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November 2017 (und was ihn entspannt gemacht hat)

Ich und wir

Der November ist etwas kaffeelastig, jedenfalls für mich. Die Termine im Kalender stauen sich. Trotzdem geht es uns gut. Es macht Spaß sich durch die Vorvorweihnachtszeit zu singen, zu klatschen, zu essen und zu drehen und wir warten sehnsüchtig auf den Weihnachtsmarkt. Am ersten Tag kaufe ich 10 Fahrchips für das Kinderkarussel auf einmal.

Ich erhebe es zu meinem Ritual, einmal in der Woche abends alleine durch die beleuchteten Straßen zu stromern und erst nach dem Abendessen zurück zu sein. Der Mäusepapa ist derweil mit den Mäusen zu Hause und ich sitze mit einem Buch und einem Rosé zum Aufwärmen in meinem Lieblingsrestaurant.

Zusammen genießen wir Konzerte, Wein, Besuche bei Freunden, das graue Wetter zum Nichtsmüssen.

Und ich genieße auch noch eine Nacht auf dem Süllberg mit einem grandiosen Menü und einem Blick auf die Elbe, der atemberaubend schön ist. Gerade wegen des Nebels und der Sonne, die zaghaft hindurchscheint, und auch wegen der Vorfreude auf ganz viel Zeit für mich mit meiner kleinen Schwester. Wie toll ist das!

Und wie toll sind die Misosuppe am Berliner Hauptbahnhof und der Jasmintee im Bok  und überhaupt die viele Zeit, die ich im November für mich alleine habe. Das tut mir so gut. Und danach freue ich mich wieder über die Füße, die sich nachts in meine Seite schieben und die Köpfchen mit dem flauschigen Haar, die mir den Platz auf dem Kopfkissen streitig machen. Die kleinen Hände, die nach meinen greifen und die Arme, die sich mit meinen verknoten.

Das Tüs, bei dem die Minimaus ihre Lippen ganz spitz macht und mit dem sie aus der Küche geht, als würden wir uns nicht in drei Sekunden wieder hineinkommen und dann ihr fröhliches Hi rufen. Und wie selbstverständlich sie beim Essen auf dem Schoß der Maus sitzt, als wäre das ihr angestammter Platz. Auf einem Schoß zu sitzen mag sie im Moment ohnehin lieber als auf ihrem eigenen Stuhl.

Die Luftküsse vom Mäuserich und der Minimaus beim Abschied morgens, wenn sie mich zusammen mit dem Mäusepapa an der S-Bahn absetzen.

Das Chili, das mir der Mäusepapa wieder öfter kocht. Das Konzert, das wir beide nach der Pause geschwänzt haben, um statt dessen essen zu gehen. Wie verwegen und frei wir uns dabei fühlen. Der Abend eine Woche später als wir zu zweit beim Asiaten sitzen und mehr Wein trinken und mehr reden als geplant. Es fühlt sich so an als würden wir danach einfach in unsere erste gemeinsame Wohnung ohne Kinderbetten! zurückkehren und den nächsten Tag bis zum Mittag schlafen können. Wie lange ist das her?

Der schönste Moment

Noch eine Woche, noch zwei Tage, noch einen Tag bis zum ersten Türchen im Adventskalender. Der Mäuserich kann nicht einschlafen und wir zählen zusammen die Tage und ob alle 24 Türchen noch da sind. Die Feststellung, dass der Mäuserich nicht mehr Höhlenforscher werden will- obwohl man da doch sogar Dinos ausgraben kann- sondern jetzt lieber Mitarbeiter bei der Sendung mit der Maus. Die Miene, mit der er mir verkündet: Das Leben ist wie eine Hühnerleiter. Kurz und beschissen. Bis dann ein Grinsen über sein Gesicht huscht. Das Moma und Popa der Minimaus. Habe ich davon schon erzählt? Es ist immer noch so hinreißend. Und das Mamiieeee, mit dem sich mich neuerdings ruft. Mit diesem langgezogenen iiiiiieh am Ende. Und die vielen Meins, die sie seit ein paar Tagen verwendet: Mei Lola (Roller), mei Tetty, mei Ginken (Trinken), mei Schu, mei Gacke (Jacke), mei Mama. Die Welt gehört jetzt ihr.

Endlich gelesen

Nicht viel. Diesen Monat habe ich mehr in anderen Blogs gestöbert und die Beiträge auf Instagram intensiver gelesen. Empfehlen kann ich trotzdem etwas: The Art of Non-Conformity von Chris Guillebeau. Das gibt es auch auf deutsch. Mich hat es ein paar Tage lang bei meinem neuen Montagsritual begleitet und ganz viele Denkanstöße gegeben. Und ich freue mich auch schon auf Lykke von Meik Wiking.

Gern gesehen

Dance Academy (Tanz deinen Traum, die Serie), Paddington und The Crown. Ich mag gerade eher leichte Kost, finde die aber richtig gut.

Neu entdeckt

Der Montagabend-Rosé für mich ganz allein und die innere Bereitschaft, mir selbst mehr Wünsche zu erfüllen. Angefangen habe ich mit In Winter von Katie Melua. Und dann noch Jour von Hugo Boss und der korallenfarbene Lippenbalm von eos. Ich liebe die gerade sehr. Und die Memorie-Box von Cheerz habe ich mir auch gegönnt. Ich fülle sie in den nächsten Wochen nach und nach mit meinen Lieblingsfotos. Aber im Grunde meine ich mit dem Wünsche erfüllen, meine Bedürfnisse weiterhin mehr zu beachten.

Was noch? Mehr schlafen löst viele Probleme. Ganz ehrlich. Die Maus ist eine ganz tolle Begleiterin, wenn wir zu zweit unterwegs sind. Wir reden, erzählen uns Geschichten von Freundschaften, den Widrigkeiten des Schulalltags und allem möglichen und unmöglichen. Ich genieße die Zweisamkeit mit ihr sehr und muss sie gleichzeitig schon ein bisschen loslassen (oh ja).  So groß und eigensinnig ist sie gerade schon.

Und dann sind da noch diese Bilder von dem dänischen Fotodesigner Peter Funch mit den tanzenden Flummis in den Straßen von San Franciso. Das ist ganz zauberhaft, oder?

Weihnachtswünsche

Zusammen sein, alleine sein. Und beides unter einen Hut bekommen. Eine neue Tasche wie diese Saddle Bag, ganz viele neue Bücher, noch mehr solcher großartigen Konzerte hören, wie das mit Barbara Hannigan neulich.

Meinem Vater verzeihen können, dass er damals viel zu früh aus dem Leben gegangen ist. Ich konnte das schon mal, aber gerade bricht da ganz viel wieder auf. Ich arbeite daran.

Schnee, Glühwein, mal einen ganzen Crépe für mich alleine, mit Banane und Nutella. Das dürfte nicht so schwer werden.  Insgesamt gesehen will ich langsamer werden. Mehr sehen, mehr fühlen, mehr bei mir sein. Das wird mir wichtiger gerade, sonst verpasse ich zu viel von mir, von meinen Kindern, von meinem Mann, von diesem WIR. Und vom Rest meines Lebens.

 

Und ihr so? Wie geht es euch? War der November gut zu euch?

 

Selbstfürsorge ist eine Notwendigkeit oder Meine „Big Five“ des Mutterseins

Als ich mit der Maus (mein erstes Kind) schwanger war, las ich beinahe jeden Schwangerschafts-, Erziehungs-, Kinderernährungs- und Elternratgeber, den die Buchhandlung und die Bibliothek so hergaben. Ich versprach mir davon, die aufsteigende Panik vor dem Mutterwerden einzudämmen. Keine Frage. Ich wollte sehr gerne Mutter werden. Die Maus war ein Wunschkind. Genauso wie der Mäuserich und die Minimaus später auch. Geplant, geliebt und herbeigesehnt.

Trotzdem fühlte ich mich alles andere als qualifiziert für das, was auf mich zukommen würde. Ich war überzeugt davon, dass ich ganz bestimmt alles, aber auch wirklich alles mit diesem Miniwesen falsch machen würde. Man kann ja so viel falsch machen! ist seit der Zeit damals ein geflügeltes Wort zwischen mir und dem Mäusepapa.

Um mich zu beruhigen, schrieb ich Listen mit Dingen, die ich für die Schwangerschaft, für die Geburt und für die Zeit danach brauchen würde. Ich räumte die Wohnung um und dekorierte das Kinderzimmer. Ich las Blogs, Foren und Zeitschriften. Ich stellte meinem Arzt, meiner Hebamme, anderen Müttern und auch meiner Mutter viele Fragen. Ich hoffte auf beruhigende Antworten. Insbesondere hoffte ich auf das Geheimrezept für glückliche Babys und glückliche Mütter.

Und immer hieß es sehr geheimnisvoll: So ein Kind verändert alles. Du wirst schon sehen, alles andere wird an Bedeutung verlieren. Ist das Baby zufrieden wirst du es auch sein. Du willst wieder arbeiten? Warte nur ab bis das Kind erst einmal da ist.

Die Erwartung, mich selbst derart aufzugeben, erschien mir das Schlimmste von allem.

Dann kam die Maus auf die Welt. Ich war sofort verliebt, aber sie blieb mir fremd. Und dass der Mäusepapa in den ersten Tagen abends nach Hause ging, während ich in der Klinik allein mit diesem unbekannten Baby zurück blieb, verunsicherte mich enorm. Als die Maus in der ersten Nacht zu weinen begann, rief ich hilflos nach der Krankenschwester und ließ mir sagen, dass das Baby Hunger habe. Mehr nicht.

So einfach? So einfach!

Ich fand gar nichts einfach.

In den ersten Monaten schwankte ich zwischen Euphorie und Panik. Ich liebte dieses Miniwesen und ich vermisste meine Freiheit. Ich war alles andere als entspannt und selig. Ich war ein Nervenbündel. Und ich beneidete den Mäusepapa dafür, dass er ins Büro gehen konnte und sich für ihn nichts am Tagesablauf änderte. Außer das zu Hause ein Baby auf ihn wartete.

Und auch ich begann zu warten. Darauf, dass der erste Monat vorbeiging, dass wir das erste halbe Jahr überstehen würden, dass der Schlafrhythmus regelmäßiger wurde, dass die Maus lernte, ohne Stillen einzuschlafen, dass sie Brei aß, dass sie die ersten Schritte machte, dass sie im Buggy sitzen konnte, dass wir einen KiTa-Platz bekamen, dass ich zurück ins Büro durfte.

Oh ja. Ich freute mich darauf, wieder den gewohnten Alltag leben zu können. Ich wollte unbedingt diesen Ausnahmezustand mit einem Baby zu Hause beenden und wieder mehr ich selbst sein.

Und dann kam die Zeit der Eingewöhnung in der KiTa. Und mir zerriss es das Herz.

So ist das mit den Muttergefühlen!


Im Nachhinein weiß ich, dass die Maus ein unkompliziertes Kind war (und auch immer noch ist), dass ich dieses Jahr zu Hause hätte mehr genießen sollen; dass ich auch ohne Bücher lerne, eine Mutter zu sein; dass ich Hilfe bekomme, wenn ich sie brauche und dass ich so etwas wie Intuition besitze.

Vor allem aber begriff ich, dass ich mit einem Kind ICH bleibe.

Es ist ein Mythos, dass Mütter aufhören, ganz normale Menschen mit ganz normalen Bedürfnissen zu sein. Das Sichaufopfern kann ich genauso schlecht wie andere Menschen auch. Ich habe absolut nicht das Windelwechsel-Still-Verzichts-Gen.

Kein Zweifel! Wie man die erste Zeit als Mutter erlebt, ist eindeutig eine Typfrage.

Eine Typfrage ist es für mich auch, was neben den Kindern noch Platz im Leben finden soll. Für mich sind meine Kinder das Größte, aber nicht alles.

Bist du jetzt entsetzt?

Natürlich weiß ich, wofür ich mich entscheide, wenn mein Baby Hunger hat und meine Kinder Unterstützung benötigen. Mir ist auch klar, dass sich die Aufgaben in meinem Leben mit Kindern verschoben haben und dass manche Rahmenbedingungen mit den Kindern jetzt gesetzt sind.

Aber ganz ehrlich? Irgendwie habe ich in jeder Elternzeit aufs Neue innerlich am Rad gedreht. Wie gesagt, ich blieb ICH. Nur dass ich beim zweiten und dritten Mal schon besser damit umgehen konnte und dann auch das Beste für mich daraus gemacht habe. Immer noch mit Höhen und Tiefen, aber auch mit mehr Gelassenheit und dem Wissen, dass diese erste Zeit rückblickend betrachtet verdammt kurz ist (das ist nicht nur so ein Elternspruch, das ist wirklich so).


 

Und immer auch stellten sich mir diese Fragen:

Was wäre, wenn wir uns selbst gut umsorgen und eigenen Wünschen nachgehen? Wie würde das unsere Beziehungen zu unseren Kindern verändern und wie würde es das Muttersein verändern?

Wie wäre es, ein neues Mutterbild für sich zu kreieren? Eines, in dem es um uns Mütter geht? Eines, in dem wir uns ein Leben gestalten, das wir auch als Mütter mögen und das wir gleichzeitig dazu nutzen, unseren Kindern die Fähigkeiten zu vermitteln, die sie für ein erfülltes Leben brauchen?

Was wäre, wenn der Gewinn für unsere Kinder nicht mehr auf unserem Opfer basiert? Was wäre, wenn wir uns von überfordernden und hemmenden Anforderungen freimachen würden?

Was wäre, wenn wir uns aus der Fülle und nicht aus dem Verzicht heraus um unsere Kinder kümmern?



Wir alle wollen gute Mütter sein. Aber es ist an der Zeit zu überdenken, was das jeweils für uns bedeutet.

Ich behaupte, dass wir bessere Mütter sind, wenn wir uns gut um uns selbst kümmern.

 Selbstfürsorge ist kein Luxus, es ist Teil der Verantwortung, die wir für uns übernehmen.

Ich brauche auch als Mutter Zeit für mich, um nicht innerlich auszubrennen. Und ich brauche all die anderen Menschen um mich herum, die meine Kinder lieb haben und zu denen sie ebenfalls stabile Bindungen aufbauen können.

Ich mag es, dass meine Kinder auch zur Oma, dem Papa und der Erzieherin in der KiTa eine vertrauensvolle Beziehung haben, sich bei ihnen gut aufgehoben fühlen und gemeinsam mit ihnen Spaß haben.

Die Liebe meiner Kinder mit anderen Menschen zu teilen, befreit mich ungemein.

Und noch etwas befreit mich von den überhöhten Anforderungen an mich als Mutter.

Meine Big Five des Mutterseins.

Was das ist?

Die Big Five sind meine wichtigsten Alltagsregeln als Mutter. Sie sind der Anker, wenn mich wieder einmal das Gefühl überkommt, zu viel zu wollen oder zu müssen. Sie erinnern mich an das Wesentliche. Vor allem jedoch erinnern sie mich daran, dass ich vollkommen ausreichend bin, wie ich bin. Und dass ich mehr gewinne als verliere, wenn ich mich nicht aufopfere sondern bewusst Prioritäten setze.

Für alle anderen Aufgaben und Verpflichtungen im Familienalltag habe ich mir vorgenommen, flexibel auf die jeweilige Situation zu reagieren, mich nicht dazu zu zwingen, etwas einzuhalten (etwa weil ich es schon immer so gemacht habe), sondern mich zu fragen, ob das jetzt wirklich wichtig ist.

Diese Klarheit verschafft mir inneren Freiraum und macht mich im Familienalltag spürbar gelassener.

Meine Big Five sind Teil der Selbstfürsorge, denn sie helfen mir dabei, loszulassen.

Und so sehen sie aus:

  • Erkenne die Gefühle deiner Kinder an. (z.B. Formuliere „Ja, sobald…“ statt „Nein“. Kuschele viel. Gib zu, wenn etwas schwer ist. Halte ein Versprechen oder gib es gar nicht erst. Schreibe Wichtiges mit ihnen zusammen auf. Zerrede nicht Wut, Enttäuschung oder Trauer.)
  • Erledige den Haushalt auch wenn deine Kinder da sind, aber höre zu und biete ihnen an, während der Erledigungen zusammen zu sein.
  • Lass dich öfter darauf ein, mit deinen Kindern spontane Projekte zu beginnen (z.B. basteln, bauen oder malen).
  • Halte Erinnerungen fest (Fotobuch, Sammelbox…).
  • Sei in der Gegenwart.

Meine Hauptmaxime sind ganz klar persönlich und sie können sich von Zeit zu Zeit auch wieder verändern. Bei dir sehen sie sicherlich anders aus, vielleicht hast du sogar eine sechste oder siebte Regel. Aber letztlich ist das gar nicht so entscheidend, denn es geht darum, eigene und fremde Erwartungen an dich als Mutter zu hinterfragen und dir darüber klar zu werden, was für dich am meisten zählt .

 

Hast auch du für dich solche Alltagsregeln? Wie sehen sie aus? Und was tust du, um dich zu entlasten und dich selbst gut zu versorgen?  Schreib mir gerne.

 

P.S. Für die Suche nach den persönlichen Big-Five habe ich ein Gratis-Worksheet entwickelt. Wenn du einen klareren Blick auf dich als Mutter gewinnen und mit meinem Worksheet arbeiten möchtest, dann trage dich gerne hier ein:

 

Dankbarkeit schließt das Wünschen nicht aus!

In der Vorweihnachtszeit werde ich regelmäßig nachdenklich. Vor dem Fenster ist es schwarzblau und neblig. Ich scrolle mich durch die Fotos des zurückliegenden Jahres und wähle die besten für das Jahrbuch aus. Es ist keine leichte Aufgabe, denn ich finde sie alle ziemlich schön. Nicht etwa, weil ich so ausnahmslos gut fotografieren könnte, sondern weil jedes davon ein Moment, eine Stimmung, ein Erlebnis, ein Ausschnitt unseres Alltags ist. Sie alle gehören zu uns. Egal ob verwackelt, verweint, vermüllt, verwischt, versandet, verlacht, verzaubert oder verstaunt.

Ich mag sie und ich freue mich, dass es sie gibt. Diese Bilder von meinen Kindern, meinem Mann, der Oma, von Freunden, Katzen, Kaffee, Meer, von unserer Wohnung, unserem Lachen, Spielen, Umarmen, Streiten, Verkleiden, Laufen, Fahren, Tanzen, Schwimmen…von unserem gemeinsamen Leben.

Es gibt natürlich auch die Bilder vom Schmollen, Weinen und Kranksein. Es sind sogar Bilder von kleinen Abschieden dabei. In der KiTa, vor dem Kleiderschrank, am Bahnhof. In den Vorjahren gab es auch schon mal Bilder von großen Abschieden. Solche Abschiede, die für immer waren, und an die wir sehr oft denken müssen.

Trotzdem ist unser Leben schön. Es ist großartig und zauberhaft und herrlich normal. Ein Grund zum Dankbarsein. Und das bin ich. Dankbar.

Vor ein paar Tagen sagte mir jemand, es sei doch Kinderkram, sich über die Balance zwischen Beruf und Familie so viele Gedanken zu machen. Diese berufstätigen Mütter…! Ich solle froh und dankbar dafür sein, überhaupt ein Familienleben zu haben.

Ich weiß, was er mir sagen wollte. Seine Aussage hatte etwas Wahres, auch wenn sie nicht freundlich gemeint war. Und obwohl sie einen entscheidenden Irrtum beinhaltete.

Ich bin sehr dankbar für meine Familie und die unaufgeregte Normalität, die wir die meiste Zeit leben können. Das ist etwas, was ich uns so lange wie möglich bewahren will. Ich sitze abends bei meinen Kindern und halte Hände, beantworte Fragen, streichele Köpfe, würdige Bilder und puste auf Auas, ich lese vor, erzähle vom Tag, höre zu. Hier noch ein bisschen reden, da noch einmal dem Papa Gute Nacht sagen, jetzt aber wirklich zudecken, eine andere CD einlegen, eine allerletzte Frage, ein allerletzter Kuss, ein allerletzter Blick. Ich freue mich über das, was WIR sind.  

Die Dankbarkeit erdet mich und sie lässt mich daran denken, was mir das Wichtigste ist. Sie erfüllt mich wie eine warme Suppe im Bauch und schwingt in allem mit, was ich tue. Sie macht mich ruhig, fröhlich und stark. Sie lässt mich teilen und lieben. Sie gehört zu meinem Glücklichsein.

Denn ich sehe ganz klar, dass es mir verdammt gut geht. Dass ich reich bin – in vielerlei Hinsicht.



Und ich sehe da noch etwas anderes.

Ich sehe Wünsche, Ziele und Pläne.

Wünsche, die sich noch nicht erfüllt haben. Pläne, die mich und andere betreffen. Ziele, die mit meinen Interessen und Leidenschaften, manchmal auch mit meiner Familie und allem drum herum zu tun haben.

Ich möchte mein Blogprojekt voranbringen. Ich möchte noch gelassener werden. Ich möchte meine eigene Arbeitsecke einrichten; ich möchte eine Fernreise machen (mit der ganzen Familie); ich möchte weniger arbeiten und mehr schreiben; ich möchte nachmittags mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen; ich möchte meditieren lernen; ich möchte besser kochen oder jedenfalls endlich akzeptieren, dass ich das überhaupt nicht gerne tue; ich möchte dass mein Mann wieder ganz gesund wird; ich möchte, dass wir im kommenden Schuljahr die richtige Schule für die Maus wählen; ich hoffe, dass der Mäuserich endlich einen allerallerbesten Freund findet und dass die Minimaus so zufrieden und lustig bleibt, wie sie es schon immer war.

Ich warte darauf, dass mir die Meinung anderer Leute noch sehr viel weniger wichtig wird. Und dass ich besser damit umgehen kann, wenn andere sich unfair verhalten.

Ich versuche mein Handy weniger zu benutzen und in den Stunden mit meinen Lieben präsenter zu sein.

Ich will neue Kissen, neue Bücher und ein neues Notebook.

Ich will mich gesünder ernähren und leckeren Kaffee trinken.

Ich will den Alltag genießen.

Oh ja, das alles will ich. Und noch viel mehr.



Trotzdem bin ich dankbar.

Und wunschvoll.

Beides gleichzeitig.


 

Für mich passt das zusammen. Wir können dankbar sein für das, was wir haben. Und wir können wünschen und wollen. Das eine schließt das andere nicht aus, denn unser Leben lässt sich nicht in Dankbarkeit konservieren wie die Erdbeeren aus dem letzten Sommer in Einweckgläsern.

Es ist ein Irrtum, vom Wünschen -oder vielmehr Nichtwünschen- unmittelbar auf die Dankbarkeit zu schließen.


Pläne schmieden
und Ziele setzen bedeuten nicht Egoismus oder Unzufriedenheit. Das Wünschen ist Teil des Wachstums, des Weitergehens, der Veränderung. Ja, das Wünschen selbst verändert sich. Mit unseren Gefühlen, Prioritäten und Sorgen. Mit dem, was wir schon erreicht haben. Mit dem, was wir nicht (mehr) beeinflussen können, und auch mit dem, was wir auf unserem Weg bis hierher gelernt haben.

Wir streben und wir suchen.

Wir halten inne und wir gehen weiter.

Wir wünschen und wir danken.

Wir leben.

 

 

Wie siehst du das? Hast du ein schlechtes Gewissen, weil du bestimmte Wünsche hegst? Wofür bist du dankbar? Und wie vereinbarst du das Dankbarsein und das Wünschen in deinem Alltag?  Hinterlass mir einen Kommentar oder schreibe mir. Ich freue mich.

P.S. Dieser Artikel ist Teil meiner Beitragsreihe „Das Vereinbaren vereinfachen“. Noch mehr Beiträge zum Thema findest du hier.

Strategien für einen entspannten Advent – über das Loslassen, Zulassen und Weglassen

Was wünschen sich die Kinder zu Weihnachten? Was soll meine Mutter schenken? Wann war noch gleich die Adventsfeier in der Schule? Wie, die Maus hat auch noch ein Weihnachtsfamiliensingen? Weißt du, ob wir am 2. Advent schon etwas geplant haben? Wann werden die Päckchen für den Adventskalender in der Schule gebraucht? Hast du die Zugtickets für den 22. gebucht? Wolltest du nicht vor den Ferien mit der Maus für das Schwimmabzeichen üben? Wusste ich etwas von der Adventsfeier bei deiner Mutter? Wie, es gibt auch noch eine Klassen-Weihnachtsfeier? Hast du den Termin für das Kindertheater im Kopf? Schaffst du das mit dem Fotojahrbuch bis Weihnachten? Denkst du an den Termin in der KiTa? Denkst du an die Konzertprobe der Maus? Denkst du an…

Ich habe das unbestimmte Gefühl, diese vorweihnachtlichen Fragen habe ich alle im letzten Jahr schon gehört. Und das Jahr davor auch. Und das Jahr davor…Und es ist  noch nicht einmal Advent! Und schon ist sie unter meiner ToDo-Liste begraben. Meine Weihnachtsvorfreude.

Auf einmal verstehe ich auch, dass die Brigitte-MOM sarkastisch verlautbart, wir Mütter könnten heutzutage alles haben: Job, Kinder, Hausarbeit, Familien-Orga und dauernd ein schlechtes Gewissen. (aus der Brigitte MOM Ausgabe 4/2017). Immerhin sind 63 % der Frauen der Ansicht, sie übernehmen die Kinderbetreuung ganz allein. Und 63 % der Männer denken, sie teilen es sich mit den Müttern halbe/halbe (gemäß der aktuellen Brigitte-Studie).

Ich habe laut gelacht als ich das las. Und es war mir noch nicht einmal peinlich, dass ich gerade im Zug saß. Ich hätte auf Nachfrage sogar laut vorgelesen wie ungerecht die Welt zu uns Müttern doch ist. So ungerecht, dass ich mir an diesem Morgen nichts Schöneres vorstellen konnte als im ICE auf dem Weg zu einer Konferenz zu sitzen. 2 Stunden hin und 2 Stunden zurück, nur für mich allein.

Aber dann kam mir der Gedanke, dass ich doch vieles anders machen will. Bin ich nicht inzwischen klüger geworden? Und nicht mehr gewillt, allen Anforderungen zu entsprechen? Ich habe mich verändert und bin dabei, das Vereinbaren zu vereinfachen. Da wäre es doch ein enormer Rückschritt, vor diesem Geschenke-, Bastel-, Deko-, Familien-, Weihnachtsdings in die Knie zu gehen.

Deshalb habe ich einen Teil meiner Zugfahrt genutzt, um einen 3-Schritte-Soforthilfe-Plan für die Vorweihnachtszeit aufzustellen.

Das Ergebnis sind nun meine 3 „Lasse es“ – Strategien.

Vielleicht helfen sie dir auch?  

 


 

 1. LOSLASSEN

Eine wirklich kluge Frau sagte mir vor einiger Zeit: Ihre Bereitschaft, die Wünsche anderer zu erfüllen, ist sehr hoch. Sie nehmen ihre eigenen Bedürfnisse nicht ernst genug.


Nimm die Wünsche der anderen ernst. Aber nimm deine eigenen ernster!

 

Ich wusste genau, was sie damit meinte. Sobald mir einer meiner Lieben auch nur andeutungsweise erzählte, was er gerne machen oder haben würde, landete es innerlich auf meiner ToDo-Liste. Zack, wurde es von meinem Unterbewusstsein darauf geschrieben. Und ich selbst schrieb auch noch einiges dazu. Ganz freiwillig. Einfach, weil ich es so gewohnt war.

Das Phänomen erlebe ich auch jetzt wieder. Gerade in der Vorweihnachtszeit gibt es jede Menge dieser Dinge, die irgendwie dazu gehören, weil es immer so ist, weil es doch so schön ist, weil es ohne einfach nicht geht, weil es gut klingt, gut aussieht, gut schmeckt.

Ich habe viel zu spät bemerkt, wie voll unser Kalender jetzt schon ist, wie selten wir uns durch den Tag treiben lassen, wie wenig Zeit für mich selbst bleibt und wieviel Energie mich das kostet. Dieses ganze vorweihnachtliche Drumherum. Oft macht es noch nicht einmal einen Unterschied, ob ich etwas tue oder nicht. Und wenn es doch eine Unterschied macht, dann jedenfalls keinen gravierenden. Oder es macht doch einen großen Unterschied und ich fühle mich trotzdem nicht gut damit.

Die Folge davon ist, dass ich wenig und schlecht schlafe, meinen Kindern insgeheim vorwerfe, sie seien zu anspruchsvoll, und meinen Mann mit dem immer wiederkehrenden Satz nerve Es ist alles viel zu viel!.

Dabei hat mein Tag nur 24 Stunden und der Advent nur 24 Tage. Ich sollte mich besser daran erinnern, dass ich höchst allergisch auf vorweihnachtliches Pflichtprogramm reagiere.

Auch wenn sich der Advent jedes Jahr aufs Neue danach anfühlt als sollte ich für grenzenlose Besinnlichkeit sorgen, meine Wohnung in ein Wintermärchen verwandeln und ganz nebenbei noch ein, zwei Wunder organisieren.

Auch dann, wenn alles um mich herum schreit, das ist jetzt aber wirklich wichtig. Ja, gerade dann sollte ich mich nicht fragen, wie ich mehr Zeit finde, sondern wofür ich Zeit finden will!

 

 

Das heißt allerdings auch, ich muss mich verabschieden. Zum Beispiel von der Vorstellung, unser Fotojahrbuch in kürzester Zeit perfekt zu machen. Statt dessen mache ich es in aller Ruhe mittelmäßig. Und auch andere Projekte muss ich downgraden, wenn ich meine Grenzen beachten und mich selbst ernst nehmen will.

Mir das vorzunehmen ist gar nicht so einfach, denn ich liebe Pläne. Ich gehe gerne strukturiert vor und ich denke vorausschauend. Das mag ich an mir und gleichzeitig ist es einer meiner Schwachpunkte, denn es lässt nur wenig Spontanität zu. Und noch weniger passt dazu, Pläne (vorerst) fallen zu lassen.

Zur Unterstützung hefte ich mir jetzt eine Non-Doing-Liste an den Spiegel und ich mache keine Zusagen, ohne noch einmal darüber nachgedacht zu haben. Ich sage mir, dass ich nichts verpassen werde und dass sich manches auch auf den Januar verschieben lässt. Ich lasse mir vom Mäusepapa versichern, dass vieles gar nicht so wichtig ist, wie es sich anfühlt und dass das, was wir tatsächlich erleben bedeutender ist als das, was wir nach meiner Vorstellung erleben sollten.    

Ich lasse los. 

Und kann endlich wieder schlafen. 

 


 

 2. ZULASSEN

Eine meiner wichtigsten vorweihnachtlichen Entspannungsübungen ist, dass ich dem Mäusepapa das Geschenkethema überlasse. Als Gegenleistung für das Erstellen des jährlichen Familienfotobuchs habe ich es ihm an den Hals verhandelt.

Immerhin habe ich in einer stillen Minute im Büro noch flugs einen Wunschzettel auf meiner Lieblingswebsite zusammengestellt und mit Tanten und Omas ausgemacht, dass sie uns ihren Anteil aufs Konto überweisen. Wir suchen dann aus, was sie den Kindern schenken. Diese Auswahl übernimmt ebenfalls der Mäusepapa, genauso wie das Einpacken der Geschenke. Ob er letzteres schon weiß, kann ich nicht sagen.

Auf jeden Fall heißt es jetzt: Nach mir die Sint… ähm der Mäusepapa.

Trotzdem muss ich mich richtiggehend dazu zwingen, nicht täglich bei ihm nachzufragen, ob er die Daten von Nikolaus und Weihnachten noch im Kopf hat. Und ob er überhaupt weiß, wie und wo und wann man das alles denn nun kauft. Schließlich bewegt er sich jetzt in meinem Revier. Die Sache mit dem Schenken war bislang meins. Meins! Ich kann das gut – nur eben nicht in diesem Jahr.  

Mein Vorhaben ist es also, mehr den anderen und dem Zufall zu überlassen und anzunehmen, was auch immer dann kommt.

Es ist an der Zeit zu vertrauen und das Zulassen zu lernen. Das hat auch etwas mit dem Loslassen zu tun. Aber ich finde das Wort Zulassen passender, denn ich weiß, es wird erledigt. Nur eben von jemand anderem und deshalb vielleicht auch anders. Und irgendwie auch viel spontaner und mit weniger Vorlaufzeit und…. egal, genau das muss ich jetzt zulassen.

Aargh!

 



3. WEGLASSEN

Es wird höchste Zeit für die soeben schon erwähnte Non-Doing-Liste. Ich liebe es, Listen zu schreiben. Sie sortieren meine Gedanken, mein Leben, mein ICH. Und diese eine hier ist unglaublich befreiend. Nach dem Schreiben ist im Kopf erst einmal wieder Platz. Ist ja jetzt alles Unwichtige auf dem Papier!

Und ein toller Nebeneffekt: Das Aussortieren all der Dinge, Unternehmungen und Wünsche, denen ich bewusst nicht nachkommen will, schafft Raum für andere Dinge. Und zwar für die, die mir wirklich wichtig sind, die ich tatsächlich machen will und dir mir gut tun. 

Wenn dir das zu schwierig erscheint, weil ja irgendwie doch alles wichtig ist, beginne anders herum: Schreibe im ersten Schritt alles auf, was dir zur kommenden Adventszeit im Kopf herumschwirrt – alle ToDo´s, deine Anforderungen und die der anderen, Termine, Einladungen, Familienrituale…um nur ein paar Beispiele zu nennen. Ohne Wertung ab aufs Papier damit.
Im zweiten Schritt dann wird gestrichen! Zunächst das, was schon immer genervt hat, dann das, was sich im Moment nicht gut anfühlt, als nächstes das, was dir schlichtweg mehr Energie raubt als dass es dir Spaß oder Power oder Herzenswärme oder alles zusammen bringt. Und zu guter Letzt das, was nur da steht, weil andere es auch so machen.

Am Ende schau dir genauer an, was übrig bleibt. Sind es Aufgaben, die du magst oder aus anderen Gründen wichtig findest? Oder sind da auch noch solche, die außerhalb deiner Kontrolle liegen? Die dich stressen, aber die du nicht abwenden kannst, weil sie nun mal sein müssen? Dann überlege dir, woher diese Aufgaben kommen. Manchmal ist es befreiend zu erkennen, dass ungeliebte Pflichten Teil von etwas Größerem sind, für das du dich schon früher einmal entschieden hast und das zu dir und deinem Lebensweg gehört. Und dann gehe noch einen allerletzten Schritt weiter und überlege dir, ob du dich zumindest teilweise auch wieder dagegen entscheiden kannst. Entweder weil es nicht mehr zu dir oder weil es momentan schlichtweg nicht in deinen Kalender passt. Du entscheidest! Und du entscheidest auch, dich dagegen zu entscheiden!

Ich werde nicht basteln, backen, singen. Nö! Es sei denn, es ergibt sich spontan und ich verspüre Lust dazu. Dann heißt es auch schon mal Schokolade und Schüsseln raus, wir backen jetzt Kekstorte. Alles andere delegiere ich. Die Oma übernimmt das Plätzchenbackprogramm und näht schon fleißig Kostüme für das Krippenspiel. Schule und KiTa übernehmen das Basteln. Der Mäusepapa kocht und die Tante startet auf Wunsch Sonderprojekte.

Was sich nicht delegieren lässt, kommt rigoros auf die Non-Doing Liste.

Zwischen ein paar Geburtstags-, Essens-, Advents- und Weihnachtsfeiereinladungen müssen wir uns bewusst entscheiden, für das goldene Schwimmabzeichen wird im neuen Jahr geübt und das weihnachtliche Dekorieren fällt dieses Jahr aus. Bis auf das Adventsgesteck auf dem Frühstückstisch und den Weihnachtsbaum bei der Oma. Es sei denn, ich bekomme doch Lust nach mehr. Aber das sehe ich noch nicht.

Die für mich schönen Dinge lasse ich mir allerdings nicht nehmen, dazu gehört das Weihnachtsmärchen im Kindertheater, die Nikolausgeschenke in die frisch geputzten Stiefel, der gemeinsame Bummel über den Weihnachtsmarkt, 24 Adventsgeschichten zum abendlichen Vorlesen. Und auch Malen, Kuscheln, Zeit haben, Lebkuchen naschen, Kerzen anzünden, Kerzen auspusten, Kerzen anzünden…

 



Dieser innere Freiraum tut mir gut. Ich muss nichts. Aber ich darf natürlich.

Auf einmal ist meine Energie zurück. Wo sich gerade noch Atemnot und Pflichtprogramm breit gemacht haben, ist jetzt wieder ein Stück Leichtigkeit.

Mit mehr Platz im Kopf und im Kalender gestalte ich dann sogar noch ein dickes, buntes Fotojahrbuch. Wir werden unter dem Weihnachtsbaum mit der Oma darin herumblättern,  hierhin zeigen, eine Geschichte erzählen, dort ein Bild erläutern, ein anderes Bild belächeln, von den vielen Fragen und einigen Antworten des zurückliegenden Jahres berichten. Uns an Schönes erinnern. 

Ich finde, das ist ein guter Deal. Ich freue mich darauf.

Hah, da ist sie endlich wieder. Die Vorfreude auf Weihnachten!

 


Das nächste Mal, wenn du das Gefühl hast, dass du zu viel zu tun hast, dass du überfordert bist und dein Leben übervoll ist, dann denke daran:

LOSLASSEN

ZULASSEN

WEGLASSEN

Damit gewinnst du Freiraum, wenn sich alles viel zu viel anfühlt.


Was sind deine „Lasse es“-Strategien? Wie schaffst du es weniger zu tun, obwohl dein Kalender und deine ToDo-Liste voll sind? Erzähl es mir in den Kommentaren oder schreibe mir eine Email.

 

P.S. Dies ist ein Beitrag aus der Reihe „Das Vereinbaren vereinfachen“. Weitere Artikel zum Thema findest du hier.

 

Oktober 2017 (und was ihn gut gemacht hat)

Familienleben

Stürmisch, kuschelig und mit ganz viel Musik. Wir haben Halloween gefeiert. So richtig mit Kostümen, Schminken, Gruselbüffet und Dekoration. Mit allem drum und dran eben. Und dann wurden alle Nachbarn abgeklappert, gesungen, gelacht und genascht. Die Minimaus wusste erst gar nicht, was da überhaupt los ist, bis sie verstanden hat, dass es hinter jeder Tür Süßigkeiten gibt. Ihre Beute hat sie dann zwischen den Stockwerken aufgegessen und sich an der nächsten Wohnungstür Nachschub erlächelt. Ich finde ja, sie ist unheimlich schlau. Einmal zerknautscht gucken und niemand kommt dagegen an.
Der Mäuserich war einen Tag mit der Maus in der Schule und er fand diesen Tag so schön. Beim Laternelaufen durfte er als Großer schon eine Fackel tragen und wenn ich ihn mir so ansehe, dann sehe ich schon das baldige Schulkind vor mir. Er ist im Moment wieder so zufrieden und sich selbst. Er fragt viel und er weiß auch schon viel. Hach. Ich möchte ihn gerne noch ein bisschen klein sein lassen, ihm abends Küsschen auf die Wange schmatzen, ihn beim Vorlesen im Arm halten und mit ihm spazieren gehen. Aber er will das schon nicht mehr. Manchmal lässt er sich mit einem Grinsen darauf ein. Bei diesem Mama-will-es-eben-so-Grinsen wird mir bewusst, dass er selbständiger ist, dass er beginnt seiner Weg zu gehen. Immer öfter. Zwischen Innenhof und Wohnung. Manchmal auch schon mit der Maus zusammen bis zur Oma. Und innerlich auch schon mal bis zu den Sternen.
Unsere Nächte werden entspannter. Die Minimaus schläft durch, die Maus gerne allein und der Mäuserich immer ruhiger. Und dann freue ich mich, wenn sich der Mäuserich nachts doch noch mal an meine Seite schmiegt und morgens sein Haarschopf zwischen meinen Kissen hervorlugt.
Die Seele der Maus wackelt hingegen ganz gewaltig. Papa ist blöd, Mama ist streng, alle vergessen sie und überhaupt sind kleine Geschwister nervig. Und dann ist sie wieder ganz kuschelig und will in einen Arm. Ach, wie anstrengend das ist. Ach, wie lieb ich sie habe.
Ich würde am liebsten Decken und Ponchos stricken, damit ich die Maus einspinnen kann in Netze und Fäden. Eine Art Kokon. Zur Sicherheit. Für Wärme und Geborgenheit. Leider kann ich nicht stricken. Deshalb hoffe ich, ihr das Gefühl von Aufgehobensein mit Worten, Taten und meinen Armen zu geben. Und sie auch gehen zu lassen, weil sie immer öfter einfach alleine sein will, ein eigenes Zimmer haben möchte und auch ansonsten mal in Ruhe sich selber finden muss.
Dann waren da noch der Geburtstag der Minimaus (Schon drei! Erst drei! Alles geht so schnell!), Pfefferminztee im Berliner Spätsommer (das möchte ich öfter haben), die Erkenntnis, dass ein Tag manchmal durch die Dinge Bedeutung bekommt, die wir nicht getan haben (ein Freund kam ins Krankenhaus und alles erscheint mir seit dem so endlich).
Und die Antwort auf die Frage des Mäuserichs: Wie nennt man einen Keks unter einem Baum? (Ein schattiges Plätzchen!)

 

Der schönste Moment

Wenn der Zug den Bahnhof verlässt, und ich mit meinem Kaffee und einem Buch aus der Welt bin. Zwischen dem Abfahren und Ankommen ein paar Stunden nirgendwo. Ich liebe das. Fliegenpilze mitten in der Stadt entdecken und sich für eine Sekunde nach den sieben Zwergen umschauen.
Bei unserem Nudelmann keinen Espresso bekommen, weil die Kaffeemaschine kaputt ist, aber trotzdem einen ganzen Teller voller Kaffeekekse, damit der Mäuserich nicht so traurig guckt.
Waffelessen mit der Maus. Zum Saisonabschluss in der Lieblingseisdiele und den Sommer leise verabschieden.
Kekstorte (Kalter Hund) mit den Kindern backen und danach alle in die Wanne stecken müssen. Nach der Arbeit nicht nach Hause gehen, sich in ein Restaurant setzen, ein Glas Wein trinken, ein Buch lesen und das knusprigste Hähnchen der Welt essen.
Wenn die Minimaus meinen Kopf in beide Hände nimmt und „schuschu“ (Kuscheln) flüstert. Und der Mäuserich mir sagt: „Mama, ich bin so froh, dass du so eine tolle Mama bist.“ (Ich hatte ihm gerade erlaubt, von seinem Geburtstagsgeld das riesige Flughafenlöschfahrzeug von Playmobil zu kaufen. Egal, das geht runter wie Weißwein).
Der Glücksquietscher der Minimaus als sie von der Uroma eine Puppe geschenkt bekam. Als wäre es die allererste Puppe in ihrem Leben und als gäbe es nichts Großartigeres auf dieser Welt. Gib es für sie auch nicht. Puppen sind wunderbar. Ihre Freude war so aufrichtig und federleicht, dass ich mir in dem Moment nichts mehr gewünscht habe, als ihr diese Unbeschwertheit für immer bewahren zu können.

 

Was ich für mich entdeckt habe

Immer noch Zartbitterschokolade. Dieses Mal mit Orange. Aber so sanft, dass man es kaum schmeckt. Göttlich.
Alleine im Büro des Mäusepaps sitzen, meinen Gedanken nachhängen, schreiben, Podcasts hören und den ersten Guide zum Thema „Das Vereinbaren vereinfachen“ entwerfen. Dieses Projekt genieße ich gerade sehr. Es ist meins. Es macht mich so richtig zufrieden.

 

Was ich momentan gerne anziehe

Ich kann mich nicht dazu durchringen, den Mantel aus dem Keller zu holen. Momentan trage ich immer noch Blazer, Snicker und Jeans. An kälteren Tagen schon mal mit einer Strickjacke darunter. Aber ich fürchte, bald ist es auch dafür zu kalt.

 

Ein paar Fragen 

Ersticken Haare unter einem luftlosen Fahrradhelm? Müssen beste Freundinnen Gedanken lesen können? Wann hat Shirin kein Heimweh mehr? Zum Glück durfte sie all ihre Plüschtiere nach Deutschland mitbringen! Warum muss ich immer alles alleine machen? Muss ich das machen? Schminkst du mich als Teufel? Geht das auch wieder ab? Jetzt gleich? Darf ich am nächsten Wochenenden wieder in dein Büro? Ist die Wohnung für uns groß genug? Ist unser Leben für uns groß genug? Wollen wir mehr? Darf man dankbar sein für das, was man hat, und trotzdem mehr wollen? Was wollen wir?

 

Unbezahlbare Geschenke

Das Bild des Mäuserichs mit dem Papa als Mischung aus Zwerg und Spinne mit jeder Menge Bartstoppeln im Gesicht. Die Zeit, die mich der Mäusepapa am Wochenende ganz alleine sein lässt. Das abendliche Händchenhalten mit der Minimaus zum Einschlafen. Das nächtliche Aneinanderkuscheln, wenn alle drei Kinder in meinem Bett liegen (einziger Nachteil, der Mäusepapa muss dann umziehen). Das zaghafte Lachen der Maus, wenn wir uns zum Abendbrot Witze erzählen. Das brüllende Lachen des Mäuserichs, wenn etwas urkomisch ist. Das zufriedene Grinsen der Minimaus, wenn sie etwas ganz alleine tun darf und es auch schafft. Die Geburtstagstorte der Oma für die Minimaus. Das Foto mit allen Gästen in Halloweenkostümen. Das Foto der Minimaus, wie sie zwischen Teufeln, Hexen, Vampiren, Skeletten und Monstern versunken im Treppenhaus ihren Schokoriegel nascht. Die Erkenntnis, sich trotz allem noch entscheiden zu dürfen.

 

Und dann war da noch dies

*Ein märchenhaftes Kinderbuch:
Kein Keks für Kobolde von Cornelia Funke
.
*Ein wunderschöner Pullover. Ich denke darüber nach, ob er bei mir einziehen darf.
*Wunderschöne Bilder von Müttern mit ihren Neugeborenen.
*Ein augenöffnender Film.
*Ein zauberhafter Onlineshop.

 

 

Wie war dein Oktober? Ich hoffe, er hat es gut mit dir gemeint. 

Habe eine schöne Woche!

Bücherstapel im November oder Herdwärme und glückliche Kinder

Der Oktober war der Monat der angegessenen Bücher. Das heißt, ich haben großen Leseappetit gehabt, in ganz viele hineingelesen, dann aber kaum eines zu Ende gebracht. Das lag allerdings nicht an den Büchern, die waren wärmend, aufschlussreich, motivierend, kuschelig und sogar schon richtig weihnachtlich. Nein, es lag eher an mir und daran, dass ich jeden Abend viel zu früh eingeschlafen bin, um ein paar Seiten mehr zu schaffen. Deshalb gab es im Oktober also keinen eigenen Bücherstapel und deshalb kommen im November jetzt alle wieder drauf.

Diesmal beginne ich von unten, denn Herdwärme von Okka Rohd hätte sowieso einen ganz eigenen Beitrag verdient. Schlichtweg aus Zeitgründen muss es sich den Platz hier nun mit den anderen teilen…

 

*Herdwärme von Okka Rohd, Kailash Verlag, gebundene Ausgabe, € 20,00

Dieses Buch ist nicht nur ein Kochbuch. Und eigentlich, eigentlich lese ich auch gar keine Kochbücher. Ich koche zum einen nicht gerne und zum anderen sehe ich mir Kochbücher auch nicht gerne an. (Es soll ja Leute geben, die nicht kochen aber gerne gucken). Ich esse einfach nur gerne gut. Oh ja, das kann ich.

Aber bei diesem Buch ist es etwas ganz anderes. (Ich nicke gerade kräfig.) Denn Okka Rohd hat eine zauberhaftes Buch mit Geschichten verfasst. Dabei geht es nicht nur um die Rezepte und ums Kochen sondern auch um die Menschen. Jeder Koch, den Okka Rohd besucht, um sich zeigen zu lassen wie  sie einen tollen Salat, wärmende Suppen, schlemmerige Desserts, ein ganzes Mittagessen oder das perfekte Schnitzel zu Stande bringen kann, hat eine Geschichte zu seinem Rezept zu erzählen. Beim Kochen offenbaren sich seine Eigenarten und auch seine Philosophie zum Kochen und zum Leben. Und dann ist da Okka Rohd, die auf diesem Wege besser kochen gelernt hat und die uns mit ihrer achtsamen und warmherzigen Art die Geschichten und Geheimnisse weitererzählt.

Das Buch macht schon beim Lesen glücklich und vielleicht koche ich doch mal etwas nach. Die Hasen-Pancakes für Kinder oder die Kartoffelsuppe müsste selbst ich schaffen.

 

*Warum dänische Kinder glücklicher und ausgeglichener sind von Jessica Joelle Alexander und Iben Dissing Sandahl, Mosaik Verlag, gebundene Ausgabe, € 18,00

Ich gebe zu, ich bin schon von einem Buch überzeugt, wenn es nur irgendetwas mit Dänemark und Glück im Buchtitel hat. Deshalb ist auch dieses Exemplar bei mir zu Hause gelandet. Die Journalistin Jessica Joelle Alexander und die dänische Psychotherapeutin Iben Dissing Sandahl erklären uns darin die 6 Grundsätze der dänischen Erziehung. Die Grundsätze sind so simpel wie wirksam zugleich, auch wenn die Umsetzung im Alltag ganz sicher nicht die einfachste Sache der Welt ist. Aber das Buch ist  sorgfältig über Jahre recherchiert und beinhaltet viele Beispiele und Tipps.

Zusammengefasst lautet die Kernaussage: Gebt den Kindern mehr Freiheit und kuschelt so oft es geht. Das ist natürlich zu kurz gegriffen und weil es dazu noch viel, viel mehr zu sagen gibt, empfehle ich: Lest das Buch!

 

*Erfinde dich neu von Gretchen Rubin, cb Verlag, gebundene Ausgabe, € 19,95

Gretchen Rubin wird mich wohl noch etwas länger begleiten. Ich habe ihr Buch noch nicht vollständig gelesen. Aber ich habe schon mal verstanden, welchem Grundverhaltensmuster ich folge. Gretchen Rubin unterscheidet 4 Typen: Der Macher, der Mitmacher, der Hinterfrager und der Rebell. Die Stärke des Buchs liegt darin, dass es zu jedem dieser vier Grundtypen eigene Tipps und Anregungen für Veränderungen gibt, denn je nachdem, wie wir so gestrickt sind,  brauchen wir unterschiedliche Lösungen und Wege.

Die Unterschiede zwischen uns Menschen sind sicherlich nicht so plakativ wie es hier dargestellt wird, aber die Grundmuster enthalten ein Fünkchen Wahrheit und wenn wir uns dadurch selbst besser kennen lernen und ein Stück auf unserem Weg vorwärts kommen, ist es das Lesen schon wert. Allerdings finde ich auch einiges aus ihrem „Happiness Projekt“ wieder. Trotzdem, wie immer schreibt Gretchen Rubin sehr anschaulich und schildert ihre eigenen Erfahrungen, was ich sehr unterhaltsam finde, so dass mir dieses Buch Spaß macht.

 

*Die Weihnachtshäsin von Adriana Dorseit und Henning Löhlein, Hoffmann udn Campe Verlag, gebundene Ausgabe, € 9,95 (ab 4 Jahre)

Jetzt weihnachtet es schon einmal kräftig, denn dieses Buch hat mir eine liebe Kollegin vor ein paar Tagen spontan mitgebracht. Ich weiß jetzt auch, warum sie es mit ihren Kindern so gerne gelesen hat. Es ist ein ungewöhnliches Weihnachtsmärchen:  Der Weihnachtsmann ist krank und sucht unter den Fabeltieren eine würdige Vertretung für das nahende Weihnachtsfest. Es beginnt ein Wettrennen zwischen dem Bösen Wolf, dem Froschkönig, dem Glücksschwein, den Zwergen (alle sieben) und der Osterhäsin. Jeder Teilnehmer will den Auftrag aus ganz einen Motiven gewinnen. Der Böse Wolf zum Beispiel will kleine Kinder erschrecken und Süßigkeiten naschen, der Froschkönig erhofft sich Liebe und einen Kuss, die Zwerge wollen vor allem beweisen, dass sie nicht zu klein für große Aufgabe sind, und dem Glücksschwein geht es um Ruhm und Ehre.

Die Osterhäsin indes möchte das Weihnachtsfest aus Liebe zu ihren Kindern retten. Und außerdem möchte sie mal aus ihrem Alltagstrott als beruftstätige Mutter heraus.

Das Rennen beginnt also und der Weihnachtsmann muss sich letztlich für einen Sieger entscheiden. Wer wird wohl gewinnen? Der Mäuserich und die Minimaus hatten da ihre eigene Theorie. Sie meinten: Wenn das Fest gerettet wird, gewinnen am Ende doch alle. 

Ist auch wieder wahr.

 

Was waren denn deine Lieblingsbücher im Oktober? Ich freue mich über Empfehlungen. Komm gut ins Wochenende.

 

 

Konfettitage, Strickjackentage und das Grundrauschen in deinem Leben

Heute ist ein Konfettitag, denn ich sitze am Schreibtisch im Büro meines Mannes. Ganz allein. Ich liebe das. Ich darf jetzt vier Stunden lang das tun, was ich auch noch gerne mache. Ich arbeite an meinem Blog. Das heute ist mein persönliches Konfetti im Alltag.

Mein Mann ist mit den Kindern zu Hause, wahrscheinlich stellen sie gerade gemeinsam das Spielzimmer auf den Kopf. Ich habe mir auf dem Weg hierher einen Kaffee geholt, den trinke ich jetzt und sehe dabei aus dem Fenster. Drei Atemzüge lang. Nursodasein. Vor dem Fenster parkt ein Auto aus und drei wollen einparken. Ein Zug ist gerade angekommen. Mehrere Rollkoffer klackern über das Pflaster und irgendwo hinter den Altbauten am Ende der Straße erahne ich den Hafen und die Elbe.

Das macht mich total glücklich.

„DIE LEBENSZUFRIEDENHEIT LÄSST SICH AM LEICHTESTEN DADURCH STEIGERN, DASS MAN SEINE VERFÜGBARE ZEIT BESSER NUTZT. KÖNNEN SIE MEHR ZEIT FÜR DINGE ERÜBRIGEN, DIE IHNEN SPASS MACHEN?“
– Daniel Kahnemann

Bei Daniel Kahnemann habe ich neulich gelesen, warum es mir so gut damit geht. Es hat mit dem erlebten Wohlbefinden zu tun. Glücklich sind wir nach seiner Definition dann, wenn wir die meiste Zeit mit Aktivitäten verbringen, die wir lieber fortsetzen als beenden würden, wenig Zeit in Situationen, denen wir gern entfliehen würden, und – sehr wichtig, denn das Leben ist kurz – nicht zu viel Zeit in einem neutralen Zustand, in dem uns mehr oder minder alles egal wäre (aus Schnelles Denken, Langsames Denken).

Genauso geht es mir mit dem Schreiben. Davon will ich mehr in meinem Leben.

Und gleichzeitig habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich in mir den Gedanken habe, dass mich das hier jetzt nicht glücklicher machen sollte als die Zeit mit meinen Kindern. Die Zeit, die wir an einem Wochenende gemeinsam verbringen sollten. Und zwar das ganze Wochenende. Schließlich haben wir davon in der Woche nie genug, denn wir arbeiten, wir lernen, wir werden gefördert und gefordert, wir bereiten Meetings vor, wir waschen Wäsche, wir singen, tanzen, schlafen.

Die  gemeinsame Zeit ist rar.

Und trotzdem will ich jetzt in diesem Moment nirgendwo anders sein als in diesem Büro hier.

Ich Rabenmutter.

Warum ich das nun wieder denke, ist mir genauso klar. Das ist das, was ich in meiner Kindheit und Jugend gelernt habe. Ich lernte, dass Kinder zu ihren Müttern gehören, dass ich als Mutter alles um meine Kinder herum zu planen habe, dass nur die Dinge zählen, die mit etwas Vernünftigem wie dem Lebensunterhalt und der Kindererziehung zu tun haben, dass Kinder nur deshalb in den Kindergarten gehen, weil es wirklich, wirklich nicht anders geht, dass Frauen es schwerer haben als Männer, dass Frauen am Verhalten ihrer Männer nie etwas ändern können, dass zum Geburtstag ein Torte gehört, dass Basteln Spaß macht, Kochen eine Pflicht ist und zum Nachmittagskaffee auch Kuchen gehört.

Natürlich lernte ich auch, immer ehrlich zu sein. Menschen freundlich zu behandeln. Respektvoll und mit Achtung. Aber auch mit Misstrauen. Ich begriff, dass Liebe, Freunde und Familie etwas wirklich Großes sind. Und dass nicht alles ist, wie es scheint. Ich erfuhr, dass sich das Leben nicht nur um mich dreht und freier geht es eben nicht.

Die Naturgesetze meiner Kindheit waren gewaltig.
Sie waren das Grundrauschen in meinem Leben.

Ich habe ganz schön lange gebraucht um zu erkennen, dass diese Das geht doch nicht- Seite in mir Teil meiner Prägung ist. Dass es sich dabei keineswegs um Naturgesetze handelt. Dass es nur bei uns so war und dass ich meine eigenen Vorgaben und Ansichten zum Leben haben darf. Ich darf also auch Zeiten genießen, die meine Kinder nicht mit mir teilen, und ich darf das tun, was ich gerne tue.

„YOU CAN CHOOSE, WHAT YOU DO, BUT YOU CAN´T CHOOSE, WHAT YOU LIKE TO DO.”
– Gretchen Rubin

Das heißt nicht, dass ich die Zeiten mit meinen Kindern nicht mag. Ich liebe diese Jeans- und Strickjackentage genauso….Lachen, Maulen, Spielen, Kuscheln, zwischendurch die Nerven verlieren, sich verzeihen, zusammen sein, da sein, eben auch glücklich sein.

Es gehört beides zu mir und ich habe den Luxus mich entscheiden zu können. Ich habe Zeiten mit meinen Kindern, ich habe Zeiten in meinem Büro und ich habe Zeiten, in denen ich meins machen kann.

Dafür verzichte ich auf so manch anderes: Auch auf Dinge, mit denen meine Freunde ganz selbstverständlich ihre To do – Listen füllen. Ich streiche meine Liste bewusst zusammen. Wahrscheinlich findet mich so manch einer dafür doof, aber es verschafft mir Freiraum.

Natürlich höre ich ganz oft den Satz, so einfach ist das aber nicht. Wie kannst du sagen, es ginge nur um das, was wichtig ist? Wo bleibt denn da die Verantwortung für die Familie?

Ich sehe das natürlich. Ich selbst habe Dinge, die ich nicht (mehr) anders machen kann. Der Rahmen ist gesetzt und auch das Geldverdienen gehört dazu. Das ist essentiell für unsere Lebensqualität.

Damit gehört es aber auch schon wieder zu dem, was mir wichtig ist.

Und immer noch behaupte ich:

Wir dürfen uns dafür entscheiden das zu tun, was für uns zählt.

Entweder weil es unsere Lebensgrundlage schafft, weil es uns glücklich macht oder weil es unseren Werten entspricht. Es geht darum, sich seiner Prioritäten bewusst zu werden, denn sie lenken unser Leben in eine bestimmte Richtung.

Und diese Richtung sollten wir zumindest kennen.

Das muss noch nicht einmal zu großartigen, neuen Vorhaben führen. Solche lebensverändernden, Frei und ungebunden Pläne habe ich selbst auch nicht. Das wäre bei mir mit Anfang 40 auch unrealistisch, denn manche Weichen habe ich schon vor Jahren gestellt, z.B. dass ich Familie habe und einen Beruf, dem ich nachgehe.

Und noch mehr als das ist mir klar, dass sich nicht alles kontrollieren lässt. Oft ist da nur das Wissen, dass eine schwierige Phase vorübergeht und ich jetzt irgendwie damit umgehen muss.

Aber, und jetzt komme ich zum Kern:

Es gibt immer mehr Optionen als wir im ersten Moment sehen können. Damit meine ich die vielen versteckten Wahlmöglichkeiten, die kleinen Alltagsentscheidungen.

Möchtest Du mehr Inspiration in deinem Leben?

Möchtest du mehr Spaß haben?

Möchtest du nein sagen, wenn dir danach ist?

Möchtest du eine kürzere To-do-Liste?

Möchtest du mehr “ich will” statt “ich muss” in deinem Alltag?

Möchtest Du einen Tag frei von deiner Arbeit (oder auch von deinen Kindern!)?

Möchtest du öfter um Unterstützung bitten, wenn du Hilfe benötigst?

Möchtest du einfach mal ausschlafen?

Möchtest du dich besser kennen lernen und herausfinden, was dir wirklich wichtig ist?

Möchtest du mehr Zeit und Raum für:  deinen Mann, deine Kinder, deinen Beruf, deine Gesundheit, deine Freunde oder deine Seele?

Oder etwas kleiner wie z.B. Nutze ich die halbe Stunde jetzt für mich?
Setze ich mich eine Atempause lang in den Coffeeshop und gucke aus dem Fenster?
Gehe ich einen kleinen Umweg nach Hause oder lasse ich die Kinder von meinem Mann/der Oma/dem Babysitter abholen?
Fahre ich bis zur Endstation mit der S-Bahn, um das Buch zu Ende zu lesen?
Gehe ich einen Abend in der Woche zum Yoga?

Oder noch kleiner: Gehe ich in der Mittagspause einen Kaffee holen und dabei kurz in den Park?

 

SELBSFÜRSORGE ERZEUGT EIN POSITIVES GRUNDRAUSCHEN IN DEINEM LEBEN. ES LENKT DEINE ENTSCHEIDUNGEN IM KLEINEN WIE IM GROSSEN.

Das alles sind kleine Stellschrauben, in die eines Tages größere Zahnräder greifen werden. Weil sie durchaus etwas ausmachen, weil es dabei um dich geht. Mit diesen Micro-Entscheidungen schnürst du ein noch viel größeres Paket. Dein eigenes Wohlfühlpaket. Denn alles hängt zusammen.

Also, auch wenn du manche Dinge in deinem Leben nicht (mehr) ändern kannst, nimm dir die Zeit, um darüber nachzudenken, ob das vielleicht deshalb so ist, weil du die Entscheidung dafür schon längst getroffen hast. Weil sie dich ausmachen, weil du sonst nicht da wärst, wo du jetzt bist und weil sie Teil deines Weges sind.

Und danach ist es an der Zeit, dir zu überlegen, welche Veränderungen dir gut tun würden. Verändere das Grundrauschen.

Wenn Du beispielsweise das Gefühl hast, du solltest mitten am Tag kein Schaumbad nehmen, dann sage dir, ich brauche jetzt Zeit für mich. Und danach habe ich wieder mehr Energie für alles andere. Ein Schaumbad=mehr Produktivität.

Wenn du denkst, du solltest lieber nicht mehr zu deiner wöchentlichen Yoga-Stunde gehen und statt dessen die Zeit nutzen, um die Kinder ins Bett zu bringen, weil es abends ohnehin immer drunter und drüber geht und deine Kinder dich gerade dann besonders brauchen. Dann überlege dir, ob die Yoga-Stunde dich nicht ausgeglichener macht und das Abendritual mit den Kindern dadurch sogar entspannter verläuft. Weil du dich selbst besser fühlst oder weil die Kinder spüren, dass es dir gut geht. Ersetze im Kopf: Extra-Zeit für Yoga=mehr Gelassenheit zu Hause.

Vielleicht hast du sogar schon einmal darüber nachgedacht, deine Zeit nicht mit so etwas Unsinnigem wie Zeitschriften lesen oder einer Tasse Kaffee auf dem Balkon zu verschwenden sondern statt dessen schneller deine To-do Listen abzuarbeiten. Die neue Gleichung heißt: Mehr Zeit für scheinbar Unsinniges= mehr Energie.

Oder du traust dich nicht, das herbeigesehnte Wochenendseminar zu buchen, weil deine Kinder dann ein oder zwei Tage auf dich verzichten müssten. Sage dir, dass die fehlende Zeit für deine Kinder bedeutet, dass du eigene Ziele und Träume hast, und dass es im Leben auch darum gehen darf, sich diese selbst zu erfüllen. Mit dieser Einstellung fühlen sich sogar stressige Tage freier und leichter an. Und deine Kinder leben es dir eines Tages nach.

 

Und jetzt Du. Schreibe mir:

In welchen Momenten holen dich deine Schuldgefühle ein? Und wie kannst du mehr für dich tun und es gleichzeitig als Teil des Grundrauschens sehen?

 

 

 

5 Dinge, die wir von unseren Kindern über Vereinbarkeit lernen können

Die Minimaus schlurft durch den Flur in einer überdimensionalen Regenhose, in der sie zu verschwinden droht, weil sie 6 Nummern zu groß ist und ihr deshalb auch beinahe bis zum Hals reicht. Sie hat sich diese unglaublich tolle Hose bei ihrer großen Schwester ausgeliehen. Diese Hose ist schon deshalb so unglaublich toll, weil sie eben von ihrer Schwester ist! Und jetzt wandert da diese Hose durch unsere Wohnung.

Die Minimaus watschelt und wankt und stolpert, steht wieder auf, watschelt weiter, bis zur Wohnzimmertür und dann den ganzen Weg zurück. Schlurfend, schleppend, schwankend. Sie ist unglaublich konzentriert dabei und als sie wieder an mir vorbei kommt, grinst sie breit: Ich trage die Hose meiner Schwester. Mama guck. 

In ihrem Blick liegt ein Ich habs gewusst. Geht doch.

Denn sie hat sich von mir nicht sagen lassen, dass ihr diese Hose nicht passt, dass sie damit fallen und sich weh tun wird, dass sie eigentlich gar nicht erst zu versuchen bräuchte, damit auch nur einen Meter vorwärts zu kommen. Dass das ein paar Nummern zu groß für sie ist. Ich sah sie schon fallen, meckern, verzweifeln. Die Minimaus hat zu meinem Gerede nur stur den Kopf geschüttelt und mindestens 10 Mal wiederholt Anzie. Und dann? Dann habe ich die Hose gekrempelt, gerafft, geknotet, gezogen. Et voilá – die Minimaus schlurft damit durch die Wohnung.

Sie grinst und stolpert und landet mit ihren Ärmchen um meinen Hals.

In dem Moment wird mir etwas klar.

Meine Kinder probieren die Dinge aus. Sie lassen sich nicht sagen, was geht und was nicht, sie machen es einfach! Und immer geht es dann besser als ich vermutet hätte. Und immer ist auch ganz viel Entdeckerstolz dabei und das Glück, etwas Neues geschafft zu haben.

Genauso klappt das auch mit der Vereinbarkeit, denke ich weiter, und plötzlich ist da dieser Gedanke, dass wir uns äußerst wirkungsvolle Strategien zum Thema Das Vereinbaren vereinfachen von unseren Kindern abschauen kann.

Was ich damit meine?

 

 1. Strategie – In kleinen Schritten geht es vorwärts!

Meine Kinder spielen, meine Kinder essen und sie schlafen immer dann, wenn sie es brauchen. Sie nutzen dafür auch die kleinsten Zeiträume, zwischen dem Frühstück und dem Anziehen, zwischen dem Zähneputzen und der Gute-Nacht-Geschichte, zwischen dem Anziehen der Schuhe und dem Öffnen der Fahrstuhltür.

Nur noch die Puppe ins Bett legen, das gelbe Auto einparken, den Walhai in sein neues Versteck bringen… Nachmittags schlafen sie eine kurze Weile beim Hörbuch im Sessel ein, suchen sich eine Höhle zum Verschnaufen oder kuscheln sich in einen Arm. Manchmal nur ganz kurz, dann wieder ganz lange und schon geht es weiter, mit dem Essen, Spielen, Bauen, Malen, Lesen, Singen….

Sie fragen nicht danach, ob es sich noch lohnt der Puppe die Schuhe anzuziehen, den ersten Strich für das Familienporträt zu zeichnen oder den Grundstein für den neuen Legoturm zu legen. Sie fangen einfach schon mal an.

Für mich heißt das: kleine Zeitfenster nutzen, irgendetwas schaffe ich auch in 5 Minuten – und wenn es nicht fertig wird, dann eben in den nächsten 5 Minuten und bald habe ich wieder 5 Minuten und irgendwann ist es dann doch fertig. Ich brauche nicht auf einen freien Tag oder eine freie Woche zu warten, um ein Projekt, ein Ziel oder einen Traum umzusetzen. Ich kann halbe Stunden nutzen, ganze Stunden frei schaufeln und die ersten Schritte gehen.

Ich kann damit immer schon mal anfangen. Jetzt sofort.

 

2. Strategie – Mit Pausen schaffst du alles schneller!

Meine Kinder haben ein gutes Gefühl dafür, wann sie müde sind und eine Pause brauchen. Sie machen dann einfach mal weniger, kuscheln sich in den Sitzsack, blättern ein Buch durch, sitzen am Fenster, sehen ins Grüne, schauen mir beim Wäschelegen oder Brote schmieren zu.

Eine Atempause, eine Denkpause, ein Blick, ein Lächeln, etwas trinken, einen Bissen vom Käsebrot nehmen und danach geht es weiter, mit neuen Ideen und einem neuen Spiel.

Für mich heißt das: den Energiehaushalt managen und Energielecks finden! Die besten Ideen kommen ohnehin beim Pause machen, Spazierengehen, Nichtstun. Wenn ich etwas gerade so gar nicht machen will, dann wird es ein Zeitfenster geben, zu dem es mir leichter von der Hand geht und dann ist es schneller erledigt als gedacht. Bis dahin trinke ich den Kaffee ausnahmsweise mal heiß, nehme meine Jüngste auf den Schoß, stecke meine Nase in ihr weiches Haar und schaue mir vor dem Fenster den Regen an.

Wir machen zusammen eine Pause und dann geht sie zurück zu ihren Tututs (Autos) und ich wische vielleicht doch noch den Tisch ab.

 

3. Strategie – Vergiss das Zeitmanagement!

Meine Kinder hören mich oft nicht. Sie sind dann mitten auf dem Meer auf einer Forschungsreise oder im Märchenwald mit der Hexe ins Gespräch vertieft, mit 30 Plüschtieren beim Tierarzt und alle wollen noch ein Pflaster haben oder mit Flossen und Taucherbrille in der Badewanne beim Delfinschwimmen.

Sie sind dann eben mal weg. Alles andere ist unwichtig und der Augenblick gehört ihnen ganz allein. Das nennt sich auch Flow.

Für mich heißt das: Zeit ist relativ. Ich sollte ab sofort jegliches Zeitmanagement ignorieren und meine Beziehung zu diesem Thema ändern. Keine Es ist nie genug Zeit-Mentalität mehr. Für das, was mir wichtig ist, nehme ich mir die Zeit. In Kombination mit den kleinen Schritten werde ich damit an jedem Ziel ankommen, zu dem ich will.

Und wenn ich nicht damit aufhören kann, meinen Tag in eine Stunde packen zu wollen und daran verzweifele, dass meine To do Liste so lang und mein Akku zu leer ist. Dann sehe ich meinen Kindern zu, wie sie in wenigen Minuten ganze Welten erschaffen und denke daran, dass die wirklich guten Sachen ihre ganz eigene Zeit haben.

 

4. Strategie – Folge deinen eigenen Werten!

Meine Kinder würden mir niemals glauben, dass es im Herbst schon zu kalt ist für Sandalen, dass der Regenmantel angezogen mehr Sinn macht als um den Bauch gebunden, dass Nutellabrote nicht zum Abendessen gehören und dass gekochte Möhrchen und Erbsen echt lecker sind. Sie perfektionieren den Mustermix, tragen T-Shirts als Hosen und die Nähte nach außen, sie singen ein Lied 47 Mal hintereinander (ich hab´s gezählt), ergänzen Gedichte mit eigenen Zeilen und sind davon überzeugt, dass die Zahnfee bei jedem einzelnen Wackelzahn kommt. Echt jetzt Mama. Die liebt Zähne!

Sie glauben daran, dass sie schlau und stark sind, wissen dass Papa keine Ahnung von Olchies und Hexen hat und raten Mama dringend, doch öfter mal Fritzchen-Witze zu lesen. Mindestens 30 Plüschtiere zu haben halten sie für ein Grundrecht, ihr Müsli mixen sie sich selbst und sie können Ballett tanzen, Gitarre spielen und auf dem Seil tanzen, ohne auch nur eine Stunde dafür geübt zu haben. Deshalb geben sie auch jederzeit gerne Konzerte, führen Theaterstücke auf und laden zu Zirkusvorstellungen ein.

Kurz: Sie sind ganz sich selbst. Ihre Handlungen rühren von ihren Überzeugungen her. Über sich. Über die Welt. Über das, was für sie möglich scheint.

Für mich heißt das: Ich darf meine eigene Version vom Familienalltag leben. Wer will ich als Mutter sein, welche Ziele habe ich und was ist mir wichtig? Ich darf meinen eigenen Rahmen entwerfen, entscheiden, was in mein/unser Familienleben passt, meine eigenen Regeln haben. Das schafft enorme Zufriedenheit, denn ich agiere und reagiere nicht nur. Termine verschieben, Nein sagen, Dinge von der To do –Liste nehmen, das alles führt mich unmittelbar zu innerer Balance. Ich folge meinen eigenen Werten und Vorlieben und das macht mich glücklich. Das bin ICH.

Die perfekte Balance hängt unmittelbar damit zusammen, ob ich ICH selbst sein kannst.

 

5. Strategie – Sei im Augenblick!

Meine Kinder sitzen im Halbkreis um ein Buch und sehen sich Bilder an. Sie lachen und kichern und erfinden lustige Geschichten dazu. Es ist abends kurz nach acht und ich habe sie schon viermal daran erinnert, dass sie sich ihre Schlafanzüge anziehen und Zähne putzen sollen. Um halb neun stecken sie immer noch die Köpfe zusammen und berichten sich giggelnd, was sie auf den Bildern sehen. Zwischendurch fragen sie mich nach dem Elefanten auf dem Ast im Baum und denken darüber nach, ob sie das auch könnten, so im Baum sitzen.

Sie denken nicht daran, was noch zu tun ist, dass die Gute-Nacht-Geschichten warten, dass sie schlafen müssen und dass sie am nächsten Morgen müde sein werden, wenn sie es nicht bald tun. Das ist ihnen egal. Sie sind einfach nur da, wo sie gerade sind. Im hier und Jetzt.

 Für mich heißt das: Inne halten, mich wahrnehmen, im Augenblick sein und nicht daran denken, was noch alles zu tun ist. Nur das sein und fühlen, was gerade passiert. Es tut gut, einen Schritt zurückzutreten und zuzulassen, dass der Moment einfach nur ist. Wahrnehmen und dankbar sein für das, was mich gerade umgibt. Das schafft Raum für mich und meine Gefühle.

 

Egal, worum es in deinem Leben gerade geht, ob um Mutterschaft, Gesundheit, Beziehungen, Business, Spiritualität, Geld. Wenn du das nächste Mal versuchst, einen Bereich deines Lebens zu optimieren, und deine ersten Gedanken dazu sind noch mehr Disziplin und eine bessere Zeitplanung, dann versuche stattdessen folgendes:


kleine Zeitfenster nutzen

Pausen machen

Zeit und Raum schaffen für das, was mir wichtig ist

mich an meine eigenen Werte und Ziele erinnern

Innehalten und im Augenblick sein

 

Ich bin mir sicher, wenn du deinem eigenen Weg folgst, funktioniert das Ausbalancieren und nicht du. 

 

 

PS: Wenn du dich ausgelaugt und erschöpft fühlst und viel lieber mehr von dem tun würdest, was dich erfüllt und glücklich macht, dann lass dir von mir sagen: Es gibt einen Weg, leichter durchs Familienleben zu balancieren und deine eigenen Wünsche und das Muttersein zu vereinbaren. Du kannst das haben, was dir wichtig ist! Aber nicht auf die Art und Weise, wie wir oft denken. Ich möchte dir mit meinen Beiträgen aus der Reihe „Das Vereinbaren vereinfachen“ zeigen, wie sich der Familienalltag mit weniger Anstrengung leichter ausbalancieren lässt.

PPS: Dies ist der dritte Teil aus meiner Beitragsreihe „Das Vereinbaren vereinfachen“, den ersten und zweiten Teil findest du hier und hier.

Mythen erschweren das Balancieren

Vor einem Jahr genau fing es bei mir an mit dem Unglaublichmüdesein. Ich fühlte mich ganz schön abgeschrabbelt vom Mamasein. Wahrscheinlich auch vom alles andere sein, aber am meisten vom Mamasein. Es ist fast immer das Mamasein, denn meinen Beruf, den habe ich mir lange vor den Kindern ausgesucht, und alles andere war ich vorher auch schon. 

Aber das Mamasein in Kombination mit dem Juristinsein, Frausein, Freundinsein, Immerdasein, Niealleinesein, Verlässlichsein, Verantwortlichsein, Ichsein, Wirsein hat so manches Energieleck in mir hinterlassen. Und ich habe nicht früh genug damit begonnen, es wieder zu schließen. Plötzlich war der Akku leer. Ganz leer. Weiterlesen

September 2017 (und was ihn konfettibunt gemacht hat)

Familienleben

Anstrengend, glücksmomentevoll, innig und vermisslich. Der Mäusepapa war eine Woche in Göteborg und wie das so ist, wenn man auf einmal nicht mehr im Alltäglichen zusammen sitzt, sieht man wieder mehr voneinander. Als er wieder da war, haben die drei Mäuse ihn mit Freudenjubel begrüßt. Ich war schon halb aus der Tür, auf dem Weg zum Abendessen mit meiner Schwester, aber eine innige Umarmung hat er trotzdem noch bekommen. Und ich bekam eine Mumintasse über die ich mich richtig, richtig gefreut habe. Mir selbst habe ich das Versprechen gegeben, dass wir uns ab sofort viel mehr sehen werden. So im Alltag.
Die Minimaus ist in den letzten Wochen riesengroß geworden, in der KiTa ist sie jetzt in die Teddygruppe gewechselt, sie redet viel, wickelt ihre Puppen, schleppt sie vom Schlafzimmer in die Küche, ins Bad und wieder zurück ins Bett, sitzt beim Essen immer! auf meinem Schoß, schläft tagsüber weniger, entdeckt mehr, lacht sich über die Grimassen ihrer Bruders schlapp, versucht alles so, wie die großen Geschwister das machen und entdeckt die Bedeutung des Wortes meins. Und das Wort „haie“. Was alleine heißt: Alleine laufen, alleine Schuhe anziehen, alleine Jacken anziehen, alleine bis zum Auto gehen, sich allein die Mütze aufsetzen, sogar alleine baden. Überhaupt badet sie neuerdings gerne und hat auch dabei ein neues Wort gelernt: Schoua (Schaum).
Dann waren da auch ein paar spätsommerliche Ausflüge: in den Jenischpark, an die Elbe, ins Schwimmbad, auf die Spielplätze. Den Rest des Monats haben wir fließen lassen, irgendwohin. Dahin wo es noch sonnig und warm ist, wo wir barfuß laufen, Zuckerwatte und Eis essen, erste Kastanien sammeln und auf Schatzsuche gehen können.
Letzteres war auf dem Geburtstag des Mäuserichs. Der in diesem Monat 6 Jahre und gleichzeitig ein Vorschulkind geworden ist, aber anders als die Minimaus nur ungern etwas alleine macht. Warum immer ich? ist die große Frage gerade.

Der schönste Moment

Es gab so viele. Hätte ich gar nicht gedacht, aber wenn ich die Fotos so durchscrolle, dann waren da doch viele. Dieses Sommerfest im Jenischpark, das wir mit Anstehen verbracht haben – bei der Zuckerwatte, beim Kinderschminken, bei der Tanzaufführung. Beim Anstehen konnten wir aber gut reden und der Mimimaus dabei zusehen, wie sie sich ihren Weg zwischen den Wartenden hindurch bis zum Papa sucht und später dann ihre Kreise um uns herum dreht, immer größer und größer und dann lacht sie. Das Leben ist manchmal rund. Und als wir dieses Wartefest dann an der Elbe ganz sommerlich und ohne Eile ausklingen ließen.
Der Nachmittag mit uns allen in der Hafencity, hauptsächlich im Maritimen Museum bei der Schatzsuche und im Anschluss mit Oma und Opa auf dem Spielplatz im Grasbrookpark. Und der Tag nach dem Geburtstag des Mäuserichs, der bei Regenwetter und Resttorte ganz ruhig verlief. Der Tag, den ich alleine auf dem Bloggertreffen in Münster war, am Anfang noch total unsicher, dann nicht mehr. Und dieser Abend, als ich mit meiner Schwester im Seven Seas auf dem Süllberg 8 Gänge lang essen war. Die Gerichte waren die Wucht. Gutes Essen und Reden. Wie glücklich das macht. Und die Umarmung des Mäusepapas, nachdem er wieder bei uns zu Hause war und wir uns noch ein bisschen fremd fühlten miteinander.

Was ich für mich entdeckt habe

Außer Zartbitterschokolade (mind. 70%) für mein Müsli: Mandelmilch. Die schmeckt super lecker in meinem Müsli und auch in meinem Kaffee. Und nach der Arbeit alleine im Café sitzen, ein Stück Kuchen essen, Milchkaffee trinken, lesen, gucken, denken, wieder gucken. Das macht mich gerade in mehrere Hinsicht so richtig satt: zeitsatt, nachdenksatt, ruhesatt, süßessatt, kaffeesatt, alleineseinsatt.

Was ich momentan super gerne anziehe

Große Streifenshirtliebe hier gerade. Ich habe damit begonnen, überwiegend Bretonshirts und Sneaker zu tragen. Zusammen mit meinem Armreif (dieser hier sieht so ähnlich aus), den ich schon vor einiger Zeit geschenkt bekommen aber erst jetzt wiedergefunden habe und über den ich mich jeden Tag freue. Und solch einen dunkelblauen Blazer, der gar nicht so besonders aussieht, der aber einfach ganz genau richtig ist und zu allem passt. Darüber gezogen und schon sehe ich bürotauglich, kindertheatertauglich, abendessenausgehtauglich, alleinimcafésitzentauglich aus. Kennst du den Onlineshop https://www.stadt-teile.de von Aneta Marek? Ich habe mir auf dem Designmarkt von ihr ein taubenblaues Sweatshirt mit der Aufschrift Ich bin aus Hamburg, nicht aus Zucker gekauft. Ich muss bei jedem Tragen über den Spruch grinsen. Außerdem trage ich meine neue Kette von Klimbim Barcelona gerade supadupa gern.

Immer wieder vorgelesen

Das Buch Räuber Hotzenplotz von Ottfried Preußler und gleich hinterher den zweiten Teil Neues von Räuber Hotzenplotz. Der dritte Band liegt auch schon bereit. In meiner Kindheit habe ich es merkwürdigerweise nie gelesen. Der Mäuserich liebt die Kasperlgeschichten und ich liebe diese altmodische, wohlgesetzte Sprache. Wirklich klasse.

Gerne gesehen

Ich habe eine Liste mit Filmen und Serien, die ich gerne sehen würde und die ich jetzt beinahe abgearbeitet habe. Außer Tschick (den ich immer noch nicht gesehen habe) sind da noch: Red Oaks (eine Serie, die in den 80er Jahren in einem Tennisclub spielt und von einem Jungen handelt, der nach dem College seinen eigenen Weg finden muss, großartiges Thema, großartige Umsetzung), Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne (den ich schwer ausgehalten habe, weil ich Marguerite so mochte und weil ich mir bis zum Schluss gewünscht habe, dass sie die Wahrheit nicht erfährt), ein Geschenk der Götter (der Film über eine arbeitslose Schauspielerin, die 8 Langzeitarbeitslosen Schauspielunterricht geben soll, hat mir Spaß gemacht) und Embrace, der mich total umgehauen hat. Wirklich: zu Tränen gerührt.

Und dann war da noch dies

* Herdwärme, das neue Buch von Okka Rohd, das ich unglaublich toll finde und schon zweimal verschenkt habe. Ich werde es demnächst hier noch näher vorstellen.

*Mein neues Blogbuch von Rena von Rundfux, die auch ansonsten ganz wunderbare Bücher, Poster und Bilder entwirft und illustriert.

*Immer noch gern bekomme ich „My Little Box“. Ich freue mich jeden Monat auf diese wunderschön und liebevoll verpackten Proben und Produkte.

*Eine Entdeckung: bonpon511, Partnerlook mal in stylish und umwerfend interpretiert. Ich liebe diesen Instagram-Account, auch wenn ich die Posts nicht lesen kann, weil sie in Japanisch sind.

*Diese Rezepte für Suppen im Glas von Hemsley & Hemsley. Meine Schwester hat mich darauf gebracht und ich finde die Idee für den Herbst und Winter im Büro fantastisch. Kennst du noch mehr von diesen Rezepte?

*Dieses Haus und sein Einrichtungsstil, weil Bücher dort so unglaublich viel Platz bekommen. Ich mag es sehr.

*Diese Outfits für den Herbst.

*Die Story über den Archivar in der New York Public Library.

*Wie Familien rund um den Globus ihre Ferien verbringen aus dem New York Times Magazin.

*Oh und dieses hier. Schön, oder?

 

Wie war denn dein September? Ich hoffe, er hat dich glücklich gemacht.

Schönes Wochenende!