Monate: Mai 2014

Selbstbestimmte Zeit

Ich saß auf dem Heimweg von der Arbeit in der S-Bahn und blätterte in einer Zeitschrift. Bei den Stichworten „Entschleunigung“, „Zeit“ und „Muße“ blieb ich hängen. Ich las, dass unser Zeitempfinden und das Gefühl von Zeitmangel und Stress ganz entscheidend davon abhängen würden, wie selbstbestimmt wir unsere Zeit verbringen können. Dabei spiele es keine Rolle, was man in dieser Zeit mache. Frauen empfänden mehr Druck und Zeitmangel als Männer. Und dies ganz unabhängig davon, ob sie Mütter seien oder nicht. Und zwei Seiten weiter las ich einen kleinen Abschnitt dazu, dass diejenigen von uns, die an den freien Willen glauben und daran, dass sie ihr Leben selbst gestalten können, am glücklichsten seien. Das ist es, dachte ich. Deshalb habe ich mein Promotionsprojekt so geliebt und nicht als Druck empfunden. Ich hatte das Vorhaben selbst bestimmt. Die Zeit, die ich damit verbrachte, war meine Zeit – selbst geplant und selbst mit Inhalten gefüllt. Ich hatte einen Tag in der Woche, der nur mir gehörte. Den ich mit der Promotionsarbeit füllen konnte (was ich meistens tat) oder mit Faulenzen, …

Lieblingsbuch

Mein absolutes Lieblingsbuch – weil schwanger und mit unausgelebtem Redebedarf zu diesen Themen- ist derzeit „Die Wahrheit übers Kinderkriegen. Eine Hebamme klärt auf“ von Livia Görner. Wer wie ich nicht zum ersten Mal Mutter wird und auch noch recht pragmatisch veranlagt ist, wird dieses Buch sehr mögen. Mir beschert es gerade ganz viele Aha-Erlebnisse, Spaß und einiges Aufatmen. Viel Spaß beim Lesen

Wie hast Du das nur geschafft? (Promovieren mit Kindern)

„Wie hast Du das nur geschafft?“, fragte mich eine langjährige Freundin am Telefon als ich ihr von der kürzlich bestandenen Promotionsprüfung berichtete. Ich kann das gar nicht richtig beantworten, denn es hat immerhin beinahe 4 Jahre gedauert und irgendwann war die Zeit herum und die Promotion fertig. Na gut, ganz so simpel war es auch nicht. Ich hatte einige sehr gute Voraussetzungen dafür. Und weil ich soeben gerade schon über Lebensziele schrieb und vielleicht auch andere solche Pläne mit sich herumtragen, will ich dazu mal ausführlicher werden: Ich hatte und habe einen Mann, der das Projekt Promotion toll fand und es tatkräftig unterstützt hat (er wird wohl außer den beiden Gutachtern der einzige Mensch bleiben, der meine Arbeit vollständig gelesen hat und das auch noch mehrfach). Ich hatte einen sehr netten und verständnisvollen Doktorvater, der mit mir ein Thema gewählt hat, dass nicht zeitkritisch war. Ich hatte einen Arbeitsplatz, dessen Aufgabenbereich zum Promotionsthema passte und meine geistigen Ressourcen nicht vollständig aufgefressen hat. Ich hatte Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten, keinen inneren Zeitdruck und daher an der Promotion gearbeitet, wie andere ihr …

Ziele, Veränderungen und das Glück

Ich habe mich neulich mit einer sehr guten Freundin unterhalten, die gerade auf der Suche nach dem weiteren Weg für ihr Leben ist. Ihre Bilanz lautete: Da sind eine langjährige Beziehung, eine vage Familienplanung und derselbe Arbeitsplatz seit 13 Jahren. Und sie sei unglücklich, weil sie sich zu nichts entschließen könne, weder zu einem Stellenwechsel, noch zu einem Kind, noch zum Heiraten, noch zur Trennung. Das sind nun keine einfachen Schritte und dazu würden eine gehörige Portion, Zuversicht, Stärke und Gelassenheit gehören. Das ist mir klar. Sie spricht mit mir seit beinahe 5 Jahren vor allem auch über Kinder und hatte einmal ganz konkret gesagt, sie wolle ein Kind, bald. Da war meine Maus 1 Jahr alt und ich wechselte gerade die Arbeitsstelle und begann zu promovieren. Als ich mit dem Mäuserich schwanger war, wollte sie ganz bestimmt ein Kind, ihr Freund wollte eins, es sah alles nach konkreter Familienplanung aus. Ich freute mich für die beiden und sah uns schon bald gemeinsam auf dem Spielplatz Kaffee trinken (ja, ja ein Klischee, aber manchmal klappt es tatsächlich und dann ist …

Späte Eltern

Ich habe mich nie so gefühlt, aber seit unseren Überlegungen zu einem dritten Kind weiß ich es. Ich bin eine „späte Mutter“. Mein Mann ist 8 Jahre älter als ich und also schon lange ein „später Vater“. Wir sind „späte Eltern“. Ich habe mit 33 die Maus und mit 36 den Mäuserich bekommen. Das dritte Mäuslein wird zur Welt kommen, wenn ich 39 bin. Das ist knapp unter der 40. Für viele die absolute Altersgrenze in der Kinderfrage, wenn ich sie nicht gar mit 35 schon längst überschritten hatte. In manchen Foren zum Thema gelte ich mit 39 schon als alt und meine Schwangerschaft gleicht einem 6er im Lotto. Ich habe zum Glück einen klugen und sensiblen Gynäkologen, der mich als Antwort auf meine Fragen zu den Chancen und Risiken einer dritten und soooo späten Schwangerschaft nicht auf allgemeine Statistiken sondern auf meine ganz persönlichen Voraussetzungen verwiesen hat. Ich sehe ein, dass die Fruchtbarkeit mit dem Alter sinkt und ich weiß auch, dass in meinem Alter statistisch gesehen eine höheres Risiko für ein Kind mit Behinderungen besteht. …