Familienleben, Monatsrückblick
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März 2017 (und was ihn zum glitzern brachte)

Familienleben: 
Diese Müdigkeit im Urlaub, die auch danach nicht verschwunden ist. Sie steckt gerade in meinem Kopf und auch in meinem Herzen. Ich bin etwas zerschrabbelt vom blöde Mama sein, die liebste Mama sein, von diesem nie etwas ganz zu Ende machen können, vom Anstubsen mit dem Zeigefinger Du Mama, weißt Du?, vom Durchdenken, Ausdenken, zu Ende denken, vom ängstlich sein, vom wunschvoll sein, von meinem Schokolade- und Sinnmach-Hunger, von dem Gefühl, immer zu viel zu tun. Und zu wenig. Beides gleichzeitig. Von den vielen winzig kleinen Pinselstrichen, aus denen sich der Familienalltag zusammensetzt und die man nur sieht, wenn man ganz dicht dran steht. So dicht, dass einem die Augen flirren.
Vom nicht stehen bleiben können, wenn ich es gerade will. Fahrstuhlgefühle eben. Und bei der Vorstellung, dass sich jemand mal um mich kümmert, fließen nun die Tränen.

Wahrscheinlich bin ich nicht die erste Mama auf diesem Planeten, die eine Auszeit bräuchte. Ich werde auch nicht die letzte Mama sein. Aber im Moment bleibe ich in der S-Bahn sitzen und fahre fünf Stationen zu weit, um einmal in Ruhe die Zeitschrift zu Ende zu lesen. Einfach so. Und dann diese fünf Stationen wieder zurück mit dem Gedanken, dass sie zu schnell vergangen sind. Aus dem Meeting sehne ich mich in den Tag hinaus, möchte ganz woanders sein, in der Sonne bummeln, mir etwas Schönes schenken, Zeit haben, alleine sein, alleine sein, alleine sein….Auf dem Sofa liegen, eine Höhle bauen. Alles, was ich brauche in Griffweite – ein Buch, ein Glas Mangosaft, ein Ausblick in das Himmelblau. Noch mehr Bücher, die ich dann alle lese und die ich mag und die mich mögen. Irgendwann einschlafen. Meine Atem wird gleichmäßig, mein Körper schwer und dann liege ich da, Bauch an Kissen und ich bewege mich nicht, nicht einen Millimeter – ich möchte in der Zeitlosigkeit hängen bleiben.

Fragen:
Warum will ich nach dem Urlaub Urlaub haben?  Warum backe ich so ungern Kuchen? Warum basteln wir nicht öfter zusammen? Warum langweile ich mich beim Lego bauen? Sollte ich die Wohnung mal wieder umdekorieren? Müssen es unbedingt Osterhasen sein? Darf ich mich ab und zu verantwortungsfrei wünschen? Was passiert, wenn ich versuche, weniger zu denken?

Momente:
Wenn ich meine Kinder aus der Kita und von der Schule abhole. Die Minimaus läuft auf mich zu und legt ihre kurzen Arme um meinen Hals. Wange an Wange sitzen wir dann und sie seufzt Mama, Mama, Mama in mein Ohr, als wäre das etwas ganz Neues. Na klar, ich bin Deine Mama. Der Mäuserich ruft fröhlich Hi und danach Was hast Du mir mitgebracht? gefolgt von Darf ich zu Hause etwas gucken? Ich habe so lange nichts mehr geguckt. Mama, sag mal. Darf ich? Alles ohne Atempause. Begleitet von einem treuherzigen Blick und einem Grinsen. Ich erlaube es ihm. Wir gucken dann zusammen in die Maus-App. Aber schon bald graben wir Dinosaurierskelette am Smartphone aus und danach parken wir auf dem Wohnzimmerteppich das Polizeitauto ein und den Feuerwehrwagen wieder aus. Von der Maus bekomme ich einen Kuss und einen Bericht über neueste Freundinnenstreits, gelungene Malstunden und schwierige Matheaufgaben. Als ich das Brötchen des Mäuserichs mit Frischkäse und Kiri und drei Schichten Marmelade bestreiche. Alles in der von ihm festgelegten Reihenfolge. Und am Ende nickt er anerkennend: Mama, die ganze Arbeit von Dir hat sich gelohnt. Der Wutausbruch und die vielen Tränen des Mäuserichs, weil alle Hosen im Schrank doof sind. Die guten Hosen sind noch nass. Und nasse Hosen kann man nicht anziehen. Und das ist ganz furchtbar. Und deshalb muss er schreien, dass es im Hausflur und sonst wo zu hören ist und der Mäusepapa und ich sehen uns an und sein Blick sagt: Lass uns gehen und den nächsten Flieger nehmen. Und der Abend danach, als die doofe Hose gar nicht mehr so doof ist und sich auch zum Schlafen eignet. Und am nächsten Tag behält der Mäuserich sie auch noch an.

Ich sehe meine Kinder, alle drei und mein Herz macht einen stürmischen Satz. Jedes Mal. Winzig, klein, mittelgroß, groß. Die Zeit vergeht so schnell. Ich weiß doch ganz gut wie das alles geht, ich kenne den Dauerlauf beim Arbeiten, Einkaufen und beim Zusehen wie sie leben, wachsen, um mich herum sind. Ich kenne diese Menschlein und ihre Eigenheiten. Ich kenne mich als Mama. Schon länger. Und diese Hilflosigkeit, diese Zerrissenheit, die auch manchmal dabei ist, die kenne ich auch. Loslassen, Festhalten, da sein, lieben, noch mehr lieben alle drei und den Mäusepapa. Ich habe mir das alles herbeigewünscht und möchte nichts daran ändern. Es ist richtig, wie es ist. Mama sein, was für ein Abenteuer. Es sind so viele Momente, aus denen sich unser Jahr zusammensetzt. Und an die ich denke, wenn ein Geburtstagstag naht. Ich weiß so viel schon über uns zu fünft und doch immer zu wenig. Auf dem Sofa sitzen und aus dem Fenster gucken. Irgendwohin. Dann diese Sehnsucht nach dem  Nirgendwo wieder spüren. Nach dem Ineinanderfließen der Stunden und Tage, nach dem gar nicht wissen, welcher Wochentag gerade ist. Nach kleinen, engen Kreisen, die ich zwischen dem Meer, der Restaurantterrasse und dem Kuchenbuffet drehe. Nach dem Dinge sehen, die ich sonst nicht sehe. Danach, etwas Neues auszuprobieren. Und gleichzeitig das Gefühl, der Alltag passt gerade nicht gut zu mir. Mag sein, das ist schlichtweg der Frühling, der das mit mir macht. Kann sein, ich sollte mir mehr MeTime gönnen. Kann sein, ich setze meine Prioritäten falsch. Kann sein, ich sollte fauler sein. Kann sein, ich sollte aktiver sein. Kann sein, ich sollte einiges anders machen. Aber dafür bin ich zu müde. Meine Seele hängt noch irgendwo am Mittelmeer herum.

(Wieder) Entdecktes:
*Meine Mottokette von Lieblichkeiten, die mich daran erinnert, dass ich genug bin und dass es viele Dinge gibt, die meinen Alltag schön machen.
*Die ersten Frühjahrsblüher vor unserem Haus und diese Bilder, die auch blühen.
*Und diese Bilder. Wie witzig ist das denn?
*Unsere Ferien am Meer.
*Das schon geplante Wochenende an der Nordsee mit meiner kleinen Schwester. Darauf freue ich mich sehr.
*Downtown Abby. Bei dieser Serie kann ich manchmal nicht aufhören zu gucken. Und zu weinen.
*Mein Homeofficetag am Freitag. Da brühe ich mir einen frischen Kaffee, wenn der Mäusepapa und die Mäuse aus dem Haus sind und genieße das Alleinsein. Ich freue mich die ganze Woche schon darauf und denke darüber nach, irgendwann endlich mal einen Tag in der Woche ganz und gar frei zu nehmen.
*Das Mittagessen mit dem Mäusepapa. Mitten in der Woche. Schön war´s. Ach Mensch, Du.
*Die Vorfreude auf Hausbesuche. Das Buch von Stephanie Quitterer. Das schon im Urlaub mit dabei war, wo ich jedoch nur ein anderes geschafft habe. Und dieses doch auch unbedingt lesen will. Hat es schon jemand gelesen?
*Und dieses unglaublich schöne Buch Stilvoll von Marlene Sörensen. Das nicht lange auf meinem Wunschzettel stand, weil ich es dann doch ganz spontan gekauft habe.
*Das Äffchen von Jellycat, das meine Jüngste zu Ostern bekommt.
*Diesen Post von Andrea im Blog Die Anderl (vorher MeWorkingMom), die darin so schön beschreibt, wie sie sich mit den größer werdenden Kindern von einer Mutter zu einer Frau (zurück)verändert, und die mich damit sehr beruhigt hat.
*Mitten am Tag unnormale Dinge tun, zum Beispiel nach einem Termin eine kleine gestohlene Stunde Shoppen gehen, obwohl ich ins Büro zurück müsste. Oder endlich mal das hier ausprobieren. Einfach weil es so schön aussieht und ich das auch können will.
*Dieses Notizbuch, mit dem ich jetzt endlich anfange. Freu.
*Porridge in allen Varianten. Keine Ahnung warum. Ich denke, weil es schnell geht und warm und super lecker ist. Und weil es mir das Gefühl gibt, dass die Mäuse danach etwas Anständiges im Bauch haben. Mein Lieblingsrezept: 1/2 Apfel, 4 EL Blütenzarte Köllnflocken, 1 EL Zucker, 250 ml Milch oder Kölln Smelk Haferdrink, 1 Messerspitze Zimt, 3 EL Pflaumenmus (Zubereitung: Apfel putzen und klein schneiden. Milch in einem Topf erwärmen und Zucker darin auflösen. Haferflocken unterrühren, Zimt dazugeben und kurz aufkochen lassen. Einige Minuten weiterrühren, da die Haferflocken noch stark nachquellen. Apfelstücke und Pflaumenmus hinzufügen.). Das Rezept ist von hier.
*Und weil ich gerade so häuslich bin: Diese Franzbrötchen. Ich backe gar nicht gern, aber ich liebe das Blog von Zucker, Zimt und Liebe. Wenn ich die schönen Bilder sehe, überlege ich jedes Mal, ob ich nicht doch mal etwas backen sollte.
*Der Sehnsucht nach Sandalentagen, der ich vielleicht hiermit begegne. Am liebsten in Gold.
*La La La Land. Den ich unbedingt bald sehen will.
*Diese Ausstellung. An die ich mich heute erinnert habe, weil in der Mittagspause jemand mit dem Ausstellungskatalog an mir vorbeigegangen ist. Ich wäre am liebsten sofort los gelaufen.
*Der Wal, der einen Regenbogen entstehen lassen kann.
*Dass die Minimaus neuerdings ICH und ganz deutlich FERTIG sagt, mit dieser Handbewegung, die ich immer mit meinen Händen dazu mache und für die sie beide Arme braucht.
*Der Satz meiner Maus: Ich bin froh, dass Du meine Mama bist.

 

Ich hoffe, euer März war auch schön.
Kommt gut in den April.

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