Belletristik, Bücherstapel, Kinderbuch, Sachbuch
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Bücherstapel im Juli oder Das passende Leben

Der Juli steckt irgendwie fest. Er ist voll und anstrengend, gleichzeitig will er so gar nicht vergehen. Wahrscheinlich ist das die Vorfreude auf den nahenden Sommerurlaub. Sie lässt alles langsamer werden, denn wir sind schon längst im Urlaubsgefühl und müssen doch noch einiges organisieren, letzte Dinge abarbeiten, das 3. Schuljahresende einläuten und KiTa-, Sommer-, Geburtstagsfeste feiern. Ich komme daher kaum zum Lesen. Trotzdem möchte ich euch endlich meinen Bücherstapel für den Juli vorstellen (von oben nach unten):

  *Illustrieren – Farbenzauber von Sachiko Umoto

38072970-00-00Edition Michael Fischer Verlag, Taschenbuch, 112 Seiten, € 12,99.

Ich hatte sooooo Lust auf etwas Kreativität und mir daher dieses Büchlein bestellt. Sachiko Umoto erklärt in kleinen Schritten, wie man mit Farben verschiedene Stimmungen erzeugt und mit ihren kleinen, einfachen Zeichenübungen schaffe ich sogar erste Grafiken für mein Notizbuch. Von Sachiko Umoto gibt es mehrere Büchlein in dieser Art, in denen sie erklärt, wie man Tiere, Menschen oder Blumen illustriert. Sie sind auch für ungeübte Zeichner bestens geeignet. Ich finde sie allesamt ganz zauberhaft.

*Landliebe von Jana Lukas

Landliebe

Ich gebe es zu, dieses Buch hatte bei mir nur deshalb eine Chance, weil das Buchcover so umwerfend schön ist. Der Klappentext versprach dann auch noch gute Unterhaltung (auch wenn ich „Bauer sucht Frau“ im TV nie gesehen habe) und so durfte es mit mir nach Hause. Es hat mich nicht enttäuscht: Elisabeth lebt in München und ist arbeitssuchend. Sie lässt sie sich von ihrer besten Freundin Alex überreden, an dem Fernsehformat „Landliebe“ teilzunehmen. Auch der Winzer Tom ist dabei, jedoch nur, weil sein Weingut am finanziellen Abgrund steht und auch er das Geld gebrauchen kann. Das Fernsehteam macht aus seinen Kandidaten kurzerhand sehenswerte Prototypen. So wird Elli zum dummen Blondchen, in dessen Kleiderschrank nur Dirndl hängen und auch Tom wird anders dargestellt, als er in Wahrheit ist. Beide suchen eigentlich keine feste Beziehung und brauchen eine ganze Weile um herauszufinden wen sie da wirklich vor sich haben. Das Buch ist eine lockerflockige Sommerromanze, es liest sich gut in einem Rutsch und das Wichtigste, ich habe mich amüsiert.

Wer gerne Liebesgeschichten liest, findet hier alles, was es zum Lesegenuss braucht: eine Priese Drama, jede Menge Romantik und ein schönes Setting auf einem lauschigen Weingut an der Mosel. Die Geschichte wird leicht, aber gefühlvoll erzählt. Und die große Portion Humor, mit der die Autorin hier erzählt, hilft auch über ein paar Längen im Text hinweg.

Am besten an einem verregneten Sommertag lesen, einfach abschalten und sich amüsieren. Dieses Buch heitert einen auf jeden Fall auf. Meine Leseempfehlung für Zwischendurch, wenn man mal leichte Lesekost gebrauchen kann.

*Späte Einsichten von David Leavitt

48045862-00-00Atlantik Verlag, Taschenbuch, 304 Seiten, € 12,00.

Dieses Buch kommt mit in den Urlaub, denn es erfüllt alle Kriterien, die ich an einem Roman unwiderstehlich finde: Die Geschichte spielt in Lissabon im Jahr 1940; es geht darin um eine Dreiecksbeziehung und um den Anfang einer großen Liebe; der Schreibstil des Autors ist klar und direkt; obwohl die Geschichte vor dem Hintergrund des 2. Weltkrieges erzählt wird, ist das Thema zeitlos und die ersten Sätze, die ich beim Hineinlesen erwischt hatte, waren: Sie glitt in die Drehtür und schien einen Augenblick vervielfacht und zerstückelt, als hätte sie das Glas absorbiert. und Ich war nackt. Wie die schlafende Person neben mir. Julia schlief niemals nackt, wie konnte es dann Julia sein? Ich schlief niemals nackt, wie konnte es dann ich sein?

Ich kann es kaum erwarten, mich abends mit Blick aufs Meer und einem Glas Wein in unserem Ferienhaus einzukuscheln und die erste Seite dieses Buchs aufzuschlagen.

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btb Verlag, gebundene Ausgabe, 320 Seiten, € 18,00.

Mona fliegt mit ihrer Mutter nach Teheran zur Beerdigung ihrer Großmutter. Diese Reise wird für sie eine Reise zu ihrer Familie, die sie lange nicht gesehen hat. Sie ist in Deutschland aufgewachsen, doch die persische Kultur ist ihr vertraut und das Land, in das sie nun fliegt, fühlt sich nach Heimat an. Doch auch das Leben in Deutschland will Mona nicht aufgeben, der Rückflug ist bereits gebucht. Doch wohin gehört sie?

Sechzehn Wörter lautet der Titel des Debütromans von Nava Ebrahimi. Sechzehn Wörter, die am Anfang jedes der 16 Kapitel erklärt werden und die für die persische Seite von Monas Identität stehen. Die zwei Welten Deutschland und Iran passen für Mona nicht zusammen. Sie kennt beide sehr gut. Die jeweiligen Eigenheiten und Gepflogenheiten ihrer Einwohner sind ihr vertraut. Hier ist sie die Iranerin, fällt durch ihre Haut- und Haarfarbe auf, dort sieht man in ihr die Deutsche, die dazu noch ein holpriges Persisch spricht.

Eine lebendig geschriebenes Buch und eine kurzweilige Familiengeschichte, selbst wenn dem Leser Geschichte und Kultur des Irans nicht gänzlich unbekannt sind. Sie deckt Klischees und Vorurteile auf, regt zum Nachdenken an und auch dazu, sich selbst zu hinterfragen. Monas Geschichte gibt sehr persönliche Einblicke in die iranische Gesellschaft und in die inneren und äußeren Widersprüche einer Deutsch-Iranerin. Es geht um das Gefühl des Andersseins im Kindesalter, um die Sprachlosigkeit in der Beziehung zu den Eltern bis hin zur Unfähigkeit, Beziehungen im Erwachsenenalter zu führen. Mona will endlich das große Fragezeichen in ihrem Leben klären und tastet sich langsam an die Antwort heran. Und am Ende ist es auch eine Liebesgeschichte, die eigentlich keine sein darf, die aber sehr berührend ist.

Schöne Sprache, intensive Einblicke, bildhafte Szenen, spannender Aufbau. Ich hätte mit Mona gerne noch mehr Zeit verbracht.

*Gruber geht von Doris Knecht

26019576-00-00Rowohlt Verlag, Taschenbuch, 237 Seiten, € 8,99.

Dieser Roman ist eine Empfehlung meiner kleinen Schwester. Genauer gesagt, hat sie mir die Autorin empfohlen. Von Doris Knecht kenne ich bisher noch nichts und so habe ich mir jetzt die Story von Gruber herausgesucht. Worum es geht, ist schnell erzählt: John Gruber ist ein Karrierist und Lebemann. Er bekommt eine Krebsdiagnose, die sein Leben binnen Sekunden völlig aus der Bahn wirft. Und nun stellt sich die Frage, ob der Tumor Grubers Einstellung ändern wird oder er der oberflächliche Zyniker mit dem Porsche bleibt. Locker, leicht, bodenständig und ironisch ist der Schreibstil von Doris Knecht. Lesen!, sagt meine Schwester. Ich werde auf sie hören.

 

*Das Rushing Woman Syndrom von Dr. Libby Weaver

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TRIAS Verlag, Taschenbuch, 280 Seiten, € 19,99.

Ich habe gerade erst angefangen, dieses Buch zu lesen, kann aber schon jetzt sagen, dass ich mich erschreckend häufig darin wiedererkenne. Eine dauergestresste, viel zu oft hetzende und to-do-Listen abarbeitende berufstätige Mutter. Dr. Libby Weaver erklärt populärwissenschaftlich, wie man vom to-do zum to-enjoy kommt. Sie schreibt dabei vor allem über die biochemischen und hormonellen Zusammenhänge zwischen dem Dauerlauf im Alltag und der körperlichen und seelischen Gesundheit. Ich will mit Hilfe des Buches, einmal mehr hinterfragen, was ich da eigentlich tagtäglich tue, was die Hetzerei für Körper und Seele bedeutet und wie ich meinen Lebensstil ändern kann. Der Klappentext verspricht wertvolle Impulse, wie ich aus der Spirale meiner Verpflichtungen herausfinde und dass ich mit den empathischen und alltagsnahen Lösungsansätzen von Dr. Libby zu mehr Gelassenheit finde. Die Aussage Der erste Schritt zur Veränderung von erschöpfenden Reaktionsmustern, die Ihnen selbst schaden, ist Selbsterkenntnis ist dabei sicherlich nicht neu aber wahr. Ich werde dann berichten.
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S. Fischer Verlag, gebundene Ausgabe, 480 Seiten, € 24,00.
Auf dieses Buch habe ich sehnsüchtig gewartet. Remo Largo ist Entwicklungsforscher und seinen Bestseller Babyjahre kennen wohl nahezu alle Eltern. Ich fand es bislang das beste Buch, wenn man etwas über die Entwicklung in den ersten Babyjahre lesen und sachliche, ideologiefreie Ratschläge und Informationen bekommen will. Aber auch Schülerjahre und Jugendjahre ziehen ganz bald in mein Bücherregal ein.Das passende Leben ist nun sein neuestes Werk über die Rolle der Individualität und die Grundbedürfnisse, die uns formen. In dem Bereich hat Remo H. Largo schließlich jahrzehntelang geforscht. In seinen einzigartigen Langzeitstudien begleitete er Generationen von Kindern und Erwachsenen. Er schreibt nun also unter anderem über Fremdbestimmung, Stärken und Begabungen, Vorstellungen und Überzeugungen und darüber, was das passende Leben ausmacht.
Ich habe es jetzt mal von unten nach ganz oben auf den Stapel gelegt.
Und was lest ihr so im Urlaub?

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