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Eine Seefahrt, die ist lustig…

Bei uns sind die Frühjahrsferien ausgebrochen. Das heißt, sie sind schon wieder zu Ende, aber wir haben sie statt des obligatorischen Skifahrens für eine Schiffsreise genutzt. Eine Woche auf der AIDAmar mit Oma, Opa, Tante sowie ich mit Maus und Minimaus. Es war eine Art Selbstversuch und ich war fest davon überzeugt seekrank oder jedenfalls vor Übelkeit mindestens vier Kilo leichter zu werden. Meine Tasche war gefüllt mit Reisetabletten und Vomex A. Wir brauchten erfreulicherweise nichts davon und abgenommen hat auch keiner von uns.

Trotzdem, mein Fazit schon einmal vorweg:
Man muss das mögen mit so vielen Menschen.
Und ich mag es nicht.

Aber meine Kinder mochten es, Oma und Opa sowieso, denn sie reisten nicht zum ersten Mal mit der AIDA. Meine Schwester (die Tante) fand es noch viel furchtbarer als ich – die Arme.

 

Aida Schiffsreise

 

Doch, doch. Es ist schon etwas besonderes, so auf dem Meer zu sein, die Sterne zu sehen, andere Schiffe an sich vorüberfahren zu lassen und in die Häfen einzulaufen. Das hat schon etwas von Seefahrerromantik und ich mochte ganz besonders die Augenblicke, in denen ich den Sonnenuntergang an Deck erleben, einen Milchkaffee in der Sonne genießen oder nachts aus dem Kabinenfenster den Mond, das Meer und nächtlich beleuchtete Containerschiffe bestaunen konnte (wichtig ist dafür eine Kabine mit Fenster!). Ich mochte es auch, als wir an einem Ausflugstag auf dem Schiff geblieben sind und die Sonnenliegen ausnahmsweise mal nicht alle besetzt waren, wir beim Essen sofort einen Platz fanden, den Kinderstuhl nicht erst suchen mussten und am Buffet auch noch die volle Auswahl hatten. Noch lieber mochte ich es, dass wir an diesem Tag in Ruhe essen konnten, einfach mal länger sitzen und reden durften, noch einen vierten Kaffee und ein drittes Dessert und einen frischen Pfannkuchen genießen konnten. Niemand wartete auf unsere Plätze und ich hatte vor allem mal nicht das Gefühl, der Service ist gestresst.

Ich fand das Essen an Bord auch wirklich lecker (wie bekommen die das für so viele Passagiere nur hin?) und meine Maus hat den Kids Club und die abendlichen Shows geliebt. Überhaupt ist es für ältere Kinder ganz toll, denn sie finden sich in diesem „geschlossenen Rahmen“ sehr gut zurecht, können nicht verloren gehen und finden schnell Anschluss zu anderen Kindern. Der Kapitän war ohnehin ein Goldstück und hat regelmäßig sehr informative (sehr lange) Durchsagen gemacht.

Ich will daher gar nicht sagen, dass ich es in Teilen nicht auch genossen habe.

 

 

Die Maus jedenfalls war glücklich, Minimaus hatte mich rund um die Uhr bei sich und war also auch glücklich, der Latte Macchiato auf dem Sonnendeck schmeckte ausgesprochen gut, das Wetter war traumhaft (jedenfalls für März), ich musste nicht viel tun, unsere Nachmittagsausflüge an Land waren toll, wir haben das Zusammensein mit Oma, Opa und Tante genossen und jede Menge neue Eindrücke, holländischen Käse und belgische Schokolade mit nach Hause gebracht.

Eine Schiffsreise mit Kindern ist also nicht unbedingt verkehrt.

Man muss sich nur darauf einlassen können, denn leider gab es da immer noch die anderen 2.000 Passagiere, die uns auf der Reise begleiteten. Nicht, dass ich nicht ab und zu gerne unter Leuten wäre. Ich lebe schließlich in einer Großstadt, da ist man nahezu nie allein sobald man einen Fuß vor die Wohnungstür setzt. Aber auf einem Schiff verteilt es sich eben schwerer und beim Essen schienen die meisten keinen Spaß zu verstehen. Unsere Mitreisenden waren auch nicht gerade zimperlich, wenn es um einen Platz im Fahrstuhl ging (mit Buggy brauchte ich den ab und zu) und der Andrang am Dessert-Buffet war erstaunlich. Es gab wohl bei ihnen zu Hause keine Schokocreme oder Eis?

Vor allem erwies es sich als ratsam, jeweils kurz vor Öffnung der Restaurants an der Eingangstür zu stehen, wenn wir einen Tisch finden und mit dem Essen nicht lange warten wollten- leider ist Warten mit hungrigen, kleinen Kindern das Letzte, was man möchte. Es gab zwar eine Familienzeit ab 17.30 Uhr, was für die Platzsuche hilfreich, für die Kinderstuhlsuche allerdings eher hinderlich war. Und wer hat jeden Tag pünktlich um 17.30 Uhr schon wieder Hunger? Da wurde mir erst so richtig klar, dass der Mäusepapa und ich oft erst essen, wenn die Kinder im Bett sind (Tiere und Kinder werden zuerst gefüttert).

Wir haben es mit Humor genommen (und ein Weißwein zum Abendessen hat der Stimmung auch gut getan), aber das ein oder andere Mal, habe ich mir doch sehr gewünscht, einfach mal in Ruhe dann essen zu können, wann ich will, mir meinen Kaffee selbst zu holen und für die Minimaus nicht immer erst lange auf einen Kinderstuhl warten zu müssen. Überhaupt fand ich es schwierig, für die Minimaus zur rechten Zeit etwas zu essen zu finden. Das hat mich selbst erstaunt, denn irgendwie hat immer eines der Restaurants an Bord geöffnet. Aber das half mir in der Praxis wenig. Wenn es nicht gerade rappelvoll war, dann schloss es in ein paar Minuten. Ich habe am Buffet auch selten etwas anderes als Kartoffeln mit Soße für sie gefunden, wenn es nicht immer nur Brei (den hatte ich mitgebracht) oder Banane sein sollte. Die Maus wiederum war schon alt genug, um selbst ans Buffet zu gehen und hatte Freude an dieser seltenen Freiheit.

Womit ich so gar nicht gerechnet hatte war, dass ich während der ganzen Reise das Gefühl nicht los wurde, permanent zu einer bestimmten Zeit irgendwo sein zu müssen. 

Zunächst mussten wir die Essenzeiten einhalten, dann mussten wir nach dem Check-in pünktlich zum Abholen unserer Ausweispapiere erscheinen, zum Identitätsabgleich im Hafen von Southampton sowieso (die Franzosen, Belgier und Holländer sahen es gelassener), es folgten die Zeiten für die Ausflüge (Buchungsschluss und Treffen) und die Zeiten für den Kids Club (ab einer bestimmten Uhrzeit gab es ein offenes Programm und für die Zeiten vorher und nachher musste man die Kinder einen Tag vorher anmelden),
zu beachten waren auch die Öffnungszeiten der Shops (in den Häfen durften die Shops an Bord aufgrund der Zollbestimmungen? nicht öffnen) und die Zeiten für die Shows, zu denen die Maus mit Oma und Opa ging.

Am Abreisetag gab es dann zum guten Schluss auch noch Zeitfenster fürs Ausschecken (aufgeteilt in 4 Gruppen), zumindest wenn man nicht warten wollte. Bis um 9.00 Uhr musste man aber aus der Kabine sein, denn dann funktionierten die Bordpässe automatisch nicht mehr.

Gefühlt spielte die Bordzeit also eine wichtige Rolle.

Auch die Bars und Serviceschalter an Bord hatten jeweils verschiedene Öffnungszeiten (abhängig von Tageszeiten und Seetagen) und ich brauchte eine Weile, um herauszufinden, wann ich wo meinen Latte Macchiato zum „Wohlfühlen“ oder andere Dinge bekam. Die Öffnungszeiten für das Spa waren mir zum Glück egal, denn Minimaus war so anhänglich, dass ich ohne sie sowieso nirgendwo hinkam.

Natürlich bekam man das alles schon irgendwie heraus. Der Informationsfluss an Bord war lückenlos (BordTV, Infobriefe, Durchsagen) und eine der (leicht genervten) Damen an der Rezeption konnte man ansonsten auch noch fragen.

Diese Art des Reisens mag ganz wunderbar sein, wenn man selbst möglichst wenig planen und organisieren möchte. 

Alles ist barrierefrei zugänglich, die Rund-um-Versorgung ist auch bei Ausflügen gewährleistet und zweifellos bekommt man viele, viele Reiseeindrücke. Mir ist zudem klar, dass es ohne eine gewisse Organisation bei dieser Masse an Menschen nicht geht.

Dennoch, ganz ehrlich, meins ist das nicht. Ich verpasse sehr gerne mal eine Mahlzeit, wenn es mir an einem Ausflugsplätzchen so gut gefällt, dass ich noch verweilen möchte.  Ich entscheide gleichermaßen gerne spontan, wann wir in unserem  Ferienhaus bleiben oder wann wir einen Ausflug machen und unter Leuten sein wollen. Ich sehe auch gerne selbst, wann die Stimmung noch gut genug ist, um ein bisschen in der Sonne sitzen zu bleiben, bevor Minimaus Hunger bekommt oder alle müde werden. Ich finde es zudem ganz in Ordnung, wenn ich oder der Mäusepapa im Urlaub selbst kochen müssen, solange wir es dann tun können, wann es für die Familie passt. Ansonsten gehen wir in ein Restaurant, aber nur dann, wenn wir wirklich Hunger haben. Und meine Uhr möchte ich im Urlaub ganz weit weg legen, zumindest soweit es mit einem Kleinkind eben geht. Ein ausgefeiltes Unterhaltungsprogramm, auch wenn es offensichtlich gut gemacht ist, brauche ich im Urlaub ebenso wenig.

Ganz gewiss jedoch möchte ich hinter der Tür zu unserem Ferienhäuschen nicht 2.000 andere Mitreisende wissen, die mir mein Eis weg essen. 🙂

Ich glaube, die nächste Schiffsreise macht die Maus mit Oma und Opa ohne mich. Dem Mäusepapa ist es recht. Er war mit dem Mäuserich bei der (anderen) Oma und hat gaaanz viel Ruhe und individuelle Betreuung genossen. Ich habe auf unserer Reise oft an ihn gedacht. Er hasst es, wenn er über seine Zeit nicht selbst bestimmen oder sein Essen nicht in Ruhe einnehmen kann. An der Schiffsreise hätte er seine helle Freude gehabt. Hah.


Nachtrag vom 08.09.2017: Wir planen nun doch die nächste AIDA-Kreuzfahrt. Dieses Mal nach Norwegen, wieder mit der Mäuseoma. Und dieses Mal kommen nun auch der Mäuserich und die Uroma mit.

(Das Beitragsbild der AIDAmar stammt vom Schiffsfotografen. Die übrigen Bilder sind von mir.)

 

4 Kommentare

  1. Danke für deinen spannenden Bericht. Vorher hatte ich damit sogar schon mal geliebäugelt, kann mir jetzt aber alles, was du schreibst, erst recht gut vorstellen.

  2. Mir ging es ganz genauso! Ich wollte es unbedingt mal ausprobieren, so viele unserer Bekannten schwärmten davon… Also sind wir (wegen günstigerem Preis) im letzten KiGa-Jahres meines Sohnes gefahren, auch eine Woche… Uns waren das auch zu viele Menschen. Immer war irgendwie alles voll. Die Kinderbetreuung war aber gut, Sohnemann hat sie in vollen Zügen genossen (sie war aber in der Nebensaison ziemlich leer und die Betreuer hatten Zeit). Aber der Rest war einfach nicht unser Ding. Und wir sind keine Individual-Urlauber, sondern gerne pauschal und All in. Ich bin aber froh, dass wir es mal ausprobiert haben, jetzt weiß ich, dass es nix für mich ist.

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