Monate: Juli 2014

Ich will Erdbeertorte oder Vorurlaubsfrust

Die letzten beiden Wochen vor dem Urlaub sind bei uns immer besonders anstrengend. Mein Mann, der freiberuflich arbeitet, verschwindet bis spät nachts ins Büro und hat den Kopf für nichts anderes mehr frei. Daher hole ich die Mäuse in dieser Zeit (entgegen der sonstigen Regelung) jeden Tag von der Kita ab und organisiere die Einkäufe, Verabredungen und Abende mit ihnen allein. Die Kita veranstaltet zudem in der letzten Woche vor der Schließzeit auch noch eine sogenannte Ausflugswoche und Maus und Mäuserich sind zur Abholzeit deshalb ausgelaugt, quengelig und überreizt, kurz urlaubsreif. Ganz zu schweigen davon, dass ich keine Zeit mehr für meine eigenen Belange habe, ebenfalls urlaubsreif und entsprechend unleidlich bin. Die Urlaubsvorbereitungen mit Pack- und Einkaufslisten, letzten Besorgungen, Bestellungen und Anträgen bleiben ebenfalls an mir hängen und im Haushalt komme ich -auch schwangerschaftsbedingt- gerade gar nicht mehr hinterher. Viele Freunde sind bereits im Urlaub oder gerade erst zurückgekehrt, mein Mann momentan ein miserabler Gesprächspartner und ich fühle mich mit meinen Gedanken und Fragen daher auch verdammt allein. Zum Glück wirkt sich die generelle Ferienzeit bei mir im Büro aus und es wird wenigstens hier ruhiger. Das ändert allerdings nichts daran, dass ich meine Arbeitszeiten einhalten muss und durch die …

Ich erziehe meine Kinder nicht, ich lebe mit ihnen

So oder ähnlich lassen sich die Aussagen von Jesper Juul in Bezug auf das Leben mit Kindern zusammenfassen. Ich mag die entspannte Art des dänischen Familientherapeuten, mit der er alle Fragen rund ums Elternsein beantwortet. Einmal habe ich ihn in einer Veranstaltung live erlebt und ansonsten habe ich seine Bücher verschlungen (da fällt mir ein, ich sollte unbedingt  eines davon in meine Lesetipps aufnehmen). So manchen inneren K(r)ampf um den pädagogisch sinnvollen, konsequenten, Grenzen setzenden oder kurz gesagt richtigen Umgang mit meinen Kindern habe ich Dank seiner überzeugenden und klugen Ansichten aufgeben können. Die Grundaussage all seiner Bücher ist für mich, dass man eine individuelle Beziehung zu seinen Kindern hat, dass man darin authentisch und verantwortlich agieren muss und dass man die Integrität seiner Kinder nicht verletzen darf. Für die Pädagogik sind hingegen die Kitas und die Schulen zuständig. Und eine weitere Schlüsselerkenntnis war für mich sein Satz, dass Kinder viel mehr Aufmerksamkeit einfordern als sie wirklich brauchen. Mich haben die Grundsätze von Jesper Juul (sehr schön auch anhand konkreter Alltagsbeispiele nachzulesen in „Vier Werte, die Kinder ein Leben lang tragen„) sehr entlastet …

Sommerliche Vorfreude

Das Wochenende war fantastisch. Die Sonne schien und wir hatten überraschend jede Menge Zeit, weil uns eine Freundin abgesagt hatte, die Wohnung (ausreichend) sauber, die Wäsche im Schrank und der Einkauf schon am Tag vorher erledigt war. Und so standen wir vor diesem wunderbaren Sommertag und hatten keine Pläne. Wir haben kurzerhand das gesamte Equipment für einen ausgedehnten Strandtag mit Kindern eingepackt und sind mit der Fähre zum großen, neuen Wasserspielplatz geschippert. Maus und Mäuserich haben begeistert am und im Wasser getobt, mein Mann hat von irgendwoher sogar noch Eis und Latte Macchiato organisiert und so saßen wir dann zu zweit auf einer Bank im Schatten und sahen den Mäusen beim Plantschen zu. Auf einmal war sie da -eine entspannte, leichte Ferienstimmung- und unsere Vorfreude auf den kommenden Sommerurlaub am Meer mit jeder Menge Zeit, Eis und Sonnencreme wuchs. Abends sanken Maus und Mäuserich dann erschöpft und zufrieden in ihre Kissen und die Maus flüsterte mir kurz vor dem Einschlafen noch zu: „Das war ein schöner Tag, Mama.“.  

Die Verdinglichung des Lebens

Da ist wieder so ein Satz, den ich vor Wochen einmal in einem Artikel gelesen hatte und der mir immer noch im Kopf herumspukt. Es ging (mal wieder) ums „Kinderkriegen in der zweiten Lebenshälfte“ und einer der Schlüsselsätze darin war für mich von Prof. Johannes Huinink. Er gab aus soziologischer Sicht zu bedenken, dass ein Kind für späte Eltern oft die letzte Möglichkeit sei, der Verdinglichung des Lebens zu entgehen – der Selbstdefinition allein über Leistung und Besitz. Darüber denke ich manchmal nach, wenn ich mich mit Freunden unterhalte, die mit dem Kinderwunsch abgeschlossen haben oder sich nicht entschließen können, den Kinderwunsch endlich umzusetzen. Verdinglicht das Leben ohne Kinder tatsächlich? Oder umgekehrt gefragt, bin ich weniger besitz- und leistungsorientiert seitdem ich Kinder habe? Für mich persönlich muss ich zugeben, dass ich vor meiner Zeit als Mama viel öfter shoppen war, weitestgehend deshalb gearbeitet habe, um Geld zu verdienen und mich mehr um Einrichtungs- und Stilfragen gekümmert habe als ich es jetzt tue. Ich habe allerdings auch vorher schon Werte wie Freundschaft, Bildung und Freiheit als existenziell empfunden. …

Pst, unsere Nachbarinnen wollen lesen…

Unsere Nachbarinnen auf der Etage direkt gegenüber fand ich bislang ganz nett – wohl auch, weil ich sie kaum sehe. Eine von beiden sehe ich tatsächlich sehr selten und wenn, dann stürmt sie grußlos an uns vorbei. Die andere ist da schon etwas kommunikativer. Dieses Wochenende haben wir uns sogar überraschend häufig gesehen. Ihre Themen beim Aufeinandertreffen waren nur leider die lärmleitenden Metallfenster (Häh?), die Hitze unterm Dach (okay, da sollte man im Sommer schon mal die Außenrollos schließen) und der Lärm von Maus und Mäuserich im Hausflur (Oh je). Sie versuchte das ganz nett zu machen, wirklich. Sie kam aus ihrer Wohnungstür als wir gerade gehen wollten und wies meinen noch nicht ganz 3jährigen Mäuserich darauf hin, dass er so laut sei, wie ihre Klingel bei offener Tür, was sie uns dann auch gleich einmal demonstrierte. Sie sah ein weiteres Mal an diesem Wochenende aus der Wohnungstür als wir gerade wieder heimkamen und wies den Mäuserich darauf hin, dass das Treppengeländer die Geräusche in ihre Wohnung leite. Und sie sah am folgenden Tag wieder aus ihrer Wohnungstür als der Mäuserich gerade versuchte seine sandigen Schuhe vor der Wohnungstür auszuziehen …

Schnullerfeen und andere zauberhafte Wesen

Der Papa findet, unser Mäuserich braucht keinen Schnuller mehr! Ich bedauere das fast ein wenig, denn bisher war der Schnuller das ideale Beruhigungsmittel in Situationen mit hohem Frustrationspotential. Der Mäuserich sieht das ganz ähnlich, denn wenn etwas nicht so klappt wie gewünscht, verlangt er nach dem Schnuller: „Ich brauche den Schnuller!“. Natürlich hat der Papa Recht. Für die Zähne ist es besser ohne Schnuller und alt genug ist der Mäuserich mit fast 3 Jahren inzwischen auch. In der KiTa kommt er sogar schon ganz ohne den Schnuller aus, auch beim Mittagsschlaf. Also beschließen wir, die Schnullerfee kommt uns besuchen. Der Mäuserich sucht sich auch etwas aus, was die Schnullerfee bringen soll – ein grooooooßes Polizeiauto- und nach mehrfachen Ankündigungen werden dann eines Abends die noch verbliebenen 4 Schnuller gemeinsam in einem Kästchen verpackt und der Schnullerfee zum Tausch angeboten. Wir stellen das Kästchen vor die Wohnungstür, denn es soll nicht der Eindruck entstehen, die Schnullerfee oder vergleichbare Wesen hätten ungehinderten Zutritt zu unserer Wohnung (das ist etwas, was unsere Maus eher verängstigt als beruhigt) und dann kann der „Entzug“ beginnen. Der …

Dreimal Namenssuche

Die Namenssuche wird auch beim dritten Mal nicht einfacher. Wen überrascht das? Mich etwa? Ich bin nach wie vor von der Namensflut in Büchern und im Internet überfordert und mein Mann ist auch der Gleiche geblieben. Er vertritt die Ansicht, man müsse das Kind erst sehen, um sich festlegen zu können. Immerhin konnte ich ihm die letzten beiden Male abringen, dass wir uns im Vorfeld auf maximal zwei Namen einigen. Wir haben uns dann jeweils im Kreissaal erst für einen der Namen entschieden, was meine Hebamme jedes Mal zum Lachen brachte, denn Sie ist der Meinung, man habe für diese Überlegungen immerhin 9 Monate Zeit gehabt. Da hat sie nicht ganz Unrecht, aber wenn mein Mann das Kind doch erst sehen will? Ich bin mir ganz sicher, er würde am liebsten sogar die gesetzlich zulässige Monatsfrist für die Namensvergabe ausschöpfen, um das Kind vor der Entscheidung noch ein wenig kennen zu lernen. Damit könnte ich keinesfalls leben. Aber auch die Festlegung auf zwei Namen ist bei uns ein lang andauernder und manchmal nerviger Prozess. Ich weiß nicht, ob …

Gruppenreise oder „“Slipping Through My Fingers“

Die Maus ist auf einer Gruppenreise. Wir haben sie gestern früh verabschiedet, nachdem ich den Abend vorher die meiste Zeit gepackt hatte. Es gab eine lange, lange Liste. Alles sollte tageweise in einzelnen Tüten verstaut und mit dem Namen versehen sein. Das Equipment für drei Tage ist umfangreich und reicht von Schlafsack, Kuscheltier und Taschenlampe über Fahrradhelm fürs Ponyreiten bis hin zu Impfausweis und Proviant für den ersten Tag. Ganz zu schweigen von den Erklärungen für verschiedenste Eventualitäten, die wir unterschreiben mussten. Ich habe gepackt und geheult dabei. Zum Glück war ich allein. Maus und Mäuserich schliefen schon und mein Mann kam erst spät aus dem Büro. Ihn hätten meine Tränen noch nervöser gemacht als er ohnehin schon war, denn er kann gerade nicht aufhören, sich auszumalen, was der Maus auf der Gruppenreise alles passieren kann. Ich kann gut loslassen. Eigentlich! Ich glaube auch nicht, dass ihr wirklich etwas passiert, dort auf dem Bauernhof, der explizit für KiTa-und Schulgruppenreisen konzipiert ist und nur eine halbe Autostunde von uns entfernt liegt. Die Betreuerinnen kennen wir seit Jahren und ich habe noch nie so …

Himbeereis

Bei uns um die Ecke hat eine neue Eisdiele eröffnet. Sie ist ein Traum. Es gibt Eis und Kuchen aus eigener Produktion und seit dem Eröffnungstag bildet sich nachmittags eine lange Schlange bis vor den Laden. Es gibt täglich wechselnde Eissorten und bis auf das obligatorische Schokoladeneis findet man immer wieder neue Sorten. Am liebsten mag ich das Himberreis und meine Maus hat Stracciatella und das „Muh“-Eis für sich entdeckt. Der Mäuserich mag „Schoku“ in der Waffel. Mango und Pfefferminze sind auch nicht schlecht und überhaupt esse ich mich gerade durch alle Sorten durch. Einziges Problem dabei ist, dass die neue Eisdiele auf dem Weg zur KiTa liegt. Wir kommen täglich zweimal daran vorbei und haben bei diesem Wetter auch keinen wirklichen Grund, auf dem Heimweg nicht dort einzukehren. Ach, was soll es? Ich liebe das Himberreis-, Gute Laune-, Sommer-, Sonnen-Gefühl. ….

Großvater im Stau und ein verliebter Patenonkel

Was haben ein Großvater im Stau und ein frisch verliebter Patenonkel gemeinsam? Ganz kurz: Sie kommen nicht zum Familienfest. Okay, ich erkläre das gerne mal etwas ausführlicher: Nun ja, der Großvater ist nicht unser Großvater sondern gehört zur Familie einer Freundin. Er hatte sich -obwohl noch dynamisch und keineswegs gebrechlich- geweigert, ausnahmsweise einmal die innerstädtische S-Bahn zu nehmen, um zum Geburtstag seiner einzigen Enkeltochter zu kommen. Die Straßen waren wegen eines Straßenfestes gesperrt und er kam nicht aus der Tiefgarage. Also war seine logische Konsequenz, dass er den Geburtstag verpasst. So traurig diese Entscheidung sein mag, um so erhellender fand das mein Mann in Bezug auf meine Familie. Ich hatte schon einmal geschildert, dass er sich Sorgen macht, weil meine Mutter mit ihrem Lebenspartner zu uns in die Nähe ziehen wird. Er befürchtet einerseits zu viel Einmischung, was in meinen Augen unbegründet ist. Andererseits sieht er auch die Vorteile für uns. Und das erst recht, nachdem er von der Einstellung des besagten Großvaters erfuhr. Mein Mann meinte dazu, meine Familie sei für ihn zwar manchmal nervig und anstrengend, aber …