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5 Dinge, die wir von unseren Kindern über Vereinbarkeit lernen können

Die Minimaus schlurft durch den Flur in einer überdimensionalen Regenhose, in der sie zu verschwinden droht, weil sie 6 Nummern zu groß ist und ihr deshalb auch beinahe bis zum Hals reicht. Sie hat sich diese unglaublich tolle Hose bei ihrer großen Schwester ausgeliehen. Diese Hose ist schon deshalb so unglaublich toll, weil sie eben von ihrer Schwester ist! Und jetzt wandert da diese Hose durch unsere Wohnung.

Die Minimaus watschelt und wankt und stolpert, steht wieder auf, watschelt weiter, bis zur Wohnzimmertür und dann den ganzen Weg zurück. Schlurfend, schleppend, schwankend. Sie ist unglaublich konzentriert dabei und als sie wieder an mir vorbei kommt, grinst sie breit: Ich trage die Hose meiner Schwester. Mama guck. 

In ihrem Blick liegt ein Ich habs gewusst. Geht doch.

Denn sie hat sich von mir nicht sagen lassen, dass ihr diese Hose nicht passt, dass sie damit fallen und sich weh tun wird, dass sie eigentlich gar nicht erst zu versuchen bräuchte, damit auch nur einen Meter vorwärts zu kommen. Dass das ein paar Nummern zu groß für sie ist. Ich sah sie schon fallen, meckern, verzweifeln. Die Minimaus hat zu meinem Gerede nur stur den Kopf geschüttelt und mindestens 10 Mal wiederholt Anzie. Und dann? Dann habe ich die Hose gekrempelt, gerafft, geknotet, gezogen. Et voilá – die Minimaus schlurft damit durch die Wohnung.

Sie grinst und stolpert und landet mit ihren Ärmchen um meinen Hals.

In dem Moment wird mir etwas klar.

Meine Kinder probieren die Dinge aus. Sie lassen sich nicht sagen, was geht und was nicht, sie machen es einfach! Und immer geht es dann besser als ich vermutet hätte. Und immer ist auch ganz viel Entdeckerstolz dabei und das Glück, etwas Neues geschafft zu haben.

Genauso klappt das auch mit der Vereinbarkeit, denke ich weiter, und plötzlich ist da dieser Gedanke, dass wir uns äußerst wirkungsvolle Strategien zum Thema Das Vereinbaren vereinfachen von unseren Kindern abschauen kann.

Was ich damit meine?

 

 1. Strategie – In kleinen Schritten geht es vorwärts!

Meine Kinder spielen, meine Kinder essen und sie schlafen immer dann, wenn sie es brauchen. Sie nutzen dafür auch die kleinsten Zeiträume, zwischen dem Frühstück und dem Anziehen, zwischen dem Zähneputzen und der Gute-Nacht-Geschichte, zwischen dem Anziehen der Schuhe und dem Öffnen der Fahrstuhltür.

Nur noch die Puppe ins Bett legen, das gelbe Auto einparken, den Walhai in sein neues Versteck bringen… Nachmittags schlafen sie eine kurze Weile beim Hörbuch im Sessel ein, suchen sich eine Höhle zum Verschnaufen oder kuscheln sich in einen Arm. Manchmal nur ganz kurz, dann wieder ganz lange und schon geht es weiter, mit dem Essen, Spielen, Bauen, Malen, Lesen, Singen….

Sie fragen nicht danach, ob es sich noch lohnt der Puppe die Schuhe anzuziehen, den ersten Strich für das Familienporträt zu zeichnen oder den Grundstein für den neuen Legoturm zu legen. Sie fangen einfach schon mal an.

Für mich heißt das: kleine Zeitfenster nutzen, irgendetwas schaffe ich auch in 5 Minuten – und wenn es nicht fertig wird, dann eben in den nächsten 5 Minuten und bald habe ich wieder 5 Minuten und irgendwann ist es dann doch fertig. Ich brauche nicht auf einen freien Tag oder eine freie Woche zu warten, um ein Projekt, ein Ziel oder einen Traum umzusetzen. Ich kann halbe Stunden nutzen, ganze Stunden frei schaufeln und die ersten Schritte gehen.

Ich kann damit immer schon mal anfangen. Jetzt sofort.

 

2. Strategie – Mit Pausen schaffst du alles schneller!

Meine Kinder haben ein gutes Gefühl dafür, wann sie müde sind und eine Pause brauchen. Sie machen dann einfach mal weniger, kuscheln sich in den Sitzsack, blättern ein Buch durch, sitzen am Fenster, sehen ins Grüne, schauen mir beim Wäschelegen oder Brote schmieren zu.

Eine Atempause, eine Denkpause, ein Blick, ein Lächeln, etwas trinken, einen Bissen vom Käsebrot nehmen und danach geht es weiter, mit neuen Ideen und einem neuen Spiel.

Für mich heißt das: den Energiehaushalt managen und Energielecks finden! Die besten Ideen kommen ohnehin beim Pause machen, Spazierengehen, Nichtstun. Wenn ich etwas gerade so gar nicht machen will, dann wird es ein Zeitfenster geben, zu dem es mir leichter von der Hand geht und dann ist es schneller erledigt als gedacht. Bis dahin trinke ich den Kaffee ausnahmsweise mal heiß, nehme meine Jüngste auf den Schoß, stecke meine Nase in ihr weiches Haar und schaue mir vor dem Fenster den Regen an.

Wir machen zusammen eine Pause und dann geht sie zurück zu ihren Tututs (Autos) und ich wische vielleicht doch noch den Tisch ab.

 

3. Strategie – Vergiss das Zeitmanagement!

Meine Kinder hören mich oft nicht. Sie sind dann mitten auf dem Meer auf einer Forschungsreise oder im Märchenwald mit der Hexe ins Gespräch vertieft, mit 30 Plüschtieren beim Tierarzt und alle wollen noch ein Pflaster haben oder mit Flossen und Taucherbrille in der Badewanne beim Delfinschwimmen.

Sie sind dann eben mal weg. Alles andere ist unwichtig und der Augenblick gehört ihnen ganz allein. Das nennt sich auch Flow.

Für mich heißt das: Zeit ist relativ. Ich sollte ab sofort jegliches Zeitmanagement ignorieren und meine Beziehung zu diesem Thema ändern. Keine Es ist nie genug Zeit-Mentalität mehr. Für das, was mir wichtig ist, nehme ich mir die Zeit. In Kombination mit den kleinen Schritten werde ich damit an jedem Ziel ankommen, zu dem ich will.

Und wenn ich nicht damit aufhören kann, meinen Tag in eine Stunde packen zu wollen und daran verzweifele, dass meine To do Liste so lang und mein Akku zu leer ist. Dann sehe ich meinen Kindern zu, wie sie in wenigen Minuten ganze Welten erschaffen und denke daran, dass die wirklich guten Sachen ihre ganz eigene Zeit haben.

 

4. Strategie – Folge deinen eigenen Werten!

Meine Kinder würden mir niemals glauben, dass es im Herbst schon zu kalt ist für Sandalen, dass der Regenmantel angezogen mehr Sinn macht als um den Bauch gebunden, dass Nutellabrote nicht zum Abendessen gehören und dass gekochte Möhrchen und Erbsen echt lecker sind. Sie perfektionieren den Mustermix, tragen T-Shirts als Hosen und die Nähte nach außen, sie singen ein Lied 47 Mal hintereinander (ich hab´s gezählt), ergänzen Gedichte mit eigenen Zeilen und sind davon überzeugt, dass die Zahnfee bei jedem einzelnen Wackelzahn kommt. Echt jetzt Mama. Die liebt Zähne!

Sie glauben daran, dass sie schlau und stark sind, wissen dass Papa keine Ahnung von Olchies und Hexen hat und raten Mama dringend, doch öfter mal Fritzchen-Witze zu lesen. Mindestens 30 Plüschtiere zu haben halten sie für ein Grundrecht, ihr Müsli mixen sie sich selbst und sie können Ballett tanzen, Gitarre spielen und auf dem Seil tanzen, ohne auch nur eine Stunde dafür geübt zu haben. Deshalb geben sie auch jederzeit gerne Konzerte, führen Theaterstücke auf und laden zu Zirkusvorstellungen ein.

Kurz: Sie sind ganz sich selbst. Ihre Handlungen rühren von ihren Überzeugungen her. Über sich. Über die Welt. Über das, was für sie möglich scheint.

Für mich heißt das: Ich darf meine eigene Version vom Familienalltag leben. Wer will ich als Mutter sein, welche Ziele habe ich und was ist mir wichtig? Ich darf meinen eigenen Rahmen entwerfen, entscheiden, was in mein/unser Familienleben passt, meine eigenen Regeln haben. Das schafft enorme Zufriedenheit, denn ich agiere und reagiere nicht nur. Termine verschieben, Nein sagen, Dinge von der To do –Liste nehmen, das alles führt mich unmittelbar zu innerer Balance. Ich folge meinen eigenen Werten und Vorlieben und das macht mich glücklich. Das bin ICH.

Die perfekte Balance hängt unmittelbar damit zusammen, ob ich ICH selbst sein kannst.

 

5. Strategie – Sei im Augenblick!

Meine Kinder sitzen im Halbkreis um ein Buch und sehen sich Bilder an. Sie lachen und kichern und erfinden lustige Geschichten dazu. Es ist abends kurz nach acht und ich habe sie schon viermal daran erinnert, dass sie sich ihre Schlafanzüge anziehen und Zähne putzen sollen. Um halb neun stecken sie immer noch die Köpfe zusammen und berichten sich giggelnd, was sie auf den Bildern sehen. Zwischendurch fragen sie mich nach dem Elefanten auf dem Ast im Baum und denken darüber nach, ob sie das auch könnten, so im Baum sitzen.

Sie denken nicht daran, was noch zu tun ist, dass die Gute-Nacht-Geschichten warten, dass sie schlafen müssen und dass sie am nächsten Morgen müde sein werden, wenn sie es nicht bald tun. Das ist ihnen egal. Sie sind einfach nur da, wo sie gerade sind. Im hier und Jetzt.

 Für mich heißt das: Inne halten, mich wahrnehmen, im Augenblick sein und nicht daran denken, was noch alles zu tun ist. Nur das sein und fühlen, was gerade passiert. Es tut gut, einen Schritt zurückzutreten und zuzulassen, dass der Moment einfach nur ist. Wahrnehmen und dankbar sein für das, was mich gerade umgibt. Das schafft Raum für mich und meine Gefühle.

 

Egal, worum es in deinem Leben gerade geht, ob um Mutterschaft, Gesundheit, Beziehungen, Business, Spiritualität, Geld. Wenn du das nächste Mal versuchst, einen Bereich deines Lebens zu optimieren, und deine ersten Gedanken dazu sind noch mehr Disziplin und eine bessere Zeitplanung, dann versuche stattdessen folgendes:


kleine Zeitfenster nutzen

Pausen machen

Zeit und Raum schaffen für das, was mir wichtig ist

mich an meine eigenen Werte und Ziele erinnern

Innehalten und im Augenblick sein

 

Ich bin mir sicher, wenn du deinem eigenen Weg folgst, funktioniert das Ausbalancieren und nicht du. 

 

 

PS: Wenn du dich ausgelaugt und erschöpft fühlst und viel lieber mehr von dem tun würdest, was dich erfüllt und glücklich macht, dann lass dir von mir sagen: Es gibt einen Weg, leichter durchs Familienleben zu balancieren und deine eigenen Wünsche und das Muttersein zu vereinbaren. Du kannst das haben, was dir wichtig ist! Aber nicht auf die Art und Weise, wie wir oft denken. Ich möchte dir mit meinen Beiträgen aus der Reihe „Das Vereinbaren vereinfachen“ zeigen, wie sich der Familienalltag mit weniger Anstrengung leichter ausbalancieren lässt.

PPS: Dies ist der dritte Teil aus meiner Beitragsreihe „Das Vereinbaren vereinfachen“, den ersten und zweiten Teil findest du hier und hier.

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