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Bücherstapel im März oder von der sanften Schönheit des Lebens

Ich müsste mal wieder aufräumen oder ein Regal aufstellen oder ein paar Bücher aussortieren oder… ach was weiß ich… Bücher nisten sich bei mir genauso gerne ein wie Wollmäuse und immer gibt es eine Ecke, in der sie sich ganz besonders gerne aufhalten. Vor allem stapelweise. Aber im Grunde finde ich das okay, denn ich kann mir ein Leben ohne Bücher ohnehin nicht vorstellen. Ohne Wollmäuse allerdings schon.

Jemand sagte mir einmal, Lesen eröffne einem neue Welten. Ich habe inzwischen festgestellt, dass das Lesen uns zu uns selbst führt. Ich denke, beides ist richtig. Jedenfalls bin ich glücklich, sobald ich ein Buch in den Händen halte. Und manchmal fühlt es sich auch verdammt gut nach verstanden werden an.

Und weil der März mich gerade ein wenig durcheinanderwirbelt, ist dieser Monat lesend betrachtet etwas zwischen Veränderung, Festhalten, Abschiednehmen, Wiederholung und Neudenken.

Vielleicht ist ja auch etwas für dich dabei:

(Auf dem Stapel irgendwie von links nach rechts, sorry!)

 

*Das Flow-Magazin (hier die Nummer 32 für € 7,50)

Die Flow ist dieses Mal mit auf dem Stapel, weil ich sie unheimlich gerne mag. Weil sie jedes mal ein kleines Kunstwerk ist und weil sie mir gut tut. Jede Seite, jede Beigabe, jeder Beitrag ist etwas zum Nachdenken, zum Anfassen, zum Angucken oder einfach mal zum Seufzen „Hach schön„. Wenn mich die Sehnsucht nach einer kleinen Seelenpause, nach schönen Dingen und nach dem kleinen Glück überkommt, dann ist es diese Zeitschrift, die ich wähle. Frischen Kaffee brühen, in eine Ecke verkriechen, lesen, blättern, aus der Welt in die Welt.

 

 

*Bevor ich jetzt gehe von Paul Kalanithi (Penguin Verlag, Taschenbuch, € 10,00)

Dieses Buch habe ich lange gemieden. Es hat mich interessiert, aber es hat mir Angst gemacht, denn Paul Kalanithi hat es für seine Tochter geschrieben, nachdem er seine Krebsdiagnose erhalten hatte. Im ersten Teil des Buches schreibt er über seine Karriere als Arzt und im zweiten Teil über sein Leben als Patient. Sachlich, direkt, schonungslos. Als der Krebs eine Weile stabil bleibt, kehrt er vorübergehend in den OP zurück, beschließt mit seiner Frau Lucy ein Kind zu bekommen und beendet auch noch seine Promotion. Das alles ist so normal und dann auch wieder nicht. Denn welchen Stellenwert hat das alles, wenn das Leben zu Ende geht? Wie wird man Patient ohne gleichzeitig noch Arzt sein zu wollen? Wie begrüßt man ein neues Leben während man sich von dem eigenen verabschiedet? Wie fühlt es sich an, noch lange genug leben zu wollen, damit sich das Kind später an seinen Vater erinnern kann? Wie hält man das aus? Wie geht man damit um?

Pauls Botschaft an seine 8 Monate alte Tochter ist einfach:

„Wenn du in einem dieser vielen Momente im Leben einen Bericht deiner Selbst geben musst, sag, wer du warst, was du getan hast und der Welt bedeutet hast.“

Das Buch blieb unvollendet, aber die kurzen 184 Seiten brechen mir das Herz. Ob es trotzdem Mut macht, weiß ich nicht. Mir führt es einmal mehr vor Augen, wie wichtig es ist, den Wert des Lebens zu schätzen. Wir können nicht leben als wäre jeder Tag unser letzter. So viel Druck halte ich beim besten Willen nicht aus. Aber wir können leben als wüssten wir um den Wert jeden Tages.

Pauls Frau Lucy schreibt im Nachwort: „Paul ist gegangen und er fehlt mir nahezu jeden Moment, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich noch das Leben lebe, das wir zusammen aufgebaut haben.“

Das ist für mich der entscheidende Gedanke: Sich ein Leben aufbauen! An jedem Tag, den man geschenkt bekommt, ein Stückchen.

 

*Und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus von Doris Anselm (Luchterhand Verlag, gebundene Ausgabe, € 18,00)

Erzählungen über das Älterwerden, Alleinsein und Erwachsenwerden; von Gewinnern und Verlierern; über Veränderungen, Wendepunkte und Aufbrüche. Egal was ich erwartet hatte, bevor ich die erste Seite dieses Buches aufschlug, ich wurde schnell in die Geschichten von Doris Anselm hineingezogen. Es sind Geschichten, die mir im Alltag, im Zug, im Fahrstuhl oder in einem Café bgegnet sein könnten. Sie machen mich neugierig und am liebsten würde ich dem einen oder anderen Gespräch noch etwas länger zuhören, ein wenig nachfragen und ganz dringend mehr erfahren. Doris Anselm hat ein Gespür für die Geschehnisse des Alltags und fängt Wendepunkte ein, die zunächst unwichtig erscheinen, im Rückblick aber Biografien beeinflussen.

Der eigenwillige Schreibstil von Doris Anselm liegt vermutlich nicht jedem, ich mag ihn sehr. Die Geschichten klingen in mir nach wie eine Melodie. Sie haben einen besonderen Sprachrythmus und jagen mich durch Perspektiven, Zeiten und Gefühlswirrwarr. Ich liebe das.

 

*Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt von Peter Stamm (Fischerverlag, gebundene Ausgabe, € 20,00)

Seit diesem Buch weiß ich, Peter Stamm ist nicht nur ein Meister, wenn es um Erzählungen geht. Er treibt in seinem Roman ein wunderbares Verwirrspiel von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, Traum und Realität. Wer ist man heute, wer war man in der Vergangenheit?  Sprachlich ist das Buch ein Hochgenuss und wer sich gerne überraschen lässt, wird dieses Stückchen Leben, in das man sich hier hineinbegibt, sehr mögen.

„Während ich Lena gefolgt war, hatte ich mich gefragt, ob wohl auch meiner Magdalena vor sechzehn Jahren jemand nachgegangen war, ob ich nicht nur einen Doppelgänger hatte, sondern selbst einer war, Teil einer endlosen Kette immer gleicher Leben, die sich durch die Geschichte zog.“ Das sagt doch alles, oder?

 

 

 

*Der tiefe Riss von Susanne Garsoffky und Britta Sembach (Pantheon Verlag, Paperback, € 15,00)

Die Autorinnen sind der Ansicht, unser Sozialsystem benachteilige Eltern, weil wir zwar Kinder brauchen, um es zu finanzieren, Kinder groß zu ziehen aber kaum honoriert werde. Arbeitgeber hingegen bevorzugten Kinderlose und überhaupt sei es ein attraktives Lebensmodell geworden, keine Kinder zu haben. Ob sich die Frauen und Männer nun bewusst oder durch die Umstände gegen Kinder entschieden hätten, Kinderlose zahlten in den meisten Unternehmen mit Überstunden für die fehlgeschlagene Vereinbarkeitspolitik der vergangenen Jahre. So entstehe ein tiefer gesellschaftlicher Riss. Um ihn zu überbrücken, bräuchten wir ein gerechtes, völlig umgestaltetes Sozialsystem – weg vom Generationenvertrag – und ein Umdenken in den Unternehmen.

Ich kann die fundierten Ansichten, die in dem Buch vertreten und mittels Studien und Fakten wissenschaftlich belegt werden, durchaus nachvollziehen. Dennoch hätte ich mir mehr Lösungsansätze gewünscht. Die bietet das Buch für mich noch nicht raumgreifend genug. Trotzdem, ein interessantes und provokantes Buch.

 

*Rico, Oskar und der Diebstahlstein von Andreas Steinhöfel (Carlsen Verlag, Taschenbuch, € 7,99)

„Bei Rico ist so ziemlich alles bestens. Sein Freund Oskar wohnt jetzt im selben Haus. Sein Hund Porsche ist immer bei ihm. Mama und er haben die coolste Wohnung in Berlin. Und der Bühl wird womöglich bald sein neuer Papa. Aber dann finden Rico und Oskar einen Toten im Treppenhaus. Mann, Mann, Mann! Die beiden Freunde müssen sich mit brodelndem Adrenalinzeugs, Para-Neujahr und klackernden Bingokugeln herumschlagen, als dieses neue Abenteuer sie bis an die Ostsee führt.“

Dies ist der dritte Teil um Rico, Oskar und die restlichen Bewohner der Dieffe 93 (Berlin). Andreas Steinhöfel hat etwas länger gebraucht, um mich davon zu überzeugen, dass er einfach gute Kinderbücher schreibt. Die Verfilmung seines Buches „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ hatte mich eher abgeschreckt, eines seiner Bücher zu lesen. Frage mich nicht warum, ich bin von Natur aus wohl eher skeptisch, wenn es um die Verfilmung von Büchern geht. Aber inzwischen weiß auch ich, dass ich bei keinem  anderen Kinderbuchautor  so viel natürlichen Witz, komischere Wortspielereien und originellere Protagonisten finden werde.

Den ersten Band wollen die Mäuse und ich noch lesen, den zweiten Band haben wir zu dritt bereits verschlungen. Und inzwischen habe ich auf Empfehlung hin sogar herausgefunden, dass es lohnenswert ist, sich eines der Bücher auch als Hörbuch zu kaufen. Denn Herr Steinhöfel spricht seine Figuren dermaßen treffsicher, dass ich mittlerweile überlege, ob wir die anderen beiden Bände nicht auch noch einmal hören sollten.

Das wird ein Riesenpaß!

 

*Lila Winkelbaum und das Geheimnis der Zeituhr von Julian Wolf (eBook, € 4,99)

Ich hatte das Buch schon in meinem letzten Monatsrückblick vorgestellt. Aber weil ich es sehr mag, hier noch einmal etwas dazu:

Lila ist neu in der Schule und gleich am ersten Tag geht es in ein Museum. Eine Ausstellung über die Zeit. Lila ist wenig begeistert, doch dann wird aus dem Museum ein wertvolles Ausstellungsstück gestohlen: eine ägyptische Sonnenuhr, mit deren Hilfe man durch die Zeit reisen kann. Und weil Lila den Jahrhundertdetektiv Sherlock Holmes und deshalb auch Detektivgeschichten so liebt, ist sie sofort Feuer und Flamme. Mit ihrer Freundin Jane macht sie sich an die Aufklärung des Diebstahls.

Und weil das für ein Buch über die Zeit noch nicht genug ist, kommen dann auch noch die „kleinen Freunde“ ins Spiel – geheimnisvolle Wesen aus der 5. Dimension. Die kleinen Wesen helfen Lila bei der Aufklärung des Diebstahls und sorgen dafür, dass diese Detektivgeschichte nicht nur spannend sondern auch fantastisch wird.

Zum Mitfiebern, Lachen und (leider) so gar nicht zum Einschlafen. Dafür aber zauberhaft und lesenswert.

 

*Der kleine Drache Kokosnuss feiert Weihnachten von Ingo Siegner (cbj Verlag, gebundene Ausgabe, € 8,99)

Ich weiß, ich weiß. Mit dem Buch bin ich etwas spät dran. Oder etwas zu früh, je nachdem wie man es betrachtet. Meine Kinder sind der Ansicht, das Buch passt immer und deshalb lesen wir es schon wieder, immer noch oder was auch immer. Und sie haben recht. Es macht Spaß. Kokosnuss überhaupt macht uns Spaß. Auch im Winter…Lach…

Also, jetzt mal im Ernst: Im Buch ist es Winter und der kleine Drache Kokosnuss und das Stachelschwein Matilda spielen im Schnee. Da tauchen zwei Gestalten im schwarzen Frack auf. Zwei Pinguine suchen den Weg zum Südpol. Den kennen die Freunde nicht, aber das Yeminee weiß Rat: Die Pinguine sollen den Weihnachtsmann fragen, denn der ist schließlich am 24. Dezember auf der ganzen Welt unterwegs. Ist doch logisch, oder? Weihnachtsmann also? Natürlich – Weihnachten! Davon haben Kokosnuss und Matilda allerdings noch nie gehört. Doch als das Yeminee mit leuchtenden Augen von Heiligabend erzählt, ist klar: Dieses Fest wollen die Drachen auch feiern! Sofort brechen Kokosnuss und Matilda zum Weihnachtsmann auf, um den freundlichen alten Mann zu überreden, an Weihnachten die Dracheninsel zu besuchen.

Was er natürlich auch tut.

Eine Geschichte mit Happy End also.

Nach dem meine Kinder dann auch endlich einschlafen können. Weihnachten geht eben irgendwie immer.


 

Und was liest du gerade so?

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