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Dänemark und Meer

Ich habe schon im letzten Monatsrückblick von unseren Sommerferien berichtet. Aber für die Reiseinteressierten unter euch -und für meine Sehnsucht dorthin zurück- mache ich das an dieser Stelle noch einmal ausführlicher:

Wir sind nun das vierte Jahr in Folge nach Dänemark ans Meer gefahren. Dieses unglaublich entspannte Land hat uns regelrecht eingefangen. Unseren ersten Urlaub hier haben wir mit zwei Kindern samt Großeltern, Tante und Uroma auf Fünen verlebt. Das hatte Suchtpotential und deshalb führte uns unsere zweite Reise dann mit dem Campingbus einmal quer durch Lolland, Fünen, Mitteljütland bis hinauf nach Nordjütland. Damals waren wir schon fast zu fünft, d.h. der Mäusepapa, Maus und Mäuserich und ich mit der Minimaus im Bauch.

Oh wie ich es mag, die Tage kurz davor, die Stunde bis zur Abfahrt, den Kaffebecher vom Bäcker vor der Autobahn und dann sind wir unterwegs. Stunde um Stunde. Auf dem Weg an die dänische Nordsee.

Das Land, das Licht, das Meer, die Leute…das alles entspannt uns jedes Mal. Die Mäuse schlafen eine Stunde, zwei Stunden, hoffentlich drei Stunden, lesen sich etwas vor, streiten eine Runde bis es etwas zu essen gibt und gucken dann aus dem Fenster. Sehen grüne Hügel, weiße Wolken und das Leuchten darin. Die Farben Dänemarks sind für mich sanftes Blau, leuchtendes Gelb, manchmal Ziegelrot und Weiß, ganz viel Weiß.

Wir machen insgesamt zwei Pausen, eine kleine und eine große, essen ein -ach was soll´s zwei – Eis, kramen nach den Kronen vom letzten Urlaub, suchen im Navi nach der Kilometerzahl und erzählen uns das Neueste von den letzten Tage zu Hause. Irgendwann wird es ruhig im Auto. Der Kopf der Minimaus sackt leise nach vorn, die Maus liest in einem Buch und der Mäuserich drückt seinen Tigi ans Fenster. Wir dösen, wir schmieden schon ein paar Pläne für die kommenden Tage, wir lassen die Gedanken frei. Und dann plötzlich ist es soweit. Nur noch dieser eine Kreisel, die letzte Kurve und dahinter: Dünen, Sand und das Meer. Schuhe ausziehen, „Mama, meine Hose muss hoch“ und schon stehen die Füße im Wasser. Kalt ist es und richtig gut. So gut, dass wir uns fragen, wie wir hier je wieder wegfahren sollen. Die Wellen ziehen uns ein wenig den Sand unter den Füßen weg, schenken uns dafür aber die schönste Muschel überhaupt, der Wind spielt in unseren Haaren, das Rauschen füllt die Ohren. Ist die Brücke noch da? Ach ja, da steht sie ja. Und war der Strand schon immer so breit? Und was ist eigentlich mit dem Fahnenmast an der Klippe? Ist der schon ins Meer gestürzt? 

Um uns herum schreien drei Kinder ihre Lebensfreude einmal quer über das Meer. Der Mäusepapa und ich werden ganz ruhig. Wird sind da.

Die Minimaus ruft aufgeregt „da, da“ und steht prompt bis zum Po im Wasser. „ih bäh“, sie weiß nicht, wie sie das findet. Dann ist sie doch zufrieden, lacht breit, geht ein paar Schritte, läuft den Geschwistern nach, stolpert fast, hält sich, geht weiter, Schritt für Schritt im Wasser, sehr stolz, sehr neugierig. Bis zur nächsten Welle und dann wieder zurück an den trockenen Strand. Einmal in Mamas Arm, für einen kurzen Moment alles mit Abstand betrachten und danach noch einmal zurück zu den Wellen.

H
ier nun also meine ganz persönlichen Empfehlungen für einen wunderbaren Dänemarkurlaub mit Kindern. Wir haben alles davon gemacht und ausprobiert.


*Auf Fünen unbedingt nach Odense (die Stadt selbst ist schon sehenswert) ins Hans Christian Andersen Museum und anschließend gehen die Erwachsenen ins angrenzende Café, während sich die Kinder die Show im Garten des Museums ansehen, sich anschließend in The Tinderbox verkleiden dürfen und alle Andersen – Märchen nachspielen.

*Zugucken wie Bolcher gemacht werden. Nochmal und nochmal….


*Ins Kunstmuseum ARoS …auch mit drei Kindern. Nicht nur der Museumsshop ist superschön.


*Einen Tag ins Den Gamle By (historisches Museumsdorf) in Aarhus und sich in die historischen Gebäude, Cafés und Läden schockverlieben. Sich an seine Kindheit (in den 70ern) erinnern lassen, noch weiter zurückliegende Geschichte schnuppern und fetten Gänsen im Müllergarten beim Glücklichsein zusehen.


*Krebse fangen und Schollen streicheln im Nordsoenoceanarium in Hirtshals.


*Sich durch Skagen futtern: Im Ishjoernet gibt es Softeis mit so vielen verschiedenen Toppings, dass uns die Auswahl schwer fiel. Und das Iscafeen Skagen bietet hausgemachte Kuchen (u.a. Kekstorte, Aeblekagen, Zimtschnecken und leckeres Eis), richtig guten Kaffee und einen netten Platz an der Sonne.


*An der nördlichsten Spitze Dänemarks – Grenen – einmal nachsehen, wo Ostsee und Nordsee zusammenfließen; das einzigartige Licht dort bewundern, das schon Künstler inspiriert hat; sich zwischen Millionen von Steinen die schönsten heraussuchen und mit etwas Glück sogar einen Hühnergott finden.


*In Lonstrup noch viel mehr als sonst das Kunsthandwerk bewundern und zusehen, wie es gemacht wird; den versandeten Leuchtturm auf Rubjerg Knude besuchen -am besten noch bevor er in 10 oder 15 Jahren ins Meer stürzt-  und an der Steilküste (oben oder unten) entlang wandern. Dabei staunen, was sich das Meer alles so holt, Treibgut finden und Fernweh verspüren, an schwarz glänzenden Wellenbrechern vorbeiwandern, dem  ungeduldigen Meer zuhören und alles in Ziegelrot, Weiß und Blau sehen.


*Rhababerkuchen mit einem Schlag Quark essen (im Café 33 in Hjorring) nachdem die Kinder im Metropol Shoppingcenter ihr Taschengeld ausgegeben haben und sich nicht entscheiden können, welche Keramikdose zuerst mit nach Hause muss.


*Im Skallerup Seaside Resort das hauseigene Vandland mit Riesenrutsche und Kleinkindbecken besuchen (montags bis donnerstags ist es für auswärtige Gäste günstiger), danach entspannt zwischen Sanddorn und Strandhafer auf 18 Bahnen Minigolf spielen und anschließend im angrenzenden Café ein Eis oder Pommes mit 8 verschiedenen Dressings essen.


*Das Mollehusetscafé kurz vor Lonstrup besuchen, dort einen Spaziergang um die alte Mühle machen, hausgemachten Kuchen essen, Kaffee trinken und etwas von dem Keramikgeschirr kaufen, auf dem alles serviert wird.

*Im Legoland Billund auf Gold stoßen. Aber das wichtigste, alles machen können, wonach einem der Sinn steht: Jede Karusselrunde bis man satt davon bist; jede Bahnfahrt, bis man die Aussicht in alle Blickrichtungen kennt; Goldschürfen, bis die Finger klamm werden; Hotdogs essen, bis zwei halbe übrig bleiben; Haie zählen; in Höhlen eintauchen; mit Wasser herumspritzen; in letzter Sekunde doch noch zum Kinderschminken; fahren; drehen; schwimmen; klettern; nass werden, wieder trocken werden; sich treiben lassen; lachen; staunen; woanders sein; den Kindern beim glücklich sein zusehen. Bis jeder auf seine Weise richtig ausgefüllt davon ist und nur ein einziger Wunsch offen bleibt: Bald wiederkommen. (Am besten das Eintritts- und Parkticket vorher schon online kaufen, das spart Wartezeiten.)


*Zwischen Leuchttürmen, Hafen, Designerläden und Fischerhäusern durch Skagen schlendern und davon träumen, auszuwandern, Malerin zu werden und nebenbei sein Geld mit Aeblekaege, Kaffee und Softeis zu verdienen. Und davon, dass man sein Haus in diesem leckeren Gelbton streicht; und dass man Stockrosen und Strandflieder in den Vorgarten pflanzt, so dass alle stehenbleiben und Fotos von dem bezaubernden Garten machen. Sie können gar nicht anders. Und darüber nachdenken, hier einmal einen Malkurs zu belegen. Wegen der Farben und natürlich wegen des Lichts. Ach dieses Licht…Vielleicht angele ich mir eines Tages so einen smarten Typen von der königlichen Leibgarde und erlerne das Töpferhandwerk. Dann lebe ich fortan von Liebe, Meeresluft und Keramik. Na gut, ich behalte den Mäusepapa und sorge dafür, dass alle drei Kinder Design studieren. Sie entwerfen später alltagstaugliche Designwunder und besuchen uns für lange Spaziergänge in unserem Haus am Meer, in dem wir mit Touristen Bernstein schleifen und im warmen Abendlicht Smorrebrod servieren. Und wenn wir nicht gestorben sind, dann sammeln wir noch in 100 Jahren Muscheln und lächeln dabei still in uns hinein.

*Sich niemals fragen, ob das Wetter bald besser wird. Regenjacke einpacken, losziehen und dem Gewitterschauer vom Auto aus zu sehen. Fredis! Kaffee (Café in Loekken) dabei trinken und sich freuen, dass danach die Sonne wieder scheint. All die schönen unperfekten Tage genießen, diese Trotzdems, die den Urlaub in Dänemark so einzigartig machen: Trotzdem eine Runde schwimmen und sich danach in die Decke aufs Sofa kuscheln; trotzdem am Strand entlang laufen und dabei das Meer in 8 verschiedenen Blau- und Grautönen sehen; trotzdem durch die Wellen waten, weil die Hose wieder trocken wird und weil die perfekte Muschel ganz sicher auf der nächsten Sandbank wartet; trotzdem über die Dünen klettern, dem Sonnenlicht beim untergehen zu sehen und dabei die grauen Wolken zählen; trotzdem durch den nassen Sand bis zur Eisdiele im Ort laufen und unter dem regennassen Sonnenschirm das leckerste (natürlich!) Eis der Welt essen; trotzdem noch einmal in die Bolcheriet und zusehen wie heute die Bolcher mit dem Herz drin gemacht werden; trotzdem den Ball mitnehmen und aus Strandgut und Muscheln ein Tor bauen; trotzdem noch einmal im Oceaneum Krebse angeln und diesmal sogar einen fangen; danach trotzdem in der Sandkiste nach Bernstein suchen und neue Freunde dabei finden; lachen, plötzlich neue Worte können, Zeit haben, zu fünft sein, die Seele ausruhen lassen. Trotzdem eben.   

PS: In meinem Instagram-Profil findet ihr noch viel mehr Tipps und Bilder zum Dänemarkurlaub. Ihr könnt mir aber auch gerne schreiben.

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