Familienleben
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Betreut und wählerisch

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Karlsruhe hat entschieden und die Auszahlung des Betreuungsgeldes durch den Bund für verfassungswidrig erklärt. Das Betreuungsgeld falle in die Länderkompetenz und nicht in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes. Und das deshalb, weil es nicht die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet betreffe. Nehmen Eltern zB keine außerhäusige Kinderbetreuung in Anspruch, geschehe das freiwillig und bedürfe keiner Kompensation. Und so gibt es noch einige rechtliche Erwägungen mehr, die letztlich sagen: Ländersache. Nun können sich die Länder selbst überlegen, ob sie eine Art Betreuungsgeld zahlen wollen, was in den SPD regierten Ländern wohl nicht so begrüßt werden wird, und der Bund hat wieder etwas Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, was er mit dem frei gewordenen Geld nun machen will. Und so hat das Urteil die Diskussion ums Betreuungsgeld in den Medien gerade neu entfacht. Ein guter Zeitpunkt, um auch meinen Senf dazu zu geben:

Ich halte das Betreuungsgeld schlicht für sinnlos. Ich weiß, manche Mutter fühlt sich dadurch wertgeschätzt in ihrer Familienarbeit und viele werfen in diesem Zusammenhang auch das Wort „Wahlfreiheit“ in die Runde.

Ich kann weder das eine noch das andere darin erkennen. Zum einen lassen mir die paar „Kröten“ letztlich doch keine echte Wahl. Entweder passt es in mein Lebensmodell, für meine Kinder eine Weile oder ganz aus dem Beruf auszusteigen oder eben nicht. Diese grundsätzliche Entscheidung beeinflussen € 150 herzlich wenig. Es ist allenfalls eine nette Zugabe, die manchen freut und den anderen wohl nicht schadet. Zum anderen finde ich es viel wichtiger, dass der Staat sich für ein Familien- und Gesellschaftsbild entscheidet, um damit seine Ressourcen zu bündeln und mehr Wirkung zu entfalten. Vielleicht ist das jetzt ein guter Zeitpunkt, um das Thema Familie in der Politik mal weniger ideologisch zu betrachten. In unserer heutigen Zeit gehört für mich dazu eine gleichberechtigte Partnerschaft, gleiche berufliche Chancen und Perspektiven für Eltern einschließlich familienfreundlicher Arbeits- und Lebensbedingungen sowie qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungsangebote.

Jetzt werde ich sicherlich dogmatisch, aber nach 9 Monaten Elternzeit weiß ich mehr denn je, ich gehöre ganz bald wieder in meinen Beruf und nicht nach Hause. Das ist schlicht nicht mein Leben. Meine Entscheidung für Kinder hat nichts daran geändert, dass ich einen geliebten Beruf habe und mein Mann sich genauso gut um unsere Kinder kümmern kann. Sie hat auch nichts an meiner Einstellung dazu geändert, dass Kinder ein paar Stunden am Tag auch gut außerhäusig betreut werden können und trotzdem alle glücklich sind. Und es hat nichts an meiner Philosophie geändert, dass es da noch mehr in meinem Leben gibt als Kinderbetreuung und Haushalt. Auch wenn das viel Arbeit ist – ich weiß das – so bin ich doch nicht ausschließlich Mama. Natürlich bindet das Mamasein einen großen Teil meiner Gefühle und Ressourcen. Und dennoch, ich will eine Familienpolitik, die modern und weitsichtig genug ist, um mich auch als Mutter bei meinen anderen Lebenszielen zu unterstützen.

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