Familienleben, Highlights
Kommentare 5

Die beste Mama, die ich sein kann

Die beste Mama, sie ich sein kann

Das Thema Vollzeitmutter/Teilzeitmutter kursiert gerade wieder auf den Familienblogs. Auch ich habe schon sooooooo viele Gedanken dazu gehabt (und in meinem Blog darüber geschrieben, immer mal wieder). Der Mäusepapa hat nur einen Bruchteil solcher Gedanken. Seine Rolle als Vater ist ihm irgendwie klar. Jedenfalls klarer als mir das Muttersein. Na gut, ich bin immerhin seit 9 Jahren Mutter. Das müsste im Grunde ausreichen, um sich ein Bild davon zu machen. Von mir als Mutter. Tatsächlich war es genügend Zeit, um einige Entwicklungssprünge durch zu machen. Damit meine ich meine eigenen. Von OMG, ich gehöre zu meinen Kindern nach Hause! bis hin zu Ich halte das nicht aus, ich will arbeiten! ist schon alles dabei gewesen. Denn mit einem habe ich nicht gerechnet als ich Mutter wurde. Das mich das so überwältigt und gleichzeitig verunsichert.

Du gehörst 24/7 zu deinem Kind. Das haben mir meine Hormone gesagt, hat mir mein Herz gesagt, hat mir manche Mutter gesagt (nie ein Vater), hat mir zum Glück nie meine Mutter gesagt,  habe ich aber aus jedem Blick meiner Kinder herausgelesen. Eine Mutter sein, mit Haut und Haaren. Rund um die Uhr Händchen halten, Schnodder abwischen, Lieder singen, Arme verknoten, Schlösser bauen, Waffeln backen. Ein sattes Herz. Das habe ich mir gewünscht. Ganz ehrlich. Ich habe eine kleine Weile daran geglaubt, dass das genügen kann. Diese drei Minimenschen. Und ich. Das ist doch so viel. Das Schnuteziehen, die speckigen Ärmchen, die duftigen Haare, watteweiche Wärme an meinem Bauch, ihre Hände in meinen, ihr Herumwuseln, ihr Lachen, ihr Mama, guck mal! Mama weißt Du? Mama, sag mal! Meine Müdigkeit, mein Vernarrtsein, mein Känguruhsein, mein Wärmflaschesein, mein um alles herum sein, mein Dankbarsein. Ach Mensch, das ist ja auch wahnsinnig viel.

Nach einem Jahr Elternzeit (jedes Mal) war dann aber auch das in mir: Verdammter Mist, das kann ich nicht. Ich kann das alles nicht 24/7 sein. Ich will arbeiten, ich will eine Pause von meinen Kindern haben (sie von mir auch), ich will den Papa auch Vater sein lassen, ich will schreiben, ich will alleine sein. Ich will mal aus der Ferne für meine Familie schwärmen, damit ich mitten drin wieder Luft bekomme. Ich will ich sein. Am Ende prangten in meinem Kopf die leuchtenden Zeilen Unser (blöder, verkorkster, zerstückelter) Alltag ist ihre Kindheit! und Du bist eine schlechte Mutter! Jeweils mit drei Ausrufezeichen, einem anständigen Herzpiksen dabei und dem Gefühl, ich verrate jemanden.

Doch dann hat mich die selbst verordnete Atemlosigkeit des Mamaliebehochdreilebens an den Punkt gebracht, an dem ich in der S-Bahn sitzen bleibe, um meine Zeitschrift zu Ende zu lesen. 5 Stationen hin und wieder zurück und dann nochmal, weil ich noch nicht nach Hause will. An dem ich einen ausgewachsenen Wutanfall bekomme, weil es die T-Shirts der Kinder (mal wieder) nicht bis zum Wäschekorb geschafft haben; an dem das Müdesein schmerzt, ich Rücken habe und mich frage, wann wieder Pause ist von dieser komischen Alarmbereitschaft in mir; an dem sich freie Zeit mit dem Gedanken mischt, dass ich sie sinnvoll nutzen sollte und am Ende nur zerdachte Momente dabei herauskommen; an dem sich die harten Tage wirklich hart anfühlen und sich sogar die leichten Tage schwer machen; an dem sich der Mäuserich die blaue Hose nicht anziehen kann, weil sie blöd ist, und ich einfach mit heule, weil ich das ja so gar nicht verstehe und deshalb auch blöd bin. Und dann sitzen wir beide ganz still auf der Bank vor dem Haus und bekommen einen kalten Po.

Das war der Zeitpunkt, an dem mir klar wurde, dass das Muttersein etwas total Verrücktes ist. Voller Widersprüche, Anforderungen, Wünsche, Hoffnungen und Vorstellungen von dem, wie ich dabei sein soll. Und dass das kein Ende nimmt und mich zu einem Menschen macht, der ich nie sein kann. Weil alle alles anders machen und weil sich auch mein Bild vom Mamasein verändert. Mit dem Alter der Kinder, mit meinem Alter, mit den Jahreszeiten, mit neuen Begegnungen, mit der Sonneneinstrahlung, mit frischen Erdbeeren, Waffeln und Vanilleeis.

So. Was soll ich als dreifache Mama also Kluges dazu sagen? Ich finde ja selbst gerade erst heraus, welche Mama ich jetzt bin. Wie sich Loslassen, Zusammensein, Nirgendwohinwollen, Überallhinmüssen, Pläneschmieden, Morgenkreise, Kreisdenken, Schreibtischzeiten, Spielplatzwanderungen und Alltagsliebe für mich gut anfühlen. Wie der Familienalltag wieder Spaß macht. Wie ich meine eigenen Vorstellungen von mir als Mutter gehen lassen kann, um die Mutter zu sein, die ich bin.

Das alles finde ich im Schildkrötentempo heraus, durch Hinterfragen, Ausfragen und Ausprobieren. „Trial and Error“ sozusagen. Alle wahren Regeln anzweifeln. Runden ums Haus und im Park drehen. Für einen Gedanken stehen bleiben. Listen schreiben. Und Lesen, Lesen, Lesen. Dann alles wieder vergessen und nur das herausfiltern, was zu mir passt. Sei Ela.

Bei mir ist gerade manches im Fluss. Ich bin nachdenklich und ein bisschen durch den Wind. Die Antworten, die ich für mich finde, folgen in den nächsten Wochen.

Doch eines weiß ich heute schon: Ich bin die beste Mama, die ich für meine Kinder sein kann.

Das genügt.

Und am Ende wird es gut. Richtig, richtig gut.

5 Kommentare

  1. Katharina sagt

    Auf die Antworten bin ich gespannt. Ich stelle mir diese Fragen auch täglich. Und irgendwie kommt täglich was anderes raus. Und das ist gut. panta rhei.
    LIebe Grüße!

  2. Sehr schön geschrieben.
    Da sieht man, so herrlich frisch, wie du schreibst, dass es im Leben nicht DIE eine/beste Lösung gibt. Ebenso schön beschrieben, dass man nie aufhört zu dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln.
    Wünsche dir weiterhin unzählige solcher tollen Momente.

  3. Pingback: Vereinbarkeit braucht Freiräume und Pausen |

Kommentar verfassen