Alle Artikel in: Das Vereinbaren vereinfachen

Beitragsreihe „Das Vereinbaren vereinfachen“

Selbstfürsorge ist eine Notwendigkeit oder Meine „Big Five“ des Mutterseins

Als ich mit der Maus (mein erstes Kind) schwanger war, las ich beinahe jeden Schwangerschafts-, Erziehungs-, Kinderernährungs- und Elternratgeber, den die Buchhandlung und die Bibliothek so hergaben. Ich versprach mir davon, die aufsteigende Panik vor dem Mutterwerden einzudämmen. Keine Frage. Ich wollte sehr gerne Mutter werden. Die Maus war ein Wunschkind. Genauso wie der Mäuserich und die Minimaus später auch. Geplant, geliebt und herbeigesehnt. Trotzdem fühlte ich mich alles andere als qualifiziert für das, was auf mich zukommen würde. Ich war überzeugt davon, dass ich ganz bestimmt alles, aber auch wirklich alles mit diesem Miniwesen falsch machen würde. Man kann ja so viel falsch machen! ist seit der Zeit damals ein geflügeltes Wort zwischen mir und dem Mäusepapa. Um mich zu beruhigen, schrieb ich Listen mit Dingen, die ich für die Schwangerschaft, für die Geburt und für die Zeit danach brauchen würde. Ich räumte die Wohnung um und dekorierte das Kinderzimmer. Ich las Blogs, Foren und Zeitschriften. Ich stellte meinem Arzt, meiner Hebamme, anderen Müttern und auch meiner Mutter viele Fragen. Ich hoffte auf beruhigende …

Dankbarkeit schließt das Wünschen nicht aus!

In der Vorweihnachtszeit werde ich regelmäßig nachdenklich. Vor dem Fenster ist es schwarzblau und neblig. Ich scrolle mich durch die Fotos des zurückliegenden Jahres und wähle die besten für das Jahrbuch aus. Es ist keine leichte Aufgabe, denn ich finde sie alle ziemlich schön. Nicht etwa, weil ich so ausnahmslos gut fotografieren könnte, sondern weil jedes davon ein Moment, eine Stimmung, ein Erlebnis, ein Ausschnitt unseres Alltags ist. Sie alle gehören zu uns. Egal ob verwackelt, verweint, vermüllt, verwischt, versandet, verlacht, verzaubert oder verstaunt. Ich mag sie und ich freue mich, dass es sie gibt. Diese Bilder von meinen Kindern, meinem Mann, der Oma, von Freunden, Katzen, Kaffee, Meer, von unserer Wohnung, unserem Lachen, Spielen, Umarmen, Streiten, Verkleiden, Laufen, Fahren, Tanzen, Schwimmen…von unserem gemeinsamen Leben. Es gibt natürlich auch die Bilder vom Schmollen, Weinen und Kranksein. Es sind sogar Bilder von kleinen Abschieden dabei. In der KiTa, vor dem Kleiderschrank, am Bahnhof. In den Vorjahren gab es auch schon mal Bilder von großen Abschieden. Solche Abschiede, die für immer waren, und an die wir sehr oft denken …

Strategien für einen entspannten Advent – über das Loslassen, Zulassen und Weglassen

Was wünschen sich die Kinder zu Weihnachten? Was soll meine Mutter schenken? Wann war noch gleich die Adventsfeier in der Schule? Wie, die Maus hat auch noch ein Weihnachtsfamiliensingen? Weißt du, ob wir am 2. Advent schon etwas geplant haben? Wann werden die Päckchen für den Adventskalender in der Schule gebraucht? Hast du die Zugtickets für den 22. gebucht? Wolltest du nicht vor den Ferien mit der Maus für das Schwimmabzeichen üben? Wusste ich etwas von der Adventsfeier bei deiner Mutter? Wie, es gibt auch noch eine Klassen-Weihnachtsfeier? Hast du den Termin für das Kindertheater im Kopf? Schaffst du das mit dem Fotojahrbuch bis Weihnachten? Denkst du an den Termin in der KiTa? Denkst du an die Konzertprobe der Maus? Denkst du an… Ich habe das unbestimmte Gefühl, diese vorweihnachtlichen Fragen habe ich alle im letzten Jahr schon gehört. Und das Jahr davor auch. Und das Jahr davor…Und es ist  noch nicht einmal Advent! Und schon ist sie unter meiner ToDo-Liste begraben. Meine Weihnachtsvorfreude. Auf einmal verstehe ich auch, dass die Brigitte-MOM sarkastisch verlautbart, wir Mütter könnten heutzutage alles haben: Job, Kinder, …

Konfettitage, Strickjackentage und das Grundrauschen in deinem Leben

Heute ist ein Konfettitag, denn ich sitze am Schreibtisch im Büro meines Mannes. Ganz allein. Ich liebe das. Ich darf jetzt vier Stunden lang das tun, was ich auch noch gerne mache. Ich arbeite an meinem Blog. Das heute ist mein persönliches Konfetti im Alltag. Mein Mann ist mit den Kindern zu Hause, wahrscheinlich stellen sie gerade gemeinsam das Spielzimmer auf den Kopf. Ich habe mir auf dem Weg hierher einen Kaffee geholt, den trinke ich jetzt und sehe dabei aus dem Fenster. Drei Atemzüge lang. Nursodasein. Vor dem Fenster parkt ein Auto aus und drei wollen einparken. Ein Zug ist gerade angekommen. Mehrere Rollkoffer klackern über das Pflaster und irgendwo hinter den Altbauten am Ende der Straße erahne ich den Hafen und die Elbe. Das macht mich total glücklich. „DIE LEBENSZUFRIEDENHEIT LÄSST SICH AM LEICHTESTEN DADURCH STEIGERN, DASS MAN SEINE VERFÜGBARE ZEIT BESSER NUTZT. KÖNNEN SIE MEHR ZEIT FÜR DINGE ERÜBRIGEN, DIE IHNEN SPASS MACHEN?“ – Daniel Kahnemann Bei Daniel Kahnemann habe ich neulich gelesen, warum es mir so gut damit geht. Es hat …

5 Dinge, die wir von unseren Kindern über Vereinbarkeit lernen können

Die Minimaus schlurft durch den Flur in einer überdimensionalen Regenhose, in der sie zu verschwinden droht, weil sie 6 Nummern zu groß ist und ihr deshalb auch beinahe bis zum Hals reicht. Sie hat sich diese unglaublich tolle Hose bei ihrer großen Schwester ausgeliehen. Diese Hose ist schon deshalb so unglaublich toll, weil sie eben von ihrer Schwester ist! Und jetzt wandert da diese Hose durch unsere Wohnung. Die Minimaus watschelt und wankt und stolpert, steht wieder auf, watschelt weiter, bis zur Wohnzimmertür und dann den ganzen Weg zurück. Schlurfend, schleppend, schwankend. Sie ist unglaublich konzentriert dabei und als sie wieder an mir vorbei kommt, grinst sie breit: Ich trage die Hose meiner Schwester. Mama guck.  In ihrem Blick liegt ein Ich habs gewusst. Geht doch. Denn sie hat sich von mir nicht sagen lassen, dass ihr diese Hose nicht passt, dass sie damit fallen und sich weh tun wird, dass sie eigentlich gar nicht erst zu versuchen bräuchte, damit auch nur einen Meter vorwärts zu kommen. Dass das ein paar Nummern zu groß für sie ist. Ich sah …

Mythen erschweren das Balancieren

Vor einem Jahr genau fing es bei mir an mit dem Unglaublichmüdesein. Ich fühlte mich ganz schön abgeschrabbelt vom Mamasein. Wahrscheinlich auch vom alles andere sein, aber am meisten vom Mamasein. Es ist fast immer das Mamasein, denn meinen Beruf, den habe ich mir lange vor den Kindern ausgesucht, und alles andere war ich vorher auch schon.  Aber das Mamasein in Kombination mit dem Juristinsein, Frausein, Freundinsein, Immerdasein, Niealleinesein, Verlässlichsein, Verantwortlichsein, Ichsein, Wirsein hat so manches Energieleck in mir hinterlassen. Und ich habe nicht früh genug damit begonnen, es wieder zu schließen. Plötzlich war der Akku leer. Ganz leer.

Vereinbarkeit braucht Freiräume

Ich hatte da diese Idee. Die Idee, dass ich als Working Mum mit drei Kindern und drei Kalendern, einem ausgefeilten Zeitmanagement und einem gewissen Talent zur Organisation die perfekte Balance zwischen meinem Berufs- und Familienleben finden würde. Ich nahm an, mit Fleiß, Disziplin und gekonntem Multitasking könnte ich Meetings, kreative Geburtstagstorten, spannende Kinderpartys und besinnliche Paarzeiten locker unter einen Hut bringen. Schließlich hatte ich ideale Rahmenbedingungen für das bisschen Vereinbarkeit: Mein Mann und ich teilten alle Verpflichtungen 50/50, mein Arbeitgeber war flexibel, die Kinder waren selten krank, seit 2 Jahren lebte auch die Oma in der Nähe.

Zukunftspläne und Bundestagswahl 2017

Vorgestern saßen wir zusammen in „unserem“ Balutschistan bei Kerzenschein und Stimmengewirr. Meine Freundin Anne und ich. Wenn wir zusammen ausgehen, dann gehen wir am allerallerliebsten dorthin. Wir sitzen dann auf rotem Samt, trinken Tee und Mangolassi und warten aufs Essen, das so unglaublich lecker ist, dass wir uns schon Tage vorher darauf freuen. Wir wählen aus der Karte jedes Mal das selbe. Sie die Nummer 89, ich die Nummer 133. Während wir warten sehen wir den Menschen vor dem Fenster dabei zu wie sie den Alma-Wartenberg-Platz überqueren und fragen uns gegenseitig, wie es uns geht. Gestern sprachen wir über die zurückliegenden Ferien und das Ende des Sommers. Und dann hat sie mir erzählt, dass ihr Krebs weg ist. Sie hat gelächelt, ich habe zurück gelächelt. Ganz weg? Ja. Nichts mehr zu sehen? Nein. Es war als würde für einen Moment alles um uns herum leiser werden.

„Ich bin ja so stolz auf mich“ oder Innere Regeln

„Mama, ich bin ja so stolz auf mich.“ klang es vor zwei Tagen glücklich von der Rückbank. Wir fuhren gerade mit dem Auto vom Parkplatz der Rindermarkthalle in Hamburg und kamen vom angrenzenden Sommerdom: Riesenrad fahren, Schmalzkuchen essen, ein paar Runden Autoscooter für den Mäuserich und danach sogar einmal nass werden auf der Wildwasserbahn, anschließend ein paar harmlose Runden im Rennauto auf dem Kinderkarussel, noch mehr harmlose Runden in der Eisenbahn für die Minimaus und dann zum Abschluss noch zwei Runden mit der „Wilden Maus“. Nur der Papa und geradeso (weil erst ab 6 Jahre und einer Körpergröße von 1,10 m) auch der Mäuserich. Aber was ihn so stolz machte, war nicht etwa die „Wilde Maus“-Fahrt (die übrigens nur von außen harmlos aussieht, bei der man aber in jeder Kurve das Gefühl hat, hinaus zu segeln). Er hatte also in meinen Augen allen Grund, das als Abenteuer zu sehen. Aber nein, das war es nicht.