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A Short Note oder Die Kammbraten-Frage

 

DER KAMMBRATEN

Als ich ein Kind war, gab es an den Feiertagen zu Hause oft Kammbraten. Ich liebte den Kammbraten mit Rotkohl und Knödeln und ich liebte es auch, dass alles so war, wie es immer war. Der Duft des Bratens, die Kerzen, die Servietten, die Tischdecke und das gute Geschirr. Jedes Mal freute ich mich auf das gemeinsame Essen und jede Mal sah ich meiner Großmutter gerne bei den Vorbereitungen zu. Ihre Geschäftigkeit in der Küche strahlte Geborgenheit aus. Sie schnippelte, würzte, schmorte, wendete, löschte ab. Und immer schnitt sie die beiden Enden des Kammbratens glatt, bevor sie ihn in den Ofen schob. So hatte es ihre Mutter schon gehandhabt und so tat es meine Mutter übrigens auch.

Als ich älter wurde, unternahm ich einen Versuch, mich nicht nur für das Zusehen sondern für das Kochen selbst zu interessieren. Ich wollte mehr über die Rezepte meiner Großmutter wissen und fragte sie nach Zutaten, Handgriffen und Küchengeheimnissen. Und ich fragte sie natürlich, warum die Enden des Bratens vor dem Schmoren auf beiden Seiten glatt geschnitten werden müssen. Ihre Antwort darauf lautete: „Ich habe keine Ahnung, das hat schon meine Mutter so gemacht.“

Erst Jahre später erfuhr ich, dass meine Großmutter damit eine Tradition fortgesetzt hatte, die ihren Ursprung einst darin gefunden hatte, dass der Schmortopf ihrer Mutter (meiner Urgoßmutter) zu klein gewesen war und der Braten anders nicht hinein gepasst hätte. Der Schmortopf meiner Großmutter hingegen war groß genug.

Das Zurechtschneiden des Kammbratens wurde also ungewollt zur Tradition und war dem Genuss des Festessens ganz sicher nicht abträglich. Aber es erinnert mich daran, dass es sinnvoll sein kann, die Dinge zu hinterfragen. Damals jedoch glaubte ich, dass es genauso sein müsste, wie meine Großmutter es machte.

Inzwischen bin ich Erwachsen und man sollte meinen, die Dinge hätten sich geändert. Manche Menschen erwarten allerdings immer noch, dass wir uns genauso verhalten, wie sie es tun. Es irritiert sie sogar, wenn wir mit ihren eigenen Erwartungen und Ansichten nicht übereinstimmen.

Es ist fast so als würden sie mir sagen: „Wir haben alle den Kammbraten an den Enden glatt geschnitten, warum du nicht?“ Ich finde das zum Lachen.

Ich finde es allerdings keineswegs lustig, wenn ich mich selbst dabei ertappe, dass ich viel zu beschäftigt bin, um daran zu denken, den Braten ganz zu lassen. Oder das ich mir manches Mal wirklich nur noch sage: Das macht doch jeder so, also muss es richtig sein.

 


ZURÜCK ZU DEN WURZELN

Ich begann dieses Blog vor 3 Jahren zu schreiben, um die Kammbraten-Frage aus meiner Kindheit in mein Erwachsenenleben hinüber zu retten: Ignoriere, dass andere den Braten an den Enden abschneiden. Treffe deine eigenen Entscheidungen!

Ich nahm mir vor, mich wie mein 10jähriges ICH zu fragen, warum machst du etwas so wie du es machst.

Wenn die Antwort lautete Na, eben deshalb! oder Weil es alle so machen!, wusste ich, ich schneide wieder den Kammbraten.  Es lag allein an mir, ob ich das tun wollte oder nicht. Diese Lebensweisheit hatte mir meine Großmutter damals mit auf den Weg gegeben, auch wenn sie das so nicht beabsichtigt hatte.

Schneide ich den Braten , weil es alle anderen so machen?

Ich denke nicht. Es gibt eindeutig bessere Alternativen.

 

ES GEHT AUCH ANDERS

 

„Wir müssen uns in den Dingen üben, die Glück bringen, denn wenn das Glück vorhanden ist, haben wir alles, und wenn es fehlt, sind alle unsere Handlungen darauf ausgerichtet, es zu erreichen.“ 
– Epikur

 

Es gibt so unglaublich viele Menschen auf der ganzen Welt, die ihr Leben gestalten wie sie es sich vorstellen.  Sie reisen, entdecken die Welt, haben spannende Jobs, folgen ihrer Berufung, einer Leidenschaft, ihrem Traum, ihrer Liebe.

Manche leben die Freiheit, indem sie selbständig sind, Künstler werden, Schreiben, Musizieren und ihre eigenen Abenteuer im Kleinen suchen.

Mein ganz persönliches Abenteuer ist meine Familie.

Ich habe alles, was ich mir wünsche und doch glaube ich, dass es da noch mehr geben muss.

Das heißt nicht, dass ich nicht dankbar bin für das, was ich habe. Es gibt so vieles, was mich glücklich macht: Ich habe den einen Lieblingsmenschen auf diesem Planeten gefunden. Es war nicht Liebe auf den ersten Blick aber es ist die große Liebe. Wir haben drei entzückende Kinder – zwei Mädchen und einen Jungen. Ich habe meine Promotion geschafft und einen Beruf, der mich ausfüllt. Ich schreibe, lebe in meiner Lieblingstadt, habe eine enge Beziehung zu meiner Mutter, meiner Schwester und meiner Schwiegermutter. Die Väter in meinem Leben sind nicht mehr bei uns, aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe Freunde, meine Gesundheit und eine Wohnung mit  Büchern, Warmwasser und relativ neuen Möbeln. Ich habe es so richtig gut. Das ist mein Leben. Ich bin mir dessen bewusst.

Das heißt, ich will keinen totalen Neuanfang, ich will keinen Aufbruch ins Ungewisse, ich will mich nicht von allem lösen, was mir lieb ist.

Aber ich will das Leben so wie ich es will.

Der Punkt ist, ich will meine eigenen Entscheidungen treffen, ich will meinen Familienalltag gestalten und das Leben führen, dass zu mir passt.

Und da ist noch eine Sache: Es geht dabei nicht nur um mich. Es geht darum, meinen Platz in diesem Leben zu finden, und damit das Leben der anderen zu verbessern. Dazu gehört für mich, mich selbst besser kennen zu lernen und mein Leben so zu gestalten, dass es mich glücklich macht. Ich will mein Bedürfnisse nach Freiheit, Lebensfreude und Kreativität ausleben, damit ich die Verantwortung meiner Familie gegenüber stärker, belastbarer und liebevoller erfüllen kann.

 

WENIGER VEREINBAREN. MEHR LEBEN: WILLKOMMEN WANDERER!

Danke, dass du hier bist. Es gibt mehr als einen Weg, um das Familien- und Berufsleben auszubalancieren.

Dieses Blog ist eine Quelle an Gedanken und Ideen für alle, die neue Wege suchen, um das Vereinbaren zu vereinfachen und sich eigene Frei(t)räume zu bewahren.
Ich hoffe, du fühlst dich hier wohl.

Erfahre mehr: Über Martamam.

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