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Bücherstapel im Februar oder Minimalismus und Eigensinn

Buchtipps Februar 2018 / Martamam

Der Februar endete gestern mit einer Erkältung, kalten Füßen, lauwarmem Tee und schlechter Laune. Alles in allem könnte es also entspannter und harmonischer sein im Hause Martamam. Aber so ist das Leben. So ist der Alltag. Immerhin scheint die Sonne und wenn ich mich ein wenig aus dem Bürofenster lehne, kann ich den Schnee in der Sonne glitzern sehen. Es gibt also schon noch Glitter im Alltag. Dazu gehören auch mein morgendliches Schokocroissant, meine Vorfreude auf ein Abendessen mit Freunden und die Bücher, die ich euch heute im neuen Bücherstapel vorstelle.

Ich bin mir zudem sicher, dass der März ab heute mein Februar-Tief wieder wettmacht. Und irgendwo ist ja jetzt auch Sommer. Sollte es mit einer spontanen Reise dorthin allerdings nichts werden, gehe ich ins Tropenhaus und wärme mir die Füße und das Gemüt.

Aber jetzt geht es erst einmal nur um Bücher (auf dem Foto von links nach rechts):


 

Eigensinn

*Eigensinn von Ursula Nuber (Fischer Verlag, Paperback, € 14,99)

Eigensinn / Martamam-Blog Dieses Buch ist mir in der Bücherhalle in die Hände gefallen. Der Titel hat mir so gut gefallen und auch die Ansage des Untertitels, dass sich mit mehr Eigensinn, Burn—out und Depressionen vorbeugen lassen, machte mich neugierig. Selbstbestimmung! Das ist doch genau das, was wir vor allem als Mütter (wieder) haben wollen, oder?

Ein gesundes Maß an Eigensinn unterstützt uns darin, anderen Menschen Grenzen zu setzen und Abstand zu kraftraubenden Moden, Erwartungen und Idealen zu gewinnen. Und dabei müssen wir gar nicht laut und deutlich werden oder uns aktiv wehren. Im Gegenteil, Eigensinn geht auch ganz leise, nämlich immer dann, wenn wir uns ausklinken, nicht da sind, auf der Couch liegen und ins Grüne gucken…

Die Autorin Ursula Nuber ist Chefredakteurin der Zeitschrift ‚Psychologie Heute‘ und Bestsellerautorin. Sie deckt die Gründe für unsere häufig ungesunde Zurückhaltung auf, wenn es darum geht, fremde Erwartungen oder Wünsche abzulehnen und zurückzuweisen. Wir sagen oft ja, wo wir lieber nein sagen würden, wir erfüllen die Wünsche anderer, auch wenn wir einen gewissen Widerstand in uns spüren, wir halten nicht dagegen, wenn wir anderer Meinung sind.

In ihrem Buch erklärt sie uns – unterstützt von wissenschaftlichen Erkenntnissen und verknüpft mit praktischen Tipps und Fallbeispielen – wie es anders geht. Ich jedenfalls fühle mich nach dem Lesen schon sehr viel eigensinniger und werde mich ab sofort darin üben, das noch viel öfter zu sein. Wer macht mir?


 

Verletzlichkeit

*Daring Greatly von Bréné Brown (Penguin Books Ltd., Paperback, € 9,99)

Daring Greatly / Martamam- BlogBréné Brown schreibt in diesem Buch über Verletzlichkeit und meint damit die Verletzlichkeit, die wir empfinden, wenn wir uns in ungewohnte Situationen begeben, wenn wir ein heikles Gespräch führen oder einen Vertrag aushandeln müssen. Die Verletzlichkeit, die wir als Eltern empfinden und auch als Liebende. Die Verletzlichkeit, die wir so ungern zugeben und die wir deshalb hinter Perfektion zu verstecken suchen. Sei es im Familienleben, im Beruf, im Alltag.

Bréné Brown erklärt, warum dieses Gefühl der Verletzlichkeit eine Stärke und keine Schwäche ist. Seit über zehn Jahren erforscht sie die Themen Verletzlichkeit, Mut, Authentizität und Scham und ihre Auswirkungen auf Leben und Beruf, auf Gemeinschaften und Organisationen. Verletzlichkeit ist ihrer Ansicht nach die Voraussetzung dafür, dass Liebe, Zugehörigkeit, Freude und Kreativität entstehen können.

Ich finde das ist ein irre spannendes Thema und ich sehe unseren Hang gegen diese Unsicherheit anzukämpfen und uns hinter sinnloser Perfektion zu verstecken inzwischen mit gänzlich neuen Augen. Wie erfüllend und befreiend zugleich muss es sein, darauf zu verzichten und sich selbst zu sein. Ein erster Schritt wäre es jedenfalls, dieses Buch zu lesen. (Das Buch gibt es auch in der deutschen Fassung „Verletzlichkeit macht stark“.)


 

Dänisch

*Wie du nicht dänisch lernen solltest von Ingeborg Vagt (Bollerup Verlag, Taschenbuch, € 6,00)

Dänisch lernen / Martamam-Blog Dieses klein, feine Büchlein war ein Geschenk meines Mannes. Weil wir mit den Kindern so gern in Dänemark sind und weil wir trotzdem bis auf Tak und Hej kein Wort dänisch sprechen. Es ist ein Lernguide, der sprachliche Stolpersteine und tägliche Missverständnisse beim Dänisch lernen und -verstehen behandelt. Nebenbei lerne ich gleich schon die ersten Sätze und die Autorin zeigt mir dabei eine kleine Abkürzung in die dänische Sprache, um mir lästige Sprachbarrieren zu ersparen. Sie plädiert für weniger Grammatik, aber ein gutes Vokabular und zwar von Anfang an in ganzen Sätzen.

Im nächsten Urlaub werde ich also schon definitiv mehr dänisch sprechen als bisher.
„Nyd dagen!“

 

 


 

Introversion

*Still und Stark von Susan Cain (Goldmann Verlag, Paperback, € 15,00)

Still und stark / Martamam-Blog Ich kenne das, was Susan Cain in ihrem Buch beschreibt: Als Teenager wurde ich oft gefragt, warum ich so still sei. Mir wurde sogar einmal nahe gelegt, anders zu sein, weil „sonst nie etwas aus mir werden würde“. Daraufhin habe ich jahrelang versucht, mich zu ändern, im Unterricht das Wort zu ergreifen, auf Partys zu gehen, fröhlicher, lebhafter und unterhaltsamer zu sein. Auch wenn ich meine freie Zeit lieber alleine oder mit einer guten Freundin verbrachte.

Es hat lange gedauert, bis ich meine Introvertiertheit nicht mehr nur als Schwäche sondern als akzeptable Eigenart empfand. Mit dem zunehmenden Alter wurde ich in vielen Situationen auch gelassener, meine Mitmenschen mit mir nachsichtiger und ich fühlte mich nicht mehr gar so oft falsch. Geholfen hat mir, dass ich meine Ziele bisher auf meinem eigenen Weg nahezu immer erreicht habe. Dass mir das nicht nur trotz meiner Introvertiertheit gelungen ist sondern mir die Introversion dabei sogar geholfen hat und ich sie demnach schon längst als Stärke genutzt habe, ist mir allerdings erst so richtig mit diesem Buch klar geworden.

Susan Cain schrieb schon in ihrem ersten Buch „Still“ darüber, was Introversion bedeutet, welche Vorteile es hat und warum ein introvertierter Mensch im Vergleich zu extrovertierten Menschen zwar anders aber nicht weniger „richtig“ ist. Das Buch habe ich jetzt erst am Wickel, denn in ihrem zweiten (also meinem ersten) Buch „Still und Stark“ dreht sich alles um die Welt von Kindern und Jugendlichen. Sie „sind oft talentiert, einzigartig und liebevoll. Und trotzdem denken sie, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Das muss sich ändern“, schreibt Susan Cain und sie hat mir damit so richtig aus dem Herzen geschrieben.

Denn ich erkenne mich und meine Introvertiertheit in Teilen auch bei meinen Kindern wieder und möchte auf keinen Fall, dass sie in dem Gefühl aufwachsen, irgendwie nicht richtig zu sein. Deshalb ist mir dieses „Still und stark“ so wichtig, denn ich habe daraus jetzt viele, viele Hilfestellungen und Gedanken mitgenommen, von denen ich mir damals als Teenager gewünscht hätte, dass sie mir jemand mit auf den Weg gegeben hätte.


 

Minimalismus

*Minimalismus für Eltern von Asha Dornfest und Christine Koh (Rowohlt Taschenbuch Verlag, Taschenbuch, € 12,99)

Minimalismus für Eltern / Martamam-BlogIdeen für ein einfacheres, entspannteres Familienleben? Na klar, immer doch, dachte ich mir im Buchladen. Denn das ist doch absolut mein Thema. Wir Eltern von heute sind schließlich irgendwie immer auch überforderte Eltern. Das Buch versprach ein Gegenmittel zum Erziehungsstress zu sein. Und das ist es mit kleinen Abstrichen auch.

Die Autorinnen stellen alltagstaugliche Strategien vor, wie Zeitplanung, Schule und Freizeit entspannter gestaltet werden können. Mit vielen Anregungen und Gedanken von Eltern, die es schon geschafft haben. Ich habe das Buch tatsächlich ganz gern gelesen, auch wenn mir manches nicht neu oder gar innovativ erschien.

Ein Zaubermittel zur Vereinbarkeit gibt es eben nicht. Auch hätte ich sehr gerne zum Thema Selbstfürsorge mehr gelesen als den Rat, sich Zeit für Schaumbäder, hübsche Kleidung und Sport zu nehmen.

Nichtsdestotrotz findet sich in dem Buch eine Fülle an praktischen Ratschlägen, guten Ideen und klugen Gedanken, die mir einfach mal gut tun; die dabei helfen, die Erwartungen an mich und meine Kinder zu relativieren; die dafür sorgen, dass ich mich nicht so alleine damit fühle, meinen Kindern nicht alles bieten zu können und auch nicht zu wollen; die mich einmal mehr darin bestätigen, dass es legitim ist, selbst auch noch einen Platz im Familienleben haben zu wollen.

Was soll ich noch sagen? Kaffee kochen und ab aufs Sofa! Lesen!


 

Hast du auch welche davon gelesen? Welche Bücher liegen gerade auf deinem Bücherstapel? Und was waren deine Leselieblinge im Februar?

Genieße den Tag / Martamam-Blog

 

 

 

 

 

 

 

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1 Comment

  • Reply
    Februar 2018 (und was ihn zeitlos gemacht hat) - Martamam
    9. März 2018 at 10:53

    […] Dehoff,  das ich mir vom Mäusepapa zum Geburtstag gewünscht und auch bekommen habe; das Buch „Still“ von Susan Cain, das ich mir selbst geschenkt habe; ein selbstmodelliertes Tonherz von der Maus; einen […]

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