Aus unserem Familienleben, Drei Kinder
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Du bist da!

Ich liege im schummrig beleuchteten Schlafzimmer und über mir leuchten grüne Sterne. Die Stimmen meiner drei liebsten Menschen dringen über den Flur: „Ich will die Zahnpasta mit dem Monster drauf.“, „Wo ist die Glitzerzahnpasta?“, “ Nein, das ist meine Zahnbürste, Papa, Maus hat meine Zahnbürste genommen.“, „Habe ich gar nicht, das ist doch meine…..“, „Nein, ich will doch die scharfe Zahnpasta….“. Meine Mann bringt die Kinder ins Bett. Meine Kinder, das sind meine große Maus und der kleine Mäuserich. Meine drei liebsten Menschen, sie klingen nach zu Hause und Glück.

Mein vierter liebster Mensch liegt mit mir Bauch an Bauch im Bett und saugt genüsslich an meiner Brust. Minimaus ist am 23.10. geboren und gerade 7 Wochen alt. Mit einem lauten Schmatzen löst sie sich von mir und dreht den Kopf mit einem tiefen Seufzer auf die andere Seite. Sie ist satt und eingeschlafen. Ich höre ihren schnaufenden Atem und das manchmal lautere Ächzen im Schlaf. Sie weiß noch nicht viel von dieser Welt und ich weiß noch nicht viel von Minimaus. Sie war bei der Geburt kleiner als ihre Geschwister, hatte aber genauso blaue Augen wie Maus. Der Mäuserich war bei der Geburt schwerer als beide Mädchen und hatte von Anfang an ganz dunkle Augen. Es ist schwer keine Vergleiche anzustellen. Als drittes Kind profitiert sie von unseren Erfahrungen als Eltern und doch fühle ich mich als hätte ich zum ersten Mal so einen kleinen Menschen zu umsorgen. Vieles ist ähnlich aber vieles eben auch anders. Kleinigkeiten, wie sie gehalten werden will, dass sie keinen Schnuller mag, dass sie im Schlaf laut ächzt und dass sie abends mehr schreit als ihr Bruder damals aber weniger als ihre Schwester. Ich muss sie erst kennenlernen und erinnere mich nur bruchstückhaft an die ersten Wochen mit Maus und Mäuserich. Rückblickend vergeht diese Anfangszeit schnell und ich habe viele Phasen davon längst vergessen.

Das Gefühl, mit der Geburt des Babys aus Raum und Zeit katapultiert zu werden, kenne ich jedoch noch gut. Die Zeit dehnt sich aus und der Raum schrumpft. Die Welt, das ist plötzlich woanders und die Zeit zerfließt. Ich selbst bin mit dem Baby außerhalb von beidem. Babywattevakuum. Der Alltag zerfällt in kleine Puzzleteile aus Wickeln, Kuscheln, Schlafen, Stillen, erste klitzekleine Spaziergänge zum Bäcker und erste Abholrunden zur MausSchule. Dass ich mich dabei so deprimiert, einsam und überfordert fühle, hatte ich allerdings vergessen. Und dass mich diese Langsamkeit im Babyalltag verrückt macht, auch. Es dauert ein paar Wochen bis ich mich darauf einlassen und diese Kleinteiligkeit wieder aushalten kann. Es dauert auch, dass ich das Gefühl abschütteln kann, das Leben fände inzwischen woanders statt. Das Wichtigste ist hier, neben mir im Bett und mit dem Papa gerade beim Zähneputzen. Mehr brauche ich jetzt nicht und mehr zählt auch eine Weile nicht. Das andere kommt später wieder dran, in ein paar Monaten, wenn Minimaus etwas älter ist, wenn ich wieder arbeite und wenn das Leben da draußen uns wieder einholt….liebste süße kleine Mäusin, meine Minimaus, ich bin jetzt hier und schaue Dir beim Wachsen zu und beim Schlafen. Es fühlt sich noch fremd an, dass Du da bist, aber gut.

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