Beruf BLING-Prinzip Das Vereinbaren vereinfachen

Das Abenteuer in der Komfortzone

„Das Leben beginnt dort, wo deine Komfortzone endet.“, „Let´s get out of our comfort zones.”, „Wenn der Komfort aufhört, beginnt der Weg zum Erfolg.“, „Everything we want is outside of our comfort zone and other side is fear.” – So oder so ähnlich lesen und hören wir es oft, wenn es darum geht, sich und sein Leben zu verändern. Gemeint ist damit, dass wir Neues wagen und unsere Ängste überwinden. Es mag etwas Wahres darin liegen, aber für mich ist das allenfalls die halbe Wahrheit.

Denn für mich hat sich ein anderer Weg als Lösung erwiesen. Ein Weg, den ich bisher nie gegangen bin, weil auch ich daran geglaubt habe, dass ich nur dann etwas erreiche und zufrieden und glücklich werde, wenn ich mir Ziele setze, Ambitionen und Ehrgeiz beweise, wenn ich über mich hinauswachse, etwas schaffe und dahin gehe, wo ich vorher noch nicht war.

Und dann gab es da den einen Tag, an dem ich spürte, dass ich erschöpft, ausgelaugt und nicht einmal mehr bei mir selbst war. Dass ich keine Kraft mehr hatte, etwas Neues zu beginnen und immer wieder Grenzen zu überschreiten. Dass ich gar nicht mehr wusste, wo diese Grenzen überhaupt verliefen.

Mir wurde klar, dass es für mich nicht mehr darum gehen konnte, aus mir heraus zu gehen, mir Ungewohntes vertraut zu machen, den nächsten Schritt zum Neu sein zu planen. Jedenfalls nicht, solange ich gar nicht wusste, wohin ich mit diesem Schritt überhaupt gehen sollte.

Ich glaubte nicht mehr daran, dass alles, was ich wollte, außerhalb meiner Komfortzone lag.

Ich brauchte etwas anderes. Etwas, das mir Energie gab und nicht nahm, das sich warm und kuschelig anfühlte, das mich ausbalancierte und mir leicht fiel. Ich wollte mir nichts erobern, es sollte schon da sein und es sollte zu mir passen.

Ich wollte quasi in meiner eigenen Küche sitzen bleiben und gleichzeitig etwas grundlegend anders machen.

Wie aber sollte das gehen?



Ich begann zu lesen.
Ich kramte all meine Erfahrungen aus den zurückliegenden Jahren als berufstätige Mutter zusammen. Ich erinnerte mich, was ich in Ratgebern, Romanen und Kinderbüchern gelesen oder an guten und schlechten Ratschlägen erhalten hatte. Ich wühlte in meinen Gedanken.

Mit einem Kaffee und einem Notizbuch in der Hand saß ich beinahe täglich auf meinem Balkon und schrieb alles hinein, was mir spontan einfiel und was ich mir für meinen Familienalltag, meinen Beruf, mein Leben wünschte. Ich dachte darüber nach, wie ich mehr erreichen könnte, ohne dass ich über meine Grenzen gehen musste. Denn im Grunde war ich ganz glücklich da, wo ich war. Mit meinem Mann, den Kindern, dem Balkon.

Nach 4 Wochen hatte ich das Notizbuch vollgeschrieben.

Nach weiteren zwei Wochen hatte ich meine Strategie.

Erst sehr viel später habe ich diese Strategie das BLING-Prinzip genannt, um mich an meine eigenen Grundsätze jederzeit erinnern zu können und um in den darauf folgenden Monaten einen Kompass für meine Suche zu haben:

– Ich wollte mir selbst gut tun und mir nicht noch mehr Druck machen als ich ohnehin schon verspürte. Das bedeutete, ich wollte in Ruhe nachdenken, meine jeweils nächsten Schritt gelassen abwägen und mit mir selbst umsichtig sein. Es war schließlich alles gut in meinem Leben. Ich brauchte nicht zu hetzen. Ich wollte nur ausgeglichener, weniger erschöpft und innerlich freier werden. Besonnenheit war deshalb mein Stichwort für alles, was ich mir ab dem Zeitpunkt vornahm.

– Es würde mir nicht helfen, nur darüber nachzudenken, was alles schief gelaufen war, was ich in den letzten Jahren hätte anders machen müssen und wie oder was mich in meine Erschöpfung hinein manövriert hatte. Das war sicherlich ein Teil davon, aber nicht alles. Ich wollte nach vorne blicken und meine nächsten Ziele und Schritte konkret planen.Ich wollte lösungsorientiert denken.

– Die angestrebten Veränderungen mussten im Alltag umsetzbar sein und sollten mich nicht entmutigen. Ich brauchte also kleine, realistische Schritte, die mir machbar erschienen, Spaß machen würden und mir auch kurzfristig schon gut taten.

– Ich wusste, dass es sinnlos war, danach zu schauen, wie es andere machten. Das hatte mir in den letzten Jahren nicht wirklich geholfen, schon deshalb nicht, weil andere eben nicht ich waren. Ich musste meinen eigenen Weg finden und mir die Zeit nehmen, um herauszufinden, wer ich eigentlich bin. Das bedeutete insbesondere, dass ich mir erlaubte, auch mal abzuschweifen, vielleicht sogar in eine Sackgasse zu geraten, Umwege zu gehen und öfter mal eine Pause einzulegen. Das hieß, ich befand mich mitten in einem Entwicklungsprozess, der nicht schnell dafür aber nachhaltig sein würde.

– An jeder Stelle meines Weges wollte ich neu entscheiden, was mir gut tat. Meine Alltagsplanung und auch meine beruflichen Entscheidungen sollten ab sofort Selbstfürsorge und Lebensqualität zum Maßstab haben. Ich wollte mich nicht mehr davon leiten lassen, was andere von mir erwarteten, was nach außen gut aussah oder was ich selbst glaubte, tun zu müssen. Ich wollte im Sinne meines eigenen Wohlbefindens gut wählen.


*Besonnen
*Lösungsorientiert
*In kleinen Schritten
*Nachhaltig
*Gut gewählt


Das klang für mich nach einem besseren Mantra als
The further you get away from yourself, the more challenging it is. Not to be in your comfort zone is great fun.”-Benedict Cumberbatch.

 



Es war überraschend einfach, meinem Vorgesetzten in der jährlichen Zielbesprechung zu sagen, dass ich gerne da bin, wo ich bin, dass ich momentan keinen neuen Karriereschritt plane und dass mich mein Aufgabenbereich voll und ganz zufrieden stellt. Jedenfalls für den Augenblick. Ich habe das alles ausgesprochen und plötzlich konnte ich durchatmen. Und mein Chef war ebenfalls zufrieden mit dem, was er hörte.

Endlich kann ich es genießen, meinen Beruf routiniert auszuüben und mich mit Dingen zu beschäftigen, die ich kann, die mich nicht zu Höchstleistungen zwingen und die ich ohne viel Energieaufwand erledige.

Auch im Familienleben habe ich einen Gang heruntergeschaltet. Wer mir auf Instagram folgt, wird es schon gelesen haben. Ich verbringe mehr Zeit für mich allein. Ich gehe spazieren, früh schlafen und verteile Aufgaben neu. Ich lasse mir helfen. Und auch die Zeit mit meinen Kindern verbringe ich anders. Ich gestehe es mir zu, den Haushalt mit ihnen zusammen zu erledigen. Ich bin da und höre zu, aber eben nicht immer ohne ein paar Handgriffe nebenbei.

Ich strenge mich auch nicht mehr an, ihnen etwas Neues zu bieten, sondern lege den Fokus darauf, einfach nur zusammen zu sein. Ich plane keine Bastel-, Back- oder Bauprojekte mehr. Ich lasse zu, dass sich spontan ergibt, was wir tun und wenn es „nur“ Tee trinken und Lebkuchen essen ist.

Ich nehme mir nur wenig vor, sage Termin ab, halte den Vorwurf aus, in letzter Zeit ein wenig planlos zu sein, lese meinen Kindern vor allem die Bücher vor, die auch mir Spaß machen, und verabschiede mich von alten Zielen, um Platz für etwas anderes zu schaffen.

Für mich ist es ein Abenteuer, Ruhe in mein Leben einkehren zu lassen. Das zu genießen, was um mich herum ist, mir Zeit zu nehmen, langsam zu sein, in mich hineinzuhören, herauszufinden, was ich wirklich möchte, was mir Spaß macht, was ich mit meinem Wissen und meinen Fähigkeiten schon längst kann.

Ich lasse mich treiben, ich schweife ab und suche meinen Weg ohne Hast. Ich warte ab, folge spontanen Impulsen und schaue dann, was davon ich fortsetzen will. Ich lasse zu, dass ich auch mal Nichts tue, dass mir der Zufall neue Ideen vorbeibringt und dass ICH bei mir selbst ankomme.

Das tut mir irre gut, denn es verschafft mir Freiraum und Energie.

Es ist sogar schon ein Herzensprojekt aus diesem Loslassen entstanden. Aus Freude und Neugierde.

Ich fange neu an, und zwar da, wo ich bin.

Mein persönliches Abenteuer beginnt in meiner Komfortzone.

 

 

 

Welche Erfahrungen hast du gemacht?  Wie schöpfst du neue Kraft und was hilft dir dabei, wieder mehr bei dir selbst zu sein? Erzähl es mir in den Kommentaren oder schreibe mir eine Nachricht.  

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4 Comments

  • Reply
    Ewa
    18. Dezember 2017 at 14:33

    Ich finde dein BLING-Prinzip richtig klasse, Manuela!
    Es freut mich so sehr, dass du wieder in dir ruhst. Ja, die kindliche Entwicklung wird durch die Eigene begleitet, und das Life-Balance-Prinzip ist in Wirklichkeit ein ständiges Ausbalanzieren. Du hast vollkommen Recht damit, dass nur wir selbst wieder zu uns selbst finden können, jeden Tag aus Neue.
    Ich wünsche dir wundervolle und besinnliche Weihnachten. Bleib einfach du selbst 😉
    Liebe Grüße,
    Ewa

  • Reply
    maramarin21
    18. Dezember 2017 at 14:56

    Es entspannt sehr, Deinen Text zu lesen. Vielen Dank, dass wir Dich auf Deinem Weg begleiten dürfen. Ich finde in Deinen Texten viele Anregungen für mein eigenes Leben. Ich habe auch vor einiger Zeit erkannt, dass es nicht durchzuhalten ist, den ganzen Haushalt erst zu machen, wenn mein Kind schläft oder nicht da ist. Mittlerweile mache ich das nachmittags nebenbei und natürlich einen Teil nach wie vor an meinen freien Tagen. Ich lebe auch damit, wenn mein Kind sich mal langweilt. Wenn es sich zwanzig Minuten darüber beklagt hat, wie „laaaangweilig“ alles ist, entsteht auf einmal aus dem Nichts ein wunderbares Spiel mit seinen Stofftieren. Liebe Grüße

  • Reply
    FrühlingskindermamaF
    19. Dezember 2017 at 7:50

    Da stimme ich Dir absolut zu. Für mich ist es wichtig, eine gute Balance zu finden zwischen der Komfortzone und neuen, kleinen Herausforderungen, um nicht einzurosten. Größere Dinge, die mich nur stressen würden, lasse ich sein, das bringt mich nicht weiter, sondern zieht mir Energie ab. Aber ganz kleine Schritte, die vielleicht sogar für andere lächerlich erscheinen, für mich aber wichtig sind, die versuche ich schon zu machen. Denn verharren oder stagnieren möchte ich nicht. Ich möchte damit auch den Kindern zeigen, dass man manchmal ausbrechen und was Neues versuchen muss. In ganz kleinem Rahmen. Aber der Grat ist schmal und ich brauche viel mehr Komfortzone als andere Menschen. Ein Übergehen rächt sich sofort. Das ist so, das kenne ich und stelle mich darauf ein.
    Liebe Grüße und schöne Weihnachtstage!

  • Reply
    Aufbruch ins Abenteuer! So wird es ganz dein eigenes Leben - Queste - Schöpferische Reise
    23. Februar 2018 at 10:42

    […] Du beschließt, künftig mehr innerhalb deiner Komfortzone zu bleiben. Wie in diesem Blog-Artikel von Martamam Das Abenteuer in der Komfortzone. […]

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