der Realität zurück sind.

Und dir stellen sich ganz, ganz viele von diesen Dezember-Fragen:

Habe ich meine Sache im Jahr 2017 gut gemacht?

Habe ich alles getan, was ich tun wollte?

War dieses Jahr ein sinnvolles Jahr?

Haben meine Kinder Spaß gehabt?

Habe ich Spaß gehabt?

Waren wir glücklich?

Habe ich für jeden, der mir wichtig ist, ein Geschenk?

Habe ich genügend vorbereitet, damit die Feiertage auch wirklich besonders werden?

Habe ich genügend Zeit mit den Menschen verbracht, die mir etwas bedeuten?

Werde ich die Geschenke kreativ und liebevoll genug verpacken?

Ist meine Wohnung sauber und frisch genug, um ins neue Jahr zu starten?

Oh ja, auch die letzte Frage schwirrt in meinem Kopf herum. Genauso wie sich der Wunsch nach einem aufgeräumten Bücherregal, Kleiderschrank, Schreibtisch… regelmäßig zum Jahresende einstellt. Wer weiß, woher das kommt?

Erkennst du dich wieder? Dann ist dieser Beitrag für dich.



Durch die Brille meiner „WENIGER VEREINBAREN. MEHR LEBEN“ – Philosophie kann ich dir vielleicht helfen, das Jahresende gelassener und ruhiger zu gestalten.

Wenn du dich in deinem Jahresendblues genau wie ich fragst, ob das jetzt alles war, ob das genug war, ob du im zurückliegenden Jahr mehr hättest tun können, ob du mehr hättest wachsen, erleben oder geben müssen, dann werden wie beide zum Ergebnis kommen, dass die perfektionistische, selbstkritische Antwort auf die letzten 4 Fragen ein JA ist. Es geht immer noch größer, besser, heiliger und überhaupt.

Ich  komme niemals gut dabei weg, wenn ich mich an vagen Idealen messe. Ich weiß, dass ich hinter meinen Vorstellungen und Zielen zurückbleibe. Jedes Jahr wieder.

Hier ein paar Wahrheiten über mich und mein Jahr 2017:

  • Ich habe im zurückliegenden Jahr viel Energie darauf verwendet, wieder mehr ICH zu sein. Und es ging in diesem Jahr auch wirklich ganz viel um mich und meine Bedürfnisse. Am Anfang spürte ich zwar, dass das jetzt wichtig ist, aber gedacht habe ich, dass ich auf diese Weise niemals eine gute Mutter sein werde. Inzwischen weiß ich es besser und kenne den Wert, den mein Wohlbefinden für uns als Familie hat.
  • Ich schaffe niemals alles, was ich mir an guten Tagen so ausmale und vornehme. Mein Zeitplan ist für viele meiner Vorhaben zu knapp bemessen. Und an manchen Tagen scheitere ich damit. Aber das ist normal, das ist menschlich. Ich habe Ziele. Manche erreiche ich, manche nicht.
  • Es gibt Tage, an denen geht mein Konzept der Selbstfürsorge nicht auf. Dann spüre ich die Eile in meinen Handlungen und den „Hab dich nicht so“ – Gedanken meiner Kindheit. In den Momenten versuche ich, das Genießen zwischen die Erledigungen zu quetschen. Dabei will ich es doch anders. Ich will meinen Alltag um das herum planen, was mich glücklich macht und ich will das Gute in meinem Leben sehen und fühlen können. Aber ich werde mir dessen immer öfter bewusst. Dann kann ich darauf reagieren und für mich sorgen. Das ist gesund.

 

Schon jetzt lese ich überall die Beiträge und Artikel darüber, wie wir unser ICH optimieren, unser Leben neu kreieren und unsere Vorsätze im Jahr 2018 jetzt aber wirklich, wirklich in die Tat umsetzen.

Er ist verführerisch, dieser Glaube an ein neues Ich, an einen Neustart und daran, dass ich den Ballast des alten Jahres hinter mir lassen kann und im nächsten Jahr neu geboren werde.

Aber ich habe noch mehr Wahrheiten, die ich dir zum Jahresende von Herzen mit auf den Weg geben möchte:

Du darfst DU selbst bleibst. Du darfst das neue Jahr genauso beginnen wie du das alte beendet hast.

Du musst nicht zum Pilates gehen oder mehr Geld verdienen, um eine Daseinsberechtigung zu haben. Du musst dir nicht Ziele setzen, Projekte starten oder selbstloser werden, um dich wertvoller zu machen oder das neue Jahr sinnvoll zu gestalten. Du kannst das alles tun, aber du musst nicht.

Du bist gut, so wie du bist. Tatsache ist, Du bist wunderbar.

 



Natürlich werde ich mir für dieses herrlich neue, unbeschriebene, frische Jahr 2018 etwas vornehmen. Ich mag es, mir Ziele zu setzen und Pläne zu schmieden. Das fühlt sich nach Wachstum an, nach Lernen, nach Streben und nach lebendig sein. Ich liebe das. Aber ich werde mir dabei ein erfülltes Jahr vorstellen. Ich werde ICH sein, mich mit Dingen umgeben, die mir guttun, die mich ausruhen lassen, die mich sanft umfangen und die mich fühlen lassen, wie schön das Leben ist.

Langsamkeit statt Schnelligkeit. Genuss statt Verzicht. Fülle statt Leere.

Wenn wir uns annehmen und mögen wie wir sind, wenn wir uns nicht darauf fixieren, im neuen Jahr endlich eine neue, verbesserte Version von uns selbst zu erschaffen, dann wird das Jahr 2018 das Jahr, in dem wir WIR sind.

Ich werde zum Jahresende ganz gewiss kein aufgeräumtes Bücherregal haben. Ich werde das Jahr 2018 nicht mit dem Gefühl starten, im Jahr 2017 all das getan zu haben, was ich tun wollte. Ich werde kein Happy End erleben und immer noch nicht die Person sein, die ich mir noch vor wenigen Jahren als ideale Mutter und Frau ausgemalt habe.

Aber ich werde am Silvesterabend mit meinen drei Kindern und meinem Mann um 17.00 Ihr in unserem Innenhof stehen, das erste Silvesterfeuerwerk zünden, den bunten Lichtern beim Zischen, Knallen und Erlöschen zusehen (und zuhören) und wissen, dass ich in diesem Jahr ICH war.

Am 1. Januar werde ich morgens aufwachen und immer noch ICH sein.

Und ich werde wissen, das ist genug.

Ich bin genug!

Und das wird das ganze Jahr 2018 so sein.

 

 

Wie planst du deine Feiertage? Verbringst du sie entspannt oder turbulent? Schreibe mir oder hinterlasse mir einen Kommentar. Ich freue mich!

P.S. Ich werde an den Feiertagen verreisen und die Zeit mit ganz viel Familie verbringen. In den kommenden zwei Wochen gibt es also keine neuen Beiträge. Wegen dieses #wenigervereinbarenmehrleben und weil ich es entspannt angehen will. Im neuen Jahr lesen wir uns aber wieder. Ich freue mich schon riesig, dir dann meinen ersten Beitrag des Jahres 2018 zu zeigen und auch (wieder) von dir zu lesen. Sei du und komme entspannt ins neue Jahr!

 

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