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Auszeit im Wattenmeer

Wattenmeer Neuwerk

Wattwandern klingt für mich immer nach längst vergangenen Zeiten. Und irgendwie stimmt das ja auch, denn die kleine Insel Neuwerk an der Elbmündung im Wattenmeer der Nordsee ist seit 1905 Erholungsort und Seebad. Hier tummeln sich also schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts Badegäste, die dann auch im Watt unterwegs sind. Nach meinem eigenen Ausflug ins Watt sehe ich das immer noch – dieses Altmodische. Aber auf eine gute Art.

Von Pferden gezogene Wattwagen, vereinzelte Reiter oder auch ganze Ponystaffeln, angeleitete Wanderungen mit und ohne Hunde, kleine Gruppen, große Gruppen, Zuzweitspaziergänger, Alleinegeher…. Im Watt zwischen Cuxhaven und Neuwerk ist bei schönem Wetter viel los. Ich war nun also auch mal dabei. Überhaupt war ich das erste Mal in meinem Leben wattwandern.

Und offenbar bin ich für dieses Altmodische gemacht, denn wie schön war das denn bitte?

Ich bin nass geworden, wurde von Wind und Sonne wieder getrocknet, habe Krebse, Muscheln und Wattwürmer entdeckt, eine Insel erobert, die Seeluft genossen und am Ende auch köstlich gegessen. Einfach nur ich so. Mitten im Nirgendwo (nicht mehr Cuxhaven und noch nicht Neuwerk).

Meine Hose ist mittelblau, wirkt auf einem der Ausflugsbilder aber fast schwarz, weil sie zu dem Zeitpunkt schon klatschnass war. Ich kam an einem Priel nicht vorbei und musste mitten hindurch. Wechselsachen hatte ich zwar im Rucksack, aber es war den Tag über so warm, dass ich schon bald wieder trocken war. Mit Jeans wäre das aber ungemütlich geworden. Noch besser erging es denjenigen, die Badekleidung darunter trugen. Die höhenverstellbaren Wattwagen und die Reiter kamen jedenfalls ganz locker durch die Priele. Ich dachte erst noch, der Kutscher will mich veräppeln, als er mir im Vorüberfahren zurief, wir würden dann ja gleich alle schwimmen gehen. Bis ich dann vor dem Priel stand und die ersten Wanderer tatsächlich hindurchgeschwommen sind.

Bei so einer Fahrt im Wattwagen wird man nicht nass. Allerdings sieht man auf diese Weise auch keine Wattwürmer, Krebse oder Muscheln. Ich fand es zu Fuß dann doch spannender und vor allem tat es so irre gut, mich zu bewegen, die Füße im Schlick, ganz langsam und einfach so draußen auf dem Meer. Oder sagt man da im Meer oder auf dem Meeresboden oder…

Es war still, laut, matschig, kühl, einsam, gesellig, lustig, entspannend, mühsam und über die Maßen abenteuerlich. Für mich jedenfalls, denn dort zu laufen, wo das Meer gerade mal nicht ist, war für mich neu. Und als das Meer wieder da war und ich von der Fähre aus nur noch die Rettungsplateaus erahnen konnte, erschien es mir unvorstellbar, dass ich dort eben noch zu Fuß unterwegs war.

Hachz

 

Und hier 10 Dinge, die ich über das Wattwandern gelernt habe:

  1. Im Watt gibt es Priele (kleine und große Wasserläufe). Und Priele können ganz schön tief sein. Wer keine Wechselsachen dabei hat, kann auch nackt hindurchschwimmen. Weniger Mut erfordert es die Hose auszuziehen und mit dem Rucksack über dem Kopf hindurch zu waten.
  2. Im Watt gibt es sogar Wegweiser. Die Strecke bis Neuwerk und bis zum Leuchtturm ist mit Reisigbündeln markiert (Prickenweg). Aber es gibt auch ein richtiges Schild. Es ist ganz in Rot und bei Flut dann unter Wasser. Ich habe mir vorgestellt, wie die Meeresbewohner unter Wasser daran vorbeilaufe.
  3. Es ist gut, ein paar leichte Stoffschuhe oder auch Wattschuhe zu tragen. Wer mag, geht barfuß, muss aber in der Nähe der Muschelbänke gut aufpassen.
  4. Auch schnelltrocknende Hosen sind ganz sinnvoll. Selbst an so einem warmen  Tag wie bei mir wird es nass und matschig. Und sich mitten im Watt umzuziehen ist schwierig, weil es Drumherum – na klar – feucht ist. Wenn dann die Hose im Wind schnell trocknet, ist das schon angenehmer.
  5. Wattwürmer, Muscheln, Krebse, Schnecken…es gibt irre viele spannende Dinge im Watt. Wenn du dir ein paar Funde (keine lebenden Tiere) mitnehmen möchtest, lohnt es sich, eine Plastiktüte oder kleine Dose dabei zu haben.
  6. Das Watt kann eine Wüste sein. Ein bisschen kam es mir jedenfalls so vor. Die Sonne schien zeitweise heiß von oben und blendete dann auch sehr. In der Ferne zeichnete sich die Insel Neuwerk wie eine Fata Morgana ab. Da waren es noch 2 Stunden bis zum Ziel und 1,5 Stunden vom Startpunkt in Cuxhaven-Duhnen entfernt. Sonnenhut, Sonnenbrille, Sonnencreme, Proviant  – ich war froh, das alles im Watt dabei zu haben.
  7. Der Höhenunterschied zwischen Niedrig- und Hochwasser beträgt 3 Meter. Die Zeitdauer vom Hochwasser zum Niedrigwasser sind 7 Stunden. In dieser Zeit ist das Wattwandern je nach Wattwanderzeit möglich. Der günstigste Beginn für eine Wattwanderung liegt ca. 2 Stunden vor Niedrigwasser.
  8. Es ist sinnvoll, sich bei der Planung den Tidenkalender genau anzuschauen. Nicht jeder Tag eignet sich für eine lange Wattwanderung. Entweder weil man durch die Tidenzeiten erst sehr spät, sehr früh oder auch mal gar nicht losgehen kann. Die individuellen Wattwanderzeiten für Neuwerk findest du hier
  9. Vor Cuxhaven ist das Watt 20 km weit. Es hat überwiegend festen Untergrund und lässt sich ganz prima alleine bewandern. Die Wattlandschaft hier ist einzigartig und gehört zum Weltnaturerbe 2018. Mit meinen Kindern hätte ich die 3,5 Stunden von Cuxhaven nach Neuwerk (momentan noch) als zu weit empfunden. Aber es gibt kürzere Routen vom Strand bis zum Schiffswrack, zum Leuchtsignal oder einfach so ein Stück ins Watt hinein. Immer an den Reisigbüscheln entlang.
  10. Und eine Wanderung an der Wasserkante oder bei Sonnenuntergang oder mit Bernsteinsuche oder ….Ach….Die würde ich alle auch gerne mal machen. Aber dann mit kompetenter Führung. Informationen zum Wattwandern rund um Cuxhaven findest du hier.

 

 


Warst du auch schon mal wattwandern? Wo findest du es am schönsten? 

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