Familienleben
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Beruf und Familie geht doch…

Alex 002Ich war heute wieder ein CTG lang mit meiner Hebamme im Gespräch. Heute ging es wie schon so manches Mal um die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Meine Hebamme ist seit über 20 Jahren in ihrem Beruf tätig. Sie hat Töchter und Enkelkinder und hatte wie ich auch eine berufstätige Mutter. Unschwer zu erkennen, dass wir aus der selben Region Deutschlands – der ehemaligen DDR – stammen. Ihre Töchter sind gut ausgebildet und stehen fest im Beruf. Zudem kennt meine Hebamme durch ihre Arbeit sehr viele Frauen und erfährt somit von den unterschiedlichsten Fragen und Erlebnissen, die die Mutterschaft auf einmal so mit sich bringen. Das neueste Buch zum Thema: „Die alles ist möglich Lüge“ von Susanne Garsoffky und Britta Sembach hat überdies in letzter Zeit viele Zeitungsartikel gefüllt. Worüber sollten wir da also sonst reden?

Der Tenor in der Presse ist derzeit „Vereinbarkeit gibt es nicht!“. Ich kann offen gestanden diesen pessimistischen Wirbel um die Vereinbarkeitsfrage nicht ganz verstehen. Ich begrüße es, dass das Thema Vereinbarkeit besprochen wird, immer wieder aktuell bleibt, in der Politik auf der Tagesordnung steht und sich auch in euren Blogs als Alltagserfahrungen wieder findet. Und ich finde gleichzeitig, es hat sich schon sehr viel getan. Die Bedingungen für berufstätige Eltern sind heute wesentlich besser als noch vor 10 oder 20 Jahren.

Natürlich sehe ich auch, dass die Gesellschaft in dieser Frage noch offener, zielstrebiger und unterstützender wirken könnte. Ich sehe auch ein, dass das Betreuungsangebot regional betrachtet noch besser werden muss und dass nicht jeder so familienfreundliche Arbeitsbedingungen wie ich im Öffentlichen Dienst vorfindet.

Ich bin jedoch genauso davon überzeugt, dass die Frage der Vereinbarkeit keine Lösung dafür finden muss, dass man neben dem Beruf, die familiären Anforderungen nicht spüren darf und umgekehrt. Sie kann auch nicht das Dilemma lösen, dass man seine Kräfte einteilen und seine Zeit aufteilen muss. Wer sich für eine Familie entscheidet, hat nun einmal mentale, organisatorische und andere Fragen zu lösen und sich über seine Prioritäten klar zu werden. Dass hat allerdings derjenige mit einem zeitaufwendigen Hobby, in einer ernsthaften Partnerschaft und auf der Suche nach ausgleichenden Lebensinhalten neben dem Beruf genauso. Im Leben ist eben auf keiner Ebene „alles (auf einmal) möglich“.

Selbstverständlich kann nicht allgemeiner Konsens sein, dass Mütter wegen der viel beschworenen Unvereinbarkeit zu Hause bleiben sollen. Diese Einstellung erlebe ich in meinem persönlichen und beruflichen Umfeld aber ohnehin äußerst selten (Ausnahmen habe ich in meinen letzten Beiträgen hier und hier beschrieben). Niemand kann sich heutzutage noch ernsthaft mit der Ansicht hinstellen, Kinder und Mütter seien zu Hause am besten aufgehoben. Diesen Wertewandel vollzieht die Gesellschaft schon längst. Und auch die Politik reagiert darauf. Ein Vergleich mit anderen Ländern wird vollzogen und gute Ideen werden umgesetzt und diskutiert. Ich denke da nur an das Elterngeld, die Überlegungen zur 32-Stundenwoche für Eltern, an das Elterngeld plus, an familienfreundliche Arbeitgeber und an die moderne Generation von Eltern, die sich neu definiert. Auch den inzwischen mehrfach in der Literatur geäußerten Gedanken, berufliche Laufbahnen flexibler zu sehen, finde ich richtig. Die Idee, seine Karriere nicht gerade dann machen zu müssen, wenn die Kinder noch klein sind, finde ich einen guten Ansatz.

Sicherlich ist eine der grundlegenden Frage dabei auch, was sich Familien unter der Vereinbarkeit genau vorstellen. Deutlicher wäre da für mich die Frage, welche Art der Anerkennung und welche Unterstützung brauchen Familien heute und zukünftig. Da ist ganz sicher noch jede Menge gesellschaftliches Potential vorhanden und politische Diskussion sinnvoll. Aber ein grundsätzliches weil unabwendbares Scheitern in der Frage nach der Vereinbarkeit kann ich weder in meinem persönlichen noch in meinem beruflichen Umfeld ausmachen. Ich finde, die Vereinbarkeit funktioniert bei uns schon sehr gut und bis auf die ein oder andere Ausnahmesituation erlebe ich auch sehr selten dauerhaft ausgebrannte oder überforderte Eltern.

Ebensowenig angespannt sehe ich mich und meine Familie. Ich habe einen Mann, der genauso viel Verantwortung übernimmt wie ich und es ist bei uns auch keine Diskussion darüber nötig, ob ich als Frau diese oder jene Aufgabe automatisch zu übernehmen habe. Das Schwangersein und das Stillen sind das einzige, was ich schon aus biologischen Gründen nur selbst übernehmen kann. Ich genieße daher auch meine rechtlichen Privilegien wie den Mutterschutz sehr. Alles andere lösen wir gleich verantwortlich. Ich muss mich auch nicht über mangelnde Zeit mit meinen Kindern grämen und meine Kinder müssen nicht ausnahmslos funktionieren, um mir meine Berufstätigkeit zu ermöglichen. Diese Einstellung zur Betreuung in KiTa oder Schule ist für mich ausgemachter Unsinn. Ich erlebe keine Kinder, die unter dieser Form der Betreuung ernsthaft leiden oder psychische Schäden davon tragen. Ausnahmen wird es da geben, aber einen allgemeingültigen Grundsatz kann ich darin nicht sehen.

Natürlich stoßen wir als Eltern an zeitliche und ressourcenabhängige Grenzen. Und natürlich ist das nicht nur eine Frage der individuellen Organisation. Aber ich kann das genauso wenig allein einer familienunfreundlichen Gesellschaft zuschreiben. Das ist schlicht und ergreifend so, wenn man viele Aufgaben im Alltag hat. Ob das nun die Familienarbeit, Pflege von Angehörigen, ehrenamtliche Aufgaben, ein Zusatzstudium etc. ist, ist letztlich sehr ähnlich. Und ich darf bei allem auch nicht vergessen, dass ich mich für diesen Weg und dieses Leben -zumeist freiwillig- entschieden habe. Auch die Familien selbst müssen weg vom klassischen Rollenbild, das häufig noch das favorisierte Modell darstellt. Und das nicht etwa nur deshalb, weil es keine andere Möglichkeit gebe, sondern weil es in den Köpfen sehr oft noch so verankert ist.

Auch wenn manche Eltern ihren Weg zwischen Familie, Beruf und anderen Interessen erst finden müssen, auch wenn es nicht immer ein Leichtes ist, Kinder zu haben und auch wenn beruflich nicht immer alles geradlinig verläuft, dass es heute mit dem Beruf und der Familie gar nicht oder nur unter unzumutbaren Opfern funktionieren soll, sehe ich schon längst nicht mehr. Ich muss sogar zugeben, dass es für mich ohne die inzwischen bei uns gut ausgebauten Betreuungsmöglichkeiten kein Kind gäbe und ohne das Elterngeld wohl allenfalls ein Kind.

Für politische Maßnahmen und gesellschaftliches Umdenken ist ganz klar noch „Luft nach oben“, aber das sehe ich gerade auch für die jüngere Elterngeneration auf einem guten Weg. Jedenfalls fühle ich mich mit meinen Vereinbarkeitsfragen nicht ganz allein wie es in der Presse derzeit dargestellt wird.

0 Kommentare

  1. Ja, es geht! Aber es ist anstrengend. Ich arbeite sogar während der Elternzeit – und da bleibt schon viel auf der Strecke. Nicht meine Kinder – sondern ich. Ich merke immer wieder, dass ich auch mal eine Auszeit für mich bräuchte. Aber momentan weiß ich nicht, wo ich sie abknapsen soll. Familie, Kinder, Beruf und Haushalt geht alles zusammen. Nur wenn dann auch noch ab und zu eine kleine Zeitoase für Mama dabeisein soll, wird es schwer. Darüber habe ich auf meinem Blog http://www.ganznormalemama.wordpress.com auch schon ein paarmal geschrieben. Meine kleinen Auszeiten sind die Spaziergänge mit dem Baby und das Yoga mit Babybegleitung. Ich glaube ohne diese kleinen Momente würde ich am Stock gehen!

  2. Pingback: Alles nur eine Frage der richtigen Einstellung? | martamam

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